Publikationen der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
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    Die Bildungswelt von McKinsey & Company: Globale und lokale Akteure in der Transformation von Schule und Unterricht

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    Die Regierung der Schule verändert sich im Zuge der globalen Verbreitung ökonomischer Steuerungsmodelle und ihrer Implementation in unterschiedlichen lokalen Kontexten fundamental. Eine zentrale Rolle spielen dabei global agierende Beratungsunternehmen wie McKinsey & Company. Schulen sollen wie Unternehmen im Wettbewerb mit anderen Anbietern von Bildungsleistungen geführt werden. Die Regierung der Schule wird zu deren Selbstregierung auf dem Bildungsmarkt. Ökonomisches Regieren dieser Art soll sich durch Sparsamkeit, Effizienz und Effektivität in der Erbringung von Dienstleistungen auszeichnen. Der Beitrag setzt sich mit der Diskrepanz zwischen Zielsetzung und Zielverwirklichung und den unerwünschten Effekten dieses neuen Steuerungsmodells auseinander, zu denen insbesondere gehört, dass sich die Schule nicht selbst regiert, sondern zum Spielball eines Geflechts von globalen und lokalen Akteuren  wird, die jeweils eigene Interessen verfolgen und zusammen einen bildungsindustriellen Komplex bilden, in dem Reformeifer, Forschung, Beratung, Wohltätigkeit und Profitmaximierung eine höchst wirkmächtige Allianz eingehen

    Menschenwürde und Geschlecht: Aspekte einer Kosmopolitik des Sozialen

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    Das Konzept einer ›Kosmopolitik‹ des Sozialen verweist auf Prozesse der Einbeziehung des Ausgeschlossenen in Form der ›inklusiven Differenz‹, womit an den modernisierungstheoretischen Begriff der Kosmopolitisierung von Ulrich Beck angeknüpft, dieser zugleich aber sozialtheoretisch weiter gefasst wird. Die Erfindung des Menschen als Menschenrechtssubjekt – das heißt als ein existenziell berechtigtes Wesen – und die Ausrichtung der je eigenen Selbstwahrnehmung daran ist ein ebenso eindrucksvolles Beispiel für die Kosmopolitik des Sozialen wie die Zuschreibung einer Würde des Menschen. Sie stellt keine substantielle, ahistorische Eigenschaft dar, sondern eine geschichtlich und gesellschaftlich konturierte symbolische Formgebung des Mensch-Seins und liefert so einen ethischen und moralischen Maßstab dafür, wie Menschen(nicht) behandelt und was ihnen (nicht) angetan werden soll. Dieser Maßstab verknüpft ›globale‹ (weltweit zirkulierende) Wissensbestände und ›lokale‹ (situativ verankerte) Erfahrungen mit Vorstellungen von Humanität und darauf bezogener Solidarität, mit Selbstsorge und Sozialität. Ob ›Me too‹, ob lautes oder stummes Entsetzen angesichts von Exzessen geschlechtsbezogener Gewalt im Zeichen des Terrors, ob Kränkung, Demütigung oder Grausamkeit als institutioneller Normalfall der Geschlechterordnung und ihrer ›glokalen‹ Infragestellung – stets schließt die Kosmopolitik des Sozialen die Erfahrung der existenziellen Verletzlichkeit bis hin zur De- und Re-Humanisierung ein. Der Mensch kommt – unbenommen seiner jeweiligen sozial-kategorialen Besonderungen – als ›absolute‹ und zugleich höchst fragile Statuskategorie zum Tragen, hinter die nicht weiter (als bis zum Ding oder Tier – oder zum anderen Geschlecht?) zurückgegangen werden kann. Menschenwürde ist, wissenssoziologisch betrachtet, der Versuch, der humanen Ausstattung des Menschen ›als Menschen‹ einen Namen zu geben, das heißt einer Selbstverständlichkeit, die doch keine ist. Dies wird bei weitem nicht nur, aber zunehmend auch vor dem Hintergrund globaler Verflechtungen und lokaler Interaktionsordnungen sichtbar

    Mixed Methods Sampling zur Erforschung komplexer Phänomene

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    Der Artikel gibt einen Einblick in den aktuellen Stand von Mixed Methods Sampling und diskutiert vier Mixed Methods Sampling Entscheidungen: (1) Parallelität oder Sequentialität des Designs, (2) Beziehung zwischen den Samples, (3) Sampling-Verfahren und (4) Stichprobengröße beider Samples. Der Hauptfokus liegt jedoch auf der Erörterung von Herausforderungen bei der Fallauswahl für qualitative Samples und der Darstellung von Lösungsangeboten durch Mixed Methods. Diesbezüglich wird zum einen dargestellt, wie quantitative Analysen dabei helfen können, Kontrastgruppen für qualitative Samplingpläne zu konstruieren. Um gegenstandsadäquate Kriterien zur Bildung von Kontrastgruppen für systematische Fallvergleiche zu entwickeln, werden drei Schritte vorgestellt: (1) Quantitative Strukturanalyse, (2) empirisch begründete Konstruktion qualitativer Stichprobenpläne und (3) theoretisches Sampling zur Reflexion und Neubildung von Kontrastgruppen. Des Weiteren wird erläutert, wie quantitative Sekundärdaten genutzt werden können, um Zugang zu diesen Kontrastgruppen zu erhalten. Die dargestellte Sampling-Strategie liefert folglich eine Lösungsmöglichkeit für drei Grundprobleme qualitativer Samplings, die darin bestehen, relevante Kontrastgruppen zu definieren, den Feldzugang herzustellen und verzerrte Stichproben zu vermeiden

    Organisierung und Mobilisierung im akademischen Kapitalismus: Bedingungen kollektiver Handlungsfähigkeit prekär-mobiler Bildungsarbeiter*innen

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    Die Beschäftigungsbedingungen von Wissenschaftler*innen im akademischen Mittelbau im weiteren Sinne sind überwiegend geprägt durch eine Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen – durch einen extremen, politisch inszenierten Wettbewerb auf Quasi-Märkten einerseits (‚akademischer Kapitalismus‘) bei gleichzeitigem Weiterbestehen ‚feudaler‘, also stark personaler Abhängigkeiten von den ihre kleinen Fürstentümer verwaltenden Professor*innen. Während über die Problemexistenz zumindest unter der Mehrheit der regulär meist äußerst kurzfristig befristet Beschäftigten Einigkeit besteht, sind die Ansätze kollektiver Interessensartikulation schwach und fragmentiert. Der Aufsatz analysiert daher die Handlungsbedingungen und insbesondere die Handlungsrestriktionen, mithin die strukturellen Hindernisse für kollektive Interessensartikulation und Mobilisierungserfolge aus Sicht der Sozialen Bewegungs- und der Protestforschung. Protestförderlich scheinen in diesem Feld strukturelle Spannungen (Konflikte um die Wissensgesellschaft), subjektives Leiden, und anschlussfähiges Framing (Ungerechtigkeit, Ausbeutung) mit hoher medialer Resonanz. Doch es dominieren hinderliche Handlungsstrukturen (Fehlen von Ressourcen, politischen Gelegenheitsstrukturen, kollektiver Identität), die im einzelnen erläutert werden: der geringe gewerkschaftliche Organisierungsgrad, das Fehlen alternativer Interessensvertretungen/Konfliktstrukturen, die Engagementfeindlichkeit der Beschäftigungsverhältnisse selbst, doppelte personale Abhängigkeiten, die selbstunternehmerischen Subjektivitäten, die hochgradige Binnendifferenzierung, die Statusdisparitäten und ihre feldinterne Legitimierung, die Flüchtigkeit der Arenen des Konfliktaustrags, die universitätsinterne Verantwortungsdiffusion

    Gentrification als Instrument der Stadtentwicklung: Das Beispiel Cabo-Llanos, Santa Cruz de Tenerife (Spanien)

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    Bereits in den letzten 50 Jahren sind Prozesse um Aufwertung und Verdrängung in Santa Cruz de Tenerife zu beobachten. Dabei steht insbesondere das Quartier Cabo-Llanos im Fokus der Diskussion. Gentrification ist hier nicht allein auf das Bedürfnis der Bevölkerung nach hochwertigem Wohnraum in zentraler Lage zurückzuführen. Es stellt sich vielmehr die Frage, welche Rollen staatliche Akteure in der Transformation des Quartiers einnehmen. Santa Cruz ordnet sich in die Reihe von Fallstudien ein, in denen Gentrification als „global urban strategy“ (Smith 2002) diskutiert und mit den Attributen „state-led“ (Le Grange 2016) oder „state-sponsored“ (He 2007) versehen wird. Basierend auf einer Literaturanalyse wird ein Forschungskatalog aufgestellt, in welchem die Instrumente staatlicher Akteure zur Förderung und Steuerung von Gentrification klassifiziert werden. Nach den Konzepten von Van Criekingen (2011) und Gotham (2005) werden diese in den Kategorien Angebot, Nachfrage, Symboliken und Tourismus diskutiert. Der Untersuchungsraum Santa Cruz de Tenerife wird anschließend auf diese Strategien unter Einbezug von Dokumenten- und Raumanalyse überprüft. Zwar wird insgesamt eine Vielzahl solcher Strategien im Untersuchungsgebiet identifiziert. Zwischen den einzelnen Kategoriefeldern werden jedoch Ungleichgewichte festgestellt. Um die Nachfrage nach gentrifizierten Orten zu steigern, werden Mittel unterschiedlichster Couleur eingesetzt, wie beispielsweise der Aufbau kultureller und verkehrsbezogener Infrastruktur. Auf Angebotsseite können hingegen wenige, aber fundamentale Maßnahmen festgestellt werden. Dazu gehören Privatisierungen, planungsrechtliche Vorgaben und städtebauliche Verträge. Es werden neue touristische Produkte im Quartier geschaffen, die durch ein entsprechendes Stadtmarketing und bauliche Symboliken ergänzt werden. Dass Fallbeispiel liefert Erkenntnisse über staatlich gelenkte Gentrification, die durch Ultraperipherität, Tourismus und Wirtschaftskrise in einem besonderen urbanen Setting stattfindet

    Die Gesellschaft der Statistik

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    Gesellschaft ist ein klassischer Grundbegriff der Soziologie, der als Begriff im Fach jedoch immer schon umstritten war. So bekannt wie unumgesetzt dürfte die Kritik am sogenannten methodologischen Nationalismus durch Vertreter*innen des Spatial Turns, der sozialwissenschaftlichen Mobilitätsforschung oder der transnationalen Ungleichheitsforschung sein (zum Beispiel Beck und Grande 2010; Weiss 2005; Urry 2000). In großen Teilen der soziologischen Literatur wird der Begriff schlicht nicht verwendet, sicher nicht zuletzt um dem Vorwurf einer essentialisierenden und ontologisierenden Gesellschaftskonzeption bzw. einem Containerkonzept zu entgehen. Hingegen vertritt Oliver Marchart die These, dass das Problem der Gesellschaftskonzeption nicht über eine Aussparung der Definition einer Gesellschaft aufgelöst werden könne. Vielmehr werde Gesellschaft als „dinglicher Negativabguss des Hohlraums, um den herum sich das Soziale bildet“ (Marchart 2013, S. 335) fortwährend mitgeführt. Im Beitrag möchte ich am Beispiel der amtlichen Statistik nachzeichnen, welches Gesellschaftskonzept hier konkret mitgeführt wird

    Nachrichten aus der Soziologie

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    Habilitationen Call for Papers Umstrittene Expertise. Konflikte um den Status von Expertenwissen in der Politik  Tagungen Soziale Bewegungen im digitalen Zeitalte

    Transnationale Kindheiten in postkolonialer Perspektive

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    In dem Beitrag wird die These diskutiert, dass das Sein der Kinder ebenso wie die Vorstellungen und Konzepte von Kindheit, die sich seit dem späten Mittelalter in Europa herausgebildet haben, eng mit der Kolonialisierung anderer Erdteile verknüpft sind. Dabei werden aus postkolonialer Perspektive drei Dimensionen von Transnationalität identifiziert: Interdependenz von bürgerlichem Kindheitsprojekt und Kolonialisierung fremder Erdteile; Destruktion und Entwertung der Kindheiten in den ehemaligen Kolonialgebieten; Problematisierung des eurozentrisch-imperialen Kindheitsprojekts. Die Annahme, dass das in Europa entstandene Kindheitsmuster die Höchstform der Zivilisation repräsentiere und als weltweiter, transnationaler Maßstab dienen könne, wird als (post-)kolonial-imperiale Anmaßung zurückgewiesen. This paper discusses the thesis that the being of children, as well as the ideas and concepts of childhood that have emerged in Europe since the late Middle Ages, are closely linked to the colonialization of other parts of the world. Three dimensions of transnationality are identified from a post-colonial perspective: Interdependence of the bourgeois childhood project and the colonialization of foreign continents; destruction and devaluation of childhoods in the former colonial regions; problematization of the Eurocentric-imperial childhood project. The assumption that the pattern for childhood created in Europe represents the highest form of civilization and can serve as a global, transnational yardstick is rejected as a (post-)colonial-imperial presumption. Keywords: Childhood, Transnationalization, Colonialization, Eurocentrism, Postcolonial Studie

    Produktionsstätten ökonomischen Wissens: Von der Performativitäts- zur Verwendungs- und Wirkungsforschung

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    Ich möchte in meinem Beitrag einige zentrale Probleme der wirtschaftssoziologischen Performativitätsforschung thematisieren und darauf aufbauend einen Vorschlag für eine Verwendungs- und Wirkungsforschung ökonomischen Wissens unterbreiten. Ich verstehe diesen Vorschlag und die damit verbundene Forschungsprogrammatik als Teilgebiet einer Soziologie ökonomischen Denkens

    Was Wandern mit Klimaschutz verbindet: Konsensfindung zur Energiewende am Runden Tisch lokaler Verbände und Vereine mit unterschiedlichen Interessen

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    Die Klimadebatte zeigt sich spätestens mit den Bürgerprotesten gegen Energiewendeprojekte vor der Haustür. Traditionelle Verbände und Vereine haben hier eine politische Rolle bei der Interpretation der Klimaschutzdiskurse im jeweiligen kulturellen Kontext. Netzwerke lokaler Vereine sind eine Herausforderung für die Klimaschutzbewegung und für die Realisierung von Energiewendeprojekten. Welche Wirkung sie auf lokale Klimadiskurse und Konflikte haben, wurde bisher kaum erforscht. Das ehrenamtliche Engagement von BürgerInnen in Vereinen ist mit Wertvorstellungen und auch mit persönlichen Interessen verbunden. Dieses emotionale Engagement bildet die Basis für eine Konsensfindung, gerade zwischen Vereinen mit ganz unterschiedlichen Zielen. Die Fallstudie zu lokalen Klimaschutzdiskursen bestehender und neuer Vereine untersucht folgende Fragen: Wie erfolgt die Anpassung von Klimaschutzdiskursen auf den regionalen Kontext? Welche Rolle spielen bestehende Verbände und Vereine und wie positionieren diese sich gegenüber neuen Initiativen in der Region? Was sind die Erfolgsfaktoren für einen echten Diskurs am Runden Tisch, der dann auch zu einer gemeinsamen Empfehlung im Konsens führt? In dem Forschungsprojekts EnAHRgie wurde ein Runder Tisch zum Klimaschutzdiskurs eingerichtet und von August 2013 bis Juli 2018 begleitet. Dazu waren alle lokalen Verbände und Vereine eingeladen. Regelmäßig nahmen die Tourismusverbände, der Solarverein, der Jagdverband, der Waldbauverein, der Winzer- und Bauernverband, sowie BUND und NABU teil. Mit dieser Gesprächsplattform hatten die Teilnehmenden zum ersten Mal Gelegenheit zum Austausch stark divergierender Interessen in einem geschützten Rahmen. Für die empirische Analyse wurden qualitative Interviews mit den Teilnehmern vor und nach der Erarbeitung des Energiekonzepts geführt, sowie die Ergebnisprotokolle und die Berichterstattung der lokalen Medien zur Klimadebatte ausgewertet. Die Vereine unterschieden sich in ihrer Zielsetzung zu Natur- Umwelt- und Klimaschutz stark. Das führte zunächst zu einer gegensätzlichen Beurteilung lokaler Energie-Projekte. Das Herausarbeiten der Wertvorstellungen und Interessen der Verbandsvertreter am Runden Tisch und der Aufbau von Vertrauen führten zu einer Versachlichung der Diskussion. So konnte eine gemeinsame Empfehlung erarbeitet werden, die Einfluss im politischen Energiewendeprozess hatte

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