Publikationen der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
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    Präsentation des Handbuchs Geschichte der deutschsprachigen Soziologie

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    Wenn Wissenschaft ein sozialer Prozess ist, dann gilt dies nicht zuletzt auch für die Soziologie selbst. Eine Selbstaufklärung über die Herkunft, den Verlauf und die Entwicklung des eigenen Fachs, seine theoretischen Konzepte, Instrumente, Institutionen und Kontexte ist für eine kritisch-reflektierte Sozialforschung, die ihr Erkenntnisinteresse aus den Problemen der Gegenwart gewinnt, unerlässlich. Das zweibändige Handbuch Geschichte der deutschsprachigen Soziologie bietet historisches Hintergrundwissen und Methodenwerkzeuge für die Analyse der Geschichte der Sozialwissenschaften. In der Einleitung werden Gründe für soziologiehistorische Forschung diskutiert und mit Zielen und Aufbau des Handbuchs in Beziehung gesetzt

    Körper, Konsum und Kompetenz – Die Rolle digitaler Medien(inhalte) in der Skateszene

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    Im Zuge des Medienwandels und durch die stetigen Weiterentwicklungen digitaler Technologien bleiben juvenile Vergemeinschaftungsformen nicht unberührt von kulturellen Konsequenzen der Globalisierung, denn die medientechnischen Entwicklungen im Online-Bereich bieten solchen Gemeinschaften und ihren Anhänger/innen inzwischen scheinbar grenzenlose Möglichkeiten „sich mit einem spezifischen Webangebot zu präsentieren, zu inszenieren, zu stilisieren, zu orientieren und zu vergemeinschaften“ (Hugger 2014, S.21). Folglich spielen digitale Medien und deren Inhalte auch in der Skateszene eine wichtige Rolle. Durch sie stehen vielfältige Wissensbestände zur Verfügung, die in Texte gegossen, in Fotos oder audiovisuellen Erzeugnissen eingefangen und verbreitet werden, und es erweitern sich hierdurch die individuellen wie szenekommunikativen Ausdrucks- und Austauschmöglichkeiten. Allerdings gilt zu bedenken, dass es sich hierbei um eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten handelt, die durch ähnliche Vorlieben in Bezug auf Körpermodelle, -gesten und -bewegungen miteinander verbunden sind (Alkemeyer et al. 2003, S.9) und deren Kerninteresse explizit auf physisch-reale Räume ausgerichtet ist. Entscheidend für Teilhabe und Mitgliedschaft ist die Aneignung dieser Räume, die in einem stetigen Prozess der Auseinandersetzung des Körpers mit materiellen kulturellen Artefakten erfolgt. Vor dem Hintergrund dieser spezifischen thematischen Interessenausrichtung stellt sich die Frage, was digitale Medien(inhalte) für die szenekulturellen Bedeutungskonstruktionen von Skater/innen tatsächlich leisten (können)? Hierauf bezogen gibt der Beitrag einen Überblick über die für die Skateszene wichtigsten digitalen Medien(inhalte) und lotet ihre Rolle mit Blick auf die Themen Körper, Konsum und Kompetenzen aus. Der Beitrag basiert auf einer ethnografischen Studie zur Skateboardszene (Bock 2017; Bock 2018), in der ich der Frage nachging, wie Skateboarder/innen ihre szenekulturelle Bedeutungswelt kommunikativ konstruieren – und zwar sowohl verbal und körperlich, als auch mit den Möglichkeiten des Internets

    Weibliche Führungskräfte: Anzeichen für den Abbau androzentrischer Arbeitsstrukturen oder für die Anpassungsleistung der Subjekte?

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    Frauen in Machtpositionen sind nicht mehr gänzlich undenkbar. Gleichwohl bilden weibliche Führungskräfte nach wie vor eine Rarität. In der Frage nach dem Aufstieg einiger weniger Frauen, lassen sich zwei verschiedene Erklärungsansätze polarisieren: Aus voluntaristischer Perspektive und entsprechend eines utilitaristischen Machbarkeitsdenkens ist der geringe Frauenanteil in Führungspositionen eine Frage des fehlenden Wollens oder Könnens der Subjekte. Aus strukturtheoretischer Perspektive wird das Handeln der Individuen durch die Zwänge und Möglichkeiten determiniert, die aus den strukturellen Rahmenbedingungen entstehen. Der geringe Frauenanteil in Führungspositionen wäre demnach das Resultat traditioneller Geschlechterordnung im Privaten, androzentrischer Arbeitsstrukturen und fehlender Fördermechanismen. Der Beitrag unternimmt den Versuch einer Vermittlung zwischen beiden Positionen

    Bildungsaufstiege: Wie ungewöhnlicher Erfolg in Strukturen eingebettet ist, die ihn eigentlich verhindern

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    Nach jahrzehntelanger Erforschung der Diskriminierungen, Barrieren und Schwierigkeiten, die Angehörige unterer sozialer Herkunft in Bildungssystemen und vor allem höheren Bildungsinstitutionen und –gängen erleiden und erfahren, schwenkte in den letzten Jahren die Forschung im Bereich der Bildungsungleichheiten zu den so genannten Bildungsaufsteigern_innen. Damit sind Menschen gemeint, die es geschafft haben, hohe Bildungsabschlüsse zu erwerben, obwohl sie aus unterer sozialer Herkunft stammen und damit auch (oder gerade) in Zeiten der Bildungsexpansion nach wie vor geringere Chancen als Angehörige mittlerer und höherer sozialer Herkunft besitzen. Dabei ist dieses Phänomen nicht neu. Es gab schon immer hier und da Ausnahmen, also Bauern- und Arbeiterkinder (fast ausschließlich –söhne), die erfolgreich an Universitäten studierten und damit sozial aufwärtsmobil waren. Wie ist dieses Phänomen zu erklären? Entgegen der Lesart „solche ungewöhnlichen Erfolge als Vorboten des sozialen Wandels und des Abbaus sozialer Ungleichheiten“ (Call der Ad-hoc Gruppe) zu betrachten, zeigt Kupfer (2015) anhand der Rekonstruktion biographisch-narrativer Interviews mit Bildungsaufsteiger_innen (geboren zwischen 1928 und 1978) aus England und Österreich, wie die Bildungsaufstiege in Strukturen eingebettet sind, die sie be- und manchmal fast verhindert haben. Nur in Zeiten ausdrücklicher bildungspolitischer Förderung von Arbeiterkindern (z.B. in der Kreisky-Ära in den 1970er Jahren in Österreich) verliefen die Bildungsaufstiege „wie geschmiert“. Anhand des empirischen Materials wird zeigt, welche Denk- und Wahrnehmungsweisen, Sozialisationsformen und Praktiken einer enormen Bandbreite an unterschiedlichen Milieus in zwei verschiedenen Ländern über einen Zeitraum von fünfzig Jahren zu welchen Wegen der sozialen Aufwärtsmobilität geführt haben. Die Vielfalt der Wege steht in einem Kontrast zur relativen Begrenzung der Höhe des Aufstiegs. Damit wird insgesamt deutlich, dass ungewöhnliche Erfolge bislang eben gerade nicht zu einem Abbau sozialer Ungleichheiten geführt haben und aktuelle gesellschaftliche Veränderungen keinerlei Anzeichen für eine zukünftig egalitärere Gesellschaft erkennen lassen

    Mixed methods im Team am Beispiel eines Projekts zur langfristigen Entwicklung und Unterschieden von Hochschulexamensnoten

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    In diesem Beitrag werden unsere Erfahrungen über die Anwendung von mixed methods in einem Forschungsprojekt dargestellt. Zunächst werden in Abschnitt 1 die Fragestellungen des Projekts und die sich daraus ergebenden Methoden dargestellt. Damit konnten am Anfang des Projekts Erwartung an den Ertrag der Verwendung dieser Methoden formuliert werden, deren Einlösung im Projektverlauf zu überprüfen war. Im zweiten Abschnitt wird der quantitative Teil des Projekts mit Beispielen der Ergebnisse dargestellt, im dritten ebenso der qualitative Teil. Im vierten Abschnitt geht es dann um die Verknüpfung beider Teile, die zu weitergehenden Erklärungen führt. Im letzten Abschnitt leiten wir Überlegungen ab, welche Bedingungen in unserem Projekt die ertragreiche Anwendung von mixed methods einerseits begünstigt, andererseits erschwert haben. &nbsp

    »Wie eine Mutter, aber nicht besser als die richtige«: Delegation familialer Fürsorgebeziehungen in der Kindertagespflege

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    Kindertagespflege kann im Kontext der in Deutschland noch immer vorherrschenden Präferenz weiblicher und insbesondere mütterlicher Kinderbetreuung als eine Delegation von familialer Fürsorge verstanden werden. Die Tagesmutter nimmt in diesem familienähnlichen Betreuungssetting im privaten Kontext dabei den Status einer mütterlichen Bezugsperson ein. Damit steht diese in einem Spannungsverhältnis zu der Mutter des betreuten Kindes in der Hinsicht, als dass sie zwar die Trennung von Mutter und Kind durch eine quasi mütterliche Funktion kompensieren soll, die Mutter-Kind-Beziehung aber gleichzeitig nicht gefährden darf. Mit empirischen Beispielen aus Interviews mit Tagesmüttern und theoretischen Ansätzen der Psychoanalyse und der Arbeitssoziologie wird gezeigt, dass die Betreuungspersonen sich zum einen mit der Mutterposition identifizieren. Zum anderen müssen sie aber auch in ihrer pädagogischen Tätigkeit "emotional management" betreiben, um eine gefühlsmäßge Distanz gegenüber dem Betreuungskind aufrecht erhalten zu können

    Solutionismus, Transparenz oder kollektiver Narzissmus? Der „Geist“ des digitalen Kapitalismus in the making

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    Luc Boltanskis und Ève Chiapellos Aufnahme des Gedankens von Sombart und Weber, dass jede Phase des Kapitalismus von einem spezifischen ‚Geist‘ getragen ist, lässt sich möglicherweise auch für eine Kultursoziologie des „digitalen Kapitalismus“ fruchtbar machen. Seine technologischen Neuerungen wälzen Organisationen um, rütteln an menschlichen Akteurspositionen und verlangen neue Rechtfertigungen. Als Bezugspunkt hierfür haben Oliver Nachtwey und Timo Seidl (2017) den „Solutionismus“ identifiziert, den Evgeny Morozov den Eliten der digitalen Wirtschaft (vorzugsweise im Silicon Valley) zuschreibt. Mit ihren Unternehmensideen beanspruchten diese Eliten zugleich die Wirtschaft disruptiv umzuwälzen und Menschheitsprobleme zu lösen. Nachtwey und Seidl verfolgen die „Polis der Solution“ in explorativen Inhaltsanalysen, die jedoch einige Schwächen aufweisen: Sie schließen von bloßen Selbstbeschreibungen auf eine gelebte Kultur; der Kernbegriff Solution‘ ist ad hoc einer populären Kritik entnommen; Alternativen wie etwa die sharing economy oder neue Leistungs(messungs)gerechtigkeit werden nicht geprüft. Wir schlagen eine alternative Analyse des digitalen Kapitalismus als kultureller Praxis vor. Prägend erscheinen uns hier vor allem Verschiebungen in der gelebten Ethik: Neben neuer Reichtumskonzentration verändern vor allem die massenhafte Verfügbarkeit und zentralisierte Nutzung von Daten Handlungsnormen und schaffen Rechtfertigungsbedarf. Diverse Beteiligte müssen zu akzeptieren lernen, dass sie permanent beobachtet, Kennzahlen folgend behandelt und als profitable Datenquelle genutzt werden. Alles dies lässt sich nicht nur durch technische Lösungsversprechen rechtfertigen, sondern auch durch Appelle zu Datenteilung bzw. Transparenz oder die Ansprache von Selbstwirksamkeit – die im Medium der Daten feinkörnig wie nie zuvor angeregt wird. Anhand von Laborprojekten an der HAW Hamburg können diese möglichen Deutungsangebote konkret untersucht werden.  Die Analyse soll erste Aufschlüsse darüber geben, welche Prinzipien die Akzeptanzgrenzen im digitalen Kapitalismus verschieben, ihm Motivationsquellen erschließen und ihn insgesamt als gelebte Kultur einrichten könnten

    Ideologie(-Kritik) und Rechtfertigung: Das Beispiel der Vorurteilskritik

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    In diesem Beitrag wenden wir den Ideologiebegriff auf das Feld der Vorurteils- und Diskriminierungsforschung an. Hierbei nehmen wir eine kommunikationstheoretische Perspektive ein, in deren Zentrum Phänomene der Rhetorik und Rechtfertigung stehen. Im Anschluss an Überlegungen der kritischen Theorie sowie der diskursiven Psychologie möchten wir zunächst das Verhältnis von Ideologie und Rechtfertigung bei der Bestimmung des Ideologiebegriffs hervorheben. Im Anschluss daran begreifen wir Vorurteile als rhetorisches Phänomen, das durch bestimmte ideologische Rechtfertigungsmuster charakterisiert ist. Im Fokus unserer Erörterungen steht allerdings nicht das Vorurteil selbst, sondern die Kritik von Vorurteilen, die wir zunächst als eine Form der Ideologiekritik bestimmen. Ausgehend von dieser Bestimmung zeigen wir, wie Vorurteilskritik hinter die methodologischen Anforderungen ideologiekritischer Praxis zurückfallen und unter bestimmten Bedingungen selbst ideologische Züge annehmen kann. Veranschaulichen möchten wir dieses Phänomen anhand einiger vorläufiger Ergebnisse einer Inhaltsanalyse des Mediendiskurses über die „antisemitische Schmierwelle“ des Winters 1959/1960. Im politischen Diskurs über die damalige massive Häufung antisemitischer Aktionen lassen sich diverse Formen abwehrender Vorurteilskritik aufzeigen, die die Kritik von Antisemitismus als gesellschaftliches Problem systematisch unterlaufen

    Ökonomisierung universitärer Lehre? Befunde zur universitären Transformation am Beispiel des Forschenden Lernens

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    In der Wissenschafts- und Hochschulforschung wird intensiv über eine Ökonomisierung der Forschung als Auswirkung von kompetitiven Mittelvergaben wie der Exzellenz-Initiative diskutiert. Selten wird neben der Rolle als ForschendeR die als LehrendeR fokussiert, die ebenfalls zum Kernbereich der akademischen Tätigkeit zählt.  Dieser Beitrag wirft die Frage auf, wie sich zentrale Wandlungstendenzen in den Rahmenbedingungen universitärer Lehre, vor allem durch den Qualitätspakt Lehre (QPL),  im Governance-Regime von Hochschulen auswirken. Ausgehend von der These, dass der QPL zu nicht-intendierten Folgen auf Universität und Lehre führt, werden am Beispiel des Lehrkonzepts ‚Forschendes Lernen‘  empirische Befunde diskutiert.  Diese lassen Parallelen zu den Debatten einer Ökonomisierung der Forschung erkennen

    Experimentalismus in der Soziologie: Forschungsprogramm und Brückenschläge

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    Der hier vor- und zur Diskussion gestellte soziologische Experimentalismus geht davon aus, dass das Fach seine Vereinseitigungen und Polarisierungen – etwa von kritischer Soziologie und empirischer Sozialforschung – mittels einer methodologisch reflektierten, qualitative und quantitative Daten verknüpfenden und kollaborativ orientierten Forschungsstrategie hinter sich lassen muss. Er verschafft sich neues Wissen nicht durch ein Mehr an Abgrenzung, sondern ausgehend von der Annahme, dass Erkenntnis erst auf der Grundlage einer veritablen Irritation etablierter – das heißt auch soziologischer – Gewissheiten möglich ist. Er verknüpft hierzu die heuristische Systematik des kontrollierten (Labor-)Experimentes mit den kreativen Explorationspotenzialen schöpferischer Erkenntnis und öffentlicher Diskussion. Eben hierin, so lautet die These, erweist sich der Gehalt des soziologischen Experimentalismus im Kontext komplexer gesellschaftlicher Entwicklungsdynamiken

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