Publikationen der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
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    Plattformen unter Spannung: Diagnosen der Um-Ordnung im medienöffentlichen Raum

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    Der Beitrag führt kurz in das Thema "Plattformen unter Spannung" und die Beiträge der Session ein. Dabei geht es um Analysen und Bestandsaufnahmen zur Rolle digitaler Medien und Plattformen für die Artikulation, Bearbeitung und Bewältigung gesellschaftlicher Konflikte und Problemlagen im Kontext des Strukturwandels von Öffentlichkeit. Aufhänger für soziopolitische und soziotechnische Spannungen über, in und durch Plattformen sind aktuelle Formen des Protests und Widerstands insbesonderer rechtsextremistischer AktivistInnen

    "[...] natürlich Bewerber mit den besten Noten [...]": Der soziale Raum der Fachkulturen und was er über die strukturelle Verankerung sozialer Ungleichheit verrät

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    Die Ausdifferenzierung von Studiengängen nimmt stetig zu. Um im „internationalen Wettbewerb um die größten Talente in Wissenschaft und Forschung“ (Elitenetzwerk Bayern 2018a) gut aufgestellt zu sein, hat Bayern das Elitenetzwerk Bayern als Förderprogramm für „besonders motivierte[n] und leistungsfähige[n] Studierende[n]“ (Elitenetzwerk Bayern 2018b) an öffentlichen Universitäten initiiert. Die Wissensaufbereitung und -organisation einzelner Fachwissenschaften verweist auf fachspezifische, kulturelle Praktiken, die durch Habitusdispositionen der eigenen Wissenschaftsklientel hervorgebracht werden, einen Fachhabitus formieren und im sozialen Raum der Fachkulturen verortet werden können. Die habituelle Beharrlichkeit und relative Unveränderbarkeit leiten sich aus dem professionellen Handeln als regelkonforme Anwendung der kulturellen Praktiken selbst ab und sorgen für ihre Reproduktion. Der Fachhabitus findet sich im Aufbau und der Strukturierung des Studiums als eine Konzeption wieder, die einen spezifischen Lernraum bereitstellt und Erwartungen an die Partizipierenden heranträgt, die die Grundlage einer erfolgreichen Bewältigung bilden. Die fachwissenschaftliche Sozialisation im Studium vermittelt den Studierenden die vorherrschenden Habitusdispositionen über die kulturellen Praktiken

    Neue Routinen, veränderte Handlungsorientierungen? Handlungsorientierungen von Lehrkräften im Kontext der Beschulung neu zugewanderter Schüler*innen

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    Weitgehend bekannt ist, dass Schule in der Migrationsgesellschaft an der Produktion und Verfestigung von natio-ethno-kulturellen Zuschreibungen (Mecheril 2004) und den damit verbundenen Ungleichheiten und Ausschlüssen beteiligt ist. Ein aus dieser Perspektive noch weniger untersuchter Bereich der Schule sind die Vorbereitungsklassen für neu zugewanderte Schüler*innen. Was passiert, wenn Schüler*innen, die nicht den Normalitätserwartungen der Schule entsprechen, gemeinsamen mit den anderen Schüler*innen unterrichtet werden? Am Beispiel von Schulen, an denen neu zugewanderte Schüler*innen von vornherein am Regelschulbetrieb teilhaben und nur stundenweise in Vorbereitungsgruppen zusätzliche Förderung in Deutsch erhalten, wird nachvollzogen, ob die Beschulung von als „neu zugewandert“ klassifizierten Schüler*innen den Regelbetrieb und die Handlungsroutinen der Schule verändert. Auf der Grundlage von Interviews mit Lehrkräften und Schulleitungen und Unterrichtsbeobachtungen an insgesamt vier Grundschulen in Berlin und Köln wird rekonstruiert und typisiert, welche Rolle die Askription "neu zugwandert"  in den Handlungsorientierungen der Lehrkräfte annimmt

    Antifeminismus und Antisemitismus in der Gegenwart: Bemerkungen zu Verschränkung und kultureller Codierung

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    Feminismus und ‚Gender‘ fungieren gegenwärtig über verschiedene politische Lager und Milieus hinweg als Feindbild. Insbesondere in Themenfeldern wie Familien-, Geschlechter- und Sexualpolitiken können antifeministische Gehalte eine Verbindung zwischen verschiedenen extrem rechten Strömungen und dem bürgerlichen Mainstream herstellen. Antifeminismus kommt eine wichtige ideologische wie organisatorische Integrations- und Scharnierfunktion zu. Innerhalb dieser Konstellation spielt auch (latenter) Antisemitismus eine Rolle. Nach einer Einführung in das gesellschaftsgeschichtliche und konzeptionelle Verhältnis von Antifeminismus und Antisemitismus wird im Beitrag exemplarisch analysiert, wie Antifeminismus am Beginn des 21. Jahrhunderts kulturell codiert ist und welche Potenziale der Verschränkung mit antisemitischen Deutungsmustern eröffnet werden

    Theorie-informierte Akteur*innen als Herausforderung für qualitative Verfahren

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    Der Beitrag möchte eine methodologische Herausforderung präsentieren für Leitfaden-Interviews und vergleichbare Techniken der qualitativen Sozialforschung. Die Herausforderung betrifft den Umgang mit Theorie-informierten Akteur*innen bei der Datenerhebung und den daraus folgenden Analysen. Als Resultat von gesellschaftlichen Entwicklungen (u.a. Bildungsexpansion) treten mehr und mehr Interviewsituationen auf, in denen Forschende mit explizit theoretisch informierten Akteur*innen konfrontiert sind. Das heißt, es müssen Personen ‚beforscht‘ werden, die über dieselben oder ähnliche kultur- und sozialwissenschaftliche Theorie-Ressourcen verfügen wie die oder der Forschende. Diese Situation stellt gewisse Vorstellungen von Sozialforschung in Frage, etwa davon was nun genau ‚empirische‘ Daten sind oder ab wann von Experteninterviews gesprochen werden kann. Methodologisch nochmals radikaler formuliert wird aber die Frage danach gestellt, wer über die ‚Interpretationshoheit‘ und die ‚Deutungshoheit‘ verfügt, wenn nicht mehr nur die Forschenden über Theoriekompetenzen für die Auswertung und Interpretation verfügen. Der Beitrag soll methodologischen Prämissen für den Umgang mit dieser Herausforderung aufzeigen und auch konkretere Techniken für Interviews und anschließende Analysen präsentieren. So werden auf der einen Seite Debatten um Grundlagenprobleme der verbreiteten qualitativen Methodologien aufgenommen: etwa um einen zunehmenden „theorielosen Empirismus“ von Ansätzen oder um die Möglichkeit, wie Theorie-Induzierung genau erfolgt („theoretische Empirie“). Auf der anderen Seite wird auch ein weiterer Blick auf gesellschaftliche Herausforderung gelenkt, die genauso für qualitative wie für quantitative Ansätzen gelten: Es erfolgt nämlich nicht nur eine Reifikation der verschiedenen Methoden in der Gesellschaft, sondern auch eine Performativität von theoretischen Konzepten und der damit verbundenen Denkweisen der Sozialforschung

    Nurses Wanted! - Die Pflegefachkräftemigration im Kontext globaler Ungleichheiten

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    Unser Beitrag geht der Frage nach, auf welcher Art und Weise die globale Ungleichheit in der Pflegefachkräftemigration zum Ausdruck kommt. Dabei legen wir den Fokus unserer Diskussion auf die kritische Prüfung der internationalen Kräfteverhältnisse am Beispiel der Regulierung der Migration von medizinischem Personal sowie auf den Einfluss dieser Kräfteverhältnisse auf die alltäglichen Interaktionen im Gesundheitsbetrieb. Bei der Erläuterung dieser Frage beziehen wir uns auf zentrale empirische Ergebnisse aus unserer Studie zur globalisierten Pflegefachkräftemigration aus den süd- und osteuropäischen Staaten und ihrer Auswirkungen auf die betrieblichen Integrationsprozesse der Pflegefachkräfte in Deutschland (Pütz et al. 2019)

    Spannungen zwischen Religion und Stadt: Ein raumsoziologischer Vermittlungsversuch

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    In der Soziologie wurden Religion und Stadt bislang selten zusammengedacht. Erst in den letzten Jahren ist mit dem Themengebiet der Urban Religion ein, allerdings vorwiegend empirisches Forschungsfeld entstan­den, das die Effekte des (konflikthaften) Aufeinanderprallens unterschiedlicher religiöser Weltsichten und Praktiken in der Stadt in den Blick nimmt. Der Beitrag macht dies zum Ausgangspunkt eines konzeptionellen Nachdenkens über Religion und Stadt und vertritt folgende These: Um die Bedeutung von Religion für die spätmoderne Gesellschaft zu verstehen, müssen wir unseren Blick auf Städte richten, denn dort formen sich neue Subjektivitäten und dort werden sowohl neue zivilisatorische Arrangements erfunden wie Chancen verspielt. Dass dem so ist, hat etwas mit der Räumlichkeit des Städtischen zu tun. Die Argumentation verläuft in vier Schritten: Nach einer kurzen Theoriegeschichte zum Verhältnis von Religion und Stadt wird die Notwendigkeit eines räumlich definierten Stadtbegriffs abgeleitet. Anhand von qualitativen Interview- und Beobachtungsdaten wird anschließend gezeigt, wie sich religiöse Subjektivierungen in einem diasporischen Setting ausbilden und welche Konflikte dabei verhandelt werden. Konkret geht es darum, wie im stark säkularisierten Leipzig eine spätmodern-evangelikale Subjektivität und Lebensführung aufgebaut und aufrechterhalten wird. Die Konklusion fasst die Ergebnisse zusammen. &nbsp

    Soloselbstständige Erwerbsarbeit in der Plattformökonomie.: Am Beispiel eines selbstverwalteten Fahrradkurierunternehmen.

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    Das unabhängige Kurierkollektiv, das 2017 in Berlin gegründet wurde, ist zu 100 Prozent selbstverwaltet, autonom und emissionsfrei. Es agiert als dezentrales Netzwerk und will als "Agentur für nachhaltige urbane Logistik" sowohl einen individuellen Bewusstseinswandel als auch einen gesellschaftlichen Wandel im Hinblick auf eine nachhaltige Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen initiieren. Die explorative qualitative Fallstudie befasst sich mit verschiedenen Aspekten der Plattformökonomie, wie den Arbeitsbedingungen (Stichwort: Atomisierung und Ausbeutung der Arbeitenden), die durch das Kollektiv mittels Selbstbestimmung und kollektive Entscheidungsfindung überwunden werden sollen. Aber auch in Bezug auf die technischen Koordinationsmechanismen setzt sich das selbstverwaltete Unternehmen von anderen Plattformunternehmen ab. Die von Crow genutzte technische Infrastruktur lässt sich nicht auf einen alles koordinierenden Algorithmus reduzieren, sondern wird aus mehreren Quellen gespeist, was die Fehlerquote erhöht, gleichzeitig aber auch immer alternative Strategien bereitstellt, wenn es ein technisches Problem mit einer der verwendeten Anwendungen gibt

    Die Genese des Nichtwissens aus dem Wissen: Fünf Thesen zur digitalen Wissenswelt

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    Die Vorteile der Wissensverfügbarkeit in der digitalen Welt sind nicht zu leugnen. Aber im Zuge der digitalen Wissensexpansion entstehen „blinde Flecken“ des Nichtwissens. Die Relevanzverlustthese beschreibt Wissensverlust durch Entstrukturierung und Relevanzeinebnung der Informations- und Lebensverhältnisse. Alle Informationen werden wichtig. Die Algorithmenthese zielt auf den Wissensverlust durch die zunehmende Undurchschaubarkeit der Wissensgrundlagen, Wissensselektionen, Wissensbeschaffungsmuster, Wissensdarbietungsmodi. Die Explizierungsthese fasst den Wissensverlust durch Reduzierung oder Eliminierung von unscharfem Wissen und „tacit knowledge“ ins Auge. Umfassende Explizitmachung produziert unbewältigbare Komplexität. Die Unverstehbarkeitsthese befasst sich mit dem Aufstieg von datenanalysierten „Mustern“, die nützlich sind, deren soziologisches Substrat aber nicht mehr erkennbar ist. Die Panoptikumsthese schließlich vermutet einen Wissensverlust durch Inauthentizierung des rückkoppelungsgesteuerten Verhaltens der Individuen und die dadurch erschwerte Verhaltensdechiffrierung. Permanentes Tracking und Selftracking führt zum „künstlichen“ Verhalten

    Eröffnungsvortrag zum DGS-Kongress 2020

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    Liebe Mitglieder der DGS, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Studierende, verehrte Gäste,mit dieser Ansprache wollte ich Sie eigentlich hier vor Ort in Berlin begrüßen. Unser ehemaliger Bundespräsident Joachim Gauck sollte, auch im Gedenken an den 30. Jahrestag der Wiedervereinigung, eine seiner bestechenden Reden halten, und der brausende Ernst-Reuter-Platz im quirligen Berlin war als der Rahmen gedacht, in dem der Kongress Diskussion und Austausch von Gedanken, Worten und Argumenten ermöglichen sollte. Als lokaler Veranstalter muss ich mit einer ähnlichen Wehmut, die die gesamte Veranstaltungsbranche teilt, den Ausfall zahlreicher Ereignisse bedauern, die so viele von Ihnen im Vorfeld von langer Hand geplant und aufwändig organisiert hatten: Ausstellungen, Filme, Führungen, Diskussionsveranstaltungen, Begegnungen mit Politik und Öffentlichkeit, ja, auch Musik und Tanz fallen aus und damit viel von dem, was nicht nur im Städtemarketing, sondern auch für uns praktizierende Berliner*innen das so Einnehmende an dieser Stadt ist. Ich will die wehmütigen Affekte nicht zu stark anrühren, doch darf ich als lokaler Veranstalter wenigstens an Einiges erinnern, was auch den digitalen Kongress bereichern würde: Die Eröffnungsfeierlichkeiten im Schiller Theater (das Sie auf der Folie im Hintergrund sehen), die gemeinsamen Begegnungen und die Geselligkeit von Kongressen in einer Stadt, die nicht erst seit Simmel so sehr für die Gesellschaft steht, die unser Gegenstand ist – und die zudem noch extra für ein traumhaftes, Corona-gerechtes Konferenz-Außenwetter gesorgt hat.   Videoaufzeichnung der Eröffnungsveranstaltun

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