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Mitteilungen des Deutschen Hispanistenverbands e.V.
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Qvatuor Evangeliorum versio Saxonica. Ein Exempel mittelniederdeutscher Bibelübersetzung aus dem 15. Jahrhundert
Während des gesamten Mittelalters wurde für die Übersetzung biblischer Texte eine möglichst enge Anlehnung an die sprachliche Gestaltung des Ausgangstextes gefordert, die häufig zu einer Wort-für-Wort-Übersetzung führte. Eine solche Methode wurde bevorzugt, weil „a. die Gedanken des Originals nicht verändert werden dürfen, b. Demut und Bescheidenheit des Übersetzers verlangen, das Original unangetastet zu lassen, c. dem Übersetzer keine ketzerischen Ansichten vorgeworfen werden sollen.“3 Dies gilt insbesondere auch für die Übersetzung der lateinischen Bibel in die Volkssprache. Die Vulgata wurde zum unverfälschten Wort Gottes erhoben, das in ihr als Mysterium hervortritt, dem man sich nur annähern kann, indem der Text nach dem vierfachen Schriftsinn ausgelegt wird. Eine solche Schriftauslegung hatten die Kommentatoren zu leisten, den Übersetzern hingegen wurde die Aufgabe zugewiesen, einen sprachlichen Zugang zum Original zu ermöglichen, zunächst vor allem durch Glossen und Interlinearversionen. Wie ein solches Programm im ausgehenden 15. Jahrhundert in die Praxis umgesetzt wurde, gilt es im folgenden am Beispiel einer mittelniederdeutschen Evangelienhandschrift zu zeigen, die um 1480 im nordniedersächsischen Sprachraum, wohl in einem Kloster, entstanden ist und heute mit dem Titel Qvatuor Evangeliorum versio Sazonica in der Königlichen Bibliothek Kopenhagen unter der Signatur Th 8°,8, Thott VII, 506 aufbewahrt wird. Dafür werden im ausgewählten Bereich der Übersetzung lateinischer Partizipialkonstruktionen die angewandten Übersetzungsstrategien analysiert. Die Wahl der Partizipien bietet sich an, da es hier meist nicht möglich ist, die lateinische Syntax nachzuahmen, ohne zielsprachliche Normen zu verletzen. Zudem implizieren die Partizipialkonstruktionen unterschiedliche Übersetzungsmöglichkeiten, wie der Ablativus absolutus, der je nach Kontext z.B. temporal, kausal oder auch final aufge- faßt werden kann. Die im Spannungsfeld zwischen der Forderung nach Anlehnung an die ausgangssprachlichen Strukturen, der Unmöglichkeit, diese Strukturen in der Zielsprache nachzubilden, und der möglichen Varianz der zielsprachlichen Gestaltung einem Übersetzer im ausgehenden 15. Jahrhundert zur Verfügung stehenden Strategien können so ermittelt werden. Sie sind zugleich Indikator für die Art der angewandten Übersetzungsmethode wie für die Qualität der Übersetzung, die sich aus der Wahl und ggf. der Varianz der Strategien ergibt. Für eine Entscheidung, wieweit diese Übersetzungsstrategien von der individuellen Kompetenz des Übersetzers abhängig sind oder aber gängige Übersetzungspraxis widerspiegeln, ist es notwendig, die gewonnenen Ergebnisse denen der Analyse eines vergleichbaren Textes gegenüberzustellen. Für diesen Vergleich wurde die Kölner Bibel von 1478 herangezogen, die fast gleichzeitig mit der Evangelienhandschrift entstanden ist. Das Analysekorpus besteht aus den ersten fünf Kapiteln der vier Evangelien, außerdem Kapitel 21 und 26 des Matthäus-Evangeliums (Jesu Einzug in Jerusalem und die Passionsgeschichte). Das entspricht etwa 20% des Gesamttextes. Insgesamt wurden 422 Belege ausgewertet. Als Folie für die Übersetzung der verschiedenenlateinischen Partizipialkonstruktionen, attributives Partizip, prädikatives Partizip als Ergänzung eines finiten Verbs, Participium coniunctum und Ablativus absolutus, werden zunächst die Ubersetzungsméglichkeiten dargestellt, wie sie die modernen Schulgrammatiken bieten. Anhand von Beispielen folgt dann die Erlauterung der verschiedenen grammatischen Konstruktionen der Evangelienhandschrift, die in einem dritten Schritt mit der Ubersetzung der Kölner Bibel verglichen werden.1. Übersetzung des attributiven Partizips
2. Übersetzung des prädikativen Partizips als Ergänzung eines finiten Verbs
2.1. Übersetzung des prädikativen Partizips im Nominativ
2.2 Übersetzung des prädikativen Partizips im Akkusativ
3. Übersetzung des Participium coniunctum und des Ablativus absolutus
3.1. Übersetzung des Participium coniunctum
3.2. Ubersetzung des Ablativus absolutu
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Die Übersetzungsleistung Johannes Bugenhagens – Ein exemplarischer Vergleich mit der Lutherbibel, den vorreformatorischen niederdeutschen Bibeln und der Vulgata
Die sogenannte Bugenhagenbibel, eine niederdeutsche Übersetzung der Lutherbibel, 1534 von Ludwig Dietz in Lübeck gedruckt und bis 1622 in 25 zum Teil nach dem revidierten Luthertext veränderten Neuauflagen erschienen, ist von der niederdeutschen Sprachwissenschaft weitgehend unbeachtet geblieben. Nachdem 1775 J.M. Goeze den "Versuch einer Historie der gedruckten Niedersächsischen Bibeln vom Jahr 1470 bis 1621" unternahm, wurden bis heute nur zwei Untersuchungen, nämlich von K.E. Schaub und G. Galda, veröffentlicht, die sich explizit mit dieser Bibel auseinandersetzen. Dieses mag seinen Grund darin finden, daß ihre Sprachgestalt, von wenigen Ausnahmen abgesehen, immer wieder negativ beurteilt worden ist. Es heißt, daß diese Bibel nichts anderes sei als der Luthertext in niederdeutscher Lautung; niederdeutsche Eigentümlichkeiten seien auf diese Weise nicht in den Text eingegangen. "Die sogenannten Bugenhagen-Bibeln sind kaum als Übersetzungen zu bezeichnen, sie sind eher Er-setzungen, d.h. der Luthertext wurde meist worde bi worde durch ein sassesches Wort ersetzt. Selten hat eine solche Ent-eignung der Sprache stattgefunden"
So lautet eine typische Behauptung, wie sie allerorten zu finden ist, wenn über (Mittel-) Niederdeutsch als Kirchensprache gehandelt wird, und ebenso typisch ist, daß in diesen Fällen niemals auf Textuntersuchungen Bezug genommen wird, mithin Beweise dafür noch ausstehen. Hier erhebt sich die Frage, ob der Übersetzungsleistung, die bei der Übertragung der Lutherbibel ins Niederdeutsche erbracht wurde, auf diese Art und Weise Genüge getan wird, d.h. inwiefern es sich rechtfertigen läßt, daß durch die Bugenhagenbibel eine "Ent-eignung" der Sprache stattgefunden hat und in welchen Punkten diese Behauptung zu modifizieren oder zu negieren ist. Damit die Übersetzungsleistung angemessen beurteilt werden kann, möchte ich, nachdem ich (1) kurz auf die sprachliche Situation im 16. Jh. eingegangen bin und (2) einige Überlegungen zur Beurteilung einer Übersetzung, bezogen auf die Bugenhagenbibel, angestellt habe, (3) die Ergebnisse eines Vergleichs der Bugenhagenbibel mit der Lutherbibel, den vorreformatorischen niederdeutschen Bibeln und der Vulgata vorstellen.(1) Sprachausgleich und Mittelniederdeutsch im 16. Jahrhundert
(2) Zur Beurteilung einer Übersetzung
(3) Vergleich der Bugenhagenbibel mit der Lutherbibel, den vorreformatorischen niederdeutschen Bibeln und der Vulgata
Wortschatzvergleich I: Abweichungen der Bugenhagenbibel von der Lutherbibel
1. Dem Mittelniederdeutschen fremde Lutherwörter
2. Dem Mittelniederdeutschen ausschließlich in anderer Bedeutung bekannte Lutherwörter
3. Ersatz der Lutherwörter durch geläufigere Ausdrücke im Mittelniederdeutschen
4. Durch einen heimischen Ausdruck ersetzte Lutherwörter
5. Im Mittelniederdeutschen durch einen treffenderen Ausdruck ersetzte Luther
6. Im Mittelniederdeutschen geläufige Lutherwörter
7. Ersatz des Lutherwortes durch nicht geläufige Ausdrücke
8. Zusammenfassung
Wortschatzvergleich II: Abweichungen der Bugenhagenbibel von der Lübecker Bibel
1. Dem Mittelniederdeutschen fremde Wörter
1.1. Übernahme der von Luther geprägten Wörter
1.2. Übernahme adverbialer Präfixe
1.3. Übernahme von im Hochdeutschen verbreiteten Wörtern
1.4. Übernahme von Wörtern, die im Niederdeutschen eine andere Bedeutung als im Hochdeutschen haben
1.5. Übernahme hochdeutscher Formen
1.6. Übernahme von Syntagmata
2. Verdrängung mittelniederdeutscher Wörter
3. Zusammenfassung
Fazit
ANHAN
Mitteilungen des Deutschen Hispanistikverbandes e.V. Nr. 0 (1987)
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