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Der Beitrag der Sprachgeschichtsforschung zu einer Hansegeschichte in der Region
Die gängige Deklaration des Mittelniederdeutschen als „Hansesprache“ resultiert aus seiner Funktion als internationaler Handelssprache, als lingua franca im Hanseraum. In der Hansegeschichtsforschung wird daher geradezu vom „niederdeutschhansischen Kaufmann“ gesprochen. Der erste Beitrag der Sprachgeschichtsforschung zu einer Hansegeschichte der Region liegt in der Erschließung dieser lingua communis durch Analysen der sprachlichen Struktur des Mittelniederdeutschen und der Verfügbarmachung der Ergebnisse, insbesondere durch Wörterbücher und Grammatiken. Das sprachliche Primat des Mittelniederdeutschen darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Wirtschaftsraum der Hanse keineswegs monolingual strukturiert war. Neben dem Lateinischen als zweiter lingua franca spielten auch die vernakularen Sprachen Europas für den Fernhandel vor allem im persönlichen Kontakt der Kaufleute eine Rolle. Daraus resultiert der zweite Beitrag der Sprachgeschichtsforschung für die Hanseforschung, die Beschreibung der Mehrsprachigkeit im Hanseraum und der Sprachkontaktresultate, sowohl auf struktureller als auch auf pragmatischer Ebene (Kap. 1). Mit Blick auf die Handelsbeziehungen selbst rücken die kaufmännischen Texte in den Blick, vor allem die Handlungsbücher, die zum Gegenstandsbereich der historischen Textlinguistik, aber auch der Fachsprachenforschung gehören. Wichtige Kommunikationsmittel im Handelsraum und darüber hinaus waren zudem die Briefe der Fernhändler an ihre Handelspartner. Damit ist der dritte Beitrag der Sprachgeschichtsforschung angesprochen, die Erforschung der handelsbezogenen Textsorten mit ihren genuinen Mustern und kommunikativen Strukturen (Kap. 2). Neben dem Handel sind vor allem die Städte Bezugspunkte der Hanseforschung. Hier hat die historische Stadtsprachenforschung insbesondere die institutionelle Kommunikation sowie spezifisch städtische Textsorten fokussiert und leistet damit einen vierten Beitrag (Kap. 3). Die städtische Vernetzung belegen insbesondere die Akten der Hansetage, die ebenfalls zur spezifischen hansischen Schriftlichkeit gezählt werden können. In der Erforschung dieser Zeugnisse interurbaner Kommunikation sowohl aus kommunikationsgeschichtlicher wie auch aus textlinguistischer Sicht liegt der fünfte Beitrag der Sprachgeschichtsforschung zu einer Hansegeschichte (nicht nur) der Region (Kap. 4). Im Folgenden sollen nicht die mittelniederdeutsche Lexikographie und Grammatikographie im Zentrum stehen, auch wenn sie die notwendigen Hilfsmittel zur Texterschließung bereitstellen. Vielmehr sollen insbesondere neuere Forschungsergebnisse der anderen Themenbereiche diskutiert werden. An ausgewählten Fallstudien wird der Nutzen für die Hansegeschichte verdeutlicht.1. Mehrsprachigkeit und sprachliche Kontakte
2. Handelsbezogene Texte und Textsorten
3. Institutionelle Kommunikation in den Hansestädten
4. Interurbane Kommunikation
5. Resümee: Sprachgeschichtsforschung und Hansegeschichte
Quellen und Darstellungen
Ungedruckte Quellen
Gedruckte Quellen
Darstellunge
Mitteilungen des Deutschen Hispanistikverbandes e.V.
Aktuelle Informationen für die Mitglieder des Deutschen Hispanistikverbande
Dante per me
Dante per me thematisiert die fortwährende Relevanz von Dante Alighieri und seiner Divina Commedia für Sprache, Literatur und Kunst. Diskutiert wird Dantes Einfluss auf die italienische Sprache, seine Rezeption in Europa sowie seine künstlerische Wirkung. Besondere Schwerpunkte liegen auf der sprachhistorischen Bedeutung Dantes, der ikonografischen Tradition seiner Werke und seiner Stellung in der modernen Kultur
Das Referenzkorpus: Neue Perspektiven für die mittelniederdeutsche Grammatikographie
Die mittelniederdeutsche Grammatikographie lässt sich überwiegend als Liste von Desideraten beschreiben. In der sprachgeschichtlichen Forschung des 20. Jahrhunderts hat das Mittelniederdeutsche insgesamt wenig Aufmerksamkeit erfahren. Lange Zeit stand unter teleologischer Perspektive die Entwicklung der deutschen Standardsprache im Zentrum der historischen Linguistik, und auch die Überblicksdarstellungen zur deutschen Sprachgeschichte bestätigen insgesamt das Bild der reduzierten Wahrnehmung des Mittelniederdeutschen und auch seiner Erforschung. Welche Perspektiven durch das im Entstehen begriffene Referenzkorpus „Mittelniederdeutsch / Niederrheinisch (1200‑1650)“ für die Grammatikographie des Mittelniederdeutschen künftig eröffnet werden, soll im Folgenden anhand einer ersten Fallstudie gezeigt werden. Zunächst werden auf der Basis eines kurzen Forschungsüberblicks Anforderungen an eine künftige Grammatikographie des Mittelniederdeutschen formuliert. Zu diskutieren sind dabei die unterschiedlichen Parameter, die bei der Bildung von Korpora und deren Nutzung für die Grammatikographie zu beachten sind. Auf welche Weise das Korpus für grammatische Analysen aufbereitet wird, kann anhand des Workflows für die automatische Annotation erläutert werden. Am Beispiel einer Analyse der Negation im Oldenburger Sachsenspiegel von 1336 wird die Tauglichkeit des aufbereiteten Materials für grammatische Analysen überprüft.1 Einleitung
2 Status Quo: Forschungen zur mittelniederdeutschen Grammatik
3 Desiderate: Anforderungen an eine neue Grammatik des Mittelniederdeutschen
4 Korpus: Basis für grammatische Analysen
5 Fallstudie: Die Negation am Beispiel des Oldenburger Sachsenspiegels
5.1 Entwicklung der Satznegation
5.2 Negation im Oldenburger Sachsenspiegel
6 Ausblick: Korpusgestützte digitale Grammatik des Mittelniederdeutschen
7 Literatu
Mitteilungen des Deutschen Hispanistikverbandes e.V.
Aktuelle Informationen für die Mitglieder des Deutschen Hispanistikverbande
Michael Richey (1678-1761) und sein ,,ldioticon Hamburgense". Dialektlexikographie und Spracharbeit im 18. Jahrhundert
Michael Richey, Professor für Geschichte und griechische Sprache am Akademischen Gymnasium, Universalgelehrter und Aufklärer, Dichter und Sprachkritiker, hat mit seinem ,, Idioticon Hamburgense" ein Werk geschaffen, das für die Lexikographie im 18. Jahrhundert wegweisend geworden ist. Richey dokumentierte die niederdeutsche Stadtsprache Hamburgs und legte damit gleichzeitig den Grundstein für die Dialektlexikographie und insbesondere für die hamburgische Stadtsprachenlexikographie. Um die Bedeutung des ,, Idioticon Hamburgense" angemessen beschreiben zu können, ist Richeys Werk im Kontext der zeitgenössischen Sprachkritik und Lexikographie zu betrachten, die einen wesentlichen Baustein der ,,Spracharbeit" im 18. Jahrhundert präsentiert. Die Rolle Richeys im aufklärerischen Diskurs verweist auf die Verbindung des Akademischen Gymnasiums mit den gelehrten Gesellschaften in Hamburg, zugleich auf das Selbstverständnis der Gymnasialprofessoren als Universalgelehrte und den damit verbundenen Anspruch, an diesem gesellschaftlichen Diskurs nicht nur teilzunehmen, sondern ihn wesentlich zu befördern.Biographische Skizze
,, Spracharbeit" und Lexikographie im 18. Jahrhundert
Das ,, Idioticon Hamburgense"
Niederdeutsche Lexikographie im 18. Jahrhundert
Hamburgische Stadtsprachenlexikographi
Sprache, Stadt und Stereotyp. Zur sozialsymbolischen Funktion des Niederdeutschen im urbanen Raum
Angesichts der Tatsache, dass in Hamburg das Niederdeutsche in der Alltagskommunikation mittlerweile stark marginalisiert ist, kann vermutet werden, dass die Verwendung des Niederdeutschen im kulturellen Bereich und in den Medien sowie seine positive Bewertung als Ausdruck von Ortsloyalität zu betrachten ist und zugleich als Versuch, an allgemeinen positiven Ortsstereotypen zu partizipieren. Gegenüber der kommunikativen Funktion gewinnt in diesem Fall die sozialsymbolische Funktion (vgl. Hess-Lüttich 2004) an Relevanz. Um die mit dem Niederdeutschen verbundenen stereotypen Vorstellungen und Bewertungen zu ermitteln, werden Interviews ausgewertet, die im Rahmen des Projekts „Hamburgisch – Sprachkontakt und Sprachvariation im städtischen Raum“ (Bieberstedt/Ruge/Schröder 2008) mit Personen durchgeführt worden sind, die sich in kulturellen Institutionen oder in den Medien mit Literatur, Theater, Musik usw. in niederdeutscher Sprache auseinandersetzen oder sich im Bereich der Sprachpflege in plattdeutschen Krinks oder auch in Bürgervereinen engagieren. Aus derzeit über 60 Interviews, die in den Jahren 2008–2009 geführt wurden, sollen am Beispiel von drei Gewährs_personen (GP 05, GP 06, GP 461) erste Ergebnisse skizziert werden. Sie repräsentieren eine Sprechergruppe der älteren Generation, deren Angehörige sich im Ruhestand befinden und in ihrer Freizeit eine Reihe von Aktivitäten zur Pflege des Niederdeutschen entfalten.Ortsloyalität und Spracheinstellung
Ortsstereotype
Sprachstereotype
Niederdeutsch als Mittel der Identitätsstiftung
BibliographieWarschauer IVG-Kongres
Niederdeutsche Inschriften als Zeugnisse regionaler Kultur
Mehr als andere Kommunikationsformen verkörpern Inschriften eine Kultur des Dokumentierens und des Erinnerns. Sie sind nicht nur als historische Quellen zu lesen, die Personen und Ereignisse vor dem Vergessen bewahren, sondern repräsentieren zugleich einen Teil der städtischen Kultur des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Somit haben sie Anteil am kulturellen Gedächtnis einer Gesellschaft, das sich in seinen mannigfachen Ausprägungen auf die identitätsstiftenden Symbole bezieht, wie sie vor allem im Mythos, in der Wissenschaft, in der Kunst und eben auch in der Sprache begegnen. Das kulturelle Gedächtnis manifestiert sich, um mit Ernst Cassirer zu sprechen, in den symbolischen Formen unserer Kultur. Inschriften gehören zum sprachlichen Symbolsystem, das sich im Hinblick auf seine Zeugenschaft des kulturellen Gedächtnisses unter einer Reihe von spezifischen linguistischen Perspektiven befragen lässt. Inschriften werden von zwei wesentlichen Merkmalen geprägt, von ihrer sprachlichen Verfasstheit und von ihrer spezifischen materiellen Gebundenheit. Die materielle Gebundenheit impliziert in der überwiegenden Zahl der Fälle zugleich eine lokale Verortung. Besonders deutlich wird dies im Falle der Bau- und Hausinschriften und der Grabinschriften, aber auch bei Glockeninschriften oder Inschriften kirchlicher Ausstattungsgegenstände. Dies legt es nahe, Inschriften unter dem Aspekt ihrer lokalen oder, etwas weiter gefasst, ihrer regionalen Ausprägung zu untersuchen, insbesondere auch im Hinblick auf die Verwendung regionaler Sprachformen. In einem programmatischen Aufsatz über die Möglichkeiten der sprachhistorischen Erforschung von Inschriften trennen Dagmar Hüpper und Jürgen Macha zwischen einer soziolinguistischen und einer textlinguistischen Analyseperspektive. Unter soziolinguistischer Perspektive heben sie die Varianz und den Wandel im sprachlichen System abhängig von regionalen und sozialen Parametern sowie den Wechsel von Sprachen und Varietäten hervor, unter textlinguistischer Perspektive die Musterhaftigkeit der Inschriften und ihre kommunikativen Funktionen. Beide Perspektiven sollen im Folgenden am Beispiel Braunschweigs aufgegriffen werden. Die Überlieferung Braunschweigs bietet ein außerordentlich reichhaltiges Material, gerade im Hinblick auch auf die niederdeutschen Inschriften, die mustergültig aufgearbeitet in den Bänden der Reihe „Die deutschen Inschriften“ publiziert sind. Mit dieser Reihe steht ein hervorragendes Forschungsinstrument zur Verfügung, das die epigraphische Überlieferung des Mittelalters und der frühen Neuzeit im deutschen Sprachraum erschließt. Die der Edition beigegebenen Informationen nicht nur zum Inschriftenträger und seiner Gestaltung, sondern insbesondere auch zur sprachlichen Verfasstheit, zu Quellen und parallelen Überlieferungen sowie zur Personen- und Sozialgeschichte laden geradezu zu sprachhistorischen Betrachtungen ein. Unter soziolinguistischer Perspektive stellt sich die Frage, ob (1) niederdeutsche Inschriften als Zeugnisse historischer Mehrsprachigkeit Informationen darüber liefern können, in welchem Verhältnis Latein und Volkssprache zueinander standen, aber auch wie der Wechsel vom Niederdeutschen zum Hochdeutschen vollzogen wurde. Dafür sind die Analyseergebnisse in die lokale sprachliche Überlieferung einzuordnen. Unter strukturellen Gesichtspunkten ist zu erörtern, ob (2) niederdeutsche Inschriften Aufschluss über die Ausformungen des regionalen Sprachkontakts geben können und welche sprachlichen Kontaktmuster sich ermitteln lassen. Dabei ist sowohl auf lateinisch-deutsche als auch auf niederdeutsch-hochdeutsche Sprachkontakte einzugehen. Zu untersuchen ist (3), inwiefern sich Inschriften aufgrund ihrer spezifischen Merkmale lokal verorten lassen, ob sie den regionalen Sprachgebrauch und damit die gesprochene Sprache widerspiegeln oder ob sie eher einer überregionalen Schreibsprache verpflichtet sind. Unter textlinguistischer Perspektive lassen sich (4) Muster in den lokalen Inschriftenbeständen abheben, so dass niederdeutsche Inschriften als Zeugen des Textsortenwandels beschrieben werden können. Aufzuzeigen ist, welchen Änderungen die Textmuster unterliegen und wie die komplementären Strukturprinzipien Konstanz und Variation zu fassen sind. Eine Zusammenschau der einzelnen Analyseergebnisse kann (5) Aufschluss darüber geben, inwiefern niederdeutsche Inschriften als Zeugen einer regionalen Kultur gelten können.1. Niederdeutsche Inschriften als Zeugen des regionalen Sprach- und Varietätenwechsels
2. Niederdeutsche Inschriften als Zeugen des regionalen Sprachkontakts
2.1. Lateinisch-deutsche Kontaktformen
2.2. Niederdeutsch-hochdeutsche Kontaktformen
3. Niederdeutsche Inschriften als Zeugen der Regionalsprache
4. Niederdeutsche Inschriften als Zeugen des Textsortenwandels
5. Niederdeutsche Inschriften als Zeugen regionaler Kultur
Literatur40 Jahre Deutsche Inschriften in Göttingen Beiträge zum Jubiläumskolloquium vom 22. Oktober 2010 in Göttinge
Osservazioni su una metafora strutturale
Dies ist eine veröffentlichte Manuskriptfassung, welche veröffentlicht wurde in: Pirazzini, Daniela; Santulli, Francesca; Detti, Tommaso: "Übersetzen als Verhandlung", in der Buchreihe "Bonner Romanistische Arbeiten". © Peter Lang GmbH 2012. Alle Rechte vorbehaltenIn his book "Dire quasi la stessa cosa. Esperienze di traduzione" (2003) Eco conceptualizes translation as a negotiation process between conflicting parties. Having verified the existence of a metaphor which connects translation with negotiation, we pose the following question: If it is true that there are two different concepts of negotiation, is it also true that there are two different concepts of translation? In order to answer this question we contrast Eco's statements with those of Benjamin, analyzing both on the basis of the metaphor translation-negotiation.1. Introduzione
2. Primo modello concettuale Traduzione-Negoziazione
3. Negoziazione e perdita
4. Secondo modello concettuale Traduzione-Negoziazione
5. Negoziazione e guadagnoConvegno internazionale "Tradurre è –anche – scomettere. Oder die Übersetzung als 'negozianione'" (Bonn, 22-24 nomembre 2010)
,,Da nicht für.“ Grammatische Kontaktphänomene Hochdeutsch-Niederdeutsch
„Da nicht für“ – dies ist eine nicht nur für Hamburg typische Entgegnung auf Dankesworte und gleichzeitig signifikantes Merkmal der morphosyntaktischen Besonderheiten in der norddeutschen Regionalsprache. Neben der Trennung der Pronominaladverbien gehören dazu Erscheinungen wie die Verwechslung der Vergleichspartikeln als und wie oder der unsichere Gebrauch von Dativ und Akkusativ. Solche Phänomene sind Belege für den Sprachkontakt Hochdeutsch und Niederdeutsch, die als zwei historisch getrennt zu betrachtende Systeme im norddeutschen Sprachraum nebeneinander verwendet werden. Die regionale Mehrsprachigkeit in Norddeutschland hat Stellmacher als „verborgene Zweisprachigkeit“ bezeichnet, „die nicht einfach mit solchen geläufigen Mehrsprachigkeitskennzeichnungen wie Bilingualismus oder Diglossie zu erfassen ist“ (Stellmacher [1990] 2000: 101). Zum einen gibt es heute keine monolingualen Niederdeutsch-Sprecher mehr (zur Sprachdemographie vgl. Möller 2008), zum anderen ist keine eindeutige situative und funktionale Zuordnung der Sprachwahl möglich. Sprecher mit Niederdeutsch-Kompetenz verwenden das Niederdeutsche neben dem Hochdeutschen vor allem als Nahsprache. Zugleich wird das Niederdeutsche gerade in den letzten Jahren verstärkt in öffentlichen Kontexten, insbesondere in den Massenmedien als Marker einer norddeutschen Identität verwendet, so dass es über die Domänen einer L-Varietät deutlich ausgreift. Die Koexistenz der beiden sprachlichen Spektren hat nicht nur zur Ausbildung von Substratinterferenzen im Hochdeutschen, sondern auch zur Integration hochdeutscher Sprachelemente in das Niederdeutsche geführt. Daneben produzieren die Sprecher vielfältige Formen des Codeswitching und auch des Codemixing (vgl. dazu auch die exemplarische Analyse einer Sprecherin in Schröder 2011). Im Folgenden soll untersucht werden, welche grammatischen Kontaktphänomene in den beiden Teilspektren existieren, welche (ehemals) niederdeutschen Elemente eine hochdeutsche Regionalsprache kennzeichnen, und umgekehrt, welche hochdeutschen Elemente in das Niederdeutsche integriert werden. Die empirische Grundlage bilden Aufnahmen von 12 Gewährsfrauen des Projekts „Sprachvariation in Norddeutschland“, wodurch sowohl individuelle als auch regionale Vergleiche ermöglicht werden. Von den exemplarischen Analyseergebnissen sind Aufschlüsse über die spezifische Ausformung einer norddeutschen (hochdeutsch basierten) Alltagssprache und ihrer regionalen Differenzierung zu erwarten. Im Vergleich mit älteren Studien ist auch zu überprüfen, welche grammatischen Merkmale Wandelprozessen unterliegen. Im Hinblick auf die niederdeutschen Sprachlagen ist eine Untersuchung hochdeutscher Interferenzen insbesondere im Zusammenspiel der einzelnen Sprachebenen von Interesse, da der grammatischen Ebene im Hinblick auf die Vitalität einer Varietät besondere Bedeutung zukommt, zumal die Anzahl der Niederdeutsch-Sprecher stark rückläufig ist. Dabei ist zu diskutieren, wie weit Mischungsprozesse fortgeschritten sind, auf welche Weise Konvergenzprozesse ablaufen und ob von den Sprechern überhaupt noch eine diskrete Trennung der beiden Sprachformen vorgenommen wird.1. Regionale Mehrsprachigkeit und die Auswirkungen des Sprachkontakts
2. Sprachkontaktphänomene
3. Analysematerial
4. Grammatische Differenzen Hochdeutsch-Niederdeutsch
5. Interferenzerscheinungen in hochdeutsche Sprachlagen
6. Interferenzerscheinungen in niederdeutschen Sprachlagen
7. Zusammenfassung
8. Literaturhinweis