Publikationen der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
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    Bildungsaspirationen und Bildungsverlauf: Der Einfluss der regionalen Arbeitsmarktlage

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    Das Ende der Pflichtschulzeit ist eine zentrale Schwelle im individuellen Lebensverlauf. Junge Erwachsene werden hier mit der Entscheidung für oder gegen das Verlassen des allgemeinbildenden Schulsystems konfrontiert. Wir nehmen diesen Bildungsübergang unter besonderer Berücksichtigung der regionalen Arbeitsmarktlage in den Blick. Wir gehen davon aus, dass die regionale Arbeitsmarktlage den Übergangsprozess auf zwei unterschiedliche Arten beeinflussen kann: Einerseits zeigt die bisherige internationale Forschung, dass höhere (regionale) Arbeitslosigkeit individuelle Bildungszeiten tendenziell verlängert und den Eintritt in den Arbeitsmarkt verzögert, da durch den Verbleib im Bildungssystem individuelle Arbeitslosigkeit (temporär) vermieden werden kann. Andererseits bedingt die regionale wirtschaftliche Situation auch die objektiven Möglichkeiten auf dem beruflichen Ausbildungsmarkt, da bei schlechter regionaler Wirtschaftslage weniger Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen. Das lässt einen von den Aspirationen der Schulabgängerinnen und Schulabgänger unabhängigen Effekt auf den Verbleib im allgemeinbildenden Schulsystem erwarten. Die bisherige Forschung hat sich entweder auf Bildungserwartungen von Jugendlichen oder auf realisierte Bildungsübergänge konzentriert. Ziel des vorliegenden Beitrags ist, durch die längsschnittliche Betrachtung individueller Bildungskarrieren die beiden erwähnten Mechanismen empirisch zu trennen, indem zunächst Bildungsaspirationen und zu einem späteren Zeitpunkt in der individuellen Bildungskarriere deren Umsetzung analysiert werden. Auf Basis der Daten des Nationalen Bildungspanels, die mit regionalen Arbeitsmarktdaten verknüpft werden, untersuchen wir, ob die regionale Arbeitsmarktlage Aspirationen junger Menschen kurz vor dem Abschluss der allgemeinbildenden Schule beeinflusst, wie dieser Einfluss das weitere Übergangverhalten mitbestimmt und welchen unabhängigen Effekt die regionale Arbeitsmarktlage auf die objektiven Übergangschancen hat. Mittels sequentieller logistischer Modelle und einer Effektdekomposition können wir die Relevanz der einzelnen Mechanismen für den finalen Übergang quantifizieren und vergleichen

    Emotionale Transnationalität. Vom Affizieren und Affiziert-Werden im Kontext von (Post-)Migrationsprozessen

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    In soziologischer Migrations- und Integrationsforschung werden emotionale und affektive Komponenten bisher systematisch vernachlässigt. Wenn Prozesse sozialer Mobilität und Zugehörigkeit adäquat verstanden und erklärt werden sollen, ist eine analytische Berücksichtigung emotionaler und affektiver Prozesse aus nicht-pahologisierender Perspektive jedoch unabdingbar. Dem soll nun mit der Entwicklung des Konzepts emotionaler Transnationalität begegnet werden. Emotionale Transnationalität nimmt Prozesse des wechselseitigen Affizierens und Affiziert-Werdens im Kontext von (Post-)Migrationsprozessen in den Blick. Emotionen und Affekte werden als räumliche Bewegungen konzeptualisiert, die nicht an nationalstaatlichen Grenzen enden, sondern transnational wirksam sind. Emotionale Transnationalität stellt somit einen Gegenentwurf zu linearen Vorstellungen von Assimilation und Integration dar. Migrationsprozesse konstituieren einen emotionalen Raum, in dem Mehrfachzugehörigkeiten und facettenreiches Affizieren und Affiziert-Werden möglich sind. &nbsp

    Soziale Klassenunterschiede in Emotionsregulation

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    Soziale Stratifikation entsteht durch Ungleichverteilung von gesellschaftlich relevanten Ressourcen wie Geld, Bildungszertifikate oder soziale Kontakte. EmotionssoziologInnen fügen dem eine weitere Dimension hinzu, indem sie annehmen, dass bestimmte Gefühle, positiv oder negativ, Angst oder Freude, in bestimmten sozialen Statusgruppen öfter (seltener) erlebt werden. Dieser Beitrag schließt an diese Forschungsergebnisse an, in dem theoretisch erläutert und empirisch nachgewiesen wird, dass sich die Neigung zur Emotionsregulation zwischen sozialen Klassen (angelehnt an dem Konzept von Pierre Bourdieu) unterscheidet

    Sorgebeziehungen im Wandel - Geld oder Liebe? Das Beispiel Live-In-Pflegekräfte

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    Der Beitrag beschäftigt sich mit Sorgebeziehungen bei älteren Menschen, die in ihrem Haushalt leben. Er geht von häuslichen Care-Arrangements aus, die sich rund um die sorgeempfangende Person bilden. Unterschiedliche Personen sind in solche Arrangements eingebunden, oft Angehörige, aber auch informell Sorgende wie die Nachbarschaft oder aber Freunde und Freundinnen, genauso wie professionell Sorgende, wie der ambulante Pflegedienst, Ärzte und Ärztinnen oder Therapeuten und Therapeutinnen. In den letzten Jahren ist eine „neue“ Gruppe Sorgender entstanden: migrantische Haushalts- und Pflegekräfte, meist weiblich, die oft in den Haushalten der Sorgebedürftigen leben und wohnen – um ihren Lebensunterhalt zu verdienen und um das Einkommen ihrer Familien im Herkunftsland sicherzustellen. Am Beispiel dieser Live-In-Pflegekräfte wird gezeigt, wie die Bereich Haushalt und (Erwerbs-)Arbeit bei Care zusammenwirken, bzw. wie beziehungsbezogene und entgeltbezogene Aspekte sich bei Care aufeinander beziehen – kurz und holzschnittartig wird die Frage diskutiert, ob Care (immer noch) ein Liebesdienst ist oder des Geldes wegen erbracht wird

    Die Expansion digitaler Märkte und die dunklen Seiten von Reputationssystemen

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    Digitale Reputationssysteme Bewertungen tragen entscheidend dazu bei, dass Milliarden von Transaktionen relativ reibungslos auf digitalen Märkten abgewickelt werden; selbst auf illegalen Märkten im so genannten Darknet. Ohne Reputationssystem würden digitale Märkte, auf denen anonyme Akteure weltweit Handel treiben, am Vertrauensproblem scheitern. Entsprechend haben sich Reputationssysteme auf digitalen Märkten, aber ebenso bei der Bewertung von Dienstleistungen, Hotels, Mitfahrzentralen, usw. rasant verbreitet. Die Verbreitung digitaler Reputationssysteme Vielleicht ist der Begriff »Reputationsgesellschaft« eine Übertreibung, doch macht er zugleich deutlich, dass immer mehr Ecken und Winkel der Gesellschaft von Reputationssystemen erfasst werden. Im Wissenschaftsbereich berechnen Google Scholar, Repec, Research Gate, Academia u.a. Zitationswerte, h-Index und andere Kennziffern, die über Karrieren von Wissenschaftlern mit entscheiden. Private Firmen mit ihren digitalen Archiven und oftmals intransparent konstruierten Reputationsscores haben heute Einfluss auf die Karrierewege in den wissenschaftlichen Institutionen. Die dunkle Seite digitaler Reputationssysteme Reputation beruht immer auf Wahrnehmung und Wahrnehmung kann täuschen. Insbesondere aber kann Reputation inszeniert werden. Nicht nur erschwindelter Aufbau von Reputation ist ein Problem, sondern auch das Gegenteil: die Zerstörung von Reputation. Ein zentrales Problem von Reputationssystemen ist mithin die Zuverlässigkeit der Informationen. Auch im »Darknet« liefern Bewertungen von Transaktionen, wie bei eBay, Informationen über »ehrliche« Händler auf illegalen Märkten. (Das Darknet verhilft aber auch Bürgerrechtlern und Journalisten in diktatorischen Regimen zu freier Kommunikation.) Die Analyse von Daten illegaler Märkte ist für die Erklärung der dezentralen Entstehung sozialer Kooperation von großem Interesse. Denn es gibt kein Rechtssystem, kein Gericht, dass im Falle des Falles bei einem Betrug angerufen werden könnte. In dem Beitrag werden Forschungen über Reputationssysteme auf Basis großer Datenmengen vorgestellt und die Risiken thematisiert, aber auch die Chancen zur Mobilisierung von Gegenkräften. In einer »asymmetrischen Gesellschaft« (James Coleman) ist es allerdings keine einfache Aufgabe, die Herrschaft der digitalen Konzerne und staatlicher Behörden über die Daten zu begrenzen

    Die analytische Herausforderung mobiler Familien- und Lebensgeschichten von Flüchtlingen in Amman (Jordanien)

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    Auf Basis von biographischen Interviews in Amman (Jordanien) wird im Beitrag diskutiert, wie familien- und lebensgeschichtliche Verläufe in Jordanien erheblich durch die Verwebung von ‚Fluchtmigrationen‘ und ‚weiteren Migrationen‘ strukturiert sein können. Ich stelle zwei Typen der Thematisierung von Fluchtmigration und weiteren Migrationen in Selbstpräsentationen vor: Einen Typ, bei dem das Flüchtlingsdasein zentral erscheint und Migrationserlebnisse in den Hintergrund treten, und einen Typ, bei dem familiale und eigenerlebte Migrationen die Fremdzuschreibung als Flüchtling überdecken oder zur Abwehr dieser Zuschreibung führen. Die dahinterliegenden Prozesse zeigen die Relevanz familialer Tradierung, der Weitergabe von (traumatisierenden) Fluchterfahrungen und der Zugehörigkeit zu bestimmten ethnischen oder religiösen Gruppierungen

    Co-Elternschaften: Bedingungskonstellationen und biografische Entwicklungslinien

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    Der Beitrag untersucht mit einer biografischen Perspektive spezifische Entwicklungskonstellationen und biografische Erfahrungen, die begünstigend auf die Entstehung eines Co-Elternschaftsverhältnisses einwirken. Co-Elternschaft wird verstanden als intendierte, gemeinsam mit anderen Erwachsenen entwickelte Form der Elternschaft, wobei weder das soziale Verhältnis zwischen den beteiligten Erwachsenen noch spezifische Entstehungsformen des Kindes/der Kinder maßgeblich sind. Vielmehr zentriert die private Lebens- und Familienform "Co-Elternschaft" (bisweilen auch als multiple oder Mehrelternschaft, als co-parenting oder platonic parenting bezeichnet), wie bereits begrifflich schon angelegt, das elternschaftliche Verhältnis zum Kind. Die in der bürgerlichen Kleinfamilie i.d.R. zusammenfallende soziale, biologische und rechtliche Elternschaft wird hier zumeist differenziert und auf die beteiligten Eltern-Akteure verschiedentlich verteilt. Die Erläuterung typischer Entstehungskontexte von Co-Elternschaft deutet die ausgeprägte Diversität des Phänomens an, zeigt zugleich aber auch, dass es spezifische Formen der Abwendung von der bürgerlichen Kleinfamilie und ihrer Implikationen sind, die Co-Elternschaft aktuell für verschiedene Menschen als eine attraktive Lebensform erscheinen lässt. &nbsp

    Muslime im Jugendstrafvollzug: Eine Risikogruppe für islamistische Radikalisierung?

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    In diesem Beitrag wird zunächst auf die Relevanz des Themas Islam allgemein und islamistischer Radikalisierung im Besonderen für den Jugendstrafvollzug eingegangen. Im Anschluss daran wird die Frage diskutiert, ob (muslimische) Jugendstrafgefangene eine besondere Risikogruppe für islamistischen Extremismus bilden und wie in der Praxis des Jugendstrafvollzugs mit dem Thema Radikalisierung umgegangen wird. Hierzu gehört auch eine kurze Darstellung der verschiedenen Präventionsmaßnahmen

    Zwischen Partizipation und Retraumatisierung: (Selbst-)kritische Überlegungen zur Forschung mit Geflüchteten

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    Im Projekt „Wege von Geflüchteten an deutsche Hochschulen (WeGe)“[1] untersuchen wir auf der Basis eines Mixed-Methods-Forschungsdesigns studienvorbereitende Angebote für Geflüchtete an Hochschulen und Studienkollegs in Deutschland. Recherchen in Vorbereitung unseres Sensibilisierungskonzeptes für die Erhebung der Perspektive der Teilnehmer*innen mit Fluchterfahrung zeigten unterschiedliche Ansätze und Ansprüche der Forschung mit Geflüchteten, die etwa Forschungsethik und Verwertbarkeit der Ergebnisse betreffen. Dabei lassen sich forschungsethische, forschungspraktische und emanzipatorisch-partizipative Ansätze unterscheiden. Diskussionspunkte sind etwa die Anpassung von Erhebungsinstrumenten an die Zielgruppe, die Erfassung von im Feld relevanten Themen- und Problemfeldern, die Machbarkeit aktiver Partizipation, sowie die (Re)Produktion bestehender Hierarchien. Dabei zeigt sich, dass je nach Forschungsdesign und -ziel spezifische Sensibilisierungsanlässe und -strategien im Vordergrund stehen. In unserem Beitrag setzen wir uns mit verschiedenen Ansätzen in der Fluchtforschung auseinander und gehen beispielhaft auf unser Vorgehen im Rahmen qualitativer wie quantitativer Erhebungen mit Geflüchteten in der Studienvorbereitung ein. Wir sprechen uns schließlich für einen kritischen Dialog zwischen verschiedenen Forschungstraditionen und -ansätzen aus.   [1] Das Projekt WeGe wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Förderlinie „Studienerfolg und Studienabbruch“ gefördert und am Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) durchgeführt

    Zwischen Normalität und Stigma: Zur diskursiven Verhandlung von Depression nach dem Burnout-Phänomen

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    Der vorliegende Beitrag geht der Frage nach, inwieweit sich seit der öffentlichen Debatte um das Burnout-Phänomen Ende der 2000er/ Anfang der 2010er Jahre ein diskursiver Wandel um die (Ent-)Stigmatisierung des Krankheitsbildes der Depression erkennen lässt. Es wird skizziert, inwieweit innerhalb des öffentlichen Raumes anders über das Krankheitsbild gesprochen wird und welches (Alltags-)Wissen sowie Stereotype gegenwärtig kursieren.   &nbsp

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