Publikationen der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
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    ‚Manchmal erreichen sie ein gutes Leben, manchmal kommen sie im Sarg zurück‘: Soziale Welten der Migration aus Perspektive der Herkunftsorte

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    Während sich die Migrationsforschung insbesondere für die Wege, Netzwerke und Aufenthaltsorte von Migrant*innen interessiert hat, rekonstruiere ich in meiner Doktorarbeit die Bedeutung von Migration aus Perspektive der Herkunftsorte. Mit meiner Forschung setzte ich an das Forschungsfeld des migration–left behind nexus an. Ausgangspunkt meiner Annahme bilden die Arbeiten aus der Transnationalisierungsforschung, die gezeigt haben, dass die an den Herkunftsorten Bleibenden an einem transnationalen sozialen Raum partizipieren (Faist 2000). Indem ich die Erzählungen der Bleibenden zum Ausgangspunkt mache, zeige ich auf, dass die Wanderungen in den globalen Norden nicht nur auf globale Ungleichheiten und die \u27Kolonialität der Migration\u27 (Gutiérrez Rodríguez 2018) verweisen. Innerhalb der gemeinschaftlich organisierten comunidades [Gemeinden] nimmt die Migration einzelner Mitglieder eine kollektive Bedeutung an

    Transnationale Kindheiten: Transnationalität als Perspektive zur Erforschung der Dynamiken globaler und lokaler Entwicklungen in kindheitssoziologischer Perspektive

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    Der Beitrag bezieht das Kongressthema „Komplexe Dynamiken globaler und lokaler Entwicklungen“ auf Kindheiten in transnationaler Perspektive. Wir denken, dass Transnationalität einen angemessenen Fokus darstellt, um eben jene im Kongresstitel angesprochene Verknüpfung von Globalität und Lokalität nicht nur in den Blick zu nehmen, sondern auch ihrer Komplexität und Dynamik gerecht zu werden. Diese These entwickeln wir zunächst, indem wir die für die Migrationsforschung entwickelte Kritik eines methodologischen Nationalismus auf die Kindheitsforschung erweitern und in Abgrenzung hierzu unser Verständnis von Transnationalität schärfen. Im zweiten Teil des Beitrags schließlich loten wir das Potential einer derartigen transnationalen Perspektive entlang unterschiedlicher Forschungsfelder der Kindheitsforschung aus um abschließend einige mögliche Entwicklungslinien einer transnationalen Kindheitsforschung zu skizzieren

    Der Deutungswandel der Zwangsarbeit in der International Labour Organization (ILO):: Eine vergleichstheoretische Perspektive

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    Als soziales Phänomen ist Zwangsarbeit gleichermaßen alt und aktuell. Hierfür ist die International Labour Organization (ILO), die sich seit der Zwischenkriegszeit mit Zwangsarbeit befasst und seitdem das Diskursfeld darüber entscheidend geprägt hat, maßgeblich. Bezog sie das Phänomen während der Zwischenkriegszeit auf Kolonien, stellt sie dieses heute in den Strukturkontext globaler sozialer Ungleichheit. Hier setzt der Beitrag an, der nach den Kontinuitäten und Brüchen der Deutung von Zwangsarbeit in der ILO fragt. Wir wollen zum einen die Historizität der Kategorie Zwangsarbeit im imperialen Kontext der Zwischenkriegszeit zum anderen ihre gegenwärtige globale Verortung diskutieren. Das Phänomen der Zwangsarbeit soll in der Perspektive der Global Historical Sociology behandelt und als ein untersuchungsrelevanter Gegenstand der Arbeits- und Weltgesellschaftsforschung beleuchtet werden. Aus vergleichstheoretischer Sicht wird die Klassifikation der Zwangsarbeit als ein kontingentes historisch-spezifisches Ordnungsverfahren betrachtet und in Bezug auf die Vergleichbarkeit von Zwangsarbeit mit Nicht-Zwangsarbeit diskutiert. Der Beitrag hat vier Teile. Ausgehend vom Konzept  der Global Historical Sociology, der globalen Arbeitsgeschichte und der Vergleichstheorie in der Einleitung, skizzieren wir anschließend die ILO als Untersuchungsfeld der Kategorie Zwangsarbeit (2.), um im zweiten Teil die Analyse der beiden historisch-spezifischen Konfigurationen zu präsentieren (3.). Anschließend bündeln wir die Ergebnisse vergleichstheoretisch und beziehen sie kritisch auf Weltgesellschaftstheorien (4).   Bisher nehmen noch wenige soziologische Studien den Wandel von Kategorien über längere historische Zeiträume in den Blick. Am Deutungswandel der Zwangsarbeit soll dieser Beitrag zeigen, dass mutmaßlich universale Kategorien wie Arbeit eine partikularistische Geschichte haben, die für das soziologische Verständnis der heutigen (Arbeits-)Welt wichtig ist

    Religion, Globalisierung und lokale Dynamiken: Eine abschließende Verhältnisbestimmung

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    Globalisierungsprozesse haben die soziologische Auseinandersetzung mit Religion in den letzten Dekaden des 20. Jahrhunderts in eine neue Richtung gelenkt (Robertson, Chirico 1985; Robertson, Garret 1991; Garrett 1992; Beyer 1994, 2001), und zwar jenseits der für europäische Gesellschaften nach wie vor hochrelevanten Säkularisierungsdiagnose (Pollack 2017). In diesem Zusammenhang wird auch die Frage neu gestellt, wie sich der soziale Ort von Religion bestimmen lässt, wodurch er charakterisiert ist und wie sich das Verhältnis von Profanem und Heiligem in unterschiedlichen lokalen Kontexten weltweit verstehen und konzipieren lässt. Der Beitrag lotet dies aus und diskutiert die Frage, weshalb die soziologische Analyse von Religion für globalisierungstheoretische Perspektiven relevant ist; zweitens wird diskutiert, weshalb globalisierungstheoretische Perspektiven soziologische Religionsdiagnosen gerade aus einer europäischen Binnenperspektive heraus voranbringen können

    Verteidiger der Normalität – Differenzkonstruktionen der neuen Rechten

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    Der rechtspopulistische Diskurs erzählt vor dem Hintergrund eines imaginierten Normalzustandes vom historischen Niedergang des Volkes. Der Angriff auf die Normalität erfolgt von zwei Seiten: eine liberale globalistische Elite zerstört das Eigene „von oben“ bzw. „von innen“, die Invasion der Fremden bedroht es „von außen“. Der Beitrag untersucht anhand von Material aus dem Diskurs des deutschen Rechtspopulismus in einem ersten Schritt das Feindbild der Fremden, in einem zweiten das der Elite und zeigt, wie in doppelter Abgrenzung eine Normalität des Eigenen konstruiert wird. Abschließend werden die Befunde mit einigen verbreiteten theoretischen Erklärungen des Rechtspopulismus konfrontiert     &nbsp

    Habitus der Aktivierung in weberianischer Perspektive: Analysen von Gruppendiskussionen in Arbeitsmarktmaßnahmen in Großbritannien, Irland und Deutschland

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    Als Antworten auf die neuen sozialen Herausforderungen durch die heraufziehende kapitalistische Wirtschaftsordnung begannen europäische Gesellschaften teilweise bereits im späten 19. Jahrhundert, Wohlfahrtsstaaten zu entwickeln und institutionell auszubauen. Eine besondere Dynamik erhielt die Wohlfahrtsstaatsentwicklung im Europa der Nachkriegszeit, als viele der mit der kapitalistischen Wirtschaftsordnung in Verbindung gebrachten sozialen Probleme in Sozialgesetzgebungen adressiert wurden. Dies geschah durch den Auf- und Ausbau sozialstaatlicher Leistungen und Sicherungen. Die Beschränkung des Primats des Ökonomischen und die Dekommodifizierung der Arbeit wurden seit den 1970er Jahren gleichwohl zunehmend in Frage gestellt – in besonders scharfer Form in Großbritannien unter Margaret Thatcher, die umfassende Deregulierungen der Märkte, Privatisierungen von Staatsbetrieben und Sozialwohnungen sowie Flexibilisierungen der Arbeit betrieb. Mithin kam es zu einer (Re-)Ökonomisierung der Sozialgesetzgebungen. Bis heute ist der britische Wohlfahrtsstaat in dieser Tradition durch ökonomischen Liberalismus, Individualismus und Austerität bei den Staatsausgaben bestimmt. Dieser „neoliberale“ Sozialstaat wurde als politisches Programm in den 1990 Jahren von Thatchers Nachfolgern weiter unterstützt und auch in andere Länder exportiert. Häufig war das verbunden mit einer Individualisierung der Verantwortung, rigiden Sanktionierungsprogrammen und einer die Armen treffenden Strafverfolgung (Wacquant 2009). So fand seit den 2000er Jahren das Programm einer Aktivierung von arbeitslosen Sozialleistungsempfängern in vielen Ländern Verbreitung, in Deutschland beispielsweise im Rahmen der „Hartz“-Gesetze. Durch „Fordern und Fördern“ sollten insbesondere Langzeitarbeitslose in ihrer Arbeitssuche unterstützt werden. Begleitet wurde dies durch Sanktionsandrohungen, die ein Verbleiben in der „sozialen Hängematte“ erschweren sollten. Die Inklusion von arbeitsmarktfernen Leistungsbeziehern in die kapitalistische Wirtschaftsordnung sollte damit nach dem Motto „Jede Arbeit ist besser als keine Arbeit“ gefördert und erzwungen werden.Anhand von Gruppendiskussionen mit Teilnehmenden an Aktivierungskursen für Arbeitssuchende insbesondere zum Self-Employment in Großbritannien mit einer rigide sanktionierenden Aktivierungspolitik, in der Republik Irland mit einer eher assistierenden Aktivierungspolitik (Schünemann & Boyle 2011) sowie in Deutschland untersuchen wir, wie unternehmerische Tätigkeit und (Selbst-)Aktivierungsbemühungen von Langzeit-Arbeitslosen – und damit den Schwächsten in der kapitalistischen Wirtschaft – konzipiert und ein unternehmerischer Habitus entworfen und performiert werden. Dabei kann man pars pro toto den Einzug kapitalistischer Logiken in die Institution des Wohlfahrtsstaats wie auch in die Identitätsentwürfe exkludierter sozialer Gruppen beobachten

    Akademische Karrierewege

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    Mobilität gilt allgemein aber insbesondere in der Wissenschaft als Qualifizierungsmerkmal, dessen Relevanz durch strukturelle Beschäftigungsbedingungen unterstrichen und durch mit Ortswechseln verbundenen sozialen Aufstiegen indiziert wird. In dem Beitrag werden Karrieredynamiken thematisiert, die im Feld der Wissenschaft mit individuellen, sozialen und strukturellen Einflussfaktoren in Verbindung stehen. Hier fragen wir nach dem Zusammenhang von räumlicher und sozialer (Im-)Mobilität und deren Wirkungsgeflechten. Dabei verstehen wir räumliche Mobilität nicht nur als positiv konnotierte Optionensteigerung, sondern legen den Blickwinkel zugleich darauf, inwiefern auch soziale Ungleichheiten entstehen oder verfestigt werden können. Dazu werden konzeptionelle Überlegungen auf Basis eines fortgeschrittenen Projektvorhabens vorgestellt sowie Einblicke in die geplante methodische Umsetzung gegeben

    DGS-Nachrichten

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    Nicole Burzan, Birgit Blättel-Mink: Wechsel des DGS-Vorsitzes. Briefe zum Abschied und zur Begrüßung Vorstand der DGS 2019 bis 2021 Protokoll der Auszählung der Wahlen 2019 zu Vorsitz, Vorstand und Hälfte des Konzils der DGS  Statement of the German Sociological Association against the intended decentralization of government funding of sociology and philosophy in Brazil’s public universities Veränderungen in der Mitgliedschaft&nbsp

    Die Dokumentation einer BRD-Jugend auf der Suche - im Film "Supermarkt" (1973)

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    Der Beitrag untersucht, wie Roland Klick in seinem dritten großen Spielfilm "Supermarkt" (D 1973) ein dokumentarisches Bild einer verunsicherten, sich suchenden Jugend zeichnet und dabei dem cinéma de réalité (Deleuze) folgt. Im Einzelnen wird beschrieben und diskutiert, wie die 17jährige Hauptrolle Willi mit ihrer Identität ringt zwischen Selbstsozialisation (Tenbruck) und sozialer Fremdsteuerung (Riesman), welche Milieus und gesellschaftlichen Institutionen wirkmächtig in Szene gesetzt werden und welche Genres sich dem Film zuschreiben lassen

    Im Labyrinth der Gewalt: Warum der mexikanische Staat Migrant/-innen und Transmigrant/-innen nicht schützen kann oder nicht schützen will

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    Warum werden Migrant/-innen auf ihrem Weg in die USA bzw. bei Ankunft auf mexikanischem Boden nach ihrer Abschiebung aus der USA Opfer von Raub, Entführung und summarischen Totschlags bzw. ‚verschwinden‘ auf ihren Wegen durch Mexiko? Zur Beantwortung dieser Fragen geht der Artikel  dem Verhältnis des nachrevolutionären mexikanischen Staates zur legalen und extra-legalen Gewaltausübung nachgehen. Dabei soll deutlich werden, dass der mexikanische Staatsapparat auf seinem Territorium nur ein begrenztes Gewaltmonopol errichtet hat. Die politische Herrschaft hat sich immer auch auf extra-legale Gewaltanwendung gestützt.  Mexiko war und ist kein Rechtsstaat, sondern ein Ausnahmestaat, der sich anmaßt, Leben zu nehmen oder Leben zu lassen, der in Form „innerstaatlicher Feinderklärungen“ und exterministischer Gewaltanwendung seine Gegner auszulöschen sucht. Dem fallen auch irregulär durch Mexiko (als Vorhof der USA) reisende Migrant/-innen und Flüchtlinge aus Mittelamerika zum Opfer, die mit den Toten des ‚Drogenkriegs‘ und der Aufstandsbekämpfung  in klandestinen Gräbern dem ‚Verschwinden‘ überantwortet werden

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