Publikationen der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
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    Die experimentelle Stadt: Ent- oder (Re)politisierung städtischer Transformationen?

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    Experimente gewinnen zunehmend an Bedeutung in gesellschaftlichen Gestaltungs- und Innovationsprozessen; insbesondere im Kontext von städtischen Nachhaltigkeitstransitionen. Experimenten wird zugutegehalten, dass sie aufgrund ihrer iterativen und partizipationsorientierten Art der Lösungsfindung besser als traditionelle Governance-Ansätze geeignet seien, mit Unsicherheit, Komplexität und heterogenen Wertevorstellungen umzugehen. Jedoch wurde ebenfalls festgestellt, dass Experimente in manchen Fällen unzulänglich Bezug nehmen auf kontextspezifische Lebensrealitäten und soziopolitische Konfigurationen, dass sie bestehende Machtstrukturen festigen können, und am Rande oder außerhalb formalpolitischer Entscheidungsprozesse Realitäten schaffen. In diesem Beitrag beleuchten wir anhand von Beispielen aus unserer Forschungspraxis die Vielfalt der Rollen, die Experimente in der politischen Aushandlung und Gestaltung städtischer Nachhaltigkeitstransitionen einnehmen können. Wir decken eine große Bandbreite von experimentellen Zugängen ab und beleuchten diese aus unterschiedlichen Perspektiven: Pop-up-Fahrradwege während Corona, technologiezentrierte Reallabore, Reallabore im Bereich der Pendelmobilität, Reallabore zur nachhaltigen Stadtentwicklung, und Einwohner*innen-Initiative für autobefreite Stadtteile am Beispiel der Kiezblocks. Wir zeigen auf, dass sich Experimente unterschiedlichen Gegenständen annehmen können und somit unterschiedliche Aspekte städtischer Nachhaltigkeitstransitionen politisch prägen. Der Beitrag verdeutlicht zudem, dass Experimente immer auch Aus- und Einschließungsprozesse mit sich bringen, und dass auch solche Prozesse politisch aufgeladen sind

    Der menschliche Körper zwischen technischer Überwindung und irdischer Verwurzelung: Polarisierte Körperbilder in Trans- und Posthumanismus

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    Nicht erst mit der Anthropozändebatte, welche sich als diskursive Einhegung der massiven geosystemischen Disruptionen des 20. und 21. Jhd. verstehen lässt, ist deutlich geworden, dass die etablierten modernen Heuristiken, welche ‚den Menschen‘ gegen- und über ‚der Natur‘, respektive der Erde, dem Planeten oder der Welt verorten, nicht länger zur Beschreibung der sozialen Wirklichkeit geeignet sind. Paradoxerweise erscheint gerade im epochalen Zeitalter des Menschen, die namensgebende und orientierungsstiftende Figur, der Anthropos, sowohl epistemologisch wie ontologisch an ihr Ende gekommen zu sein. Diese multiplen Auflösungserscheinungen des Humanen lassen sich dabei auch und gerade an den unterschiedlichen Anforderungen, Erwartungshaltungen, Kompositionen und Modifikationen des menschlichen Körpers ablesen. Dieser Beitrag versucht deshalb anhand einer Gegenüberstellung, der Kontrastierung polarisierter Körperbilder in Trans- und Posthumanismus, eine Kartierung der onto-epistemologischen Erschütterungen und Verwerfungslinien des neuzeitlichen Humanismus vorzunehmen. So wird die sozio-historisch relative junge Erfindung des Menschen in der Epistemologie westlicher Gesellschaften sowie ihr mögliches Verschwinden in den Gezeitenströmen bereits in Foucaults berühmtem Worten am Ende seines Werks Les mots et les choses von 1966 zum Ausdruck gebracht. Doch drückt sich diese nachgewiesene Kontingenz der humanen Figur zu Beginn des 21. Jahrhunderts nun nicht mehr nur im Wandel der Denkformen aus, sondern gewinnt durch die radikalen Transformationen der irdischen Umwelt eine noch existenziellere Bedeutung. Die Zunahme von Extremwetterereignissen, das Entfalten der Klimakatastrophe, das sich Abzeichnen des Ökosystemkollaps sowie das sich global vollziehende sechste Massenaussterben sind nur einige Herausforderungen, welche sich mittels humanistischer Heuristiken und damit einem Weltverständnis, das auf der Logik des moderner Anthropozentrismus basiert, kaum mehr fassen geschweige denn bearbeiten lassen. Folglich emergieren verschiedene Programme, um die prekär gewordene ‚Erfindung Mensch‘ zu retten oder zu redigieren, in jedem Fall aber neu zu situieren. Trans- und Posthumanismus sind dabei wohl die prominentesten Strömungen, die sich dieser Resituierung verschrieben haben. Und beide setzen in ihren Neuverhandlungen des Humanen insbesondere an der Körperlichkeit an. So streben transhumanistische Programme danach, die vulnerable und durch blinde evolutionäre Prozesse hervorgebrachte ‚wetware‘ (de Grey) mittels technologischer Upgrades zu optimieren. Kryonisierung, genetische Modifikation, technologisches Enhancement und nicht zuletzt die Digitalisierung der sterblichen Hülle stellen antizipierte Interventionen von Transhumanist:innen wie Bostrom, Kurzweil, More und Tipler dar. Der Körper erscheint hierbei als maximal modellierbar, als beliebig zu programmierendes und gar zu überwindendes Residuum einer als Beschränkung empfundenen (ersten) Natur. Posthumanistische Positionen plädieren im Gegensatz dazu vor allem für eine strukturelle ‚embeddedness und embodiment‘ (Hayles, Braidotti) menschlicher und nicht-menschlicher Subjekte. Der Körper wird dabei als vitaler Knotenpunkt multipler ‚companion species‘ (Haraway), als Produkt ‚intraaktiver und relationaler‘ (Barad) Beziehungsverhältnisse, als sozio-materielles ‚Stratifikat‘ (Deleuze/Guattari) oder gar als ‚vibrational structure‘ (Ferrando) eines mehrdimensionalen Multiversums konzipiert. Allen posthumanistischen Körperkonzepten ist dabei ein korporeales Verständnis zu eigen, welches eine materielle Verwurzelung bzw. Verortung erst zur Voraussetzung diverser Daseins- und Werdensmöglichkeiten macht, wobei die konkrete Zusammensetzung, die spezifische Assemblage zur indisponiblen Bedingung sozialer Teilhabe an einer mehr-als-menschlichen Realität wird. Anhand dieser polarisierten Konzeptionen und Bewertungen anthropogener Verkörperungen lassen sich so die fundamentalen Verschiebungen der humanistischen Heuristiken nachvollziehen, welche eine notwendige Resituierung des menschlichen auf dem irdischen Körper versuchen

    Körperlichkeit als Daueraufgabe: Infrastrukturpraktiken wohnungsloser Menschen in Berlin zwischen täglichem Ringen um Zugänge und körperlich-sozialen Folgen

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    Mithilfe körpersoziologischer Ansätze und auf Grundlage einer qualitativen empirischen Studie in Berlin betrachtet dieser Beitrag das Verhältnis von Infrastrukturpraktiken und Körperlichkeit wohnungsloser Menschen. Infrastrukturen für Wasser, Energie, Kommunikation und Mobilität sind heute, auch durch ihre Einbindung in die Wohnung, eng mit körperlichen Funktionen und Bedürfnissen verbunden – ermöglichen etwa warmes Essen, Hygiene oder die Entsorgung von Ausscheidungen. Ohne diesen Zugangspunkt und mit begrenzten finanziellen Mitteln ist es für viele wohnungslose Menschen schwierig, körperliche Bedürfnisse zu erfüllen; ihre durch die eingeschränkte Infrastrukturnutzung geprägte Körperlichkeit wird zur Grundlage für weitere Ausschlüsse von Infrastrukturen und anderen Bereichen. Durch eine praxistheoretische Perspektive auf Körperlichkeit ergänzt der Beitrag bisherige Forschung zu Infrastruktur und Wohnungslosigkeit, die trotz ihrem zunehmenden Fokus auf den Körper die gegenseitige Prägung von Infrastrukturpraktiken und Körperlichkeit eher vage beschreibt. Die Ergebnisse zeigen, dass Infrastrukturnutzung für wohnungslose Menschen körperlich voraussetzungsvoll, mit komplexer Organisation verbunden und durch Abhängigkeiten etwa von sozialen Organisationen und dem eigenen Körper prekär ist – und begründen Forderungen nach langfristigen und rechtlich legitimierten Räumen für die Infrastrukturnutzung. Der körpersoziologische Blick legt offen, wie Körperlichkeit sowohl Voraussetzung für Infrastrukturnutzung ist, durch Infrastrukturpraktiken geprägt wird als auch eine Grundlage für Ausschlüsse von Infrastruktur darstellt

    Long Covid und der „psychosomatische Verdacht“: Polarisierung im Problem diagnostischer Unsicherheit

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    Eine der vielen Auseinandersetzungen um das pandemische Krankheitsgeschehen entfaltet sich am Krankheitsbild Long bzw. Post Covid. Aufbauend auf vorhergehende, ähnlich gelagterte Auseinandersetzungen entzündet sich die Polarisierung um Long Covid wesentlich an der Frage, ob die bisher nicht geklärten physiologischen Zusammenhänge nahelegen, dass es sich um eine psychosomatisch (mit)bedingte Erkrankung handelt. Streitpunkt ist psychosomatisches und psychotherapeutisches Wissen sowie der Umgang mit wissenschaftlicher und klinischer Evidenz. Ziel dieses Beitrags ist es, die Polarisierung um Long Covid und das Psychosomatische wissenschafts- und medizinsoziologisch in den Blick zu nehmen. Meine Beobachtungen beginnen bei der Situation der Betroffenen zu Anfang der Pandemie, in der ihre Beschwerden durch das von COVID-19 vorgeprägte Raster fielen. Denn, während COVID-19 als sogenannten emerging infectious disease geprägt war, lässt sich Long Covid vielmehr als eine sogenannte emerging contested illness verstehen. Zum Verständnis von Long Covid als einer solchen „umkämpften Krankheit“ ziehe ich ein wissenschaftssoziologisches Argument heran. Es erklärt über die Wirkmächtigkeit der modernen dualistischen Wissensordnung, warum in (hier titelgebenden) Situationen diagnostischer Unsicherheit ein psychosomatischer Verdacht als vielmehr stigmatisierende Verdächtigung des Subjekts wirksam wird. Vor diesem Hintergrund illustriert der Beitrag einige der Kernaspekte des Long Covid Aktivismus.

    Der Migrations- und Krisen-Nexus: Analytische Perspektive auf (nicht-) solidarische Mobilisierungspraktiken

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    In den letzten Jahren haben nicht nur Regierungen und internationale Organisationen, sondern auch zivilgesellschaftliche Gruppierungen, Migration zunehmend mit dem Begriff der Krise in Verbindung gebracht. In vielen öffentlichen Diskussionen wurden die Begriffe Migrationskrise bzw. Flüchtlingskrise als Interpretationsrahmen zur Beschreibung verschiedener Transformationen in der Gesellschaft verwendet. Geleitet durch absolute Migrationszahlen und durch die Zuschreibung von homogenen Merkmalen und Aspirationen wurden und werden dabei einige Migrationskategorien als nationales Sicherheitsrisiko und kulturelle Bedrohung inszeniert. Diese Tendenzen führen nicht nur zu politischen Diskursen (z.B. sichtbar in AfD-Wahl-Kampagnen), sondern auch zu Mobilisierungen innerhalb der zivilgesellschaftlichen Sphäre. Ebenso sind aber auch Gegenbewegungen zu beobachten, die Migrant*innen und deren Initiativen solidarisch begegnen. Die inflationäre Nutzung des Begriffs der Solidarität verschleiert jedoch oft, welche Mechanismen in der Gemeinschaftsbildung bedient werden. An den zwei Polen der Mobilisierungen in Bezug auf Migration ist daher vor allem im Zusammenhang mit Krisenauseinandersetzungen analytisch anzusetzen

    Ostdeutsche ländliche Mietverhältnisse als vergeschlechtlichte und notwendige Wohnrealitäten: Eine qualitative Feldforschung in Sachsen

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    Wohnen auf dem Land wird medial gemeinhin als idyllisches Wohnen im großzügigen Eigenheim mit Garten entworfen. Ländliche Wohnrealitäten in Ostdeutschland sind jedoch in hohem Maße durch Mietwohnen in Mehrparteienhäusern geprägt, die zu DDR-Zeiten erbaut wurden. Doch diese Wohnnormalität bleibt diskursiv weitestgehend unsichtbar und findet aktuell wohnungspolitisch und wissenschaftlich kaum Beachtung. Dies ist vor allem deshalb problematisch, da diese günstige und flexible Wohnform zur Miete eine notwendige Alternative für all diejenigen darstellt, die den „Traum vom ländlichen Eigenheim“ nicht realisieren können oder wollen, aber trotzdem im ländlichen Raum leben möchten. Dieser Beitrag stellt die Ergebnisse einer qualitativen Feldforschung zu ostdeutschen ländlichen Mietverhältnissen vor und fragt u.a. danach, welche vergeschlechtlichten Möglichkeitsräume und Abhängigkeiten diese Wohnverhältnisse eröffnen

    Algorithmen und militärische Führung: Die Rolle von Zukunftsvorstellungen

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    Die digitale Transformation ist in vollem Gange. Veränderungen, die mit der Digitalisierung einhergehen wirken sich auf Organisationen aus, denn Organisationen gestalten die Folgen der Digitalisierung und ihre Ausprägungen selbst mit. In diesem Beitrag betrachten wir Aspekte von Zukunftsvorstellungen über die Wirkungen digitaler Technologien, die in Organisationen zirkulieren. Zukunftsvorstellungen sind soziale Imaginationen und prägen dabei gesellschaftliche Annahmen und Einstellungen über die Digitalisierung. Dementsprechend gehen wir der Frage nach wie sich organisational respezifizierte Zukunftsvorstellungen auf die digitale Transformation der Bundeswehr, insbesondere bei der Nutzung datenintensiver Algorithmen auswirken; etwa indem sie die Einführung bestimmter Techniken unterstützen oder behindern. Zur Beantwortung der Frage nutzen wir empirisches Material aus dem dtec-Forschungsprojekt „Führungskulturen im digitalen Zeitalter – Der Fall der Bundeswehr“, insbesondere im Hinblick auf die militärische Führung

    Polarisierte Welt des Artenschutzes: Zoologische Gärten zwischen Kritik und ökologischer Integration

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    Spätestens mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie wurden die globale Bedeutung des Artenschutzes und die Problematiken des Eindringens des Menschen in tierische Habitate deutlich. Zwar existieren bereits seit kurz nach Ende des ZweitenWeltkriegs internationale Netzwerke und Organisationen zum Schutz bedrohter Arten, jedoch kennzeichnet das Mehrebenensystem der Umwelt- und Artenschutzbewegung ein Fehlen alltäglicher und öffentlich zugänglicher Organisationen auf einer Mesoebene. Bezogen auf Bemühungen zum Artenschutz erschwert dies öffentliche Aufklärungsarbeit sowie den Zugang zum Feld des Artenschutzes. Eine Organisation, die sich als potentielle öffentliche Anlaufstelle anbietet, ist der Zoologische Garten. Aufgrund ihrer guten kommunalen wie auch internationalen Einbindung (bspw. in globale Umweltschutzinitiativen bzw. -netzwerke) und ihren, selbst proklamierten, Fokus auf Artenschutz, Bildung und Wissenschaft stellen sie potentielle Schnittstellenakteure dar und verstehen sich zunehmend als solche. Gleichzeitig stellen Zoologische Gärten aufgrund der Gefangenschaftshaltung von Tieren, Ökonomisierung sowie ihrer (post-)kolonialen Vergangenheit und Gegenwart ambivalente und polarisierende Akteure dar.Der Beitrag widmet sich der Organisation Zoologischer Garten im Mehrebenensystem des Artenschutzes, in der sich das ambivalente gesellschaftliche Verhältnis zum Artenschutz und damit die ungelösten Konflikte über Tierhaltung, Artenschutz sowie die Passungsprobleme des Neoliberalismus mit den Werten des Artenschutzes widerspiegeln. Diskutiert werden Positionierungen Zoologischer Gärten gegenüber den Integrationsdimensionen der ökologischen Integration, Sozialintegration und Systemintegration (Schimank 2000). Schimank, Uwe. 2000. Gesellschaftliche Integrationsprobleme im Spiegel soziologischer Gegenwartsdiagnosen. Berliner Journal für Soziologie 10:449–469

    Sozialpolitik für Transformation und Krise: Konzeptionelle Bezugspunkte und Handlungsfelder

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    Sozialpolitik ist in der sozialökologischen Transformation doppelt gefordert. Zum einen hängt es von sozialen Garantien ab, ob Beschäftigte und Konsumentinnen und Konsumenten geplante Transformationsschritte zur Klimaneutralität („transformation by design“) akzeptieren und unterstützen. Zugleich aber wird die Transformation, soweit sie überhaupt geplant wird, keineswegs nach Plan verlaufen. Die Transformationsperiode ist vielmehr bereits durch eine Abfolge von Krisen gekennzeichnet. Diese Krisen haben transformative Effekte („transformation by disaster“) und produzieren akute Risiken, die ihrerseits sozialpolitisch zu bearbeiten sind. Sozialpolitik muss gegenüber diesen Risiken für mehr Gleichheit sorgen. Sie muss dabei aber auf Instrumente setzen, die auch unter Krisenbedingungen über Ad-hoc-Maßnahmen hinaus strategisch mit Transformationszielen konsistent sind. Dieser Beitrag skizziert hierfür konzeptionelle Bezugspunkte und Handlungsfelder

    Zur Eingangsselektivität in den lehramtsbezogenen Studiengängen: Worin unterscheiden sich Lehramtsstudierende untereinander?

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    Die Eingangsselektivität in den lehramtsbezogenen Studiengängen ist seit geraumer Zeit wieder in das Blickfeld der empirischen Bildungsforschung gerückt. Zwar handelt es sich dabei um kein vollkommen neues Forschungsthema, wurde doch schon in frühen bildungssoziologischen Studien die These des „Lehrerberufs als sozialer Aufstiegsberuf“ diskutiert und untersucht. Im Hinblick auf die wichtigen gesellschaftlichen Funktionen von Lehrkräften und Entwicklungen im Hochschulbereich vergangener Dekaden mangelt es aber gegenwärtig an aktuellen Studien zu der Frage, wer sich für ein Lehramtsstudium entscheidet, insbesondere auch zur sozialen Herkunft der Lehramtsstudierenden. Im folgenden Beitrag werden Befunde aus quantitativen Analysen der Daten aus einer Befragung von Lehramtsstudierenden an zwei Universitäten in Bayern zu ihrem sozialen und kulturellen Hintergrund, ihren personalen und lernrelevanten Eingangsmerkmalen und Merkmalen ihrer Studienwahlentscheidung vorgestellt. Die These der „Negativselektion im Lehrerberuf“ wird derjenigen der „Binnenselektion in den lehramtsbezogenen Studiengängen“ gegenübergestellt. Die ermittelten Unterschiede zwischen Studierenden aus verschiedenen schulformspezifischen Studiengängen können die in der Literatur berichteten Ergebnisse zu beiden Thesen und zur sozialen Selektion im Wesentlichen replizieren und ergänzen. Neu sind hingegen die Befunde zu kulturellen Kapitalien und den Parametern des sekundären Herkunftseffekts im Rahmen der Bildungsentscheidung und des Übergangs in den tertiären Bildungsbereich

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