Publikationen der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
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    Der blinde Fleck der Soziologie: Das Leben wird besser, doch niemand spricht darüber

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    Dieser Beitrag zeigt, wie soziologische Zeitdiagnosen einen Pessimismus an den Tag legen, der durch empirische Daten nicht gedeckt ist. Historische Veränderungen von Gewalt, Armut, Umweltverschmutzung und Sozialkapital widersprechen den pessimistischen Diagnosen von Marx, Adorno, Bauman, Beck und Rosa, sowie kontemporären Diagnosen einer Abstiegsgesellschaft oder gar eines Untergangs des Kapitalismus. Des Weiteren wird erklärt, wie ein pessimistischer Überbietungswettbewerb, konzeptinduzierter Prävalenzwandel und der Drang, die Gesellschaft zu verbessern, in Verbindung mit radikalkonstruktivistischen Sichtweisen zu einem übermäßig negativen Gesellschaftsbild der Soziologie geführt haben. Der Text schließt mit vier Vorschlägen, wie die Soziologie ein Gesellschaftsbild entwickeln kann, das besser an die Realität angepasst ist. This article shows how sociological diagnoses of society are beset by a pessimism that is incompatible with empirical data. Historical changes in violence, poverty, pollution and social capital contradict widespread pessimistic diagnoses such as of Marx, Adorno, Bauman, Beck, and Rosa, as well as contemporary views of widespread downward mobility or even an end of capitalism. The paper explains how such unwarranted pessimism can be explained by sociologists competing for the most negative views on society, fueled by a prevalence-induced concept change, as well as an urge to improve society and radical constructivist perspectives, which led sociology towards a view of society that is more negative than society itself. The article concludes with four suggestions on how sociology can develop a more realistic view of society

    Komplexe Vertragsbeziehungen zwischen Jobcentern und Arbeitslosen: Zur Rolle der ‚Eingliederungsvereinbarung‘ in der aktivierenden Sozialpolitik

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    Menschen, die Leistungen der Grundsicherung (alltagssprachlich „Hartz IV“) erhalten, schließen in einem Beratungsgespräch zwischen Fachkräften und Arbeitslosen öffentlich-rechtliche Verträge mit dem Jobcenter ab, die sog. „Eingliederungsvereinbarungen“. Die Mixed-Methods-Studie rekonstruiert, welche Rolle die Eingliederungsvereinbarung in der Beziehung zwischen wohlfahrtsstaatlicher Institution und den Adressatinnen und Adressaten sozialstaatlichen Handelns übernimmt.&nbsp

    Methodenwelten, Konventionen und Macht

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    Für die neuere pragmatische Soziologie sind die kritische Analyse der Klassifizierungspraktiken, der Quantifizierungsweisen sowie der Rechtfertigung von Klassifikationen und Quantifizierungen im Rahmen der amtlichen Statistik ein Gründungsmoment. Insbesondere die hierzu zählende "Soziologie der Konventionen" hat Konventionen als Koordinations- und Bewertungslogiken systematisch untersucht. Sie stellt heute einen komplexen pragmatischen Institutionalismus mit breitem Anwendungsspektrum dar und kann auch als Grundlage für eine Soziologie der Sozialforschung betrachtet werden. Sie nimmt eine Pluralität von Bewertungs- und Koordinationslogiken als Grundlage auch für Sozialforschung an. Methoden, Messung, Daten, und insgesamt methodologische Praktiken, Standards und Normen sind hierbei als auf Konventionen fundiert gedacht. Entsprechend existiert eine Pluralität von Methodenwelten, in denen die wissenschaftliche Legitimität, Validität, Methodik und epistemische Werte je unterschiedlich auf solchen fundierenden Konventionen basieren. Konventionentheoretisch gesehen wird daher die Normativität und Geltungsmacht der Methodologie erst identifizierbar, wenn man die unterliegenden Konventionen einbezieht. Methodenpolitiken können dann als Machtpolitiken verstanden werden, das heißt als Politiken um die Entscheidung über und die Durchsetzung von Konventionen. Konventionentheoretisch sind das (innerwissenschaftliche) Spannungsverhältnis (in) der Pluralität der Methodenwelten sowie die in ihnen mobilisierten Probleme, Phänomene, Kategorien, Wertigkeiten nun Gegenstände. Hier ist es für die Soziologie der Konventionen naheliegend, Foucaultsche Konzeptionen von Macht, Diskurs und Dispositiv einzubeziehen. Demnach wäre Macht nicht als eine von einer sozialen Gruppe "besessene Substanz" zu denken und das Macht-Wissens-Verhältnis wäre auch auf seine konstitutiven Machteffekte hin zu untersuchen, was beispielsweise andere Perspektiven auf "Gegenstandskonstruktionen" eröffnet. Sowohl die Soziologie der Konventionen als auch die Foucaultsche Theorie bringen Konzepte von Kritik und Reflexion ein, die sich von herkömmlichen Sozialkritiken aber auch von formalen Methodenkritiken unterscheiden. Macht in Methodenwelten mobilisiert dann immer auch Kritik. Macht wird somit nicht zuerst als Reproduktionsmechanismus sozialer Strukturen, sondern in der Wechselwirkung mit Kritik betrachtet

    Sozialpolitische Aspekte hybrider Erwerbskonstellationen: Anmerkungen zu einem sich verschärfenden Problem

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    Hybride Erwerbskonstellationen stellen ein komplexes Arbeitsmarktphänomen dar, das zahlreiche noch zu klärende Aspekte beinhaltet. Einer diese Aspekte umfasst die sozialpolitischen Problembereiche und Gestaltungsmöglichkeiten, ist doch die Absicherung sozialer Risiken für den Großteil der Erwerbstätigen über die Erwerbsarbeit organisiert. Es stellt sich somit die Frage, ob überhaupt, und wenn ja, welche sozialen Risiken bei hybrider Erwerbstätigkeit abgesichert sind, ob die Absicherung adäquat ist und die durch die Absicherung angestrebten Ziele auch erreicht werden. Dabei ist zu bedenken, dass es sich nicht nur um die klassischen Bereiche der sozialen Absicherung abhängiger Beschäftigter handelt, sondern das Risikospektrum breiter ist, kann doch eine hybride Erwerbstätigkeit aus einer Mischung aus abhängiger und selbständiger Erwerbsarbeit bestehen. Dies bedeutet, dass nicht nur die Risiken Arbeitslosigkeit, Krankheit, Pflegebedürftigkeit, Erwerbsunfähigkeit, Unfall und Langlebigkeit abzusichern wären, sondern auch die Risiken einer Selbständigkeit, als da sind Auftragslosigkeit, Zahlungsausfall sowie Insolvenz. Es ist somit davon auszugehen, dass die Hybridisierung der Erwerbstätigkeit Auswirkungen auf das soziale Sicherungssystem hat und sozialpolitische Probleme aufwirft, die die Mikro-, Meso- und Makroebene betreffen. Analysen auf der Mikroebene nehmen die Risikoabsicherung aus individueller Sicht in den Blick; während Analysen auf der Mesoebene die Auswirkungen auf die mit der Absicherung befassten Institutionen (bspw. GKV oder GRV) in den Fokus zu nehmen. Analysen der Makroebene beziehen sich auf die gesamtwirtschaftliche bzw. -gesellschaftliche Situation und erfordern eine ganzheitliche Betrachtung. Vor diesem Hintergrund ist es das Ziel des Beitrags aufzuzeigen, welche Problemfelder sich durch die Erwerbshybridisierung auf diesen drei Ebenen ergeben können. Es wird ein Überblick über die potentiellen Probleme gegeben und diskutiert, ob und welche Konsequenzen sich für die Absicherung sozialer Risiken von hybrid Erwerbstätigen ergeben

    „More than human“: Konturen eines posthumanistischen Konzepts der Biopolitik

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    Der Beitrag geht von der These aus, dass sich in Foucaults Konzept einer „Regierung der Dinge“ Elemente eines posthumanistischen Konzepts von Materialität finden und fruchtbar weiterentwickeln lassen. Es ermöglicht ein anderes Verständnis von Biopolitik, das sich nicht mehr länger ausschließlich auf den »Eintritt der Phänomene, die dem Leben der menschlichen Gattung eigen sind«, bezieht (Foucault 1983, S.169). Diese wichtige theoretische Verschiebung enthält drei Dimensionen. Erstens ist eine Bewegung zu beobachten, die über das Konzept von Biopolitik mit dem Fokus auf die physische und biologische Existenz hinausführt, hin zu einer »Regierung der Dinge«, die die Verknüpfungen und Vermischungen von Menschen und Dingen, dem Natürlichen und dem Künstlichen, dem Physischen und dem Moralischen in Betracht zieht. Zweitens vermeidet das Konzept des Milieus jedes einfache oder einseitige Konzept von Kausalität oder einen Fokus auf menschliches Handeln. Drittens sind in dieser Perspektive weder Natur noch Leben selbstevidente und stabile Einheiten oder Eigenschaften. In dieser Hinsicht ist (menschliches) Leben nicht etwas Gegebenes, vielmehr hängt es von Existenzbedingungen innerhalb und jenseits von Lebensprozessen ab.Der Beitrag stellt die Konturen dieses posthumanistischen Konzepts von Biopolitik vor. Dieser konzeptionelle Vorschlag im Anschluss an Foucault vermeidet jedoch nicht nur die analytische Engführung eines auf Menschen fokussierten Regierungsbegriffs, sondern er adressiert auch zentrale Unklarheiten und ungelöste Spannungen, die viele Arbeiten der Neuen Materialismen prägen. Schließlich macht es dieser theoretische Schritt möglich, die scharfe Trennung zwischen dem Natürlichen auf der einen und dem Sozialen auf der anderen Hand zu untersuchen – und zwar als Effekt und Instrument von Regierungsrationalitäten und -technologien oder als eine spezifische Form einer »ontologischen Politik« (Mol 1999)

    Das beunruhigende Zugleich: Georg Simmel und die Objektwahl

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    Der Beitrag verfolgt eine in Georg Simmels Schriften, insbesondere in der „Soziologie“ angelegten Spur: Inwiefern oszillieren soziale Beziehungen, vor allem Intimbeziehungen wie die Partnerschaft, zwischen Subjektanerkennung und Objektivierung

    Die Körpersprache der Lüge: Eine Skizze zur Anwendung der filmgestützten Interaktionsanalyse

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    Der Beitrag untersucht die nonverbalen Verhaltensbegleiter von Lügendarstellungen im Spielfilm. Als Analyseverfahren findet die filmgestütze Interaktionsanalyse in illustrativer Absicht Verwendung

    Nur noch das machen, was Spaß macht: Auf der Suche nach der Digitalisierungsdividende für solo-selbständige Kreative

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    Die soziologische Erforschung von Arbeit in der Kreativwirtschaft hat zu wichtigen Erkenntnissen geführt, gerade wenn diese Arbeit mit Tätigkeiten in ‚traditionellen‘ Bereichen von Erwerbsarbeit verglichen wird. Allerdings werden die Unterschiede zur Normalarbeit in Forschungsarbeiten häufig als negative Abweichung interpretiert. Andererseits wird diesen Tätigkeiten nachgesagt, sie entsprächen den sich wandelnden subjektiven Ansprüchen an Erwerbsarbeit. Beschäftigte würden in ihrer Arbeit nunmehr nicht nur eine ökonomische Einkommensmöglichkeit sehen, sondern hätten zunehmend den Anspruch, sich über sinnstiftende Erwerbstätigkeiten selbst zu verwirklichen. Die Nutzung digitaler Technologien in der Erwerbsarbeit, wie auch im alltäglichen Leben von Beschäftigten verstärkt diese Entwicklungen und beschleunigt die Verflüssigung von Grenzen zwischen den Sphären der Arbeit und Freizeit nochmals. Im Beitrag wird der Frage nachgegangen, welche neuen Konstellationen verschiedener Einkommensquellen und Tätigkeitsfelder sich gerade im Bereich kreativer Arbeit im Zuge der Digitalisierung zu etablieren vermögen

    Dienstreisen: Ein Feld betrieblicher Aushandlung

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    Dienstreisen gehören seit jeher zur betrieblichen Praxis. Im Zuge der sogenannten „Normalisierung" (Kesselring, Vogl 2010) von Dienstreisen wird Mobilität zur Anforderung an Beschäftigte, sie wird zum integralen Bestandteil des Arbeitsalltags. Zugleich verursachen Dienstreisen Kosten für Unternehmen. Unter dem Druck internationalisierter Wertschöpfung – trotz I&K-Technologien lassen sich persönliche Treffen nicht vollständig substituieren – ist anzunehmen, dass das Dienstreiseaufkommen (weiterhin) steigen bzw. auf relativ hohem Niveau verbleiben wird. Das stellt sowohl Beschäftigte als auch Betriebe vor Herausforderungen. Der Beitrag untersucht die Arbeitsbeziehungen zwischen Dienstreisenden und der Unternehmensführung. Er stellt unterschiedliche empirisch basierte Muster reziproker Aushandlung von Dienstreisen vor dem Hintergrund der spezifischen (neuen und alten) Anforderungen an Mobilität und Arbeit von Dienstreisenden vor. Dienstreisen bilden die Schnittstelle zwischen fordistischer Arbeitsregulation und postfordistischer Arbeits- (und Dienstreise-)praxis und verdeutlichen exemplarisch, wie auf Ebene der Arbeitsbeziehung Arrangements ausgehandelt werden, die sich jenseits herkömmlicher betrieblicher Arbeitsorganisation bewegen und Entgrenzung räumlich, zeitlich und sozial bearbeiten. &nbsp

    Die Verschränkung von Lokalem und Globalen an Einkaufsorten: Das Verhältnis von Forminvestitionen, Intermediären und Raumwirkungen in Produktion, Distribution und Konsum von Lebensmitteln in Deutschland und Thailand

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    Die Organisation der Märkte für Lebensmittel steht je nach Kontext mit verschiedenen relevanten Intermediären im Zusammenhang, die sich wiederum auf eigene Interaktionslogiken berufen (Konventionen). Als Konsequenz lassen sich unterschiedliche Raumwirkungen in Bezug auf lokale und globale bzw. translokale Warenketten begründen. Der exemplarische Vergleich (Deutschland und Thailand) macht deutlich, dass das typische Wechselspiel der Intermediäre im Kontext der Marktentnahme untereinander und mit dem Konsum- und Produktionskontext lokalspezifische variiert. Diese Verschränkungen basieren auf etablierten Wissensbeständen sowie Praktiken, die sich wechselseitig mit materiellen und immateriellen Infrastrukturen stabilisieren (Forminvestitionen). Die so entstehenden lokalen Verwobenheiten beeinflussen sowohl die Chancen als auch die Hindernisse für langfristige Marktentwicklung. Mit anderen Worten ist die ortstypische Verflechtung zwischen Lokalem und Globalen zumindest auf Lebensmittelmärkten empirisch deutlich stabiler, als in wirtschafts- und raumsoziologischer Literatur gemeinhin unterstellt wir

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