Publikationen der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
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    Zwischen Reproduktion und Transformation: Politisch-ökonomische Krisen in historisch-soziologischer Perspektive

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    Der Artikel befasst sich mit den Auswirkungen von Krisen auf die politisch-ökonomische Ordnung moderner kapitalistischer Gesellschaften, präziser auf das Verhältnis zwischen Demokratie und Kapitalismus sowie die Rolle des Interventionsstaates. Konkret wird herausgearbeitet , inwieweit und aufgrund welcher Faktoren Krisen transformativ wirken und das historisch-spezifische Arrangement zwischen Demokratie und Kapitalismus umordnen – bzw. aufzuzeigen, wann und warum eine Krise die politisch-ökonomische Ordnung reproduziert. Dazu werden in einem Vergleich die Großen Krisen des Kapitalismus – die Great Depression 1929ff., die Stagflationskrise 1973ff. sowie die Finanz- und Wirtschaftskrise 2007ff. – in ihren Ursachen, ihrem Verlauf und ihren Folgewirkungen betrachtet. Darüber hinaus wird ein Versuch unternommen, die politisch-ökonomischen Folgen der Corona-Krise einzuordnen und zu bewerten. Krisen, so die grundsätzliche These, bewegen sich als dialektische Doppelinstanz zwischen Reproduktion und Transformation. Während die Great Depression und die Stagflationskrise politisch-ökonomische Transformationskrisen waren, was sich in den paradigmatischen wirtschaftspolitischen Umordnungen hin zum Keynesianismus bzw. Neoliberalismus ausdrückt, war die Finanz- und Wirtschaftskrise 2007ff. keine Transformationskrise. Auch die Corona-Krise wird, so die ausblickende These, wahrscheinlich nicht zu einer substanziellen Umordnung des Verhältnisses zwischen Demokratie und Kapitalismus führen

    Macht Minderheitenstatus differenzaffin? Das Beispiel einer schwul-lesbischen Organisation in Deutschland

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    Die Auseinandersetzung zivilgesellschaftlicher Organisationen mit Migration und migrationsbedingter Diversität ist Neuland für die Forschung. Der Beitrag präsentiert Ergebnisse eines Projekts (ZOMiDi), das für ausgewählte zivilgesellschaftliche Organisationen in Deutschland empirische Erkenntnisse erarbeiten und auf dieser Basis theoretische Überlegungen zu Dynamiken des Wandels in diesem Organisationstypus vorlegen will. Im Mittelpunkt steht hier eine Organisation zunächst von Schwulen, dann auch von Lesben in Deutschland. Ein Bekenntnis zur Vielfalt der Gesellschaft gehörte seit seiner Gründung zur Programmatik dieses Verbandes. Die Forderung nach Anerkennung individueller Verschiedenheit war und ist für Menschen, deren sexuelle Identität lange kriminalisiert wurde, zentraler Baustein einer Akzeptanz der eigenen Verschiedenheit als Teil gesellschaftlicher Normalität. Trotzdem verlief die Auseinandersetzung mit der migrationsbedingten sozio-kulturellen Diversität nicht konfliktfrei. Der Beitrag erklärt die konflikthafte Entwicklung der Positionen dieses Verbandes Schwuler und Lesben seit den 1990er Jahren als Ausdruck zweier Spannungsfelder. Einmal ist dies die Koexistenz von Vorstellungen von Vielfalt und Community/Gemeinschaft. Zweitens ist die Unterscheidung zwischen Migrant*innen innerhalb der eigenen schwullesbischen Bevölkerungsgruppe und außerhalb, in der Gesellschaft im Allgemeinen, zentral für das Verständnis dieser zivilgesellschaftlichen Organisation. Haltungen zu Migrant*innen, so unser Argument, ergeben sich nicht unmittelbar aus dem Minderheitenstatus, sondern vermittelt über organisationsspezifische  Selbstverortungen oder Positionsbestimmungen der Organisationsidentität

    Angst als Ursache und Folge gesellschaftlicher Spannungen: Befunde, Kritik und Forschungsbedarf

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    In soziologischen Zeitdiagnosen wird Angst zum charakteristischen Gefühl westlicher Gegenwartsgesellschaften erklärt. Dabei wird Angst einerseits als Folge, andererseits als Ursache aktueller gesellschaftlicher Spannungen und krisenhafter Entwicklungen interpretiert. Im Beitrag werden beide Befunde beleuchtet. Anschließend werden kritische Einwände gegen die Zeitdiagnosen aufgegriffen und deren fehlende konzeptuelle, theoretische und empirische Fundierung problematisiert. Dies verdeutlicht den bestehenden Forschungsbedarf hinsichtlich des gegenwärtigen gesellschaftlichen Stellenwerts der Angst. Auf dieser Grundlage wird abschließend für eine interdisziplinäre gesellschaftswissenschaftliche Angstforschung plädiert, die dazu beitragen kann, den vielfältigen sozialen, politischen und kulturellen Bedeutungen der Angst in gegenwärtigen Gesellschaften auf die Spur zu kommen

    Die polizeilich-publizistische Konstruktion von „Problemvierteln“ – und konkurrierende Deutungen

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    In diesem Beitrag analysieren wir am Beispiel des Stadtteils Essen-Altendorf Wechselwirkungen zwischen Situationsbe-deutungen, stadtteilimageproduzierenden Diskursen und polizeilichen Interventionen sowie deren Auswirkungen auf Quartiersalltage der ‚üblichen Verdächtigen‘ aus einer symbolisch-interaktionistischen Perspektive. Sichtbar werden polizeilich-publizistische Verstärkerkreisläufe, die weitere, tendenziell restriktive polizeiliche und stadtpolitische Interventionen neu legitimieren. Entsprechende Politiken reproduzieren dabei jedoch nicht nur die ‚Problematik‘ und ‚Gefährlichkeit‘ eines Stadtteils und damit die Stigmatisierung der Bewohner*innen, sie evozieren auch Ambivalenzen und konkurrierende Problemkonstruktionen und insofern auch Gegenerzählungen

    Die Sprache der qualitativen Ungleichheitsforschung: Agency und Handlung in englisch- und deutschsprachigen Publikationen

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    Wissenschaftliches Schreiben ist eine diskursive Praktik und als solche Teil einer Diskursformation welche Relevanz- und Themensetzungen wissenschaftlicher Forschung, ihrer Untersuchungsmethoden und Konventionen gelungener Forschungspraxis und deren Darstellungsform maßgeblich beeinflusst. Der Beitrag widmet sich den diskursiven Praktiken und Strategien der Präsentation qualitativer Ungleichheitsforschung am Beispiel von Zeitschriftenartikeln in englisch- und deutschsprachigen, hochrangigen, peer-reviewed soziologischen Journalen im Zeitraum von 1995–2018. Die Ergebnisse geben Anlass über die Rolle des Sagbaren und Nicht-Sagbaren in qualitativen-mikroanalytischen Ungleichheitsforschung nachzudenken und diskutiert die Bedeutung des aktiven Subjekts der ForscherInnen gegenüber Konventionen akkurater Forschungsverfahren.&nbsp

    Kategorisierungspraktiken in der Extremismusprävention

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    Das institutionelle Format pädagogischer Schulungen zur universellen Extremismusprävention birgt das Versprechen, einem Anstieg verschiedener Arten von Extremismus mittels zielgerichteter Interventionen zu begegnen. Ich untersuche, wie eine NGO in Zusammenarbeit mit der Polizei in einem dreistündigen Spiel Radikalisierungsprozesse in Schulklassen simuliert. In einer Reflexion des Spiels erklärt die NGO die Mechanismen der Radikalisierung mit dem Ziel, die Resilienz von Teilnehmenden gegen Radikalisierung im realen Leben zu stärken. Im Zentrum dieses Beitrags steht die Frage, welche Menschen die NGO als „Risikopersonen“ kategorisiert und wie die Präventionsmaßnahme unterschiedliche Zielgruppen beeinflussen soll. Auf theoretischer Ebene schlage ich vor, dass eine konstruktivistisch-ethnomethodologische Perspektive auf die (Re-)Kategorisierung von Menschen durch Institutionen gewinnbringend um die eines undogmatischen Realismus ergänzt werden kann. Methoden der Ethnographie und Interaktionsanalyse machen sichtbar, wie die NGO die für in Deutschland aufgewachsene Schüler:innen konzipierte Präventionsmaßnahme im Spiel mit Geflüchteten anpasst. Die NGO berücksichtigt die Erfahrungen der Geflüchteten und modifiziert die Maßnahme von einem ursprünglichen Fokus darauf, Extremismus zu bekämpfen, indem sie Teilnehmende irritieren, zu Bemühungen, Extremismus zu bekämpfen, indem sie sie integrieren. In diesem Beitrag diskutiere ich, inwieweit das Design und die späteren Anpassungen der Präventionsmaßnahme miteinander kompatibel sind und wie Präventionsarbeit in Erwartungen verstrickt ist, eine standardisierte, „weiche“ und schnelle Lösung für komplexe und dynamische gesellschaftliche Probleme zu bieten

    Antisemitismus als antimodernes Ressentiment: Skizze des soziologischen Beitrags zur Antisemitismusforschung

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    Allenthalben wird beklagt, die Soziologie vernachlässige die Antisemitismusforschung. Tatsächlich scheint eine Soziologie des Antisemitismus immer noch nur „in Fragmenten“ vorzuliegen, wie etwa Heiko Beyer 2015 bemängelte (Beyer 2015). Das liegt – wie bei der Vorurteils- oder der Rechtsextremismusforschung – auch daran, dass benachbarte Disziplinen diese Felder teils wirkungsvoll besetzen. Im Falle Antisemitismus sind vor allem die psychoanalytische Sozialpsychologie und die Geschichtswissenschaft zu nennen. Soweit, so bekannt. Auch die Organisatorinnen dieser Ad-hoc-Gruppe stellen ein Defizit bei der Soziologie fest. Mein Ausgangsgedanke für diesen Vortrag ist, dass die Soziologie selbst als Reaktion auf die Moderne entstanden ist – und damit zeitgleich mit dem modernen Antisemitismus. Wenngleich sich die Soziologie dem Thema eher sporadisch genähert hat, ist ihr klassischer Gegenstand – die moderne Gesellschaft – allerdings aufs Engste mit dem Gegenstand Antisemitismus verbunden. Aus dieser Überlegung heraus will ich skizzieren, was man von den Klassikern des Faches lernen kann und was eine allgemeine Soziologie des Antisemitismus als Programm, nicht nur als individuelles Forschungsprojekt leisten könnte

    Spaltet Corona die Gesellschaft? Eine empirische Milieuanalyse pandemiebezogener Einstellungen

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    Soziologische Deutungen der Corona-Krise beschwören das populär gewordene „Brennglas“, wonach die Pandemie soziale Probleme und Strukturprinzipien (post-)moderner Gesellschaften verdichtet hervortreten lässt. Dabei wird der Pandemie auch das Potenzial zugeschrieben, die Spaltung demokratisch-liberaler Gesellschaften zu verstärken. Vor allem die Querdenken-Bewegung fungiert im Diskurs als (weiterer) Indikator einer grundlegenden Legitimationskrise spätmoderner Gesellschaften. Der Beitrag greift diese Lesart auf und untersucht auf Basis einer quantitativen Erhebung die Einstellungen der deutschen Bevölkerung zur Pandemiebekämpfung. Die Befunde widerlegen eine grundlegende Spaltung der Gesellschaft sowohl mit Blick auf Globaleinstellungen als auch die Mittel zur Pandemiebekämpfung und zeigen, dass die Einstellungsmuster hinsichtlich der Pandemiebekämpfung einem eigenen sozialstrukturellen Muster folgen. Sich radikalisierende Protestbewegungen stellen durchaus eine Gefahr für das Gemeinwohl dar, sind aber nicht zwangsläufig ein geeigneter Seismograph für ein grundlegendes Unbehagen in der Gesellschaft

    Spannungsfreie transstaatliche Zusammenarbeit nach einem interkulturellen Training? Die potentielle Dynamisierung sozialer Ordnungsvorstellungen durch den Erwerb (inter-)kulturellen Wissens

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    Globale Vergesellschaftung bewirkt komplexe gesellschaftliche Spannungen. So führt beispielsweise die Parallelität transstaatlicher Kooperation und Konkurrenz zu ambivalenten Beziehungen zwischen Nationalstaaten. Mit einem ethnografischen Zugriff untersucht das Dissertationsprojekt interkulturelle Trainings, die zur Vorbereitung deutsch-chinesischer Kooperationsbeziehungen im Wirtschafts- und Wissenschaftskontext dienen. In Trainings werden die Ursachen eines Konflikts in der transstaatlichen Zusammenarbeit i.d.R. auf die verschiedenen Vorgehensweisen bezogen, die durch Differenzen der nationalen/regionalen/ethnischen/religiösen Zugehörigkeiten markiert werden. Dabei zeigt sich eine Spannung in der ambivalenten Relation zwischen der Zielsetzung des Trainings, in der interkulturelle Kompetenz zur Schlüsselqualifikation des kosmopolitischen Individuums avanciert, und der partiellen Zuschreibung von Zugehörigkeiten (häufig nach der national-ethnischen Kategorie) der Akteur*innen. Im Rahmen des Dresdner Sonderforschungsbereichs 1285 Invektivität: Konstellationen und Dynamiken der Herabsetzung nutzt das Projekt herabsetzende, verletzende und ausgrenzende Aspekte der Kommunikation als analytische Ressourcen und geht der Frage nach, inwiefern die sozialen Ordnungsvorstellungen in interkulturellen Trainings hinsichtlich der Vermeidung von Invektiven ausgehandelt und welche Differenzierungskategorien dabei ausgewählt werden, um die Unterschiedlichkeit der Ordnungen zu beschreiben. Im Beitrag werden zunächst das Forschungsfeld und die theoretischen Konzepte vorgestellt. Anschließend werden die Zwischenergebnisse anhand des Datenmaterials präsentiert

    Institutionalisierte Geschlechterbilder in (über)organisationalen Handlungskontexten: Eine Analyse am Beispiel der Chemie

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    Für die Betrachtung des Zusammenwirkens von Arbeit und Geschlecht sind organisationale Aushandlungsprozesse von zentraler Bedeutung. Im Rahmen dieser werden nicht nur bestehende Geschlechterbilder wirksam, sondern vielfach auch neu verhandelt, bestätigt oder gegebenenfalls abgelöst, wobei hier auch überorganisationale Handlungskontexte relevant werden. Sie bestimmen mit, welche Geschlechterbilder sich institutionalisieren und in Organisationen und organisationalen Feldern manifestieren oder sich mit bestehenden disziplinären, branchenbezogenen oder beruflichen Institutionen verknüpfen. Erst aus diesem Wechselspiel, so einer der zentralen Ausgangspunkte dieses Beitrags, ergeben sich Auswirkungen auf das (berufliche) Handeln der Akteure und die Aushandlung von Strukturen in Organisationen und den sie umgebenden organisationalen Feldern. Letzteres wird anhand der exemplarischen Betrachtung einer ausgewählten Branche – hier: die Chemiebranche – untersucht. Im Fokus steht die Wirkung institutionalisierter Geschlechterbilder und -stereotype im organisationalen Feld „Chemie“. Insbesondere in der Verknüpfung dieser mit anderen handlungsleitenden Institutionen, die sich unter anderem aus der Fach- bzw. Branchenkultur ergeben, entfalten sich besondere geschlechterdifferenzierende Auswirkungen auf das (berufliche) Handeln der individuellen Akteur*innen und der Multiplikator*innen in den verschiedenen Organisationen im Feld

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