Publikationen der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
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DGS-Nachrichten
Gesellschaft unter Spannung: Themenpapier zum 40. Kongress der DGS 2020 in Berlin
Ausschreibung der zu verleihenden Preise
Termine zum 40. Kongress der DGS in Berlin
Veränderungen in der Mitgliedschaf
Nachrichten aus der Soziologie
Ein kurzes Gespräch mit der Soziologin Tanja Bogusz, Namensgeberin der Seeschnecke »Joculator boguszae«
Digitale Plattform für forschendes Lernen zu prozessproduzierten Daten jetzt online
ASI-Nachwuchspreis 2019
Habilitationen
Wolfgang Glatzer: Gratulation zum 80. Geburtstag für Bernhard Schäfers
Heike Trappe, Andreas Klärner. In memoriam Peter A. Berger
Monika Wohlrab-Sahr: In memoriam Hanns-Georg Brose
Dieter Nittel: In memoriam Werner Fuchs-Heinritz
Bernhard Schäfers: Leopold von Wiese zum Gedächtnis
Call for Papers
Das ambivalente Verhältnis zwischen Politik und Religion
Europe and Beyond: Boundaries, Barriers and Belonging
Klimawandel und urbane Transformationen zur CO2-neutralen und resilienten Stad
Editorial
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, im Januar dieses Jahres ist Erik Olin Wright verstorben. Sein Sterben hat der einflussreiche Soziologe in einem eigenen Blog begleitet. Im Tonfall einer stets heiteren Sachlichkeit kommentiert er den Alltag im Krankenhaus, die Herausforderungen der Therapie, die Begegnungen mit Freunden, Freundinnen und Familienangehörigen und immer wieder auch die eigene soziologische Arbeit. Wright, dessen Werke zur Erweiterung des marxistischen Klassenkonzepts, zu sozialen Bewegungen und ›realen Utopien‹ nicht nur in den USA breit rezipiert wurden, richtet den Blick weg von Fragen der methodischen oder theoretischen Ausrichtung hin zu den sozialen Wirkungen soziologischer Praxis. Gerade die Grenzstellung der Soziologie zwischen ›harter‹ erklärender Wissenschaft und künstlerischer Kreativität verschafft ihm, so scheint es, die nötige gedankliche Bewegungsfreiheit um soziologisch informierte und kontrollierte Möglichkeitsräume auszuloten. »So, scientists make discoveries; artists, at their best, create new worlds. What about sociologists? I’ll open a can of worms: I think what is wonderful about sociology is the messy way it does both. We make discoveries about the world, reveal how it ›really works‹ as best we can. But we also invent new ways of thinking about the world that shape the way people make meaning in their lives and act in their social world. […] In sociology there is thus a dance between a science of how things work and sociology of the creative possibility: possibility disciplined by a demand for specification of mechanisms.« [1 ]Manche würden diese Selbstbeschreibung Wrights vermutlich aus verschiedenen Gründen ablehnen: als zu einseitig politisiert, zu normativ, zu unwissenschaftlich oder auch zu stark verengt auf die klare Benennung von ›Mechanismen‹. Die Liste der Einwände ließe sich fortsetzen, und sie sind es zweifelsohne Wert, diskutiert zu werden. Dass aber jenseits interner Auseinandersetzungen um Paradigmen, Methoden oder Theorie/Empirie Verhältnisse auch ein Blick auf die eigene Praxis des Soziologisierens, die sozialen Wirkungen der Wissensproduktion und ihre Einbettung nicht nur in disziplinäre sondern auch interdisziplinäre, institutionelle, politische und vielfältige andere Kontexte lohnen könnte, wäre als mögliche Akzentverschiebung vielleicht ein Ausweg aus einigen festgefahrenen aktuellen Debatten. Thomas Scheffer und Robert Schmidt zumindest formulieren einen solchen Vorschlag in ihrem Beitrag in diesem Heft, in dem sie die Diskussion um das Selbstverständnis der Soziologie als plurale Disziplin aus den vergangenen Heften aufgreifen und fortsetzen.
Herzlich, Ihre Sina Farzi
Berichte aus den Sektionen und Arbeitsgruppen
Sektion Frauen- und Geschlechterforschung und Sektion Entwicklungssoziologie und Sozialanthropologie
Sektion Soziologie der Kindheit
Sektion Wissenssoziologi
Berichte aus den Sektionen und Arbeitsgruppen
Sektion Alter(n) und Gesellschaft
Sektion Arbeits- und Industriesoziologie
Sektion Organisationssoziologie
Sektion Qualitative Methoden der Sozialforschung
Arbeitskreis Soziales Gedächtnis, Erinnern und Vergesse
Biographie und Subjektive Theorie zusammendenken? Formulierung eines Desiderats und daran anschließende methodische (An-)Forderungen und Überlegungen
Der Beitrag greift das Desiderat auf, sich zukünftig intensiver mit den professionellen Orientierungs- und Wissensbeständen, also mit dem Denken und (sozialen) Konstruktionen, von Lehrkräften auseinanderzusetzen. Bezugnehmend auf das Konstrukt Subjektiver Theorien, dem sich als Bezugsrahmen bedient wird, wird den Lesenden einerseits ein grober Überblick über den gegenwärtigen Forschungsstand verschafft, der andererseits, mithilfe einer aktuellen Studie zum Übergangsverhalten präsumtiver Schulabgänger*innen und wie Lehrkräfte diesen gestalten, im Speziellen aufgezeigt wird. Anschließend an die Befunde der genannten Studie, wirft der Beitrag die Frage nach der biographischen Genese Subjektiver Theoriestrukturen auf: Also inwiefern biographische Gesichtspunkte, die Teil der Subjektiven Theoriestruktur sind, einen Einfluss darauf haben, wie diese sich entfaltet. Diesbezüglich werden die methodischen Herausforderungen, die sich aus dem Desiderat der biographischen Dimension Subjektiver Theorien ergeben, ausgeführt sowie welche Rolle der Strategie der Triangulation diesbezüglich bzw. grundlegend für die Erforschung der biographischen Professionalisierung und des professionellen Handelns zukommt.
Es werden erste Relationen zwischen Subjektiver Theorie und Biografie formuliert
Von Worten und Dingen. Anmerkungen zu einem Missverständnis in der Debatte um den Performative Turn
Weil in den Debatten um den Performativitätsbegriff typischerweise auf Austin und die Sprechakttheorie rekurriert wird, gilt das Modell der Performativität auch in der Soziologie häufig als Inbegriff für die Wirkmächtigkeit von Diskursen, Kommunikationen bzw. sprachlichen Benennungs- und Klassifikationspraktiken. Vor diesem Hintergrund nimmt der Beitrag die in den letzten Jahren mehrfach erfolgte Ausrufung des Performative Turns zum Ausgangspunkt, um zu fragen, ob diese starke Anbindung an die sprachtheoretischen und linguistischen Modelle angesichts der neueren Positionen in diesem Feld überhaupt noch aufrechtzuerhalten ist. Die These ist dabei, dass die vermeintlich evidente Filiation zu Austin und der Sprechakttheorie verstellt, dass es gerade diese sprachtheoretischen Annahmen sind, die in den neueren Positionen zur Debatte stehen. Den Auseinandersetzungen um den Begriff der Performativität liegt demzufolge ein Missverständnis zugrunde, das damit zusammenhängt, dass neuere Ansätze im Unterschied zur Sprechakttheorie und einigen konstruktivistischen und poststrukturalistischen Positionen in diesem Feld nicht sprach-, sondern medientheoretisch argumentieren. Anhand der Positionen von Callon, Latour, MacKenzie und Barad soll im Beitrag gezeigt werden, dass sich aus dem Übergang von der Sprach- zur Medientheorie nicht nur ein anderer epistemischer Ausgangspunkt ergibt, sondern dass die gesamte Debatte dadurch auch eine andere Stoßrichtung und ein gänzlich anders gelagertes Referenzproblem erhält.
Weil diese unterschiedlichen und zueinander inkongruenten Theorielinien in der gegenwärtigen Debatte noch nicht hinreichend differenziert sind, kann auch die Herausforderung dieser Positionen nur ungenügend in den Blick genommen werden. Der Beitrag zielt darauf, diese Differenz zwischen sprach- und medientheoretischen Zugängen zu erkunden, um die Tragweite und Grenzen des Performative Turns überhaupt genauer bestimmen zu können. Erst auf Basis dieser Überlegungen kann schließlich diskutiert werden, welche Konsequenzen mit dieser Weiterentwicklung des Performativitätsbegriffs für die soziologische Forschung verbunden sind
Mindestlöhne und Tarifpolitik in den Branchen: Ein deutsch-niederländischer Vergleich
Der Beitrag untersucht die Frage, ob der Einfluss des Mindestlohns auf die Tarifpolitik innerhalb eines Landes sich nach Branchen differenziert. Um diese Frage zu beantworten, werden die Metall- und Elektroindustrie, die Gebäudereinigung und der Einzelhandel in Deutschland und den Niederlanden vergleichend analysiert. Dabei lehnen wir uns an die vorliegende Typologie von Grimshaw und Bosch (2013) bzw. Bosch und Weinkopf (2013) an, um mögliche Differenzen zwischen den Ländern und Branchen zu identifizieren. Berücksichtigt wird auch, inwiefern die beobachteten Wechselwirkungen dazu beitragen, dass die untersten Tariflöhne in den Branchen über der Niedriglohnschwelle liegen.
 
Die Wahrnehmung symbolischer Grenzen und die Strategien von Grenzarbeit: Unterschiede zwischen der ersten und zweiten Generation von Migrant/-innen
Auf der Grundlage von Gruppendiskussionen mit in Deutschland lebenden Migrant/-innen verschiedener Herkunft rekonstruieren wir, ob und in welchem Maße die erste und zweite Generation unterschiedliche Kategorisierungs- und Diskriminierungserfahrungen gemacht und welche verschiedenen Strategien des Umgangs mit der symbolischen Grenze zwischen Mehrheitsgesellschaft und Minderheit sie entwickelt haben. Wir analysieren diese Fragen am Beispiel des Umgangs mit Vornamen. Der Generationsvergleich zeigt, dass sich die symbolische Grenze zwischen Mehrheitsgesellschaft und Minderheit aufgeweicht hat; dieser Befund gilt allerdings nicht für Migrant/-innen aus dem türkisch-arabischen Raum. Sie machen eine ambivalente Erfahrung, insofern sie einerseits sehen, dass Migration etwas Selbstverständliches geworden ist, sie selbst sich aber als Muslime häufig ausgegrenzt fühlen. Die Erfahrung einer Öffnung symbolischer Grenzen überlagert sich hier mit der Erfahrung einer Grenzkontraktion
Der familiäre Generationenvertrag: Emotions- oder kapitalgebundene Fürsorge?
Der Beitrag befasst sich mit den Deutungen junger Erwachsener von Fürsorge und beschäftigt sich mit ihren Ausführungen zum Generationenvertrag in der Familie. Er formuliert zu Beginn die These, dass die Ausformung der Eltern-Kind-Beziehung Auswirkungen auf die zukünftige Pflege der Eltern durch die Kinder habe. Das Datenmaterial lässt jedoch keine Rückschlüsse auf diese These zu. Es wird sodann mit den Erfahrungen und dem Wissen beschäftigt, welches die jungen Erwachsenen im Feld der Pflege erhalten. Die neue These lautet demnach, dass der Erfahrungs- und Wissenshintergrund Auswirkungen auf die Formulierungen über die zukünftige Pflege der eigenen Eltern haben