Publikationen der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
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    Das Hervorbringen von Vielfalt in der Shoppingmall

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    Im folgenden Aufsatz ziehe ich videographische Daten von Interaktionen während des Shoppings in Shoppingmallgeschäften in China heran, um die situierte Etablierung von Vielfalt in Shoppingmalls zu untersuchen. Anhand der exemplarischen Daten skizziere ich das Argument, dass in Shoppingmallgeschäften eine bestimmte Art von Vielfalt, und damit indirekt auch eine bestimmte Art von Auswahl hervorgebracht wird. Diese Vielfalt wird auf drei Ebenen hervorgebracht: Die Vielfalt des Angebotes wird in Interaktionen zwischen Kund*innen und Verkäufer*innen als eine geteilte Situationsdefinition etabliert; der Geschäftsraum wird so arrangiert, dass seine Waren als vielfältiges Angebot erlebbar und erkundbar werden; das Geschäft und sein Angebot werden so designt, dass eine bestimmte, in Marketingdiskursen entworfene Vorstellung von Vielfalt realisiert wird. Die Vielfalt des Angebotes ist damit nicht einfach durch die Anzahl oder Beschaffenheit der Objekte im Geschäft bedingt, sondern wird sozial konstruiert – und das in einer Weise, die nur eine bestimmte Art von Vielfalt fördert. Das Angebot der Shoppingmall erlaubt dabei eine Vielfalt von Waren und Stilen, aber nicht unbedingt eine Vielfalt von verschiedenen Umgangsweisen mit Waren

    Moderne Sklavenarbeit in Brasilien zwischen Skandalisierung und Normalität

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    Dieser Beitrag behandelt moderne Sklavenarbeit in der Bekleidungsindustrie in São Paulo und der Holzkohleproduktion für die Stahl- und Eisenindustrie in der Region Carajás. Moderne Sklavenarbeit wird dabei als Dispositiv verstanden und im Rahmen dessen die Praxis der normativen Grenzziehung auf ihre Effekte hinterfragt. Dabei wird auf die Ebene umstrittener Repräsentationen von Erfahrungen der Ausbeutung, Entwürdigung und Ausbeutung sowie auf den Zusammenhang zwischen´ Staatsbürger*innenschaft und Arbeitsmarktintegration eingegangen. Zudem wird die Frage diskutiert, wie unterschiedliche Regulierungsebenen moralischer und rechtlicher Verantwortung für Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen in globalen Produktionsnetzwerken in Bezug zu lokalen und interpersonellen Konfliktkonstellationen und Gewaltverhältnissen analysiert werden können

    Wer ist bereit, Geflüchteten eine Aufnahme in Europa zu gewähren? Ergebnisse einer 13-Länder-Studie

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    In vielen europäischen Ländern beobachten wir in den letzten zehn Jahren ein Erstarken rechtspopulistischer Parteien, die sich unter anderem gegen die Aufnahme von Geflüchteten aussprechen. Häufig berufen sie sich dabei auf die Einstellungen der Bürger und sehen sich selbst als deren wahre Repräsentanten. Welche Einstellungen haben aber die Bürger zu Geflüchteten und in welchem Maße sind sie bereit, ihnen Aufnahme in Europa zu gewähren? Wir untersuchen diese Frage auf der Grundlage einer in 13 Mitgliedsländern der EU durchgeführten Umfrage. Unsere Analysen kommen zum Teil zu überraschenden Befunden: Knapp vier von fünf aller Befragten der 13 Länder sprechen sich für die Aufnahme von Geflüchteten in die EU aus. Besonders hohe Zustimmungsraten erhalten Geflüchtete, die vor Krieg fliehen oder aufgrund ihres Engagements für Menschenrechte oder ihres christlichen Glaubens verfolgt werden. Geringer fällt die Zustimmung in den osteuropäischen Ländern aus, vor allem wenn es sich um das Bleiberecht für Geflüchtete handelt, die aufgrund ihrer Homosexualität oder ihres muslimischen Glaubens verfolgt werden. Wir vermuten, dass die historische Erfahrung des Verlustes der nationalen Souveränität in diesen Ländern zu Prozessen der Renationalisierung geführt hat, die wiederum eine Gegnerschaft zur Aufnahme von Geflüchteten forciert. Insgesamt ist die Bereitschaft der Bürger, Geflüchtete in Europa aufzunehmen, aber sehr hoch. Wir diskutieren deswegen im letzten Schritt unserer Ausführungen die Frage, wie man den Unterschied zwischen unseren eher optimistischen Ergebnissen einerseits und der Wahrnehmung des öffentlichen Diskurses über die Aufnahme von Geflüchteten und dem Erstarken rechtspopulistischer Parteien andererseits erklären kann und welche politischen Schlussfolgerungen sich aus unseren Befunden ergeben

    ‚Knowledge brokers‘ transnational? Die Rolle von Hochschulen in der Produktion ‘internationaler Exzellenz’ und sich daraus ergebender intersektionaler Un-gleichheiten

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    Internationalisierung gewinnt im Rahmen der „corporate university“ an Bedeutung, und es ist kaum noch möglich, Hochschulen ohne „Internationalisierungsstrategien“ zu finden. Durch die Förderung der räumlichen Mobilität von Wissenschaftler/-innen und Studierenden sowie der internationalen Ausrichtung von Bildungsprogrammen und Forschungsaktivitäten zielen Hochschulen darauf, sich im nationalen und globalen Wettbewerb durchzusetzen. Internationalisierungsstrategien fördern (noch) stärker als bisher transnationale Migrationsbewegungen in der Wissenschaft, die, so zeigen aktuelle Untersuchungen, Folgen für die Ungleichheitsproduktion unter Wissenschaftler/-innen haben können. Soziale Ungleichheiten werden jedoch durch meritokratische Exzellenz-Diskurse ausgeblendet, was durch Untersuchungen zu Geschlechter- und Herkunftsungleichheiten an der „corporate university“ gut belegt ist. Es fehlen allerdings Untersuchungen zur Interaktion von Exzellenz-Diskursen und transnationaler Migration, insbesondere zur intersektionalen Produktion sozialer Ungleichheit. Erste eigene Befunde deuten darauf hin, dass soziale Kategorien, die zuvor als Benachteiligungsdimensionen gesehen wurden (z.B. Migrations- und sozialer Hintergrund, Hautfarbe, Sprache) in bestimmten Fällen eine Aufwertung erfahren und sogar als „Ressourcen“ nach außen präsentiert werden. In diesem Kontext untersuchen wir die Praktiken von ausgewählten Hochschulen, die wir als „transnationale Vermittler“ von Knowledge Workers von heute und morgen bezeichnen. Anhand einer Analyse von Expert/-inneninterviews zeigen wir, was Hochschulen unter Internationalisierung verstehen, wie sie ihre Internationalisierungsstrategien mit Vorstellungen von Exzellenz verbinden und inwieweit dies ungleichheitsrelevante Folgen hat. Mit Hilfe von Homepageanalysen zeigen wir dann, wie sich dieses Verständnis in der Selbstpräsentation dieser Hochschulen wiederfinden lässt. Dabei konzentrieren wir uns auf die diskursive Verbindung von „Internationalisierung“ und „Exzellenz“. Unser Ziel ist es, einen intersektionalen Blick auf die Produktion sozialer Ungleichheit im Kontext von Internationalisierungsstrategien zu werfen und dabei auch die Beteiligung von Hochschulakteur/-innen an der Ungleichheitsproduktion zu untersuchen

    Das „Ganze“ der Arbeit in den Blick nehmen: Perspektiven der Geschlechterforschung auf Arbeit und ihre Organisation

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    Ausgehend von der These, dass der Arbeitsbegriff noch immer für die feministische Arbeitsforschung problematisch ist, setzt sich der Beitrag mit der Frage auseinander, ob und inwiefern Erwerbsarbeit mit Emanzipationsprozessen verbunden ist. In der Auseinandersetzung mit Marx wird diskutiert, dass einerseits Arbeit grundlegendes Fundament der Gesellschaft ist und zentral Rolle für den gesellschaftlichen Zusammenhalt einnimmt. Sie ist der Ort, an dem über Ressourcen und Lebenschancen entschieden wird. Zugleich wird über die Gleichsetzung von „Arbeit“ mit bezahlter Erwerbsarbeit der gesamte Bereich meist unbezahlter "Reproduktionsarbeit" oder auch "Care-Arbeit" abgewertet. Es geht von daher darum, eine Perspektive auf die „ganze Arbeit“ zu entwickeln, die den Zusammenhang von gesellschaftlicher und geschlechtlicher Arbeitsteilung deutlich macht. Der Beitrag zeigt auf, dass es notwendig ist, die bestehende Arbeitsteilung zwischen einer Arbeitsforschung, die in erster Linie die Organisation von Erwerbsarbeit untersucht und einer Geschlechterforschung, die in erster Linie die bezahlte und unbezahlte Care-Arbeit in den Blick nimmt, zu überwinden.&nbsp

    Ent-Legitimierung, Marktautoritarismus und globalisierte Vergleichsordnungen: Beiträge der arbeitssoziologischen Bewusstseinsforschung zur Erklärung von Rechtspopulismus

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    Rechtspopulistische Orientierungsmuster unter Arbeitnehmer*innen lassen sich aus einer "doppelten Krise des Leistungsprinzips" deuten: Angesichts arbeitsweltlicher und sozialstaatlicher Verunsicherungen wird der Rekurs auf das eigene Leistungsvermögen immer wichtiger, zugleich aber auch fragiler. Darüber hinaus wird - im Zuge einer "Globalisierung von Vergleichsordnungen" - Leistung als normatives Begründungsmuster zur Rechtfertigung der eigenen Position in der Arbeitswelt brüchig. Rechtspopulistische Ideologien stellen Angebote dazu bereit, diese Leistungsillusion zu wahren - um den Preis der Abwertung und Ausgrenzung

    Dynamische Mikrosimulationen in den Sozialwissenschaften – Exemplarische Anwendungsfelder

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    Dynamische Mikrosimulationen kommen in den Sozialwissenschaften in Deutschland bislang nur geringfügig zur Anwendung. Dabei bietet die Methodik enormes Potential zur Analyse komplexer gesellschaftlicher Dynamiken, dies wurde in einer Vielzahl vergangener Mikrosimulationsmodelle bewiesen. In dem Zusammenhang wird dargestellt, was unter einer dynamischen Mikrosimulation zu verstehen ist. Anschließend wird exemplarisch auf die Verwendung der Methodik in der Bundesrepublik Deutschland eingegangen. Es werden ersten aber auch aktuellere Anwendungen im deutschen Raum thematisiert. Anhand von zwei neueren, noch nicht abgeschlossenen Promotionsprojekten der Autor/-innen werden in einem abschließenden Schritt Aufbau und Anwendungspotentiale von dynamischen Mikrosimulationen als Werkzeug für die Bearbeitung sozialwissenschaftlicher Fragestellungen weiter vertieft

    Verkettungen und Verstrickungen: Was wir von Howard S. Becker über die prinzipielle Prozesshaftigkeit des Sozialen lernen können

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    Howard S. Becker hat in rund sieben Jahrzehnten eine Soziologie des Werdens entwickelt, um sich hier an den Titel eines berühmten Aufsatzes von ihm anzulehnen (Becoming a Marihuana User) – und zwar indem er konsequent Themen bearbeitet hat, anstatt ein theoretisches Opus Magnum zu schreiben. Die Becker’sche Soziologie des Werdens ist daher auch im Kern eine Methodologie soziologischen Arbeitens, keine Sozial- oder Gesellschaftstheorie, geschweige denn eine Theorie begrenzter Reichweite. Die zentrale Prämisse dieser Methodologie ist dabei die prinzipielle Prozesshaftigkeit des Sozialen. In meinem Beitrag schlage ich vor, dass wir von Becker lernen können, dieser Prozesshaftigkeit in konkreten Fällen auf die Spur zu kommen, indem wir vor allem mit zwei sensibilisierenden Konzepten arbeiten: Verkettungen und Verstrickungen

    Ordnungsformen der Gewalt in den „Peripherien“: Vom Gewaltmonopol zum Gewaltoligopol

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    94 Prozent aller mit Waffengewalt ausgetragenen Konflikte sind in den 1990er Jahren innerstaatliche Konflikte. Ein besonderes Merkmal dieser Kriege ist insbesondere in ihrer langen Dauer zu sehen. Mit den Begriffen Staatskollaps, Staatszerfall („failed state“)  und fragile Staatlichkeit, hatte man versucht Typisierungsvorschläge für die Gewaltursachen und unterschiedlichen Varianten bzw. Grade von Defiziten staatlicher Ordnung in diesen Regionen zu identifizieren. Und in der Tat scheint es so, dass die zentrale Quelle ursächlicher Eskalationsprozesse bei diesen Kriegen, die mangelnde Durchstaatlichung der Gesellschaften der Entwicklungsländer ist. Wenn  man von fragiler Staatlichkeit spricht, dann setzt das allerdings erstens auch ein Konzept von stabiler Staatlichkeit voraus. In der Regel ist dies das Ordnungskonzept des europäischen modernen Nationalstaates. Zweitens muss darauf hingewiesen werden, dass es sich bei dieser Form des „Staates“ häufig nicht einfach um einen „failed state“, sondern – zunächst –  um eine andere Ordnung im Rahmen unterschiedlicher „Ordnungsformen von Gewalt“ (Trutz von Trotha) handelt, die allerdings durch ihre inneren Strukturen enorm konfliktanfällig ist.  Die Rede vom Scheitern des Staates führt häufig in die Irre, unterstellt sie doch Unfähigkeit wo das Versagen (partiell) interessengeleitet organisiert ist. Die Akkumulationssicherungsmacht des Staates (G. Hauck) kann sehr stark ausgeprägt sein, auch wenn seine Regulationsmacht sehr schwach ist.   Drittens ist zu vermerken, dass selbst ein Bürgerkrieg nicht nur als Zusammenbruch der gesellschaftlichen Ordnung, sondern auch als Nährboden neuer, gewaltgestützter sozialer Ordnungsformen zu beschreiben ist. In dem Text soll es somit darum gehen, einerseits die zentralen Mechanismen dieser Kriege/Gewalteskalationen und unterschiedlichen Ordnungskonfigurationen in aller Kürze zu skizzieren, um zu zeigen wie in den Gewaltdynamiken der Bürgerkriege, die einzelnen Ebenen miteinander zusammenhängen. Andererseits soll sich der Vortrag mit der Entstehung sozialer Ordnungen jenseits des (europäischen) Staates befassen.  &nbsp

    \u27Wollungen\u27 und \u27Zeitheimat\u27. 68er Generationsprobleme

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    Die 68er Studentenrevolte ist als klassischer Fall für den Mannheimschen Begriff der ‚politischen Generation’ angesehen worden. Tatsächlich entspricht diese Formation einer jugendlich-bürgerlichen, männlich-elitären Avantgarde der vermeintlich kommenden Entwicklungen dem wiederkehrenden Modell einer ‚vor-revolutionären Generation’, wie etwa bei der ‚French Generation of 1820’ oder der ‚pre-revolutionary generation’ vor dem Easter Rising in Dublin 1916. Es ist aber evident, dass solche (Selbst)Zuschreibungen von dem tatsächlichen Eintreten der gewünschten revolutionären Veränderung und den damit verbundene Erfolgserzählungen ebenso abhängt wie von den behaupteten »Wollungen«, die Karl Mannheim selber zum Kern der Generationsbildung gemacht hat. Dieser »voluntaristische« Generationsbegriff ist daher wenig mehr als ein politisches Distinktionsmerkmal, das sich wie im Fall von 68 der retrospektiven Deutungshegemonie einer »Erlebniselite« mehr verdankt als der historischen Dynamik des politischen Prozesses selber. Die Berufung auf den Generationsanspruch hat daher oft den Charakter eines Zirkelschlusses, wie etwa bei der »Generation des Unbedingten«, der für die junge Weltanschauungselite des NS geltend gemacht worden ist, oder bei der Ausrufung eines jugendbewegten Minderheit als deutsche »Jahrhundertgeneration«. Die 68er Generationsbehauptung ist historisch jedenfalls auf den später artikulierten Generationsneid der selbsternannten 45er zurück zu führen und hat sich längst von den politischen »Wollungen« entfernt und die nostalgische »Zeitheimat« der alternden Zeitzeugen erreicht. Die lebensgeschichtliche Nachbearbeitung hat inzwischen auch das »andere« Achtundsechzig entdeckt, in der Provinz, bei den Frauen, dem linksalternativen Milieus, den neuen Sozialen Bewegungen usw. Dabei hätte eine Soziologie, die sich ihrer damaligen Untersuchungsergebnisse zur »Generation der Unbefangenen« vergewissert hätte, wissen können, dass eine romantische Nachheroisierung der »Erlebniselite« nur einem aktivistischen Generationsmodell entspricht, das mit der imaginierten Viktimisierung als Kriegskinder nur wenig, mit dem »übersteigerten Wir« einer stilisierten »letzten Gemeinschaft« aber viel zu tun hat

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