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(H)acktivismus und Partizipation? Zur politischen Dimension des Digitalen
Diese Sonderausgabe thematisiert das Verhältnis von digitalen Medienpraktiken, Aktivismus und politischer Partizipation und stellt, ausgehend von den kontroversen Diskussionen zur Bedeutung digitaler Medieninfrastrukturen für Aktivismus und Partizipation, die Frage nach der Bedeutung des Digitalen für das Politische.1Das Politische entsteht nach Hannah Arendt zwischen den Menschen (Arendt 2010: 11) und, wie Johanna Rolshoven schließt, folglich aus dem Handeln und der Kommunikation (Rolshoven 2018: 23). Mit Slavoy Žižek (2001), Chantal Mouffe (2007) sowie Ulrich Bröckling und Robert Feustel (2012: 8-11) kann man argumentieren, dass sich in politischen Feldern gesellschaftliche Aushandlungsprozesse über Verfahrensweisen und Normen vollziehen, die durch Dynamiken der Macht, Elemente des Konfliktes und Antagonismen geprägt sind (vgl. Näser-Lather 2017: 1).Wie spielen sich solche Aushandlungsprozesse ab, wenn für die Kommunikation und partizipatives Handeln digitale Infrastrukturen genutzt werden? Nehmen die digitalen Medien Einfluss auf Diskurse beziehungsweise deren Rahmenbedingungen, und tun sie dies in einer anderen Art und Weise als analoge Medien? Und wenn ja, geschieht dies in einer befördernden oder hemmenden Form? Sind digitale Medien geeignet beziehungsweise entsprechen sie gar in besonderem Maße den Erfordernissen politischer Aktion, politischen Austauschs und Bedürfnissen nach Partizipation
Das Projekt Indernet - die Entwicklung eines Community-Portals
Im Jahr 2000 wurde das Indernet, ein Internetportal von deutschsprachigen Inder_innen der zweiten Generation für Inder_innen (der zweiten Generation), gegründet. Im Jahr 2017 besteht es als Blog und Facebook-Seite weiter. Der Artikel analysiert welche Entwicklungen das Internetprojekt seit seiner Gründung durchlaufen hat. Er konzentriert sich hierbei insbesondere auf die Rolle der Redaktion im Umgang mit technischen Entwicklungen, Zugriffszahlen und den Ansprüchen der Nutzer_innen. Dabei zeichnet er nach, wie die Redaktion zur ethnopolitischen Unternehmerin im Sinne Brubakers wurde
Auswirkungen des Smartphonegebrauchs auf soziale Interaktionen
Der Smartphonegebrauch durchdringt immer umfassender alltägliche Handlungsweisen, sodass direkte soziale Interaktionen auch davon beeinflusst werden. Es stellt sich die Frage, wie sich dies auf Gesprächssituationen auswirkt. Der vorliegende Text setzt eine wechselseitige Beeinflussung und Bedeutungszuschreibung von Akteuren voraus, vor dem Hintergrund einer gemeinsamen Sinn-Konstitution in Konversationen. Es wird untersucht, welche Wirkung durch den Smartphonegebrauch beobachtbar ist, wenn die aufeinander bezogene Aufmerksamkeit nicht mehr vorauszusetzen ist. Im Ergebnis wird festgehalten, dass die Smartphone-Nutzung in der Face-to-Face-Interaktion eine Unterbrechung der Kommunikation auslösen und je nach Intensität und Dauer eine damit einhergehende Verletzung der Norm von gegenseitiger Anerkennung und schließlich auch eine Gefährdung der Konstituierung des sozialen Selbst der Gesprächspartner hervorrufen kann. Dieses Ungleichgewicht wird wiederum mit Hilfe des Smartphones selbst gelöst, indem es als Substitut für die ausbleibende Bestätigung genutzt werden kann
Sunshine Boulevard, in the middle of nowhere: Einfamilienhäuser und Carports – die Werbebilder der Fertigteilproduktion in Deutschland
Seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist das suburbane, freistehende Einfamilienhaus mit Auto ein Ausweis von Stabilität, Familialität, gutem Leben und Konsum. Die vorliegende Forschung analysiert die Printwerbung von Fertighaus- und Carportherstellern in Deutschland. Das Sample umfasst zehn Kataloge der Jahre 2014 bis 2016 von insgesamt vier Fertighaus- und drei Carportherstellern. Die Firmen wenden in ihren Werbekatalogen folgende Strategien an: 1. Die angebotenen Häuser werden von der weißen Mittelschicht bewohnt. In Bezug auf dargestellte Aktivitäten und räumliche Situationen zeigen sie eine stereotype Geschlechterordnung. 2. Die Fertighaushersteller statten ihre Häuser und Gärten mit teuren Designklassikern der Moderne aus und konterkarieren damit die Utopie der Fertigteilproduktion, wie sie u.a. vom Bauhaus proklamiert wurde: Der Gedanke, gute Gestaltung zu demokratisieren und zu popularisieren wird hier zu reinem Dekor, das Häusern Exklusivität verleihen soll. 3. Die Kataloge präsentieren das Haus von der Rückseite, also dem Garten, ohne Nachbarschaften oder andere Gebäude in Sicht. Mit Adressen wie „Kastanienallee” findet eine Abgrenzung zu urbanen Wohnsituationen statt. Insgesamt wird ein Leben präsentiert, dass in jeglicher Hinsicht freistehend ist: ohne nachbarschaftlichen Kontext, ohne städtische Anbindung und auch ohne Straßen, die das häusliche Leben mit der Außenwelt verbinden. Werbung vermittelt immer etwas über menschliches Begehren, in diesem Fall: Eine Visualisierung von Privatheit, die ohne ein öffentliches Leben als Gegenüber auskommt
Wann ist ein Meme ein Meme? Ein E-Mail-Austausch anlässlich der plötzlichen Popularität des Run-DMC-Logos
Etwa ab 2014 tauchten in deutschen Städten Sticker auf, die alle sehr ähnlich gestaltet waren: Kleine schwarze Quadrate, auf die mit weißer, serifenloser Schrift in der Regel sechs Buchstaben in zwei Zeilen gedruckt waren, eingefasst in einem roten Balken oben und einem roten Balken unten: „FCK SPD“, „FCK NZS“, „FCK CPS“ usw. Wieso diese Sticker sich in ihrer Gestaltung am Logo der New Yorker Rap-Gruppe Run-DMC orientierten, blieb unklar. Oskar Piegsa und Lorenz Grünewald-Schukalla begannen sich zunächst in E-Mails über das Phänomen auszutauschen. Daraus entstand eine Korrespondenz, die bis in den September 2016 anhielt und grundsätzliche Fragen zu Memes im Allgemeinen und dem Run-DMC-Logo-Meme im Speziellen diskutierte. Wir dokumentieren den Austausch in einer eigens für diese Zeitschrift gekürzten und überarbeiteten Fassung
Die Verbreitung von Internet-Memes: Empirische Befunde zur Diffusion von Bild-Sprache-Texten in den sozialen Medien
Im Kontext des G7-Gipfels im Juni 2015 entstand ein Foto von Angela Merkel und Barack Obama, das Twitter eroberte. Der vorliegende Beitrag beleuchtet die Netzwerkstrukturen, unter denen die Verbreitung des sogenannten Merkel-Memes auf Twitter stattfand. Twitter mit seiner vernetzten Nutzerschaft soll dabei als soziales System verstanden werden, in dem durch memetische Funktionen (u. a. Retweets, Hashtags) Diffusionsprozesse begünstigt werden. Im Rückgriff auf die Annahmen der Diffusionsforschung wurde eine quantitative Inhaltsanalyse der Tweets zum Merkel-Meme (n = 3253) durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Diffusion des Memes maßgeblich von der Beteiligung früher Übernehmergruppen (Rogers 2003) abhängt. Diese zeichnen sich vor allem durch ihre dichte Vernetzung innerhalb des sozialen Systems Twitter aus
Der „Memplex“ Terrorismus
Der Beitrag basiert auf einem kulturwissenschaftlichen und mediologischen Ansatz, der die Mem-Theorie für die Terrorismusforschung nutzbar macht. Aus der Perspektive der Memetik lässt sich in der Nachfolge von Richard Dawkins sowie Susan Blackmore dann von einem „Memplex“ sprechen, wenn eine Vernetzung von „Replikatoren“ – Informationen, Institutionen, Medien und Akteuren – so effizient funktioniert, dass davon ein ganzes sozio-kulturelles Umfeld betroffen ist. Dies trifft im Fall von terroristischen Anschlägen und bei der Kommunikation über Terrorismus in besonderem Maße zu. Die Akte terroristischer Gewalt in der jüngsten Geschichte zeugen vom Einfluss memetischer Faktoren. Dazu zählen neben den Anschlägen selbst auch ihre mediatisierte Formen in Bildern, Texten und audiovisuellen Berichten, die zu einem Großteil im Internet Verbreitung finden. Für die Memetik ebenfalls relevant sind die ideologischen Hintergründe, die terroristische Handlungen motivieren und kommentieren. Die Transformation des Terrorismusbegriffs und seine Viralität, d. h. seine Verbreitung durch Texte und Bilder, sind memetisch erklärbar. Die Konstruktion des Memplex Terrorismus soll deshalb folgend anhand einiger Replikatoren analysiert werden. Ausgehend von den terroristischen Anschlägen des 11. September 2001 werden Beispiele einer populären Rezeptionsgeschichte des Terrorismusbegriffs aufgezeigt und bildwissenschaftlich sowie kulturhistorisch verglichen
Vom Emblem zum Meme: Oder wie aus einem gelehrten Zeitvertreib der Frühen Neuzeit ein Internetphänomen der Gegenwart wurde
Embleme waren im Humanismus das, was im digitalen Zeitalter Memes sind. Der kulturhistorische Beitrag vergleicht frühneuzeitliche Embleme mit zeitgenössischen Memes. Anhand ausgewählter Beispiele wird gezeigt, welche Konstanten aus kulturhistorischer Perspektive zwischen der Emblem- und Memekultur bestehen
Medien und Partizipation. Zwischen Distributionsapparat und partizipativer Propaganda
Dieser Betrag untersucht den Begriff der Partizipation im medialen Kontext, indem er ihn mit seinem Schattenbegriff „Propaganda“ in Dialog bringt. Propaganda bildet dabei den Gegenpol zu einem demokratiepolitischen Verständnis von Partizipation. Ausgangspunkt ist die scheinbare Abwesenheit von Partizipation im Kontext der klassischen Massenkommunikationstheorie, die jedoch von ihrem ursprünglichen kulturpessimistischen Verständnis der Masse zusehends abrücken musste, um Raum für einen aktiveren und komplexeren Publikumsbegriff zu schaffen. Parallel dazu hat sich ein Theoriestrang gebildet, der Partizipation als Eigenschaft des medialen Apparats sieht, also des technischen Mediums selbst und der sozialen Struktur seiner Produktion. Beide Theoriestränge konvergieren im Kontext der digital vernetzten Medien, wo Propaganda und Partizipation in eine neue Beziehung zueinander und zu den Nutzer_innen eintreten, in der die Trennung der beiden Begriffe ihre Selbstverständlichkeit verliert