OPUS-HSPF-Hochschulschriftenserver der Hochschule Pforzheim
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Nachhaltigkeitsorientierte Innovationen in Baden-Württemberg: zwanzig Fallbeispiele als Impuls für die Transformation
Nachhaltigkeitsorientierte Innovationen gewinnen angesichts ökologischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Herausforderungen zunehmend an Bedeutung. Für Baden-Württemberg stellen sie eine zentrale Möglichkeit dar, die langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und gleichzeitig zur ökologischen Transformation beizutragen. Ziel dieser Studie ist, das Potenzial nachhaltigkeitsorientierter Innovationen für Unternehmen aus Baden-Württemberg durch praxisnahe Fallbeispiele greifbar zu machen. Weiterhin wird Frage adressiert, welche Faktoren dabei förderlich oder hemmend wirken.
Die Untersuchung basiert auf einer Literaturrecherche und Interviews mit zwanzig Unternehmen aus Baden-Württemberg, die bereits nachhaltigkeitsorientierte Innovationen umgesetzt haben. Die Auswahl der Interviewpartner erfolgte anhand von Kriterien wie der Nominierung für Innovationspreise und der Erfüllung typischer Eigenschaften einer nachhaltigkeitsorientierten Innovation.
Die ermittelten zwanzig Fallbeispiele geben dabei einen breiten Überblick über nachhaltigkeitsorientierte Innovationen in Baden-Württemberg. Sie stellen Produkt- und Prozessinnovationen dar in Themenfeldern wie Mobilität, Energie, Lebensmittel und Verpackung. Zentrale Erkenntnisse der Interviews sind, dass Nachhaltigkeitsaspekte zunehmend in strategischen Innovationszielen etabliert werden. Erfolgreiche Projekte zur Umsetzung von nachhaltigkeitsorientierten Innovationen zeichnen sich durch interdisziplinäre Zusammenarbeit, strategische Unterstützung durch das Management sowie Offenheit für externe Kooperationen aus. In vielen Fällen wurden Nachhaltigkeitsaspekte ganzheitlich in Produktentwicklung, Geschäftsmodell und Kommunikation integriert. Besonders wichtig ist, dass bei den Mitarbeitenden ein klares Verständnis des Themas Nachhaltigkeit vorhanden ist. Gleichzeitig zeigen die Interviews Hemmnisse auf, insbesondere regulatorische Unsicherheiten oder volatile Geschäftsfeldentwicklungen.
Die Fallbeispiele zeigen, dass nachhaltigkeitsorientierte Innovationen bereits auf vielfältige Weisen in der Praxis umgesetzt wurden. Die Studie kann so als Impulsgeber für Unternehmen, Politik und Forschung dienen, um Entwicklung und Umsetzung nachhaltigkeitsorientierter Innovationen zu stärken
Entwurf des American Privacy Rights Acts
[Aus der Einleitung]
"The American Privacy Rights Act gives Americans fundamental, enforceable data privacy rights, puts people in control of their own data and eliminates the patchwork of state laws", heißt es in einer Pressemitteilung des Ausschusses für Energie und Handel der Vereinigten Staaten von Amerika im April 2024. Darin wird ein als historisch erachteter neuer Entwurf für ein umfassendes US-Bundesdatenschutzgesetz angekündigt. Das Besondere daran: Ein solch umfassendes Gesetz wäre zwischen vielen einzelstaatlichen und sektoralen Datenschutzgesetzen das erste seiner Art, wenn auch keinesfalls der erste Versuch ein solches Gesetz zu etablieren.
Wie dieser Entwurf in der Landschaft des US-amerikanischen Datenschutzrechtes einzuordnen und wie er außerdem im Vergleich zur EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO)2 ausgestaltet ist, soll in dieser Studienarbeit untersucht werden
Circular Economy für Zulieferunternehmen in der Automobilindustrie
Die Circular Economy (CE) etabliert sich in Europa als wichtige Strategie, um wirtschaftliches Wachstum vom Verbrauch endlicher Ressourcen zu entkoppeln. In der Automobilindustrie - einem der wichtigsten Wirtschaftszweige Deutschlands - könnte CE mitunter erhebliches Innovationspotenzial bieten. Besonders Automobilzulieferer stehen dabei im Fokus, da sie maßgeblich zur Entwicklung und Produktion zukunfts-fähiger Fahrzeugkomponenten beitragen. Dennoch ist bislang unklar, wie weit CE-Konzepte in dieser Branche bereits umgesetzt werden und welche Hürden dabei bestehen.
Ziel der vorliegenden Studie ist es, zentrale Herausforderungen und Lösungsansätze für die Implementierung von CE bei Automobilzulieferern zu identifizieren. Die Analyse basiert auf zwei systematischen Literaturrecherchen und 16 Experteninterviews mit Vertretern von Zulieferbetrieben aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Im Mittelpunkt stehen Teile- und Materialzulieferer der OEM.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Umsetzung von CE in der Automobilzulieferindustrie durch technische, wirtschaftliche und strukturelle Hemmnisse erschwert wird. Ein zentrales Problem stellt der Einsatz von Sekundärmaterialien dar: Ihre Qualität, Sortenreinheit und Verfügbarkeit reichen oft nicht aus, um die hohen Sicherheitsanforderungen der Branche zu erfüllen. Auch die Rückführung und Wiederverwendung von Zulieferteilen wird durch regulatorische Vorgaben, mangelnde Transparenz und fehlende Rücklaufstrukturen erschwert. Remanufacturing wird bislang kaum praktiziert, nicht zuletzt wegen logistischer Hürden und fehlender wirtschaftlicher Anreize. Auch ist bei sicherheitsrelevanten Bauteilen und den damit verbundenen hohen Qualitätsanforderungen an Zulieferteile die Verwendung von Recyclingmaterialien sehr eingeschränkt.
Darüber hinaus ist das Wissen über den Verbleib der Teile am Ende des Produktlebenszyklus (EOL) begrenzt. Designentscheidungen orientieren sich selten an einer späteren Demontage oder Wiederverwertung. In der Lieferkette herrscht zudem ein erhebliches Kommunikationsdefizit: CE-relevante Informationen werden kaum systematisch geteilt, und es fehlt an einheitlichen Instrumenten zur Messung und Steuerung von Zirkularität.
Als Lösungswege wurden unter anderem identifiziert: langlebigere Materialien und Produkte, modularer Aufbau und Standardisierung, die Integration von CE-Prinzipien bereits im Designprozess, sowie die Nutzung digitaler Systeme wie IMDS oder Catena-X zur Verbesserung der Rückverfolgbarkeit. Die enge Kooperation mit OEMs im Rahmen von Co-Engineering-Prozessen wird als Schlüsselfaktor gesehen, um CE-Vorgaben in die Spezifikationen einfließen zu lassen. Auch Simulationen und Lebensdauertests werden als hilfreich zur CE-Integration genannt.
Die Ergebnisse unterstreichen: Technologische Innovationen allein reichen nicht aus. Eine erfolgreiche Transformation erfordert vielmehr ein Umdenken auf systemischer Ebene - in der Zusammenarbeit, in der Verantwortungsteilung entlang der Lieferkette und in der strategischen Ausrichtung der Unternehmen. CE kann so nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische Vorteile bieten - etwa durch Rohstoffsicherung, Innovationsimpulse und Imagegewinne.
Für die Zukunft kommt es darauf an, CE-Anforderungen und Sicherheitsstandards stärker zu harmonisieren, Rückführungsprozesse zu stärken und digitale Transparenz über den gesamten Lebenszyklus hinweg zu schaffen. Damit dies gelingt, müssen insbesondere auch kleine und mittlere Zulieferer aktiv eingebunden und unterstützt werden
Abfallwirtschaft 2.0 - Kunststoffkreislaufwirtschaft der Zukunft
Kunststoffe sind für zahlreiche Anwendungen unverzichtbar, zugleich wächst der Druck, Nutzung und Emissionen durch zirkuläre Lösungen zu entkoppeln. Regulatorische Vorgaben erhöhen den Rezyklatbedarf deutlich, treffen jedoch auf begrenzte Mengen und Qualität. Die Transformation des Kunststoffrecyclings hin zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft stellt Wirtschaft, Politik und Technik vor ein komplexes Anforderungsspektrum. Ziel der Studie ist es, zukünftige Aufbereitungsanforderungen zu bestimmen und darauf aufbauend Lösungsszenarien und Technologiekombinationen abzuleiten, die eine skalierbare, qualitativ hochwertige Kreislaufführung ermöglichen. Somit soll ein "Blick in die Zukunft" ermöglicht werden, zunächst unabhängig von der im Projekt präziSort adressierten Technologieentwicklung zu Sort4Circle, bevor deren möglicher Beitrag dann am Ende der Studie dargestellt wird.
Methodisch kombiniert die Arbeit eine praxisorientierte Literaturauswertung zu Stoffströmen, Anforderungen, Technologien und Regulierung mit qualitativ-empirischer Forschung in Form von Experteninterviews. Zwischen April und Mai 2025 wurden elf halbstrukturierte Experteninterviews mit Fachleuten entlang der Wertschöpfungskette geführt. Die transkribierten Gespräche wurden kodiert und in einer strukturierten Evidenzsynthese ausgewertet; ein morphologischer Kasten diente als Struktur- und Bewertungsrahmen.
Zentrale Herausforderungen zeigen sich in Form von Marktversagen, technologischen Begrenzungen und fehlender Abstimmung im System. Sekundärkunststoffe sind preislich gegenüber Primärmaterialien benachteiligt, gleichzeitig steigen die regulatorischen Anforderungen an Rezyklatanteile und Produktqualität. Die Sortierung wird durch Materialvielfalt, unzureichende Kennzeichnung und begrenzte Detektionstechnologien erschwert. Es bestehen Zielkonflikte zwischen ökonomischer Tragfähigkeit, technischer Machbarkeit und regulatorischer Zielsetzung.
Die Ergebnisse lassen sich zu sechs zentralen Hemmnissen gruppieren: (1) Stoffstromheterogenität und Sortierlogik, (2) Rezyklatqualität und Anwendungskompatibilität, (3) Informations- und Transparenzdefizite, (4) marktliche und investive Hemmnisse, (5) technologische Restriktionen des Anlagenbestands sowie (6) systemische und regulatorische Hürden. Daraus lassen sich Anforderungen auf drei Ebenen ableiten:
Qualität: sortenreine, chemisch homogene, geruchs-/farbneutrale und verarbeitungsstabile Rezyklate mit anwendungsbezogenen Spezifikationen
Prozess: digitale Rückverfolgbarkeit, endanwendungsnahe Sortierlogiken, saubere Sammlung, liefervertraglich abgesicherte Mengenflüsse, produktionsnahe Anpassungen
Regulierung: verlässliche Einsatzsignale, harmonisierte Standards/Zertifizierung, klare Definition des „Endes der Abfalleigenschaft“, Systemharmonisierung und marktstabilisierende Instrumente
Technologische Innovationen wie KI gestützte Sortierung, verbesserte Waschprozesse und qualitätsgesichertes mechanisches Recycling gelten als zentrale Hebel für die Weiterentwicklung des Kunststoffrecyclings. Auch die im Projekt präziSort fokussierte Technologie Sort4Circle kann einen wichtigen Beitrag leisten, insbesondere durch frühe Qualitätsprüfung mittels kombinierter Sensorik (NIR, Bild, Marker), der Identifikation von Materialien oder Störstoffen, der präzisen Detektion und Ausschleusung problematischer Materialien, mehrkanaliger Sortierung in spezialisierte Recyclingprozesse sowie der Nutzung von Messdaten zur Dokumentation und Rückverfolgbarkeit.
Chemische Verfahren werden überwiegend als perspektivisch ergänzend bewertet, nicht als Ersatz. Die Interviews zeigen jedoch, dass ohne verlässliche Stoffstromdaten, klar definierte Qualitätsziele und wirtschaftlich tragfähige Abnahmebedingungen, technologische Lösungen ihre Wirkung nicht entfalten. Entscheidend ist ihre Einbettung in stimmige Materialflüsse und abgestimmte regulatorische Rahmen. Ein funktionierendes Kunststoffrecycling erfordert daher mehr als technologische Einzelmaßnahmen. Nötig ist ein integriertes Zusammenspiel von Technik, Marktlogik und Steuerung, um die Kunststoffwirtschaft schrittweise vom linearen zu einem zirkulären System zu führen
Von der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände (AgV) zum Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv)
Band 7 der Schriftenreihe „Forschung für die Zukunftsgesellschaft“ des Instituts für Verbraucherforschung und nachhaltigen Konsum | vunk schließt im Jahr des 25-jährigen Bestehens des Verbraucherzentrale Bundesverbandes vzbv eine Lücke: Steffens beschreibt den wichtigen Prozess der Entstehung des vzbv aus drei Vorgängerinstitutionen (AgV, VSV, Stiftung VI). Brönneke und Kenning geben einen Überblick über die bisherigen 25 Jahre des Bestehens des vzbv und ordnen seine Tätigkeit in einen weiteren Rahmen der Verbraucherpolitik ein.
Die Autoren haben die beschriebene Zeit als fachlich mit dem Thema bestens vertraute Wissenschaftler beobachtet und waren zum Teil unmittelbar an den beschriebenen Prozessen beteiligt. Dadurch konnten nicht veröffentlichte Dokumente verwertet werden und das Werk erhält gewissermaßen den Charakter eines analytischen Zeitzeugenberichtes.
Mit einem Nachwort von Prof. Dr. Tobias Brönneke und Prof. Dr. Peter Kenning: 25 Jahre Verbraucherzentrale Bundesverban
Erfolgsfaktoren für den Neustart des Ideenmanagements – Fallstudie eines Energieversorgers
Diese Publikation untersucht die Erfolgsfaktoren für den Neustart des Ideenmanagements in Unternehmen am Beispiel eines großen deutschen Energieversorgers, der hierfür seine Personalkapazität aufgestockt hat. Basierend auf einer Mixed-Method-Studie werden organisatorische, prozessuale, marketingbezogene und kulturelle Einflussgrößen analysiert, die die Wirksamkeit des Ideenmanagements bestimmen. Die Ergebnisse zeigen, dass insbesondere die Bekanntheit des Ideenmanagements, die Motivation zur Teilnahme, transparente Prozesse sowie die Integration in die Unternehmenskultur entscheidend für den Erfolg sind. Die Studie liefert praxisnahe Empfehlungen zur gezielten Verbesserung dieser Bereiche und gibt einen Ausblick auf zukünftigen Forschungsbedarf
Erstellen und Veröffentlichen von Fotos nach der DSGVO
Annalena Secci LL.B., studentische Mitarbeiterin des vunk, behandelt in ihrem Beitrag: „Erstellen und Veröffentlichen von Fotos nach der DSGVO - eine kritische Auseinandersetzung mit Anforderungen am Beispiel von Kinderfotos", wie man im Internet mit Kinderfotos umgehen kann und muss
Kollidierende Paradigmen: Die Anpassung von Zulieferern an die sich verändernde Dynamik durch Circular Economy in der Automobilindustrie
Executive Summary
Die Automobilbranche spielt eine zentrale Rolle in der deutschen Wirtschaft und ist mit entscheidend für die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele der EU. Mit Deutschlands Tradition als "Autoland" und den etablierten Zuliefererstrukturen ist es wichtig zu untersuchen, wie diese Zulieferer den steigenden Anforderungen zu Circular Economy gerecht werden. Steigendes Umweltbewusstsein der Kunden und rechtliche Rahmenbedingungen erfordern nachhaltige Anpassungen von Zulieferern, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Ihre zentrale Rolle im Innovationsprozess der Automobilindustrie macht sie unverzichtbar. Unklar ist, in welchem Maße Zulieferer derzeit Circular Economy Strategien umsetzen, welche Herausforderungen dabei bestehen und wie diese gelöst werden können. Die Arbeit entstand aus einem Kooperationsprojekt zwischen dem Transformationsnetzwerk Nordschwarzwald und des INEC der Hochschule Pforzheim. Die Ergebnisse unterstützen die Transformation der Zulieferer in der Automobilindustrie und helfen, die mittel- und langfristigen Herausforderungen der Branche zu bewältigen. Die Forschungsarbeit ist relevant für Lieferanten, Zulieferer, OEMs und End-of-Life-Akteuren der Automobilbranche.
Ziel dieser Arbeit ist es, Herausforderungen und Lösungen bei der Implementierung der Circular Economy bei Automobilzulieferern zu untersuchen und als Inspirationsquelle für Zulieferer und Akteure in der Lieferkette dienen. Durch die Analyse dieser Aspekte soll ein umfassendes Verständnis für die praktische Umsetzung von Circular Economy vermittelt werden.
Um das Thema wissenschaftlich zu untersuchen, wurden zwei systematische Literaturrecherchen sowie qualitative Interviews mit anschließenden qualitativen Inhaltsanalysen, als wissenschaftliche Methoden angewandt. Es wurden insgesamt 16 Interviews mit Zulieferern durchgeführt, um einen umfassenden Überblick über die Praxis zu erhalten. Die Ergebnisse wurden in Form einer Synopse von Herausforderungen und Lösungen in den Kategorien rechtlicher Rahmen, Produktgestaltung, Materialien & Rezyklate, Technologien & Verfahren, Mitarbeiterkompetenzen, Strategie & Prozesse, Lieferkette & Kooperation, EOL & Kreislaufschließung, Messbarkeit & Instrumente, betriebswirtschaftliche Perspektive und Produktionsstandort gegenübergestellt.
Die Ergebnisse zeigen, dass bei sicherheitsrelevanten Bauteilen und den damit verbundenen hohen Qualitätsanforderungen an Zulieferteile die Verwendung von Recyclingmaterialien sehr eingeschränkt ist. Zudem dürfen keine wiederverwendeten Teile verwendet werden. Die Wiederverwendung von Zulieferteilen ist aufgrund kultureller Akzeptanz, Qualitätsansprüche, Verfügbarkeit und sich ändernder Designs im Laufe der Jahre oder sogar zwischen verschiedenen Modellen nahezu ausgeschlossen. Solange diese Herausforderungen nicht gelöst sind, können Zulieferer nur in begrenztem Umfang Circular Economy Prinzipien umsetzen. Beispielsweise durch Anpassung des Produktdesigns, kollaborative Zusammenarbeit in der Lieferkette mit transparenten Informationen mit Hilfe von digitalen Produktpässen, sowie die Einbeziehung des OEMs und des End-of-Life in den Designprozess. Zudem sollte nicht vergessen werden, dass es mehrere Jahre dauern wird, bis alle Beteiligten von den Anpassungen durch Circular Economy profitieren. Bis dahin muss überlegt werden, wie mit diesen Übergangsprodukten im End-of-Life umgegangen wird.
Als Diskussion und Ausblick kann gesagt werden, dass die Zukunft von Circular Econmy in der Automobilindustrie eine Weiterentwicklung in den Bereichen Produktdesign, Materialauswahl, Lieferketten und End-of-Life-Strategien erfordert. Aktuell stellt der Ausschluss der Wiederverwendung von Teilen eine Herausforderung dar, was mit Circular Economy-Prinzipien kollidiert. Die Verbesserung von Haltbarkeit durch Beschichtungen und Korrosionsschutz erschwert zwar die Demontage, jedoch sind technologische Innovationen in Material- und Designprozessen der Schlüssel, um Sicherheitsstandards und Circular Economy Prinzipien in Einklang zu bringen. Für die Zukunft ist entscheidend, dass Sicherheitsstandards und Circular Economy Anforderungen harmonisiert werden. Recyclingmaterialien und wiederverwendete Teile stoßen oft an ihre Grenzen bezüglich der geforderten Qualitätsstandards. Der fehlende Rückflussweg von End-of-Life zu den Zulieferern ist ein weiteres Hindernis. Verstärkte Bemühungen sollten in nachhaltigeren Produktionsprozessen und verbesserter Kommunikation innerhalb der Lieferkette liegen. Zulieferteile sollten so gestaltet werden, dass sie leicht demontierbar und recycelbar sind, wobei Fortschritte im Recyclingprozess unerlässlich sind, um hochwertige Materialien zu gewährleisten. Eine enge Zusammenarbeit entlang der gesamten Lieferkette wird entscheidend sein, um Sicherheits- und Circular Economy Ziele effektiv zu vereinen. Langfristige Designentscheidungen werden dabei eine bedeutende Rolle spielen, da sie maßgeblich über die Kreislauffähigkeit zukünftiger Produkte entscheiden. Die Automobilindustrie steht somit vor der Herausforderung, durch kontinuierliche Innovation und Kooperation die Umstellung auf eine zirkuläre Wirtschaft erfolgreich zu gestalten und gleichzeitig höchste Sicherheitsstandards zu garantieren
PFAS: Anwendung, technische Funktionen und Substitutionsmöglichkeiten in der Industrie
Per- und Polyfluoralkylsubstanzen (PFAS) sind organische Verbindungen aus Kohlenstoffketten, bei denen die Wasserstoffatome vollständig oder teilweise durch Fluoratome ersetzt sind. Die starken chemischen Bindungen zwischen Kohlenstoff- und Fluor-Atomen in PFAS führen zu sehr stabilen Substanzen mit besonders nützlichen Eigenschaften wie chemischer Inertheit, Wasserabweisung, Schmierwirkung, Antihaftwirkung, Feuerbeständigkeit und Hitzebeständigkeit. Sie sind jedoch nur schwer biologisch abbaubar sind und lassen sich daher in der Umwelt nur schwer zersetzen (Ye et al. 2015).
PFAS werden in vielen Anwendungsfeldern in der Industrie und in Endprodukten eingesetzt, wie z. B. in der industriellen Produktion, in Dichtungen, Schmierstoffen, Verpackungen, Metallbeschichtung, in Medizintechnik-Produkten, elektronischen Geräten, Solarzellen, Brennstoffzellen, Batterien, im Baubereich und auch in Consumer-Produkten in Textilien, Kochgeschirr und Kosmetik (Glüge et al. 2020, ECHA 2023). Aufgrund ihrer Wirkungen auf Umwelt und Menschen und ihrer Persistenz in der Umwelt werden PFAS aktuell stark diskutiert und auf EU-Ebene wurde eine Initiative hin zu möglichen Stoffverboten angestoßen (ECHA 2023). Unternehmen aus Baden-Württemberg und ganz Europa suchen inzwischen Substitute für die Anwendung von PFAS, um bei einem möglichen Stoffverbot Alternativen zur Verfügung zu haben.
In dieser Metastudie wird daher eine Übersicht über mögliche Stoffe und Stoffgruppen gegeben, die das Potenzial besitzen, die technischen Funktionen von PFAS zu ersetzen. Dies wird an ausgewählten Beispielen vertieft untersucht.
Unter Nutzung von Softwaretools auf Basis von Künstlicher Intelligenz (KI) wurden mögliche Substitute identifiziert und strukturiert ausgewertet. Nach der Analyse von 35.246 wissenschaftlichen Dokumenten weltweit wurden 420 Materialien und deren Zusammenfassung in 32 Klassen für fünf beteiligte namhaften Unternehmen aus Baden-Württemberg identifiziert. Nach genauerer Analyse der Anforderungen der beteiligten Unternehmen konnte nur eine sehr begrenzte Anzahl potenzieller Ersatzstoffe ermittelt werden, die PFAS nach heutigem Stand partiell substituieren könnten
PFAS: application, technical functions and substitution possibilities in the industry
Per- and polyfluoroalkyl substances (PFAS) are organic compounds consisting of carbon chains in which the hydrogen atoms are completely or partially replaced by fluorine atoms. The strong chemical bonds between carbon and fluorine atoms in PFAS lead to very stable substances with particularly useful properties such as chemical inertness, water repellency, lubricity, non-stick properties, fire resistance and heat resistance. However, they are not readily biodegradable and are therefore difficult to break down in the environment (Ye et al. 2015).
PFAS are used in many fields of application in industry and in end products, such as in industrial production, in seals, lubricants, packaging, metal coatings, in medical technology products, electronic devices, solar cells, fuel cells, batteries, in the construction sector and also in consumer products in textiles, cookware and cosmetics (Glüge et al. 2020, ECHA 2023). Due to their effects on the environment and humans and their persistence in the environment, PFAS are currently the subject of much debate and an initiative has been launched at EU level to potentially ban substances (ECHA 2023). Companies from Baden-Württemberg and all over Europe are now looking for substitutes for the use of PFAS in order to have alternatives available in the event of a possible substance ban.
This meta-study therefore provides an overview of possible substances and substance groups that have the potential to replace the technical functions of PFAS. This is analysed in depth using selected examples.
Using software tools based on artificial intelligence (AI), possible substitutes were identified and analysed in a structured manner. After analysing 35,246 scientific documents worldwide, 420 materials and their summary in 32 classes were identified for five participating well-known companies from Baden-Württemberg. After analysing the requirements of the participating companies in more detail, only a very limited number of potential substitutes could be identified that could partially replace PFAS as things stand today