Publikationen der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
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Professionalität und ihre Verteidigung im Feld körpernaher Dienstleistungen: Empirische Befunde
Der Beitrag beschäftigt sich mit Verteidigungspraktiken und -strategien von Professionalität im wachsenden und heterogenen Segment körpernaher Dienstleistungsarbeit wie zum Beispiel Kosmetik, Nagelmodellage und Tätowieren. Am empirischen Material wird analysiert, welche Funktion und Bedeutung den omnipräsenten Leitkategorien der Professionalität und des professionellen Handelns in diesem Feld nicht standardisierter und kaum regulierter beruflicher Tätigkeiten zukommen. Gezeigt wird, wie Professionalisierungsprozesse durch bereichsspezifische Schulungs- und Ausbildungsangebote vorangetrieben werden und der Erwerb entsprechender Zertifikate das Kapital anerkannter Berufsausbildungen und (akademischer) Qualifikationen zu kompensieren verspricht. Des Weiteren lässt sich in der alltäglichen Berufspraxis der Akteure eine starke Orientierung an der Medizin und medizinischem Wissen rekonstruieren. Darüber wird es möglich, das eigene Berufswissen als professionell zu labeln, Vertrauen zur Kundschaft aufzubauen, sich von anderen abzugrenzen, kurzum: im Windschatten dieser Leitdisziplin das eigene Berufsimage aufzuwerten und sich auf dem Körpermarkt zu positionieren
Akademisierung der Arbeitswelt – das Ende der Beruflichkeit?
Der Beitrag diskutiert Veränderungen hinsichtlich der Qualifizierungs- und Rekrutierungsstrategien von Unternehmen insbesondere in seinen Auswirkungen auf die Bedeutung von Beruf und Beruflichkeit. Hintergrund sind Ergebnisse eines Forschungsprojekts, das sich in drei Branchen – dem Einzelhandel, der IKT-Branche sowie der Metall- und Elektrobranche – mit Fragen der zunehmenden Akademisierung der Arbeitswelt auseinandergesetzt hat. Ziel war es, sowohl branchenübergreifende Entwicklungen als auch branchenspezifische Aspekte zu identifizieren, ob und wie sich der Trend zur Akademisierung etwa in den Qualifizierungs- und Rekrutierungsstrategien oder veränderten Karrierechancen niederschlägt. Im Beitrag werden Projektergebnisse vorgestellt, die darauf hindeuten, dass insbesondere durch die Bedeutungszunahme von Absolventinnen und Absolventen eines dualen Studiums ein neuer Bildungs- und Sozialisationstyp entsteht. Damit einher geht die Frage nach einem Bedeutungsverlust von Beruf und Beruflichkeit
Gender Bias in Bewertungsdiskursen und -praktiken wissenschaftlicher Leistungen
Wissenschaftliche Exzellenz wird im Zuge von Bewertungsprozessen von Wissenschaftler/-innen in Auswahlverfahren und bei der Nachwuchsförderung konkretisiert. Aber wie konstruieren und reflektieren Wissenschaftler/-innen Exzellenz und wie werden diese Ideen von Exzellenz geschlechterdifferenzierend praktiziert? Um dies zu untersuchen, wurden Interviews mit Wissenschaftler/-innen einer deutschen Universität in verschiedenen Phasen einer wissenschaftlichen Karriere durchgeführt. Die Erzählungen zeigen verschiedene Aspekte, die den Exzellenzdiskurs entscheidend prägen und die Normen des „idealen Wissenschaftlers“ stabilisieren. Es wird gezeigt, wie Exzellenz mit ihrer engen Verbindung zum Konzept des „idealen Wissenschaftlers“ zur Chancenungleichheit in der Wissenschaft beiträgt, indem Gender und Exzellenz als soziale Ko-Konstruktionen im Arbeitsalltag von Wissenschaftler/-innen und in Auswahlverfahren hergestellt werden
Vermittlung von Methodenwissen über Webinare am Beispiel qualitativer Forschung: Potenziale für Coaching und raumunabhängige Forschungswerkstätten
Die Digitalisierung hat zu neuen Möglichkeiten des Lehrens und Lernens geführt. Zunehmend werden Präsenzveranstaltungen sowie Zeitschriften und Bücher durch Online-Veranstaltungen und online zugängliche, digitale Medien ersetzt. Im vorliegenden Beitrag werden Webinare, hier verstanden als Online-Lehrveranstaltungen, aus der Berufspraxis der drei als Methodentrainer/-innen und Berater/-innen selbstständigen Autor/-innen heraus in Hinblick auf die empirische, insbesondere die qualitative Methodenlehre erörtert. Zunächst erfolgt eine Einführung in die Schwierigkeiten der Lehre qualitativer Methoden. Anschließend werden Definitionen und Formate, Vor- und Nachteile von sowie Voraussetzungen für Webinare vorgestellt und deren Nutzung für die Hochschullehre aufgezeigt. Abschließend werden Beispiele für Webinare in der Lehre qualitativer und quantitativer Methoden dargestellt, die aktuell privatwirtschaftlich angeboten werden und die in ähnlicher Form in die Hochschullehre integriert werden können. Damit möchten die Autor/-innen die Dozent/-innen in der universitären Methodenlehre dazu anregen, Webinare als Seminarorte auszuprobieren
Stile des Lebens 2.0: Zur Genese und Struktur querläufiger Vergesellschaftung
Mit dem Begriff der querläufigen Vergesellschaftung hat F. Tenbruck auf die soziologische Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit hingewiesen, dass in wohl allen historischen Zeiten mannigfache Vergesellschaftungsprozesse quer über bestehende Kulturen und Gesellschaften und deren Binnenstrukturen hinweg verlaufen. Der vorliegende Aufsatz thematisiert einen begrenzten, gegenwartsdiagnostisch aber zentralen Teilausschnitt aus dem facettenreichen Spektrum solch querläufiger Vergesellschaftungsprozesse: Er fokussiert Lebensstilbildungen und Stilisierungspraktiken, die durch den routinierten Einbezug medientechnischer Ausdrucksformen und damit durch eine markante Verknüpfung lokaler, medialer und gegebenenfalls medienglobaler Aktivitätszentren (sites) gekennzeichnet sind. Grundlegend für den Aufsatz ist die in Anlehnung an G. Simmel und H.-G. Soeffner formulierte Annahme, dass sich mit der Mediatisierung personaler Stilbildungen und Stilisierungspraktiken die soziale Dynamik und gesellschaftliche Bedeutung der auf Abgrenzung basierenden Vergesellschaftungsform ‚Lebensstil‘ deutlich verändern. Dies betrifft insbesondere (1) die soziale Gestalt und gesellschaftliche Sichtbarkeit jeweiliger Stilgemeinschaften, (2) deren Distanzierungspraktiken sowie (3) die Genese neuer Techniken der Imagepflege und die Ausformung aparter Bewährungsordnungen inmitten oder neben den institutionellen Strukturen des Alltagslebens. Der Annahme einer funktionalen Ausrichtung globaler Mediensysteme auf gesellschaftliche Integration (global village-These) stellt der Aufsatz schließlich die wissenssoziologische Frage nach der Genese relativ neuartiger kommunikativer Prozesse und symbolischer Formen gesellschaftlicher Selbst- und Fremdausgrenzung gegenüber.
 
Win-win, win-lose oder lose-lose? Handelsungleichgewichte und neuer Nationalismus
Anlässlich des Handelskonflikts zwischen den USA und China bzw. Deutschland wurden sehr unterschiedliche Interpretationen der globalen Handelsungleichgewichte abgegeben. In diesem Beitrag werden die verschiedenen Sichtweisen und die wirtschaftspolitischen Optionen für Überschuss- und Defizitländer diskutiert
Im Schatten des BEM: Soziale Auseinandersetzungen um Normalität, Status und Nachhaltigkeit bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz nach psychischer Erkrankung
Der Beitrag nimmt Stellung zu Gelingensbedingungen und Hindernissen der Rückkehr an den Arbeitsplatz nach psychischer Erkrankung. Mehr als ein punktueller Wiedereingliederungsvorgang ist die Organisation der Rückkehr an den Arbeitsplatz ein krisenhafter Veränderungsprozess, der eines adäquaten Managements und der Berücksichtigung unterschiedlicher Stakeholderinteressen bedarf. Es zeigt sich, dass die Komplexität betrieblichen Eingliederungsmanagements in Fällen psychischer Erkrankungen, die von Unsicherheit im Umgang mit Betroffenen, latenter Chronizität sowie hoher sozialer Stereotypisierung gekennzeichnet sind, besonders hoch ist. Da der Rückkehrprozess in soziale Verhandlungen zwischen Rückkehrern, Kollegen und Führungskräften um Normalität, arbeitsbezogenen Status und Nachhaltigkeit eingebettet ist, erfordert gelingende Reintegration eine Wiedereingliederungspraxis, die in Ergebnissen und Verfahren von allen Beteiligten akzeptiert und mitgetragen wird
Einflussfaktoren auf die Studienfachentscheidung „Lehramt“ bei Personen mit Migrationshintergrund
Lehrkräfte mit Migrationshintergrund stellen an deutschen Schulen nach wie vor eine Seltenheit dar. Die Frage, weshalb sich AbiturientInnen mit Migrationshintergrund im Vergleich zu AbiturientInnen ohne Migrationshintergrund seltener für den LehrerInnenberuf entscheiden, ist bislang nicht geklärt. Anhand der Daten des Nationalen Bildungspanels (NEPS) wird analysiert, welche Gründe für diese Diskrepanz in der Studienfachentscheidung ausschlaggebend sind. Als theoretische Grundlage dient das Rational-Choice-Konzept, worin die Theorie Hollands aus der Berufswahlforschung und das Success Frame Model nach Lee und Zhou, für migrationsspezifische Besonderheiten, einfließen. Die Ergebnisse deskriptiver Statistiken sowie der logistischen Regression zeigen grundlegende Differenzen zwischen beiden Studierendengruppen in ihren Einstellungen zu den angestrebten Zielen im Rahmen ihrer Bildungslaufbahn, die die geringere Wahrscheinlichkeit für die Wahl eines Lehramtsstudiums im Vergleich zu Studiengängen ohne das Abschlussziel Lehramt bei Studienberechtigten mit Migrationshintergrund erklären. Dabei erweist sich im Rahmen der beruflichen Orientierung insbesondere der Wunsch nach Aufstiegsmöglichkeiten als bedeutungsvoll
Taking Empire Seriously: Postcolonial Theory and Disciplinary Sociology
Calls to \u27decolonize\u27 sociology and make social science more responsive to the concerns of postcolonial thought have proliferated in recent years. But what exactly is the postcolonial critique, and what are its dangers and possibilities? This lecture builds upon these calls to decolonize sociology while also pushing the postcolonial project further. It offers an analysis of the lineage of postcolonial thought and its apparent opposition to sociological thought. It then specifies the postcolonial critique of sociology and asks how sociology can best respond. A range of examples from social theory, the history of empire, and militarized policing help us better appreciate the need for the postcolonial turn