Publikationen der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
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    Drinnen oder Draußen: Zur Heterogenität von Digital Lives

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    Nicht nur im Beiklang von ‚Internetznutzung‘ und deren quantitativer Zunahme, sondern auch in einer Reihe aktueller Studien schwingt die Annahme mit, dass die Veralltäglichung von Digitaltechnik auf eine Vereinheitlichung digitaler Leben hinausläuft. Im Beitrag wird diese These aus einer Mediatisierungsperspektive aufgegriffen, die Einzelelemente nicht korrelationistisch betrachtet, etwa digitale Technik und Kultur einander im Sinne etwaiger Bedingungsverhältnisse gegenüberstellt. Das Gefüge digitalen Lebens impliziert vielmehr Kulturpraktiken, Technikaneignung sowie sozialstrukturelle Selbst- und Fremdverortung. Im Beitrag werden zentrale Elemente dieses gegenwärtigen, komplexen Gefüges digitaler Leben rekonstruiert. Dargestellt wird dabei auch die Bedeutung von Infrastrukturen, die allerdings in der Debatte zu Digitalisierung und digitalen Leben eine systematisch verzerrende Schlagseite erhalten hat

    The Map is in the Territory: Eine Situationsanalyse Transdisziplinärer Subjektivierungsweisen

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    Der vorliegenden Artikel setzt sich mit den kartographischen Strategien der von Adele Clarke (2018) ausgearbeiteten Situationsanalyse für das qualitative Methodenrepertoire sowie für die Subjektivierungsforschung auseinander. Der Fokus liegt dabei auf den konkreten forschungspraktischen Einsatzmöglichkeiten von Karten im Hinblick auf das Sampling und die Datenerhebung, die Analyse und Interpretation von Datenmaterial sowie die Reflexivität qualitativer Sozial- und Diskursforschung. Am Beispiel einer Situationsanalyse zur Aushandlung von Verantwortlichkeiten, Kompetenzen und Normativitäten wissenschaftlicher Subjektpositionen im Kontext der Transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung reflektiert der Artikel den Einsatz kartographischer Strategien für die Interpretation und Repräsentation von Datenmaterial und Ergebnissen

    Hybride Arbeit auf dem Kulturarbeitsmarkt: Dimensionen einer neuen Spielart flexibler Arbeit

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    Der Beitrag beschäftigt sich mit einer neuen Spielart flexibler Erwerbstätigkeit: mit hybriden Arbeitsverhältnissen. Darunter ist die sequenzielle bzw. synchrone Verbindung von abhängiger und selbstständiger Arbeit zu verstehen. Sie signalisiert eine voranschreitende Auflösung der Dichotomie von abhängiger und selbständiger Erwerbsarbeit und nicht zuletzt auch die weitere Dezentrierung des institutionalisierten Lebensverlaufs. Schrittmacher dieser Entwicklung ist der Dienstleistungsbereich. Dort sind hybride Arbeitsverhältnisse vorrangig in den professionell gering regulierten Branchen verbreitet. Es handelt sich jedoch um ein noch wenig erforschtes Phänomen der Arbeitswelt 4.0. Ziel ist das Phänomen hybride Arbeit in einem Annäherungsversuch systematisch zu ordnen und anhand von drei Dimensionen eine tentative Suchheuristik für diese neue Spielart von flexibler Erwerbstätigkeit vorzuschlagen und dabei die Verschränkung von Arbeitsmarkt und Erwerbsverläufen im Blick zu haben. Exemplarisch herangezogen wird der Kulturarbeitsmarkt. Die These lautet, dass hybride Arbeitsverhältnisse auf dem Kulturarbeitsmarkt einen (neuen) Baustein von diskontinuierlichen Erwerbsverläufen bilden, die sich in einer spezifischen Form von Portfoliokarrieren, d.h. als Abfolge von Projektarbeit im Spannungsfeld von abhängiger und selbstständiger Erwerbsarbeit entfalten. Argumentiert wird, dass diese hybriden Erwerbskarrieren  a) eine Folge von marktorientierten Flexibilisierungsprozessen sind, b)  Teil einer Strategie der Diversifizierung des Erwerbsportfolios und c) einen subjektiven Versuch darstellen, Berufs- und Lebenskonzepte mit Arbeitsmarktrealitäten zu synchronisieren, um der aus subjektiver Sicht \u27eigentlichen Arbeit\u27 nachgehen zu können

    Zufall im echten Leben? Wie Zufallsnetzwerke ein romantisches Netzwerk modellieren

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    Die primäre Aufgabe der Soziologie ist das Verstehen und Erklären kollektiver sozialer Phänomene. Eine Grundvoraussetzung dafür ist jedoch erstens die Annahme, dass Interaktionen auf der Mikroebene zufällig sind und damit sinnhaft interpretierbar sind. Zweitens müssen aggregierte Phänomene von Zufall zu unterscheiden sein. In der Netzwerksoziologie ist das besonders deutlich, wo trotz sehr diverser Annahmen und Modellen die Literatur explizit Netzwerkmuster beobachtet, die offensichtlich nicht zufällig sind und erfolgreich Mikromechanismen vorgestellt hat, die diese erklären können. Hier wird ein Fall vorgestellt, wo beides nicht gelingt. Im 2004 erschienenen Papier „Chains Of Affection“ von Bearman, Stovel und Moody wird ein romantisches Netzwerk in einer Amerikanischen High School beschrieben und modelliert. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass eine spezielle lokale Norm für die wichtigsten strukturellen Merkmale dieses Netzwerkes verantwortlich ist, wie z.B. die Abwesenheit von Kreisen der Länge 4. Im vorliegenden Papier wird ein Alternativmodell vorgestellt. Es zeigt, dass die Struktur des besagten Beziehungsnetzwerks sich durch ein einfaches Zufallsmodel reproduzieren lässt. Die Ergebnisse meiner Simulationen ergeben, dass nicht nur die Summe der Kreise, sondern auch mehrere weitere Paramater genau und mit sehr wenig Annahmen geschätzt werden können. Das hierfür verwendete Modell ist überraschenderweise ein sogenanntes Erdös-Renyi Modell, die einfachste Version eines zufälligen Graphen. Trotz der Einfachheit ist das Modell in Bezug auf wenigen Parametern nicht robust, ist aber der erste Fall, wo Zufallsnetzwerke erfolgreich ein empirisches Netzwerk modellieren können

    Kausalität, Wahrscheinlichkeit und Verstehen: Der Einfluss des Physiologen Johannes von Kries auf die Wissenschaftslehre Max Webers

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    In diesem Beitrag soll der Hintergrund von Webers Rezeption der Wahrscheinlichkeitstheorie, die Theorie der objektiven Möglichkeit des Physiologen Johannes von Kries, die sogenannte Spielraumtheorie näher beleuchtet werden. Insbesondere soll dabei auf juristische Anwendungen dieses Wahrscheinlichkeitskonzeptes eingegangen werden und wie sich Weber dies für eine Methodologie historischer Kausalanalyse zunutze machte.  Vor dem Hintergrund der Neukantianischen Philosophie von Erkenntnis als Begriffsbestimmung ordnete von Kries den Begriff der objektiven Möglichkeit in eine Theorie unscharfer Begriffe ein. Dieses Konzept hat in der Rechtswissenschaft Anwendung gefunden als als Theorie der adäquaten Verursachung. Diese Methodik ist wiederum von Max Weber zur Untersuchung historischer Kausalzusammenhänge aufgegriffen worden. Adäquate Ursachen sind solche, in denen die Geschichte einen anderen Verlauf hätte nehmen können. Hierzu bedient sich Weber der kontrafaktischen Analyse, wie sie in der Rechtswissenschaft entwickelt worden ist, um historische Kausalzusammenhänge zu studieren

    Prekarität als kollektive Herausforderung im Haushaltskontext: Zur Notwendigkeit und Methode kollektiver Erhebungsverfahren

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    Zu Formen und Folgen prekärer Beschäftigung liegen umfangreiche sozialwissenschaftliche Kenntnisse vor. Sehr viel weniger wissen wir hingegen über die sozialen Kontexte, die das Gefährdungs- und Ausgrenzungspotential unsicherer Erwerbsbeteiligung entscheidend bestimmen. Insbesondere der Haushalt als Lebenszusammenhang und Wirtschaftsgemeinschaft bedarf diesbezüglich deutlich stärkerer soziologischer Aufmerksamkeit. Deshalb stehen Bewältigungsstrategien von Haushalten, die mit prekären Beschäftigungswirklichkeiten konfrontiert sind, und die Frage, inwieweit unsichere Beschäftigungsformen prekäre Muster der Haushalts- und Lebensführung hervorbringen, im Mittelpunkt eines DFG-Forschungsprojekts am Soziologischen Forschungsinstitut (SOFI) Göttingen. Zentrale Fragen des Projekts lauten: Bildet der Haushalt eine Kraftquelle, um prekäre Arbeits- und Lebenssituationen bewältigen zu können oder wirkt er eher als Prekaritätsbeschleuniger? Welche Rolle spielen zudem Unterstützungsformen von außen (z.B. soziale Nahbeziehungen, öffentliche Infrastrukturangebote, staatliche Transferleistungen)? Kommt es aufgrund der Veränderung der Lebensformen und Haushaltsstrukturen zu einem Bedeutungsgewinn familiärer Bindungen oder sozialer Netzwerke bei der Bewältigung prekärer sozialer Lagen? Um diese Fragen beantworten zu können, werden im Projekt unterschiedliche Haushaltskonstellationen, die von unsicheren Beschäftigungsformen getragen werden, mittels biografisch-narrativer Haushaltsinterviews untersucht. Der Schwerpunkt wird damit von Individualbiografien auf Haushalte, auf deren gemeinsame Geschichte sowie auf deren Lebensführungsmuster und Bewältigungsstrategien verschoben. Das Projekt erweitert damit den Blick auf die sozialen Folgen prekärer Beschäftigung: Prekarität wird nicht mehr als individuelles Problem betrachtet, sondern als eine kollektive Herausforderung im Haushaltskontext

    Songdo: Raumkonstitution in digitalisierten Lebensräumen

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    Wie beeinflussen Prozesse der Digitalisierung die Arbeits- und Lebensverhältnisse in verschiedenen Weltregionen und transnationalen sozialen Räumen? Zu der Frage dieses Plenums sollen im Folgenden erste Ergebnisse eines DFG-Projektes zum Thema „Smart Cities: Alltagshandlungen in digitalisierten Lebensräumen“ dargestellt werden[1]. Hierzu werde ich zunächst kurz den Fall Songdo vorstellen. Im Anschluss werde ich über skizzenhafte Einblicke in die Feldforschung[2] zeigen, wie der Versuch, eine Smart City zu bauen, Strukturen der Moderne wie funktionale Differenzierung, die Dichotomie von Bahn und Ort, koloniale Deutungsmuster, Entmischung etc. weiterführt und dennoch Raumanordnungen verschiebt.   [1] Das Projekt wird von Jörg Stollmann und mir gemeinsam geleitet und von Domink Bartmanski, Timothy Pape und Seonju Kim durchgeführt. Es ist ein Teilprojekt im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 1265 „Re-Figuration von Räumen“. Diese Veröffentlichung wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt. Projektstart: 1.1.2018. [2] Im Projekt werden Methoden des Städtebaus und der Soziologie kombiniert. Das heißt, es werden narrative Interviews mit Experten/Expertinnen sowie mit Bewohner/-innen und Mappings der Ethnograf/-innen wie auch der Bewohner/-innen ausgewertet; es werden ethnografische Erhebungen (auch unter Verwendung der Fotografie) durchgeführt und Planungsunterlagen analysiert

    Interprofessionalität: Zur Verwendungsweise und dem analytischen Gehalt eines Begriffs in sich wandelnden professionellen Feldern

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    Aktuelle Ergebnisse der allgemeinen Professionalisierungstheorie weisen darauf hin, dass die Semantik der Interprofessionalität uneinheitlich, jedoch zumeist zur Durchsetzung praktischer Interessen verwendet wird. Noch nicht professionalisierte oder deprofessionalisierte Prozesse scheinen durch die Qualifizierung als „interprofessionell“ indiziert und zugleich maskiert. Dass die Interprofessionalitätssemantik aber nicht zwingend eine strategisch-manipulative sein muss, zeigen spezifische Analysen aus dem Feld professionalisierbaren Handelns, die wir hier kurz vorstellen. In der Praxis sind Formen der Abgrenzung von Professionen wie der Übergabe des Problems unausweichlich. Wechselseitiges Wissen einerseits um Potentiale anderer Professionen, andererseits um die Frage, wann für welche Profession etwas zum Fall werden soll, ist notwendig. Der Fallbegriff ist also zentral. Es muss darum gehen, die Ressourcen eines Klienten abzuschätzen. Gemeinsamkeit kann hier erreicht, aber kaum allein organisatorisch bewerkstelligt werden (was manifest wird etwa in der Überbetonung des Teams), sondern bedarf des Ermessens und Abwägens, produktiv oder eben nicht produktiv intervenieren zu können. Dieser Ermessensspielraum fusst auf einer unspezifischen Verpflichtung gegenüber dem Wohl des Klienten

    Zwischen Vorschriften, Anreizen und Rollenbildern: Gleichstellungsbezogene Handlungsorientierungen und Handlungsweisen von Professor/-innen

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    Die Gleichstellung von Frauen und Männern ist verfassungsrechtlich im Grundgesetz in Art. 3 Abs. 3 verankert, d.h. der Staat soll dort tätig werden, wo eine Gleichberechtigung von Frauen und Männern noch nicht erreicht ist. Dieser Verfassungsauftrag gilt auch für Hochschulen. In Anbetracht der Vielzahl einschlägiger Vorschriften, Förderprogramme und Anreizsystemen zur Gleichstellung in Forschung und Lehre – u.a. im Rahmen der ›Forschungsorientierten Gleichstellungsstandards‹ der DFG – erstaunt es, dass die Gleichstellung im Wissenschaftsbetrieb, vor allem gemessen an dem Anteil von Wissen­schaftler/innen auf höheren Karrierestufen, nur sehr langsam voranschreitet. Unklar ist, was bei den hochschulischen Akteur/innen in Bezug auf Gleichstellung tatsächlich ›ankommt‹, d.h. welches Wissen sie bezüglich sie bezüglich einschlägiger Vorgaben und Regelungen haben und wie dieses Wissen in Verbindung mit Geschlechter- und Rollenbildern ihr alltägliches berufliches Handeln beeinflusst. Inwieweit sind gleichstellungspolitische Wissensvorräte in der Hochschule diskursiv verfügbar, inwiefern werden sie als ›Veränderungswissen‹ wirksam und tragen zum Wandel organisationaler Kultur und individuellen Handelns bei? Der Vortrag geht diesen Fragen mit Bezug auf die Statusgrup­pe der Professorinnen und Professoren nach, denen im Rahmen ihrer Aufgaben in Forschung, Lehre und Personalmanagement eine hohe Bedeutung als Gatekeeper zukommt. Er basiert auf den Ergebnissen einer größeren durch das NRW-Wissenschafts­ministerium finanzierten, fast abgeschlossenen qualitativen Studie, in deren Zentrum Interviews mit Professorinnen und Professoren unterschiedlicher Hochschulen und Fachkulturen sowie Gleichstellungsakteur/innen an Hochschulen standen

    European Colonial Entanglements: Questions of Historical Sociology and Progress

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    The European project of modernity is usually associated with the development of nation-states (of citizenship bound to territoriality as Weber put it), but is better understood as founded through colonial endeavours, that is of empires rather than nations. In this context, the ‘modern’ is, in fact, the ‘colonial modern’, where territoriality involved domination and preferential inclusion for ‘domestic’ populations within a racialized political community across borders. This has implications for how we think about sociology and its associated concepts and categories. In this contribution, I question the association of Europe with progress and seek to demonstrate how the very structuring of our discipline makes it difficult to account for illiberal practices both within and outwith the continent. Whereas ethno-nationalism is usually perceived as a feature of postcolonial ‘new’ nations, we can also understand it to be a feature of Europe after (and through) empire. A ‘connected sociologies’ approach that recognizes Europe’s constitution through colonialism would provide us with more adequate resources for dealing with the problems that currently face us.&nbsp

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