Publikationen der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
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    Sportunterricht aus der Perspektive jugendlicher Peergroups: Rekonstruktion kollektiver Orientierungen und konjunktiver Erfahrungsräume

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    Im Beitrag werden ausgewählte Ergebnisse einer qualitativen Studie zu handlungsorientierenden Wissensbeständen von Schüler*innen im Sportunterricht dargelegt. Für die Sportunterrichtsforschung wird in diesem Zusammenhang eine Ergänzung der bislang gängigen Untersuchung von Einzelpersonen vorgenommen, indem der Blick auf jugendliche Peergroups gelenkt wird. Die Perspektive jugendlicher Peergroups auf Sportunterricht wird mit dem Gruppendiskussionsverfahren erhoben. Die Daten werden mit der dokumentarischen Methode in Bezug auf kollektive Orientierungen und konjunktive Erfahrungsräume ausgewertet. Anhand ausgewählter Ergebnisse wird im Beitrag diskutiert, wie sich ein kollektivzentrierter Zugang zum Sportunterricht begründen lässt und welche erkenntnisbezogenen Potenziale er für die Sportunterrichtsforschung eröffnen kann

    Global Historical Sociology und Globalgeschichte vor der Herausforderung des spatial turn

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    Global Historical Sociology (GHS) ist ein relativ junges Phänomen und setzt sich kritisch mit der Idee auseinander, die Welt sei aus fixen Einheiten zusammengesetzt (Gesellschaften bzw. Staaten), denen bestimmte Charakteristika (Variablen) eigen sind. Vielmehr sei eine Welt der sich wandelnden Verräumlichungen sozialer Interaktionen und eine Welt der sich historisch entfaltenden und ablösenden Konstruktionen sozialer Objekte bzw. Beziehungen der Ausgangspunkt für die GHS. Diese Agenda nimmt Diskussionen aus der Globalgeschichte seit den späten 1980er Jahren auf. GHS und Globalgeschichte stehen vor der Herausforderung, wie sie die unter Globalisierungsbedingungen beschleunigt ablaufende Neuverräumlichung der Welt erfassen und welche Rolle sie selbst in der gegenwärtig zu beobachtenden Proliferation von Raumsemantiken spielen wollen. Der sogenannte spatial turn hat viele Disziplinen inspiriert. Gleichwohl wirkt noch immer die Hierarchisierung nach, die sich um 1900 entfaltete und in der sich der Nationalstaat alle anderen Formen der Verräumlichung unterordnete und eine passende Semantik etabliert wurde, die für viele Disziplinen bis heute weitgehend konstitutiv geblieben ist. Wir entwickeln dagegen ein Kategoriensystem, das Verräumlichungsprozesse, territoriale und nicht-territoriale Raumformate sowie eine tendenziell globale Raumordnung in einen systematischen Zusammenhang bringt und dessen historischen Wandel beobachtet. Das im Mittelpunkt dieses Vortrags stehende Kategoriensystem versucht dabei eine Beschreibungssprache für die räumliche Verfasstheit sozialer Interaktionen zu entwerfen, die sich von der Prägung durch eine spezifische (westliche) historische Erfahrung emanzipiert, statt diese unreflektiert zugrunde zu legen

    Infrastrukturen für Forschungsdaten der qualitativen Sozialforschung: Überblick und aktuelle Herausforderungen

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    Der Artikel stellt das soziologische DFG-geförderte Infrastrukturprojekt »aviDa – Entwicklung einer Forschungsdateninfrastruktur für audio-visuelle Daten der qualitativen Sozialforschung« vor und nennt Ziele, Herausforderungen und geplante Entwicklungen des Projekts. Zudem bietet der Beitrag einen aktuellen Überblick über eine Reihe etablierter qualitativer Forschungsdateninfrastrukturen in Deutschland und summiert deren Status Quo sowie aktuelle Herausforderungen. Außerdem widmet sich der Text der Initiative zur Entwicklung einer Nationalen Forschungsinfrastruktur und zeichnet dabei ein aktuelles Stimmungsbild innerhalb verschiedener qualitativer Forschungscommunities nach. Schließlich befassen wir uns mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden verschiedener qualitativer Forschungsdateninfrastrukturen und geben einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen im Rahmen des Projekts aviDa. The article presents the sociological DFG-funded infrastructure project »aviDa - Development of a research data infrastructure for audio-visual data of qualitative social research«. Objectives, challenges and planned developments of the project are discussed. In addition, the article provides an up-to-date overview of a number of established qualitative research data infrastructures in Germany and summarises their status quo as well as current challenges. The paper deals with the initiative for the development of a national research infrastructure and traces the current mood within various qualitative research communities. Finally, we discuss similarities and differences of various qualitative research infrastructures and give an outlook on future developments within the project aviDa

    Sicherheitsproduktion in unübersichtlichen Zeiten: Ist die Innere Sicherheit fit für die Zukunft?

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    Globale und lokale Entwicklungen der letzten Jahre, allen voran Krisen, Kriminalität, Terrorismus und Katastrophen jedweder „Couleur“, haben die große Bedeutung einer funktionierenden Sicherheitslandschaft in Deutschland mehr als deutlich gemacht. Der Bereich der Inneren Sicherheit bildet einen Teil des nationalen Sicherheitssystems ab. Gleichzeitig handelt es sich um ein Politikfeld, welches eine für seinen sektoralen Bereich spezifische Akteurszusammensetzung, Struktur, Entscheidungsprozesse und Inhalte aufweist (Blum, Schubert 2011, S.14–17). Dabei werden nicht nur staatliche Akteure berücksichtigt, sondern alle Akteure, die Einfluss auf die Inhalte der Inneren Sicherheit nehmen. Bei den Flüchtlingsbewegungen nach Deutschland zwischen 2015 und 2016 waren beispielsweise zusätzlich zu Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS), Kommunen und privaten Sicherheitsunternehmen insbesondere zivilgesellschaftliche Akteure (zum Beispiel Bevölkerung, Non-Profit-Organisationen) sowie Medien involviert. Neben den wechselseitigen Beziehungen und Interaktionen im Feld stehen vor allem Über- und Unterordnungsverhältnisse, Strukturen und Abläufe, Regeln, Normen, Deutungssysteme, Erwartungen, Diskurse, Konflikte und Zusammenhänge des deutschen Sicherheitssystems im Fokus. Charakteristisch für Letzteres ist ein relativ „starres Gehäuse“ mit einer dominierenden und legitimierenden rechtlichen Textur. Vor dem Hintergrund der oben aufgeführten dynamischen Umwelt und der an Komplexität gewinnenden Lagen zeigt sich allerdings, dass das Bild einer Sicherheitsgewährleistung seitens polizeilicher und nicht-polizeilicher Gefahrenabwehr allein zu kurz greift. Seit einiger Zeit wird zudem ersichtlich, wie wichtig die subjektive Wahrnehmung von Sicherheit ist und dass der bewusste Einbezug der Bevölkerung in die Herstellung von Sicherheit eine enorme Bedeutung hat: „Das Strafrecht wird zunehmend zum Mittel gegen allgemeine gesellschaftliche Verunsicherung und das \u27subjektive Sicherheitsgefühl\u27 gewinnt dabei weiter an Legitimationskraft für \u27law and order\u27-Kampagnen“ (Stegmeier, Feltes 2008, S.305). Das Verständnis einer Sicherheitsproduktion im Sinne einer permanenten Dienstleistung an und mit der Bevölkerung als Ko-Produzentin von Sicherheit drängt sich zunehmend auf. Die Frage ist allerdings, inwieweit das deutsche Sicherheitssystem eine so verstandene Sicherheitsproduktion zulassen kann. In dem Zusammenhang will der Beitrag die Frage beantworten: „Ist die Innere Sicherheit fit für die Zukunft?

    Nachhaltigkeit: Unmögliches Konzept, neue Herrschaftsideologie oder systemsprengende Utopie?

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    Der Beitrag skizziert ausgehend von der These vom Ende der Utopie die Entwicklung des Nachhaltigkeitskonzepts und verfolgt drei Thesen, indem Nachhaltigkeit als ein scheinbar unmöglich zu realisierendes Konzept, als neue Herrschaftsideologie und als systemsprengende Utopie thematisiert wird. Es wird vorgeschlagen die Ideologie- und Utopieforschung aus der Vergangenheit in die Gegenwart zu holen und am Beispiel von Nachhaltigkeit nach der Seinsgebundenheit dieser Idee zu fragen. Ist Nachhaltigkeit eine die bestehende Ordnung spiegelnde, legitimierende und stabilisierende Herrschaftsideologie oder eine kritisch-transformative Utopie, die nach radikalen Veränderungen strebt

    Wie können sozial situierte Subjekte objektive Standards bereitstellen? Überlegungen in Anschluss an die Methodologie Sandra Hardings

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    Der vorliegende Beitrag reagiert auf die zunehmende Kritik aus unterschiedlichen Richtungen, die die Geschlechterforschung gemeinsam der Unwissenschaftlichkeit beschuldigen und sie so auf ihren gesellschaftspolitischen Gehalt reduzieren. Dies nehmen wir zum Anlass, uns in kritischer Weise mit den methodologischen Implikationen der Konzepte der Wissenschaftstheoretikerin Sandra Hardings auseinanderzusetzen. Diese erheben den Anspruch, von einem intersektionalen Standpunkt aus objektive(re), da nicht an die Wertfreiheit gebundene, Erkenntnisse für die wissenschaftliche Forschung zu gewinnen. Wir erörtern dazu den analytischen Gehalt, wie auch die immanenten Restriktionen ihrer Konzepte der strong objectivity und strong reflexivity sowie der outsiders within. Darauf aufbauend schlagen wir eine konsequent relationale Re-Konzeption der Figur der outsiders within vor, die drei Deutungsperspektiven impliziert: ein erkenntnistheoretischer Ausgangspunkt, ein konkretes Forschungsprogramm, wie auch ein normatives Postulat

    Soziologie der Nachhaltigkeit: Zwischen Transformation und Reflexion

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    Das in der Soziologie neu auflebende Interesse an Nachhaltigkeitsforschung lässt sich als ‚zweite Welle‘ einer Soziologie der Nachhaltigkeit deuten. Dass dabei andere Perspektiven als zu Beginn der soziologischen Befassung mit Nachhaltigkeit in den Vordergrund rücken, scheint sich angesichts des veränderten gesellschaftlichen Kontextes von selbst zu verstehen. Jedoch: Wie lassen sich die Besonderheiten einer solchen ‚zweiten Welle‘ näher bestimmen? Wie lassen sie sich von der ‚ersten Welle‘ soziologischer Nachhaltigkeitsforschung in den späten neunziger und frühen zweitausender Jahren abgrenzen? Darüber hat sich in der Onlinezeitschrift Soziologie und Nachhaltigkeit (SuN) sowie auf der Sektionssitzung des Göttinger Soziologiekongresses eine Diskussion zwischen Karl-Werner Brand, Vertreter*innen des DFG-Netzwerks Soziologie der Nachhaltigkeit sowie einer soziologischen Öffentlichkeit mit Schwerpunkten vor allem in der Umwelt-, Wissens- und Wissenschaftssoziologie entwickelt. Diese Debatte soll in zusammenfassend-resümierender Weise hier für eine breitere Fachöffentlichkeit wiedergegeben werden.&nbsp

    Das Paarinterview: Method(olog)ische und forschungspraktische Überlegungen am Beispiel prekär beschäftiger Paare

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    Das Leben in Paarbeziehungen gilt als kulturelle Selbstverständlichkeit des globalen Nordens. Paarbeziehungen fanden in der Soziologie aber lange kaum Aufmerksamkeit, wenngleich Simmel (1985 [1921/22]) sie schon früh als Realität sui generis und als eigenständigen Analysegegenstand fasste. Mit dem Brüchigwerden des geschlechterungleichen männlichen Ernährermodells des golden age of marriage and the family haben sich Familien- und Lebensformen pluralisiert. Geschlechterungleichheiten in Paaren haben sich zum Teil verringert, aber bestehen trotz Egalisierungstendenzen fort. Vor diesem Hintergrund ist auch in der Soziologie das Interesse an Paarbeziehungen als Realität sui generis und eigenständigem Untersuchungsgegenstand gewachsen, zu deren Erforschung zunehmend (wenn auch noch insgesamt selten) paarzentrierte Analyseinstrumente eingesetzt werden. Bisher existieren aber nur wenige systematische Ausführungen hierzu. In unserem Beitrag stellten wir daher methodologische Grundlagen des Paarinterviews in der interpretativen Sozialforschung sowie methodische und methodenpraktische Aspekte seiner Anwendung vor (Wimbauer, Motakef 2017a,b). Diese veranschaulichten wir an empirischem Material aus dem DFG-Projekt „Ungleiche Anerkennung? ‚Arbeit‘ und ‚Liebe‘ im Lebenszusammenhang prekär Beschäftigter“ (Wi2142/5-1) (Motakef, Wimbauer 2018; Motakef, Bringmann, Wimbauer 2018). Wir diskutierten besondere Erkenntnisinteressen und -möglichkeiten des Paarinterviews, thematisierten Anwendungsbereiche, Stärken, aber auch method(olog)ische Grenzen von und offene method(olog)ische Fragen zum Paarinterview. Am Beispiel von Interviews mit prekär beschäftigte Paaren zeigten wir, wie es durch Paarinterviews möglich wird, Einblicke in vielfältige relationale Aspekte und insbesondere in die Interaktionen, Aushandlungen, Performances und Präsentationen des Paares und als Paar in situ zu erhalten. Mittels Paarinterviews können Macht- und Ungleichheitsverhältnisse im Paar sowie die Prozesshaftigkeit und Dynamik des Sozialen ausschnitthaft beobachtet werden

    Die Unionsbürgerschaft in sozialrechtlicher Perspektive

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    Die Europäische Säule Sozialer Rechte stellt den jüngsten Vorstoß der Europäischen Kommission dar, die soziale Dimension Europas zu stärken. Nimmt man jedoch T.H. Marshalls Konzept sozialer Rechte ernst, zeigen sich die Unzulänglichkeiten der bisher im europäischen Rechts- und Wirtschaftsraum der EU etablierten sozialen Rechte und sozialpolitischen Maßnahmen. In einem transnationalen sozialen Gefüge, das seine Grundfreiheiten auf grenzüberschreitenden Verkehr und Mobilität hin zentriert, erweist sich das zunehmend als problematisch, nicht zuletzt weil soziale Rechte, so Marshall, die Ausübung der anderen bürgerlicher Rechte auf einer breiten Basis überhaupt erst ermöglichen

    “A Cool Dude Has Cash, Bike, iPhone and a Girl”: Muslim-sein und Dating in Lucknow (Indien)

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    Am Beispiel der nordindischen Großstadt Lucknow setzt sich der Beitrag mit „Dating“ als verkörperte Mittelschichtspraxis auseinander. Insbesondere wird dabei auf Veränderungen vorehelicher Beziehungsformen im Kontext technologischen Wandels und der Nutzung von Dating Apps eingegangen. Anhand vorehelicher Beziehungsformen junger Mittelschichtsmuslime wird diskutiert, wie im Alltag Vorstellungen über Maskulinität, Femininität, Jugendkultur und indischer Moderne on- und offline ausgehandelt und einhergehende Widersprüche mit familiären und religiösen Erwartungen kreativ gelöst werden. Dabei wird deutlich, wie Dating- und Konsumpraxen Zugehörigkeitsdimensionen schaffen, die sich über spezifische Peer-Gruppen und Jugendkulturen mit ihren Konsumwünsche, Lifestyle Orientierungen und Narrativen eines selbstbestimmten Lebens generieren. Abschließend diskutiert der Artikel daher, wie es jungen Erwachsene über Dating und Konsumhandeln gelingt, das Dispositiv des „backward Muslims“ im Alltag zu hinterfragen und Zugehörigkeit letztlich nicht nur zu bestimmten Peer-Gruppen, sondern auch zum Narrativ ‚indische Moderne‘ herzustellen

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