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Adverbs of illocutionary modification and sociolinguistic variation
This study investigates the properties of a set of Italian adverbs (among others: pure ‘also’, solo ‘only’, un po’ ‘a bit’) that, in specific contexts of use, modify the speech acts in which they appear. On the one hand, these elements specify the way in which a speech act should be interpreted with reference to the specific interactional context, modifying its illocutionary force. On the other hand, they index presupposed/inferred meanings active in the common ground of the interaction, integrating the speech act in the common ground. These functions closely resemble those of the elements that, especially in the German linguistic tradition, are called modal particles. Drawing on original data from Italian – both from the standard language and regional varieties – the goal of the study is to describe the synchronic features of these elements and to explain the emergence of the modal uses. For this purpose, it jointly employs theoretical notions of pragmatics (speech act theory, inferences in interaction), models of language change (reanalysis and conventionalization) and the descriptive tools of sociolinguistic approaches. Through the presentation of four case studies, integrating corpus and questionnaire data, the present work gives a thorough analysis of the modal functions and the contexts of use of the adverbs under investigation: it explores their role at the semantics/pragmatics interface, it discusses their place in a layered model of grammar and it examines their distribution across different language varieties
How many types?
This paper examines co-occurrence restrictions involving oblique dom in (standard and leísta) Spanish and Romanian. Even a limited set of data reveals at least six puzzles, some of which are novel, ranging from differences in the syntactic behavior of oblique dom on clitics as opposed to full DPs to unsystematicity of repair strategies. It is shown that the narrow local domain where the relevant ([person]) features are licensed plays a role in these patterns, beyond the split Agree/Case.50th Linguistic Symposium on Romance Language
Frieden! Einleitende Gedanken zu Romain Rollands Pazifismus und seinem Einfluss auf Weggefährten und nachfolgende Generationen
Romain Rollands Schriften über Frieden und Menschlichkeit sind im auch 21. Jahrhundert noch aktuell, können sie doch Wege zu einem friedlichen Miteinander aufzeigen.
Der Begriff des Pazifismus ist in Bezug auf Romain Rolland allerdings nicht ganz unproblematisch. Sein Pazifismus appelliert in erster Linie an das moralische Bewusstsein des Einzelnen, das sich im privaten Bereich in einem verständnisvollen Zusammenleben und freundschaftlichen Austausch mit Menschen unterschiedlichster Herkunft und Denkweise äußert, und weniger in einem strategischen Denken, das sich konkret in die politische und gesellschaftliche Praxis umsetzen lässt. Auch wenn Romain Rollands Positionen vor dem Hintergrund der wechselnden politisch-ideologischen Stimmungen und seiner mitunter durchaus schmerzhaften Erfahrungen mit den Intellektuellen und Politikern seiner Zeit gewisse Widersprüche und Inkonsistenzen aufweisen, blieb er sich in seinen tiefsten Überzeugungen doch stets treu. Romain Rollands idiosynkratischer und unideologischer Pazifismus ist letztlich Ausdruck eines zutiefst humanistischen Friedenswillens.
Die in diesem Band versammelten Beiträge stellen verschiedene Protagonist*innen kriegskritisch-pazifistischer Diskurse vor und loten dabei Romain Rollands Bedeutung für diese aus. Gezeigt wird ferner die Strahlkraft seines Denkens auf Zeitgenossen und Persönlichkeiten folgender Generationen
Serenade in I-Major. Autofictional Rule and Media in Justo Navarro’s Finalmusik
Ausgehend von Justo Navarros Auseinandersetzung mit der Übersetzung und seinem Vorwort zu Manuel Albercas Studie zur Autofiktion schlägt dieser Artikel eine autofiktionale Lesart von Navarros Werk Finalmusik (2007) vor. Dabei erweist sich nicht nur, dass dieses Werk in jenem ‘Niemandsland’ zwischen autobiographischen und romanesken Modi literarischer Produktion und Rezeption situiert werden sollte, in dem auch Alberca das autofiktionale Schreiben lokalisiert, sondern dass Navarro in Finalmusik gleichzeitig mit ironischer Distanz den Zusammenhang zwischen der Autofiktion und der Welt des Medialen und neoliberalistischen Subjektentwürfen herstellt und reflektiert. Insofern ist das Werk als hedonistischer ‘Abgesang’ auf eine Epoche konzipiert
Inszenierte Mündlichkeit. Sprechsprachliche Elemente in Komödien und Zwischenspielen des 17. Jahrhunderts
Bekanntlich überdeckt die schriftliche Überlieferung der frühen Neuzeit spezifische Merkmale der Mündlichkeit im norddeutschen Sprachraum auf doppelte Weise, einmal generell bedingt durch die Differenz von Merkmalen der geschriebenen und der gesprochenen Sprache und einmal bedingt durch die medial gebundene Diglossie mit der Nutzung des Niederdeutschen ganz überwiegend als gesprochene Sprache und des Hochdeutschen als geschriebene Sprache. Mit der gegebenen medialen Verteilung der beiden Sprachen korrespondieren funktionale Unterschiede wie auch Unterschiede in der Bewertung. Das Hochdeutsche hatte als Sprache im offiziellen und öffentlichen Raum auch im mündlichen Gebrauch an Prestige gewonnen, während das Niederdeutsche, mehr und mehr auf den inoffiziellen und privaten Raum beschränkt, zunehmend einer Stigmatisierung ausgesetzt war. Durch die hochdeutsche Schriftlichkeit bleiben regionale, soziale und funktionale Differenzierungen der gesprochenen v. a. niederdeutschen Sprache in der Regel verborgen. Eine Rekonstruktion historischer Mündlichkeit im norddeutschen Raum hat genuin drei Aufgaben zu erfüllen, erstens sprechsprachliche Merkmale sowohl im regionalen Hochdeutschen als auch im Niederdeutschen aufzudecken, zweitens die Funktionen der Varietäten und Register zu beschreiben und drittens die Verbindung von Merkmalsausprägung und Bewertung zu ermitteln. Frühere Ansätze zur Rekonstruktion historischer Mündlichkeit beschränken sich überwiegend auf die Aufgabe, spezifische Merkmale der gesprochenen Sprache als sprechsprachliche Spuren in schriftlich fixierten Texten zu ermitteln (vgl. zu den Reflexen gesprochener Sprache Betten 2000; Grosse 2000; Bischoff / Peters 2000; zum Analysedesign vgl. Langer / Havinga 2015, 11; Zeman 2013, 387; Hennig 2009, 14 f.). Um unter soziolinguistischer Perspektive auch Funktionen und Bewertungen in die Analyse einbeziehen zu können, wurde ein strikt empirisch ausgerichteter Ansatz entwickelt, der nach dem Vorbild des Linguistic Landscaping darauf abzielt, möglichst vollständig eine historische sprachliche Landschaft zu rekonstruieren (vgl. Schröder 2015a). Dabei wird insbesondere auf die Auswahl der Quellen abgehoben. Als geeignet für die Datenerhebung wurden u. a. literarisch-performative Texte in den Blick genommen, die mündlich realisierte Praktiken wiedergeben, wie z. B. Theaterspiele oder auch Opern und Gelegenheitsgedichte (Schröder 2015a, 218f.). Auch wenn nicht davon ausgegangen werden kann, dass sie Sprachwirklichkeit 1 : 1 abbilden (vgl. Macha 2001, 482), sind sie für variationssensitive Analysen besonders interessant, da neben nach Parametern wie Ort oder Zeit bestimmbaren Varietäten auch Register als funktions- und situationsspezifische Sprechweisen unterschieden werden können, die der Notwendigkeit gerecht werden, auf bestimmte kommunikative Anforderungen einzugehen und adäquate Stilebenen zu wählen. Variations- und Kontaktphänomene in fingierter Rede können auch als stilistische Zuschreibungen zu bestimmten Sprechergruppen interpretiert werden. Sie implizieren Spracheinstellungen (vgl. Neuland 1993, mit Blick auf historische Varietäten Sairo / Palander Collin 2012), da Prestige und Stigmatisierung einer sozialen Gruppe auch durch die jeweilige Sprachform indiziert werden. Somit handelt es sich bei der Sprachwahl in Schauspielen auch unter diesem Gesichtspunkt nur bedingt um eine realistische Wiedergabe der sprachlichen Verhältnisse. Vielmehr gehen mit der sprachlichen Ausstattung auch Typisierungen und Zuspitzungen in der Charakterisierung der Dramenfiguren einher (vgl. Schröder 2015b, 205), und es werden durch Übertreibungen komödiantische oder verfremdende Effekte angestrebt (vgl. Wilcken 2015, 191). Im Folgenden soll das sprachliche Repertoire von Figurenreden in Schauspielen des 17. Jahrhunderts beschrieben werden. Dabei ist zu diskutieren, (1) inwiefern es von spezifischen sprechsprachlichen Merkmalen geprägt ist und (2) ob und auf welche Weise der variative Befund ikonisch einer Charakterisierung der Dramenfiguren dient und somit die Sprachwirklichkeit überlagert. Als Grundlage der Analyse sollen die niederdeutschen Zwischenspiele im Drama „Perseus“ des Hamburger Theologen Johann Rist von 1634 (Edition: Mannack 1967) und die niederdeutsche Komödie „Teweschen Hochtiet“ eines anonymen Autors von 1640 (Edition: Elmentaler 2018) dienen, die beide in Hamburg entstanden sind. Sie bieten das Material für eine vergleichende soziolinguistische Untersuchung sprechsprachlicher Merkmale und ihrer möglichen Funktionen bei der Charakterisierung der Dramenfiguren. Nach einem Überblick über die bisherigen Forschungsergebnisse zu Hamburger Zwischenspielen und Komödien des 17. Jahrhunderts sollen exemplarisch der variative Gebrauch von Personalpronomen und Klitisierungen bzw. wortübergreifende Kontraktionen analysiert werden, und ihre Nutzung durch einzelne Dramenfiguren soll beschrieben werden.1 Historische Mündlichkeit – Möglichkeiten ihrer Rekonstruktion
2 Hamburger Komödien und Zwischenspiele in der Forschung
2.1 Die Dramen in der älteren Forschung
2.2 Sprachliche Rollenausstattung bei Johann Rist
2.3 Teweschen Hochtiet
2.4 Fazit zum Forschungsstand
3 Analysen
3.1. Personalpronomina
3.2 Klitisierungen und mehrgliedrige Kontraktionen
3.2.1. Gesamtbestand der Klitisierungen und mehrgliedrigen Kontraktionen
3.2.2 Präposition-Artikel- Enklise
3.2.3 Verb-Pronomen-Klisen
4. Zwischenspiele und Komödien als Spiegel gesprochener Sprache?
Literatu
Writing After Death: Posthumous Autofiction and Authorship in João Paulo Cuenca’s Descobri que estava morto
Der brasilianische Schriftsteller João Paulo Cuenca hat im Jahr 2015 mit dem Roman Descobri que estava morto einen Text veröffentlicht, der eine „skandalöse“ Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod im Medium der Autofiktion zum Gegenstand hat. Der „Tod des Autors“ ist jedoch hierbei nicht nur auf der Ebene der Romanhandlung das zentrale Thema, sondern ist auch auf der Ebene metaliterarischer Reflexion zu berücksichtigen. Nachdem der Erzähler J. P. Cuenca damit konfrontiert wird, fälschlicherweise für tot erklärt worden zu sein, steuert er im Zuge einer schriftstellerischen und identitären Krise auf seinen eigenen Tod hin. Der vorliegende Artikel arbeitet heraus, wie der Roman verschiedene Konzepte von Autorschaft inszeniert und zu deren kritischer Hinterfragung einlädt. Schließlich wird das spielerische Self-Fashioning von João Paulo Cuenca beleuchtet, der auf den autofiktionalen Diskurs zurückgreift, um gegenüber dem Literatur- und Kulturbetrieb eine subversive „posture“ einzunehmen
Historisches Norddeutsch: Zur Rekonstruktion sprachlicher Heterogenität im 18. Jahrhundert
Die historische Rekonstruktion sprachlicher Heterogenität stellt sich als komplexe Aufgabe dar, wenn auch das mündliche Repertoire mit seinen regional verankerten Merkmalen einbezogen werden soll.
Die schriftliche Realisierung verdeckt in der Regel die Ausprägungen der gesprochenen Sprache sowohl hinsichtlich der laut lichen Realisierung wie auch hinsichtlich regionaler grammatischer Merkmale.
Ausgehend von einem Modell zur Rekonstruktion historischer Mündlichkeit soll die sprachliche Vielfalt im Norddeutschen des 18. Jahrhunderts und insbesondere des Hamburgischen zwischen Hochdeutsch und Niederdeutsch aufgedeckt werden. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei sprachlichen Kontakt- und Substratphänomenen, auch mit Blick auf die in zeitgenössischen metasprachlichen Äußerungen formulierten Normhorizonte für gesprochene Sprache.1 Einführung
2 Rekonstruktion historischer Mündlichkeit: Modell und Methoden
3 Empirische Basis: Textrepertoire
4 Das Varietätenspektrum in der zeitgenössischen Wahrnehmung: Metasprachliche Quellen
5 Normhorizonte und Beschreibung sprachlicher Strukturen: Sprachreflexive Quellen
6 Zuschreibungs- und Bewertungspraxis: Publizistische Quellen
7 Strukturmerkmale des Missingsch: Literarisch-performative Quellen
8 Sprachliche Heterogenität im Norddeutsch des 18. Jahrhunderts
Literaturangaben
Primärliteratur
Sekundärliteratu
Ein Überblick
“Was der Kampf um die Freiheit nicht alles möglich macht: Der eine wird General, der andere Dichter.” So spricht in dem Film Fünf Patronenhülsen (1960) ein namenloser deutscher Interbrigadist im Schützengraben der Ebrofront, als im Gepäck eines vermissten Kameraden dessen selbst verfasste Gedichte gefunden werden. Das Drehbuch hatte der ehemalige Interbrigadist Walter Gorrish verfasst, der an dieser Stelle nicht nur das kommunistische Idealbild vorführt, wonach einem Mann aus dem Volk im Sozialismus gänzlich neue Horizonte offenstehen, von der Führung einer Armee bis zum Ausleben künstlerischer Kreativität. Mehr noch: Im folgenden Wortwechsel adelt er gleichsam offiziell den Kunstwillen des Volkes. Denn der Kommandant der Einheit ordnet nun die Suche nach den hinter feindlichen Linien versprengten Soldaten mit den Worten an: “Sieben Genossen, und einer, der Dichter werden will. Dafür lasse ich die Sierra umkrempeln, Stein für Stein.” Überdeutlich und voller Pathos beschwört die Szene die Wertschätzung, die der Literatur für das Selbstbild der Interbrigadisten wie auch für die Propagierung der eigenen Sache nach außen hatte – und zwar sowohl im historischen Moment der späten 1930er Jahre, als auch in den Jahrzehnten danach, als in der DDR die Mythisierung des antifaschistischen Kampfes in Spanien gleichsam Teil des staatlichen Selbstverständnisses wurde. Die folgenden Seiten behandeln die Folgen dieser zweischneidigen Wertschätzung in der deutschsprachigen Literatur, die einerseits eine kaum zu überschauende Menge an Texten hervorgebracht hat, deren ideologische Vereinnahmung andererseits mit ästhetischen Limitierungen einher ging. Diesem Spannungsfeld möchte ich mich vor allem widmen
Introduction : L’autofiction, quel scandale !
Der Beitrag geht von der Frage aus, weshalb Doubrovskys Konzept der Autofiktion ein literaturtheoretisches Skandalon darstellt. Als hybrides Konzept, das die scheinbar wohletablierte Trennung zwischen autobiographischem und fiktionalem Erzählen in Frage stellt, löste Doubrovskys Vorschlag nachhaltige Irritationen bei führenden Theoretikern der Autobiographie aus. Es wird gezeigt, auf welche Weise die Kritiker der Autofiktion in einer häufig sehr emotional geführten Debatte essentialistische Begriffe von ‚Wahrheit‘ und ‚Lüge‘ an die Stelle von ‚Autobiographie‘ und ‚Roman‘ setzen und die Debatte aus dem Bereich der Narratologie in den der Ethik überführen. An Doubrovskys spezifische Definition von ‚Fiktion‘ erinnernd, wird im Folgenden, gegen Vincent Colonnas Aufweichung des Autofiktionsbegriff, für die engere Definition von Claudia Gronemann plädiert. Es wird zudem daran erinnert, dass Autofiktionen durch indiskrete und ‚skandalöse‘ Inhalte zwar ein ethisches Problem darstellen können, dies jedoch keine Prärogative autofiktionalen Schreibens ist. Zuletzt wird in knappen Zügen die Entwicklung der Autofiktion von psychoanalytischer Diegese zu intermedialer Mimesis (Jutta Weiser) bis hin zur Autor-Fiktion skizziert
Die Ideologisierung eines Begriffs. Romain Rollands Abkehr vom Pazifismus
Romain Rollands pazifistische Haltung „über den Dingen“ ging Hand in Hand mit seiner Germanophilie und seiner Liebe zur deutschen Kultur. Als Beobachter der deutsch-französischen Beziehungen in der Zwischenkriegszeit war sich Romain Rolland jedoch bewusst, dass diese Mischung aus Pazifismus und Germanophilie im Gegensatz zu einigen französischen Intellektuellen, die sich seit 1923 für die Aussöhnung der beiden Völker einsetzten, ab Januar 1933 zu einer gefährlichen Verharmlosung der deutschen Diktatur führen konnte. Daher der öffentliche Brief vom 9. April 1933, in dem Romain Rolland seine Leser vor Rassismus und Antisemitismus in Deutschland warnte; dieser Brief nahm in der Tat die Unterstützung vorweg, die er Édouard Daladier bei der Kriegserklärung Frankreichs an Deutschland im September 1939 zukommen lassen würde. Hatte Romain Rolland damit den Pazifismus aufgegeben oder gar verraten? In unserem Artikel geht es darum zu zeigen, dass Romain Rolland den Pazifismus nicht verriet, sondern vielmehr diejenigen anprangerte, die diese Haltung als Anpassung an die Diktatur betrachteten