Publikationen der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
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Nachrichten aus der Soziologie
Mechthild Bereswill, Christine Burmeister, Anke Neuber und Holger Schmidt: In memoriam Axel Groenemeyer
Habilitationen
Call for Papers
Research Across Boundaries
8. sozialwissenschaftliche Promotionswerkstatt Rhein-Ruhr
Nichts als die Wahrheit?
Tagungen
Im Osten was Neues?
Political and Administrative Elites in Europe
E la nave va?
Far Right Education Politics and Policy
Digital Humanities and Gender Histor
Symposion: Politik und Soziologie
Das Politische drängt sich gegenwärtig in den gesellschaftlichen Vordergrund wie schon lange nicht mehr. Das Symposion nimmt diese Situation zum Anlass, um das Verhältnis von Politik und Soziologie grundsätzlich auf den Prüfstand zu stellen: Aus unterschiedlichen Blickwinkeln wird die Frage beleuchtet, wie wir das Politische heute soziologisch denken müssen, um den gesellschaftlichen Phänomenen unserer Zeit wissenschaftlich gerecht werden zu können. Die Beiträge des Symposions loten dazu das Potential Politischer Soziologie theoretisch und methodisch aus. Gemeinsam führen sie vor Augen, dass es Grund gibt, die Stellung des Politischen in der Gesellschaft innerhalb der Soziologie viel offensiver und grundsätzlicher zu diskutieren, als dies derzeit der Fall ist.
Politics and the political system have become topics of intense public debates we have not witnessed in a long time. The symposium takes stock of these debates by systematically scrutinizing the relation between politics and sociology. More specifically, it explores how we might think about politics sociologically, in a way that does justice to current social developments. The contributions to the symposium address this question from different theoretical and epistemological perspectives, thereby unpacking the conceptual and methodological potentials of political sociology. Together, they draw attention to the importance of understanding political processes in order to get a better grip on current workings of society
Die Verbindung von Crowd Science und Online-Lehre: Reflexionen aus dem Projekt »Datenspuren«
Der vorliegende Artikel reflektiert die im Projekt »Datenspuren« vorgenommene Verbindung von Crowd Science und Online-Lehre, welche als Crowd Science mit didaktischem Anspruch bezeichnet wird. Konkret wurde eine Plattform entwickelt, auf der Studierende durch eine 45-minütige Online-Lehreinheit im Umgang mit digitalen Daten geschult werden und anschließend Rechercheaufgaben übernehmen, durch die sie einerseits das gewonnene Wissen anwenden und andererseits aktiv im Sinne von Crowd Science zu einem laufenden Forschungsprojekt beitragen. Nach einem kurzen Abriss über die Chronologie des Projektes »Datenspuren« und die getroffenen konzeptionellen Entscheidungen steht eine kritische Diskussion der Verbindung von Crowd Science und Online-Lehre im Mittelpunkt des Artikels. Trotz großer Hürden halten wir Crowd Science mit didaktischem Anspruch für aussichtsreich und arbeiten Chancen und Bedingungen für eine erfolgreiche konzeptionelle Verbindung von Crowd Science und Online-Lehre heraus.
This article reflects upon the combination of crowd science and online teaching, which we refer to as didactic crowd science and explored in our research project »Datenspuren«. Specifically, a platform was developed which provided a 45-minute online teaching unit training students in the use of digital data. By performing predefined research tasks afterwards, the students could apply their knowledge, gain insights and contribute actively to an ongoing research project. After a brief outline of the chronology of the project »Datenspuren« and key conceptual decisions, the article focuses on a critical discussion of the combination of crowd science and online teaching. Despite major challenges, we believe that didactic crowd science is a promising approach and identify opportunities and conditions for a successful conceptual combination of crowd science and online teaching
Soziologie in der Presse
Die Gestalt der massenmedialen Präsenz ist sowohl für die professionspolitische wie die gesellschaftsanalytische Reflexion der Soziologie von großem Interesse. Die Thesen der Versozialwissenschaftlichung der Gesellschaft und der Medialisierung der Soziologie legen eine erhöhte und kritische massenmediale Aufmerksamkeit nahe, während innerhalb der Disziplin eher von einer schlechten Presse ausgegangen wird. Neben Anekdoten und pessimistischen Einschätzungen finden sich keine aktuellen empirischen Untersuchungen zum Ausmaß und der Art und Weise, wie Soziologie in Massenmedien dargestellt wird. Dem wird mittels einer standardisierten Inhaltsanalyse eines Teiles der deutschen Qualitätspresse begegnet. Soziologie ist demnach regelmäßiger Teil der Berichterstattung und wird in vielfältigen Weisen thematisiert. Die Berichterstattung verläuft stabil und der massenmedialen Logik unterworfen.
To know how mass media report sociology is important for professional and analytical means. Assumptions about the social scientification of society and the medialization of sociology suggest an increasing and critical reporting, while the discipline assumes a bad press. However, there is no recent empirical research beside of anecdotic evidence or pessimistic public statements. To show evidence about the sociology reporting in Germany a standardized content analysis of a part of the quality press is conducted. Sociology is therefore a regular part of the reporting and is shown in different ways. The reporting is stable and oriented on the mass media logic
Der Transfer von sozialwissenschaftlichem Wissen als Forschungsgegenstand
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung erwartet vom in Gründung befindlichen Forschungsinstitut gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) die Erforschung von Bedingungen, Gefährdungen und Entwicklungsmöglichkeiten des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Zum Auftrag des FGZ gehört eine partizipativ gestaltete öffentliche Wissenschaft, die den Wissenstransfer in beide Richtungen anstrebt und zugleich evaluiert: aus der Wissenschaft in die Gesellschaft und aus der Gesellschaft in die Wissenschaft. Die Erwartungen an diesen kollaborativen Transfer sozialwissenschaftlichen Wissens mit der Politik und der weiteren Öffentlichkeit sind damit einerseits sehr hoch gesetzt. Vergegenwärtigt man sich andererseits die komplexen innerwissenschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen des sozialwissenschaftlichen Transfers, wird fraglich, ob sich Erwartungen und Möglichkeiten des Wissenstransfers entsprechen können. Im Beitrag skizzieren wir zunächst unterschiedliche Erwartungen sowie die komplexen wissenschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Bedingungen sozialwissenschaftlichen Wissenstransfers. Auf dieser Basis plädieren wir dafür, das FGZ als eine Chance zu sehen, eine analytisch und selbstreflexiv angelegte sozialwissenschaftliche Transferforschung zu reaktivieren bzw. neu zu etablieren.
Requirements of the Federal Ministry of Education and Research for the newly-founded Research Institute for Social Cohesion (RISC) comprise the study of social cohesion, its preconditions, risks and chances for further development. One of the basic missions is to engage in a participatory, public form of science, which seeks to transfer and evaluate knowledge in both directions, from science to society and from society back to science. On one hand, there are high expectations regarding such a collaborative transfer of social science findings into the political and public spheres. On the other, it remains uncertain whether such transfer could actually live up to these expectations, given the complexity within social science itself and the prevailing conditions in the spheres of science, politics and the public. In this article we shall sketch out various assumptions as well as the multifaceted scientific, political and public predispositions for such an intensified transfer of social science knowledge. Hence, we are calling for the (re-)activation of an analytically-oriented and self-reflective kind of social science transfer research
DGS-Nachrichten
Gemeinsame Stellungnahme geistes-, kultur- und sozialwissenschaftlicher Fachgesellschaften zur Ankündigung der Bundesministerin für Bildung und Forschung, die Wissenschaftskommunikation in Deutschland zu stärken
Positionierung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft und der Deutschen Gesellschaft für Soziologie zum Grundsatzpapier des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zur Wissenschaftskommunikation
Stellungnahme der DGS zum Umgang mit studentischen Lehrveranstaltungsevaluationen
Ein kurzes Gespräch mit Hubert Knoblauch und Stefanie Pawlak, die den 40. DGS-Kongress 2020 organisieren
Veränderungen in der Mitgliedschaf
Wirkt die Novelle des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes? Erste Evaluation der Wirkung des WissZeitVG auf Vertragslaufzeiten
Wissenschaftliche Mitarbeiter sind die zahlenmäßig größte Gruppierung des wissenschaftlichen Personals an deutschen Universitäten, sie erbringen einen bedeutsamen Beitrag in Lehre und Forschung und sind in der Regel über das Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG) befristet beschäftigt. Im März 2016 trat die aktuelle Novelle des WissZeitVG mit dem Ziel, die Vertragslaufzeiten zu erhöhen, in Kraft. Nach der Gesetzesnovelle ist die Vertragslaufzeit an das Qualifikationsziel oder bei Drittmittelstellen an die Projektlaufzeit anzupassen. Unter Heranziehung von rund 2.300 Stellenausschreibungen der Universität des Saarlandes von 1999 bis Sommer 2017 konnte bivariat sowie multivariat unter Kontrolle der Variablen Fakultät, Art der Beschäftigung WissZeitVG und Stellenumfang gezeigt werden, dass die mittlere Vertragslaufzeit nach der Novelle rund ein halbes Jahr mehr beträgt als vor der Novelle. Die Befunde deuten darauf hin, dass die Novelle des WissZeitVG das formulierte Ziel längerer Vertragslaufzeiten erreichen konnte.
The scientific staff below the professorship is the largest group at German universities and makes an important contribution in education and research. This group works mostly under the regime of a special labor law for scientific staff (Wissenschaftszeitvertragsgesetz – WissZeitVG) and has fixed-term contracts. The amendment with the aim of longer contract periods came into force in March 2016. According to the law, contract periods should now base on qualification objectives or project duration. We analyzed 2,300 job advertisements from the University of Saarland (years: 1999 to summer 2017) and found a difference of half a year between prior and after the amendment (bivariate and after controlling for faculty, nature of the employment and working hours). The results suggest that the WissZeitVG influences the duration of contract periods
Editorial
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, »Civil inattention« nannte Erving Goffman eine soziale Kunstfertigkeit, in der es insbesondere die Bewohner dicht bevölkerter Großstädte unweigerlich zu einiger Kennerschaft bringen, wenn sie sich regelmäßig in öffentlichen Räumen bewegen. Ein unendlich feines Reservoir von Gesten, Blicken, Requisiten wird genutzt, um den anderen unbekannten Anwesenden zu signalisieren, dass man selbst bei größter körperlicher Nähe die Grenzen des Gegenübers kennt und keine Bedrohung empfindet oder selbst darstellt. Der Blick auf die eigenen Schuhspitzen im überfüllten Bus, das Offenhalten der Kaufhaustür für den nächsten Passanten, die vertiefte Lektüre im Bahnabteil, obwohl bei den Mitreisenden gegenüber gerade ein Familienstreit Fahrt aufnimmt – all diese kleinen, eingespielten Routinen haben wir in den vergangenen Wochen in atemberaubender Geschwindigkeit verlernt, vielleicht müsste man sagen: uns abtrainiert. Wo man überhaupt noch mit größeren Gruppen unbekannter Menschen einen Raum teilt, ist man nun im Gegenteil darauf bedacht, Aufmerksamkeit für das Einhalten von physischen Abständen zu zeigen und nicht sozial zu demonstrieren. Dass der eigene und der andere Körper nun gänzlich ungewollt zu Unsicherheitsfaktoren in einem infektiösen Geschehen werden, führt zu einer Ersetzung der routinisierten Gesten durch solche, die zuvor vielleicht als Ablehnung verstanden worden wären – und nun Ausdruck von »civil attention« für mein Gegenüber sind: das Zurückweichen, wenn man im Supermarkt gleichzeitig denselben engen Gang ansteuert; das kurze Wegdrehen des Kopfes und Anhalten des Atems wenn man doch zu nah aneinander vorbeiläuft und der schnelle Schritt nach hinten, wenn einem im kurzen Gespräch auf der Straße der Abstand zu klein erscheint. Wie schnell und umfassend sich seit März alltägliche Gewohnheiten, soziale Routinen und Normalitätsverständnisse ändern und anpassen mussten, konnte einen alltagsweltlich mal ängstigen, mal amüsieren und soziologisch mindestens in Staunen versetzen. Die Binse, dass man soziologisch immer etwas beobachtet, dessen Teil man zugleich ist, konnte in den vergangenen Wochen jeder erleben, der es sich nicht gleich wieder in hergebrachten Deutungsmustern gemütlich machen wollte. Dass dieses Verstricktsein in den eigenen Gegenstand aktuell auch forschungspraktisch ganz eigene Probleme aufwirft, nimmt Jo Reichertz in diesem Heft zum Anlass, zur gemeinsamen Diskussion auf dem SozBlog aufzurufen: Insbesondere im Bereich der qualitativen Forschung sind aktuell geplante Projekte und Qualifizierungsarbeiten vor große Herausforderungen gestellt. Was bleibt von der teilnehmenden Beobachtung in Zeiten sozialer Distanzierung? Welche Risiken darf, kann oder sollte man eingehen, wenn Feldaufenthalte anstehen? Wie reagieren Organisationen, Institutionen, Teams auf die neuen Bedingungen? Diese und weitere Fragen stehen auf dem SozBlog zur gemeinsamen Diskussion, die Lektüre lohnt ebenso wie die eigene Beteiligung. Zumindest für den diesjährigen Kongress stellen sich viele der genannten Herausforderungen nicht und werden durch andere ersetzt: Wir sehen uns im September nicht in Berlin, sondern auf unseren Bildschirmen. Die Entscheidung, den gesamten Kongress digital stattfinden zu lassen, ist nicht leichtgefallen – ermöglicht aber hoffentlich vielen von Ihnen eine unbesorgte Teilnahme. Und auch wenn viele der informellen Pausengespräche und Kaffeeverabredungen dieses Jahr nicht wie gewohnt stattfinden können, finden sich sicher andere lohnende Formen des gemeinsamen fachlichen Austauschs.
Herzlich, Ihre Sina Farzi
Traditionslinien der Frankfurter Soziologie: 100 Jahre und mehr
An der Frankfurter Universität wurde im Jahr 2019 das hundertjährige Bestehen der ersten soziologischen Professur in Deutschland gefeiert. 1919 wurde die Professur für »Soziologie und theoretische Nationalökonomie« gestiftet und mit Franz Oppenheimer besetzt. Der Fachbereich Gesellschaftswissenschaften beging das Jubiläum der Gründung eines neuen Fachs mit Vortrags- und Festveranstaltungen. Der Beitrag resümiert die vielfältige Frankfurter Soziologietradition, die unter anderem durch die Etablierung von sozialwissenschaftlichen Professuren und die Kongresse der DGS geprägt wurde.
In 2019, Frankfurt University celebrated the centenary of the first sociological professorship in Germany. In 1919, the professorship for »Sociology and Theoretical Economics« was endowed and filled by Franz Oppenheimer. The Department of Social Sciences celebrated the anniversary of the founding of a new department with lectures and festive events. The contribution summarizes the multifaceted sociology tradition in Frankfurt, which was shaped, among other things, by the establishment of professorships in the social sciences and the DGS congresses
DGS-Nachrichten
Nominierungsfristen DGS-Wahl 2021
German Sociological Journal
Gründung der Sektion »Soziologiegeschichte«
Veränderungen in der Mitgliedschaf