Publikationen der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
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Rating-Agenturen im Finanzmarktkapitalismus: Genese, organisationale Praktiken und Felder
Der Beitrag befasst sich mit der Institutionalisierung des globalen Rating-Dispositivs. Hierbei spielen Organisationen eine zentrale Rolle. In organisations- und wirtschaftssoziologischer Perspektive werden Forschungsfelder, "Genese", "Praktiken" und "Felder", generiert und analysiert, innerhalb derer die historische Herausbildung, die organisationalen Accounting-Praktiken sowie die globalen Verflechtungs- und Herrschaftszusammenhänge der Rating-Kultur aufgezeigt werden. 
Konflikte um Wohnen in Gentrifizierungsgebieten: Ein interaktionistischer Zugang
In diesem Beitrag diskutieren wir die Frage, wann und in welchen Formen Widerstände und Konflikte in Gentrifizierungsprozessen entstehen, und wann diese ausbleiben, am Gentrifizierungsprozess in Altona-Altstadt. Der Hamburger Stadtteil weist seit knapp zwei Jahrzehnten starke Mietsteigerungen, Immobilienpreise, stadtpolitische Aufwertungsstrategien und deutliche Zeichen von Verdrängung auf. Initiativen des Hamburger Recht auf Stadt-Netzwerkes haben auch hier gegen Gentrifizierung protestiert. Gleichzeitig haben uns Bewohner*innen im Rahmen eines qualitativ-ethnographischen Forschungsprojektes zwar vielfach über die Gentrifizierung des Stadtteils, aber kaum über selbst ausgetragene Konflikte etwa um Mieterhöhungen berichtet. Diesen vermeintlichen Widerspruch untersuchen wir mit Fokus auf verdrängungsrelevante Situationen aus einer praxisanalytischen Perspektive, die kritisch-materialistische Sozialforschung mit einer symbolisch-interaktionistischen Methodologie verbindet. Als zentraler Befund zeigt sich, dass normative Definitionen ‚impliziter Mietvertragsverhältnisse‘ sowie Typisierungen der jeweiligen Vermieter*innen und Selbstzuschreibungen eigener Handlungs(un)fähigkeit von entscheidender Bedeutung dafür sind, ob Bewohner*innen Mieterhöhungen überhaupt als problematisch definieren und ob und wie sie in Aushandlungen mit Vermieter*innen treten. Konfliktorientierter Widerstand gegen drohende Verdrängung resultiert also nicht einfach aus eigener Betroffenheit, sondern ist deutlich voraussetzungsvoller, wobei die normative wie strategische Dimension von agency in verdrängungsrelevanten Situationen in Rechnung gestellt werden muss
Die Bedeutung der Begriffe „Links“ und „Rechts“ in verschiedenen sozialstrukturellen Kontexten
War die sozialstrukturelle Verortung der politischen Richtungsbegriffe „Rechts“ und „Links“ lange unzweifelhaft, so ist diese Klarheit spätestens seit der Entstehung der mehrheitlich aus bürgerlichen Verhältnissen stammenden „Neuen Linken“ und der bevorzugt ökonomisch Benachteiligte adressierenden „Neuen Rechten“ passé. Während die soziale Stellung heute kein eindeutiger Indikator mehr dafür ist, ob jemand sich als „Links“ oder „Rechts“ einordnet, kann sie jedoch die ideologische Bedeutung, die den Begriffen „Links“ und „Rechts“ beigemessen wird, maßgeblich prägen. In der Forschung zur subjektiven Bedeutung der politischen Richtungsbegriffe wurde bereits verschiedentlich gezeigt, dass die verbreitete Annahme eines eindeutigen und kollektiv geteilten Verständnisses von „Links“ und „Rechts“ nur sehr eingeschränkt zutrifft. Mögliche sozialstrukturelle Zusammenhänge wurden dabei bisher allerdings weitgehend außer Acht gelassen. Wir stellen daher folgende Fragen:
Welche kohärenten Konzepte von „links“ und „rechts“ gibt es in der deutschen Bevölkerung?
Inwiefern ist die Sozialstruktur – unter Konstanthaltung der politischen Positionierung – hierbei ein strukturierender Faktor?
Wir verwenden Daten aus dem ALLBUS 2008, in dem die Assoziationen der Befragten mit „Links“ und „Rechts“ offen abgefragt wurden und analysieren diese mit CAGalt, einer Variante der Korrespondenzanalyse für Textdaten. Wir zeigen, dass auch bei Befragten mit der gleichen politischen Selbstverortung unterschiedliche Assoziationen mit den Begriffen „Links“ und „Rechts“ auftreten. So lassen sich ökonomische, kulturelle oder politisch-systemische Konzepte sowie eine diffus-emotionale Reaktion abgrenzen, die mit Bildung, Region (Ost/West) und Alter assoziiert sind. Wir argumentieren, dass die auftretenden Muster für zwar unterschiedliche, aber jeweils in sich konsistente Konzepte von „Links“ und „Rechts“ sprechen. Unsere Analyse zeigt, dass die vermeintliche Auflösung sozialstrukturell bedingter politischer Bindungen sich zumindest für das ideologische Verständnis nicht bestätigen lässt und dass die Sozialstruktur mithin ein bedeutender Faktor politischer Verortung bleibt
Gesamtschullehrer/-innen: Soziale Unterschiede im Blick?
Bereits die Gründungsidee der Gesamtschulen verspricht eine chancengerechtere Schule und so werden noch heute Schüler/-innen aller Leistungsgruppe und sozialer Milieus gemeinsam unterrichtet. Gesamtschullehrer/-innen sind in besonderem Maße mit einer heterogenen Schülerschaft konfrontiert. Sind sie dadurch sensibler für soziale Unterschiede
Der affektive Rekurs auf Lebensentwürfe zwischen praktischer Ökonomisierung und Ästhetisierung: Affektive Erzählformen im Rahmen von Fokussierungsmetaphern
Spätestens seit den gegenwartsanalytischen Verweisen auf eine Ästhetisierung der Gesellschaft erstarkt das soziologische Interesse an sozialen Affekten. Dabei ist aus praxistheoretischer Perspektive die Verkopplung jedweder sozialen Praxis mit spezifischen Affektstrukturen zu konstatieren. Insofern weisen auch die dahingehend bislang eher unverdächtigen Prozesse praktischer Ökonomisierung Affektbeziehungen auf, die freilich durch die Beanspruchung einer hyperrationalen Handlungslogik invisibilisiert sind. Eine Affektanalyse hilft also dabei, die Rekonstruktion praktischer Logiken zu vervollständigen. Allerdings nehmen entsprechende theoretische und methodologische Diskurse gegenwärtig erst an Fahrt auf. Der vorliegende Beitrag geht diesem Zusammenspiel von theoretischer und methodischer Bedeutung von Affekten auf der Grundlage der Auseinandersetzung mit Lebensentwürfen von Existenzgründerinnen nach. Anhand der spezifischen Affektstrukturen der hierbei empirisch unterschiedenen Typen zeigt sich nicht zuletzt eine entlang von Ästhetisierungs- und Ökonomisierungslogiken variierende emotionale Gestimmtheit der Praktiken. Dies kann aber wiederum für eine kritische Reflexion der methodisch in Anschlag gebrachten Bedeutung affektiver Äußerung fruchtbar gemacht werden
„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“: Zu Deutungs- und Handlungsmustern von Teilnehmenden der Fridays for Future-Proteste
Der vorliegende Beitrag rekonstruiert und typisiert anhand von qualitativen Interview- und Beobachtungsdaten Motive und Relevanzsysteme der Teilnehmenden der Fridays for Future-Proteste. Aus einer handlungstheoretischen Perspektive heraus lässt sich dabei ein zentrales Spannungsfeld zwischen Umweltveränderungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen auf der einen Seite, sowie dem tatsächlichen Klimahandeln auf der anderen Seite, nachzeichnen. Im Zuge der Darstellungen werden Perspektiven auf die Klimakrise sowie mögliche Lösungsansätze und dabei zu berücksichtigende Leitlinien thematisiert, die durch die Teilnehmenden gesetzt werden. Als eines der wesentlichen Kriterien erweist sich hierbei das Konzept der Klimagerechtigkeit (‚Climate Justice‘), welches eng mit der Frage der Schuld an den, als existenziell bedrohlich wahrgenommenen, Klimaveränderungen verknüpft ist
The Legitimacy and Strength of National, European, and Global Solidarity: Philosophical Arguments and Empirical Findings
The article distinguishes between three different territorial spaces of solidarity: solidarity between citizens of the same nation state, solidarity between member states and the citizens within the EU, and global solidarity in the sense of solidarity with countries and citizens outside of the EU. Based on a survey conducted in 13 EU countries, we examine the extent to which citizens are willing to support people within the three solidarity spaces. The strength of different solidarity spaces is, however, not only an empirical question, but is related to a controversial debate in social philosophy. Cosmopolitans argue that support for people in need should have a global outreach and not stop at any border, while communitarians assume that solidarity is based on connectedness and requires common institutions. Empirical findings support the communitarian view of solidarity. Solidarity with citizens of one\u27s own country receives the greatest support. At the same time, the majority of respondents are also in favor of European solidarity, although the level of solidarity at the European level is below the level of nation-state support. Finally, the results show that European solidarity enjoys significantly higher support than universal, global solidarity
#baseballschlägerjahre: Ostdeutsche Männlichkeit in der Transformation
Mit dem 30-jährigen Wendejubiläum werden Diskurse und Deutungsmuster über Ostdeutschland viel diskutiert. Der Diskurs um den #baseballschlägerjahre erfuhr in diesem Zusammenhang viel Aufmerksamkeit und brachte einschlägige Erzählungen über gewaltvolle Transformationserfahrungen der 90er Jahre hervor. Dieser Beitrag stellt die Ergebnisse einer Diskursanalyse der Baseballschlägerjahre vor und widmet sich der Frage, wie in diesen Erzählungen rechte Gewalt und Männlichkeit mit ostdeutschen Zuschreibungen verknüpft werden. Die Ambivalenzen dieser dreifachen diskursiven Verschränkungen werden hinsichtlich ihrer Leerstellen und Anschlussfähigkeiten an Diskurse des „Braunen Ostens“ kritisch diskutiert
Gesellschaft unter Spannung und die Chancen der Soziologie
Liebe Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS), liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, liebe Studierende, liebe Gäste,ich begrüße Sie und Euch ganz herzlich im digitalen Raum – wer hätte das gedacht, dass die Soziologie, die „kritischste“ aller Wissenschaften, einmal ein solches Format wählen würde, um sich auszutauschen und zu vernetzen? Ein kleines störendes und uns Menschen durchaus gefährliches Lebewesen macht es möglich. Gut ist mit Sicherheit, dass wir einiges an CO2-Emissionen einsparen, schlecht ist, dass wir physisch getrennt sind – aber das muss ja nicht notwendig auch „social distancing“ bedeuten. Ich, beispielsweise, sitze hier gemeinsam mit Sonja Schnitzler (Geschäftsführerin der DGS) im Konferenzraum des IfS – Institut für Sozialforschung an der Goethe-Universität Frankfurt umgeben von historischem Mobiliar und Ankündigungen von Frankfurter Adorno-Vorlesungen, die im Jahr 2020 leider entfallen mussten!
Videoaufzeichnung der Eröffnungsveranstaltun
Nachrichten aus der Soziologie
Reiner Keller: In memoriam Saša Bosančić
Habilitationen
Call for Papers
Begriffe. Vernachlässigte Werkzeuge der Theoriebildung