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Überlegungen zu einer textuellen Definition von Internet-Memes
In diesem Kurzbeitrag werden einige Überlegungen zu einer textuellen Fassung des Memebegriffs vorgestellt. Dafür wird eine Problematisierung des Memebegriffs und seiner soziobiologischen Anteile vorgenommen. Anschließend wird gezeigt, warum es trotz theoretischer Schwächen wichtig ist, am Begriff des Memes festzuhalten und ihn als textuelles Konzept zu verstehen. Zentral ist der Versuch, die begrifflichen Reibungen produktiv zu machen. Anhand eines Spannungsfeldes von Originalität und Viralität, das gleichzeitig den konzeptuellen Rahmen der Sonderausgabe darstellt, wird so ein Verständnis entwickelt, bei dem Memes zwischen ihrer konkreten Erscheinung als Text und einem abstrakten Meta-Text alternieren
Belanglose Bilder - Vom Viral zum Internet-Mem
Meme, Satire und Humor sind eng miteinander verbunden und fester Bestandteil der digitalen Alltagskultur. Das Internet-Mem #KiyiyaVuranInsanlik (auf Deutsch sinngemäß „Menschheit, an die Küste gespült”) bildet einen Ausnahmefall, da es sich auf die Fotografien eines toten Kindes bezieht. Anhand der Fotografie des auf der Flucht ertrunkenen zweijährigen Alan Kurdi, welches über die sozialen Medien um die Welt ging, stellt der Artikel Fragen zum Umgang mit den Bildern und Memes in sozialen Medien: Warum teilen und verändern Menschen die Fotografien? Warum nicht? Welche Folgen hat die Verbreitung? Welche bildethischen, -rechtlichen oder -ökonomischen Überlegungen in Bezug auf die Verwendung von digitalen Bildern in Kommunikationsplattformen lassen sich ableiten? Dieser Text nimmt diese Fragen auf und reformuliert sie ausgehend von der Theorie des punctums von Roland Barthes bildtheoretisch. Was passiert mit den Fotografien? Wie verbreiten sich diese im Netz? Wie verändert der soziale Umgang mit den Fotografien im Internet die Bildaussagen
Ein Kampf gegen Windmühlen: Jugendliche und junge Erwachsene im Umgang mit Algorithmen und Überwachung im Internet
Der vorliegende Beitrag fragt auf Basis von Leitfadeninterviews mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen erstens danach, welche Algorithmen von ihnen im Rahmen der alltäglichen Internetnutzung wahrgenommen werden. Zweitens analysiert er die Kriterien, die der Bewertung von Algorithmisierungsprozessen zugrunde liegen. Drittens untersucht er, welche Praktiken die Nutzer entwickeln, um mit Überwachung durch Algorithmen umzugehen. Den drei Forschungsfragen liegt ein mehrdimensionales Analysekonzept von Algorithmen zugrunde. In Kombination einer medien- und techniksoziologischen Perspektive lassen sich Algorithmen hinsichtlich sieben Dimensionen strukturieren und untersuchen. Im Ergebnis zeigt sich, dass Algorithmen vor allem dann als Bereicherung wahrgenommen werden, wenn sie neuartige Funktionen bieten, wenn ihr Einsatz den Usern frei steht und gestaltet werden kann, wenn sie komplexe Funktionen ausführen und ihr Handeln transparent ist, wenn die Ergebnisse ihres Handelns verbesserte Qualität oder Quantität aufweisen, und wenn sie die User entlasten. Vier Praktiken lassen sich im Umgang mit Überwachung unterscheiden: Strategien zur Auflösung von kognitiver Dissonanz, ein partieller Nutzungsverzicht, der Wechsel des Mediums und die Anpassung der Technik. Sie schützen die User allerdings nur unzureichend vor Überwachung
Der Wert der Musik: Aushandlungsdynamiken in der digitalisierten Musikwirtschaft
Der Beitrag liefert eine kultursoziologische Diskussion des Künstler-Intermediäre-Verhältnisses und der Disruptionen, denen dieses Verhältnis im Zuge der Digitalisierung ausgesetzt ist. Vor diesem Hintergrund werden die Aushandlungsdynamiken über den „Wert der Musik“ anhand von Leserkommentaren zur sog. „Wutrede“ des Autors und Element of CrimeFrontmanns Sven Regener im Bayerischen Rundfunk aus dem Jahr 2012 exemplarisch analysiert und feldtheoretisch eingeordnet. Dabei zeigt sich, dass die Frage nach dem „Wert der Musik“ hier nicht bloß im ökonomischen, sondern im umfassenden Sinne adressiert wird. Die aktuelle „Krise der Musik“ kann in diesem Zusammenhang aus den Brüchen im Verhältnis von Musikschaffenden und Markt erklärt werden, die sich innerhalb eines Feldes vollziehen, das gegenwärtig „zentrifugalen Strukturdynamiken“ unterliegt
Relevanz ist alles: Algorithmen im Intranet
oai:hup2.journals.sub.uni-hamburg.de:article/578Durch den Einzug elektronischer Verbreitungsmedien in den Alltag spielen einerseits der Ort und die Zeit in der Kommunikation eine kontinuierlich geringere Bedeutung. Mitarbeiter leiden deshalb nicht mehr an Informationsdefiziten, sondern an Informationsüberflutungen. In diesem Beitrag soll dargestellt werden, wie in der Praxis in Intranets durch Algorithmen versucht wird, die Informationsüberflutung einzudämmen. Hierzu wird eine soziologische Herangehensweise gewählt, wobei nicht der Aushandlungsprozess von Algorithmen in den Fokus gerückt wird, sondern die Ideen hinter Algorithmen,und wie diese sich auf organisatorische Strukturen und alltägliche Praktiken auswirken. Die folgenden Bemerkungen basieren auf 27 Experteninterviews, die mit der dokumentarischen Methode ausgewertet wurden. Angereichert werden diese durch eigene Projekterfahrungen der vergangenen 2,5 Jahre, die ich in Unternehmen und öffentlichen Diensteinrichtungen gesammelt habe
Algorithmische Selektion im Internet: Risiken und Governance automatisierter Auswahlprozesse
Algorithmen im Internet prägen zunehmend unseren Alltag und unsere Wahrnehmung der Welt. Sie wählen Informationen aus, weisen ihnen Relevanz zu und helfen, die Informationsflut im Internet zu bewältigen. Gleichzeitig wird die Verbreitung von algorithmischer Selektion von Risiken und regulatorischen Herausforderungen begleitet. Der Beitrag beleuchtet Anwendungszwecke und den Einfluss von algorithmischer Selektion und bietet einen Überblick zu den damit verbundenen Risiken. Die Risiken bilden Ausgangspunkte für etwaige Markteingriffe und die Suche nach adäquaten Steuerungs- und Regelungsarrangements (Governance). Vor diesem Hintergrund analysiert der Beitrag die Möglichkeiten und Grenzen von unterschiedlichen Governance-Ansätzen auf dem Kontinuum zwischen Markt und Staat und liefert Grundlagen für die Auswahl von passenden Governance-Optionen. Die Untersuchung zeigt, dass sich keine Einheitslösung für die Governance von algorithmischer Selektion anbietet. Die Aufmerksamkeit muss auf mehrdimensionale Lösungsansätze gerichtet werden, in denen Governance-Maßnahmen kombiniert werden, die sich gegenseitig ermöglichen und ergänzen
Interventionen in die Produktion algorithmischer Öffentlichkeiten. : Recommender Systeme als Herausforderung für öffentlich-rechtliche Sendeanstalten
Die fortschreitende Digitalisierung des gesellschaftlichen Lebens erzeugt neben vielen anderen Phänomenen auch neue Logiken der Informationsvermittlung. So wird seit einiger Zeit die Problematik der Filter Bubble durch Personalisierung von Informationszugängen intensiv diskutiert. Algorithmische Systeme als Vermittler personalisierter Informationen, hier verstanden als Infomediaries (Morris 2015), können zu einer Zersplitterung von Öffentlichkeiten führen – Individuen werden verstärkt mit selektiven Informationen und Diskursen konfrontiert, welche die eigenen Haltungen bestärken und abweichende Meinungen ausblenden. Diese Transformation stellt vor dem Hintergrund der informationellen Grundversorgung gerade für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk eine Herausforderung dar. Der vorliegende Beitrag nimmt dies zum Anlass, um die Beziehung und Möglichkeiten der Realisierung des Programmauftrags in Zeiten non-linearer Medienangebote zu diskutieren. Der Artikel ist ein erstes Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen den Autoren und der Softwareentwicklungsabteilung des Bayerischen Rundfunks im Rahmen der Entwicklung einer neuen Mediathek. In einer kollaborativen Ethnographie wurden Rahmenbedingungen und Gestaltungsmöglichkeiten algorithmisch vermittelter Programme, welche dem gesellschaftlichen Auftrag der öffentlichrechtlichen Rundfunkanstalten genügen, erforscht. Entgegen der Annahme, Algorithmen seien unhinterfragbare und dadurch mächtige Akteure, zeigt sich, dass die Realisierung algorithmischer Systeme sowohl von sozio-technischen Aushandlungsprozessen als auch von infrastrukturellen und organisatorischen Bedingungen abhängt, und sich somit gerade in den Entwicklungsprozessen inhaltliche und politische Gestaltungsräume von Recommender Systemeneröffnen
„Hello World“ – Systemtheoretische Überlegungen zu einer Soziologie des Algorithmus
Die Leistungsfähigkeit und Komplexität von Algorithmen scheint über eine bloße Steigerung wirtschaftlicher Automatisierungs- und Rationalisierungsprozesse hinauszuweisen. Der im Titel dieses Beitrags zitierte Ausspruch „Hello World“ bezeichnet somit nicht nur die ersten simplen Gehversuche beim Erlernen einer Pro-grammiersprache1, sondern zeigt, dass die von Algorithmen angeleiteten Computersysteme sich an der Konstitution gesellschaftlicher Realität beteiligen. Der vorliegende Beitrag versucht sich aus diesem Grund der Frage zu nähern, was eine Soziologie des Algorithmus aus systemtheoretischer Sicht bedeuten könnte. Ausgehend von dem Vorschlag, die Leistungen von Algorithmen testweise als produktive Irritation sinnförmiger Kommunikation zu verstehen, versuchen wir zunächst den kleinen, aber feinen Unterschied zwischen Computern und Algorithmen herauszuarbeiten. Anschließend rekapitulieren wir anhand verschiedener Positionen wie die soziologische Systemtheorie bislang jene möglichen Formen der Beteiligung von Computern an Kommunikation konzeptionell zu integrieren versuchte
Wie Facebook den Regionaljournalismus verändert: Publikums- und Algorithmusorientierung bei der Facebook-Themenselektion von Regionalzeitungen
Facebook ist zur wichtigsten Quelle für Webseiten-Traffic von Online-Nachrichten-Angeboten geworden. Um den Facebook-Traffic-Anteil zu maximieren, müssen Nachrichten möglichst weit innerhalb von Facebook verbreitet werden – und die Nachrichtenanbieter den Spielregeln des News Feed-Algorithmus folgen. Diese Studie untersucht, inwieweit sich durch Facebooks algorithmusgesteuerte, interaktionsbelohnende Nachrichtendistribution die redaktionelle Themenselektion verändert. Dazu werden die Themen von Facebook-Posts und Printausgaben von drei deutschen Regionalzeitungen für 2015 und 2016 inhaltsanalytisch verglichen. Ergänzend werden Experteninterviews mit Social-Media-Redakteuren zweier Regionalzeitungen geführt. Ergebnisse zeigen eine Interaktions- und Algorithmusorientierung bei der Themenselektion der Social-Media-Redakteure. Die Redakteure folgen den Spielregeln des News Feed-Algorithmus jedoch nicht bedingungs- und strategielos. Um die Interaktion und Reichweite zu maximieren – aber auch um Hardnews zu platzieren – werden verstärkt Human-Interest-Themen gepostet. Diese Softnews sorgen für Reichweite und Interaktionen, Hardnews für die Informiertheit der User. Somit verzichten Redaktionen der Regionalzeitungen nicht auf relevante Themen auf Facebook, aber nutzen einen höheren Anteil an Softnews, um ihre Facebook-Reichweite nicht zu gefährden