Publikationen der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
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Ungehaltene Dialoge: Zur Fortentwicklung soziologischer Intradisziplinarität
Dieser Beitrag versucht, den professionspolitischen Konflikt um die Gründung der sogenannten ›Akademie für Soziologie‹ aus einer wissenschafts- und konfliktsoziologischen Perspektive zu verstehen und mögliche Wege der Konfliktlösung zu skizzieren. Er stellt vier Fragen: Welche Art von Einheit kann es für die allgemeine Wissenschaft des Sozialen geben? Welche diskursiven Bedingungen braucht intradisziplinäre Integration? Welche fachlichen Strukturen lassen sich für Sachkonflikte nutzen? Welche organisatorischen Konsequenzen folgen daraus? Die These des Beitrags ist, dass die Lagerung der Soziologie als allgemeine Wissenschaft vom Sozialen zwischen einer großen Zahl von Nachbarfächern, die erhebliche Fliehkräfte ausüben, nur eine konfliktfreudige Einheit des Faches erlaubt.
This paper aims to comprehend the profession-political dispute around the founding of the so-called ›Academy for Sociology‹, viewing it through the lens of the sociology of science and conflict sociology, outlining on this basis possible pathways to conflict resolution. The paper addresses four issues: What kind of unity is possible for the general science of the social? What discursive preconditions are required for intradisciplinary integration? What professional structures can be utilised for disputes regarding the subject matter at the heart of the discipline? What are the organisational consequences that would follow? The paper postulates that conserving sociology as the general science of the social – positioned as it is between multiple neighbouring disciplines subjecting it to considerable centrifugal force – only allows for disciplinary unity that is open to conflict
Soziologie auf Distanz studieren: Studierendenperspektiven auf Distance Learning während der COVID-19-Pandemie
Dieser Beitrag handelt davon, wie Studierende des Bachelor Soziologie an einer österreichischen Universität das sogenannten Distance Learning im Frühjahr und Sommer 2020 erlebten. Die empirische Basis für diese Ausführungen bilden 27 qualitative leitfadengestützte Interviews. Obwohl ein Großteil der Beforschten der Fernlehre einige Vorzüge abgewinnen konnte, wünschten sich viele eine Rückkehr zum Präsenzstudium. Dies wurde in erster Linie damit begründet, dass in der Distanzlehre ›das ganze Soziale fehle‹ bzw. allgemeiner, dass beim Umstieg auf Distance Learning doch sehr viel ›verloren gehe‹. Die vorliegende, explorative Analyse geht diesen Verlusterzählungen nach und fragt, inwiefern ›das Digitale‹ nicht als gleichwertiger Ersatz für face-to-face Austausch erlebt wird. Vor diesem Hintergrund werden Lehren für zukünftige Digitalisierungsstrategien der (soziologischen) Hochschullehre abgeleitet.
This paper asks how students experienced the so-called distance learning in spring and summer 2020. This exploratory analysis is based on 27 qualitative interviews with students of the Bachelor of Sociology at an Austrian university. Although a large part of the interviewees saw some advantages in distance learning, many wished to return to face-to-face forms of teaching and learning. The main reason given for this was that distance learning ›lacks the social aspects‹ or, more generally, that a lot is ›lost‹ when switching to distance learning. The paper investigates these narratives of loss and asks why ›the digital‹ is not experienced as equivalent to face-to-face exchange. Against this background, lessons for future digitalization strategies of (sociological) university teaching are derived
Das Digitale und seine Ethnografie(n): Theoretische und methodologische Überlegungen zum ethnografischen Forschungsstil im algorithmischen Zeitalter
Zweifellos hat die Digitalisierung maßgebliche Folgen für das gesellschaftliche Zusammenleben ebenso wie für die Analyse desselben. Letzteres impliziert nicht nur theoretische Adaptionsnotwendigkeiten, sondern gleichfalls methodische Innovationen – nicht nur, aber insbesondere in der soziologischen Forschung. Seien es neue gesellschaftliche Praktiken, die durch die Digitalisierung entstehen und adäquat analysiert werden müssen oder neue Datentypen, die empirischen Forscher*innen durch die Digitalisierung zugänglich werden. In beiden Fällen sollten die durch die Digitalisierung der Gesellschaft angestoßenen Veränderungen sowohl als Herausforderung wie auch als Chance für analytische Neu- bzw. Weiterentwicklungen begriffen werden.
Folgerichtig hat die Diskussion um „Digital Methods“ schon seit einigen Jahren Hochkonjunktur (z. B. Rogers 2013; Snee et al. 2016; Caliandro 2018). Und obgleich durchaus zahlreiche Beiträge aus der qualitativen Sozialforschung existieren, bilden v. a. quantitativ orientierte Versuche – gemeinhin unter Bezeichnungen wie „Digital Humanities“ (z. B. Berry 2012; Warwick et al. 2012; Griffin et al. 2016) oder auch „Computational Social Science“ (Lazer et al. 2009; Conte et al. 2012; Alvarez 2016) subsumiert – in diesem Zusammenhang die Mehrheit. Zudem ist nicht selten der generelle Impetus auszumachen, wonach es einer grundsätzlichen Digitalisierung empirischer Methoden bedarf (z. B. Lupton 2015; Marres 2017) – also einer vollumfänglichen Übersetzung qualitativer und/oder quantitativer Methoden in digitale Register.
Dieser Lesart möchten wir im Beitrag mit Blick auf ethnografische Herangehensweisen die These entgegenhalten, dass gleichsam die bewährten Verfahren empirischer Sozialforschung bereits eine wichtige Voraussetzung für die Erforschung digitaler Phänomene darstellen.
Im Zuge dessen stellen wir Ansätze vor, die digitalisierte Praktiken ethnografisch zu analysieren (Online-Interaktion, Nutzung digitaler Medien sowie algorithmische Praktiken im engeren Sinne), um zu verdeutlichen, dass insbesondere mit Blick auf die Ethnografie von Algorithmen im engeren Sinne noch umfassender Forschungsbedarf herrscht und das die neuen analytischen Möglichkeiten durch die Digitalisierung keineswegs bedeutet, dass es per se neuer ‚digitaler Methoden‘ bedarf
Jugendkulturen in der digitalisierten Moderne: Neue Visualitäten?
Im gegenwärtigen Zeitalter der „digitalisierten Moderne“ (Baecker 2018) sind das Alltagshandeln, die Alltagsräume und die Sozialisationskontexte von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zunehmend von digitalen Medien durchdrungen (vgl. Kutscher 2013, S. 1). Die digitalisierten Alltags-, Bildungs- und Freizeitwelten für Jugendliche sind somit einerseits zu zentralen Sozialisationsinstanzen, andererseits aber auch zu bedeutsamen Erfahrungskontexten für die Herausbildung sozialer Identitätskonstruktionen und jugendkultureller Vergemeinschaftungsformen avanciert. Auch in der öffentlichen und medialen Debatte kommt digitalisierten Alltagskulturen von Heranwachsenden eine zunehmend stärkere Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit zu. Deutlicher denn je zeigt sich dies etwa in der aktuellen Corona-Krisenzeit. Der so durch digitale Medien eröffnete neuartige soziale Raum jugendlicher Alltagskultur erschütterte nicht nur die typische jugendbezogene Freizeit- und Kulturindustrie in ihren Grundfesten und besiegelte teilweise das Ende einer ganzen Ära an bis dahin dominierenden Jugendindustrien, sondern er durchdringt und überformt auch insbesondere die sozialen Strukturen und kulturellen Ausdrucksformen von Jugendlichen. Vor allem mit den neuen digital generierten Jugendszenen (die computer/-spielebezogenen Szenen mit ihren spezifischen Subgruppen; die Visual Kei-Szene; die C-Walk-Szene; die Nerds) zeichnet sich noch deutlicher ein Strukturwandel der Öffentlichkeit – mithin eine Verlagerung vom öffentlichen-urbanen Raum hin zum virtuellen Cyberspace – und, so die jugendtheoretische These dieses Beitrags, ein Strukturwandel jugendlicher Lebenswelten und Alltagskulturen durch digitale Medien ab. Jedoch ist bislang noch wenig erforscht, welche strukturellen Wandlungsprozesse sich denn konkret für die Jugendphase ausmachen lassen und welche Änderungen insbesondere die Lebenswelten und Vergemeinschaftungen von Jugendlichen durch digitale Medien erfahren. Auch fehlt es bis dato an systematischen theoretischen und empirischen sozialwissenschaftlichen Analysen zur Bedeutung von digitalen Medien für die klassischen und neu entstehenden jugendkulturellen Szenen. Dabei scheint insbesondere das Thema „Visualität“, etwa im Sinne von Sichtbarkeit, Sichtbarmachung und Sichtbarwerdung, eine bedeutsame und vielschichtige Rolle zu spielen: von klassischen jugendkulturellen Szenen, die durch digitale Medien eine Revitalisierung und über ihre vormals lokale Begrenzung hinaus auch stärkere globale Verbreitung erfahren sowie neue Szene-Produkte und Interaktionsformen hervorbringen – damit ihre unmittelbare Visualität letztlich nicht nur transformieren, sondern auch verstärken (FanArt, Gothics, Sprayer); über digital generierte Jugendkulturen, die ihre Bedeutung erst durch die sichtbare Präsenz im Internet erhalten (C-Walk) bis hin zu jugendkulturellen Akteuren, die demgegenüber gerade die Unsichtbarkeit im digitalen Raum suchen (Nerds, Hacker).
Der hier eingereichte Beitrag setzt an dieser wissenschaftlichen Leerstelle an und versucht in einem ersten Schritt, die vorliegenden Erkenntnisse zu digitalisierten Jugendkulturen in systematisierender Form aufzuarbeiten und pointiert darzustellen. In einem zweiten Schritt soll am Beispiel der Jugendkultur der Nerds die Dynamik, Ambivalenz und Entwicklungsdimension jugendkultureller Phänomene im Kontext gegenwärtiger gesellschaftlicher Transformationsprozesse illustriert werden. Entworfen wird dabei eine erste topographische Skizze zur Nerd-Jugendkultur, die auf deren zunehmende Bedeutung aufmerksam macht. Dabei wird deutlich, dass die Jugendszene der Nerds von ihrer ehemals soziokulturellen Marginalisierung mittlerweile auch in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. So hat sich der Typus des Nerds von einem ehemals mobbinggefährdeten sozialen Außenseiter zum Leitbild einer hippen technikkulturellen Avantgarde oder zum Prototyp eines anarchischen Hüters digitaler Grundrechte in der forcierten Mediengesellschaft entwickelt. Daran anschließend soll in einem dritten Schritt die Bedeutung digitaler Medien für die Lebenswelten und Alltagskulturen von Jugendlichen im 21. Jahrhundert jugendtheoretisch resümiert werden
Antisemitismuserfahrungen bei Nachkommen von Überlebenden der Shoah: Tiefenhermeneutische Beleuchtungen eines blinden Flecks der Forschung
In der bisherigen Landschaft der Antisemitismusforschung finden die Wahrnehmungen und Erfahrungen von Jüdinnen und Juden in ihrer inter- und innersubjektiven Spezifik überraschend wenig Berücksichtigung. Anhand einer tiefenhermeneutischen Interpretation berichteter Antisemitismuserfahrungen eines Nachkommen von Überlebenden der Shoah wird veranschaulicht, dass selbst die Erfahrungen unterschwelliger Vermeidung, Einfühlungsverweigerung und Ausgrenzung (durch nicht-jüdische Deutsche) eine äußerst destruktive Dynamik für die Betroffenen annehmen können. Durch den qualitativen Ansatz wird exemplarisch deutlich, wie die bewussten und unbewussten Wechselwirkungen der ‚transgenerationalen Tradierung extremen Traumas‘ und der ‚Gefühlserbschaften des Nationalsozialismus‘ szenisch wirksam werden und noch gegenwärtige Konflikte zwischen Jüdinnen und Juden und nicht-jüdischen Deutschen psychosozial strukturieren können
Die Übersetzung des Bauwissens und ihre versteckten Konflikte
Das Bauwesen gilt aufgrund seiner Fragmentierung als ein Nachzügler der Digitalisierung. Große Bauunternehmen und Regierungen erhoffen sich aber dadurch erhebliche Verbesserungen der Effizienz und Transparenz in Bauprozessen sowie eine Bewältigung der Wohnungskrise. Als ein wichtiger Treiber gilt die verbindliche Einführung von Building Information Modeling (BIM), ein digitales 3D-Modell für alle Phasen des Bauwerks. Dieses Modell liefert Informationen nicht nur zum planerischen Entwurf und allen Gewerken, sondern auch zu Qualitäten, dem Projektablauf und den Kosten (bis zum Betrieb). Gerade dieser Ansatz verursacht bei vielen Architekt/-innen und Baubetrieben Zurückhaltung aufgrund von Schnittstellenproblemen und offenen Fragen zum geistigen Eigentum, zur Verantwortungs- und Haftungszuschreibung sowie zur Flexibilität im Bauprozess. Es gibt viele weitere Digitalisierungsstrategien. Für den Entwurf zielen sie zum Beispiel auf die maximale Ausschöpfung der Computerleistung für die bauliche Performance und die Integration diverser Anforderungen in einer kybernetischen Tradition oder loten die Grenzen des formal und technisch Machbaren mit ikonischen Gebäuden aus (computational design/parametric design). Auf der Baustelle sollen technisch die Potenziale einer Roboterisierung und Automatisierung der Bauarbeit oder organisatorisch die Potenziale digitalisierter Projektabläufe und des Datenaustauschs bis hin zu Bauplattform(ökonomi)en erschlossen werden.
Jede Nutzung digitaler Möglichkeiten setzt eine Übersetzung der verschiedenen, soziologisch ungleichen, fragmentierten und implizit vorliegenden Wissensbestände in digitalisierte Informationsverständnisse voraus. Die Akteur-Netzwerk-Theorie betont, dass Übersetzung immer auch Verrat ist. Das gilt auch hier und ist den beteiligten Akteuren zumindest teilweise bewusst. Rollen werden zwischen Menschen, Computern und Robotern neu verteilt, Steuerungs- und Handlungsspielräume definiert, Ungleichheiten zementiert, Parameter und Handlungszwänge geschaffen.
Mit unserem Beitrag möchten wir die Spannungen auf Basis der empirischen Forschung im Exzellenzcluster „Integratives computerbasiertes Planen und Bauen für die Architektur (IntCDC)“ herausarbeiten und in den Kontext übergeordneter Macht- und Konfliktstrukturen der Automatisierung einordnen
Der öffentliche Auftrag der Justiz: Die Wahrnehmung professioneller Autonomie durch Richter*innen und Staatsanwält*innen
Justizjurist*innen sind ein paradigmatischer Fall einer Profession mit „öffentlichem Auftrag“. Bislang sind Ausgestaltung und Veränderungen professioneller Autonomie in der Justiz jedoch kaum Gegenstand professionssoziologischer Forschung. Vor diesem Hintergrund fragt der Beitrag danach, wie Richter*innen und Staatsanwält*innen professionelle Autonomie wahrnehmen, und wie diese Wahrnehmung ihr berufliches Handeln prägt. Der Beitrag geht diesen Fragen nach auf Grundlage der Diskussion des Forschungstandes und einer multimethodischen Untersuchung von Arbeitsbedingungen, Berufswahl und professionellem Selbstverständnis von Staatsanwält*innen und Richter*innen in der niedersächsischen ordentlichen Gerichtsbarkeit, und zieht Schlussfolgerungen für die professionssoziologische Forschung zur Justiz
Die Tragödie der Kultur als Tragödie der Soziologie oder wie die Soziologie das Menschliche aus dem Blick zu verlieren droht: Anmerkungen zu einer fatalen Entwicklung
Kulturen sind Konkretheiten, Sinneinheiten in der „Fülle“ der Geschichte, vom Menschen geschaffen zur Verwirklichung des mit ihm gegebenen Versprechens. Diese Bestimmung von Kultur stammt von Johann Gottfried Herder und gilt ebenso für Georg Simmel. Bei Simmel tritt indes das Tragische der Kultur hervor. Kultur ist der Inbegriff einer Bewegung: des zu sich selbst Findens der menschlichen Seele. Doch ihr Weg führt durch die ,Sphäre‘ des „Geistes“. Kunst, Recht, Religion, Technik, Wissenschaft, Sitte – in ihnen hat der Geist eine „beharrende Existenz gewonnen“; und in ihnen, nach der ihnen eigenen sachlichen Ordnung, werden die Bewegungen der Seele fortan „gesammelt“ und gelenkt. Durch das „Gefüge der Kultur“ verläuft mithin ein „Spalt“ und die „Idee der Kultur“ verliert ihre „Heimat“. Der Mensch „läuft Gefahr, von seiner eigenen Schöpfung erschlagen zu werden“.
Was bei Georg Simmel vorgezeichnet ist, wird bei Alfred Weber explizit Thema: Die Tragödie der Kultur ist auch die Tragödie der Wissenschaft – und dementsprechend auch der Soziologie. Die Tragödie der Soziologie ist eine zweifache: Zum einen ist die Soziologie angewiesen auf ihre immanente Ordnung, auf ihre Begriffe und Denkfiguren. Die sozialen und kulturellen Lebensformen sind jedoch mehr als der Soziologie durch ihre Betrachtungsweise vermittelt wird. Was die Soziologie sieht, sind die „Ausdrucksseiten“ und „Ausdrucksarten“ der Kultur, nicht die kulturellen Universalien selbst. Das ist ihr Schicksal. Zum anderen läuft die Soziologie Gefahr, sich ,ihrer Sache‘, und letztlich sich selbst, zu entfremden – dann, wenn der Rationalisierungsprozess, welcher ihr Denken zusehends durchsetzt, mit all den Formen und Prinzipien, die ihn ,ausmachen‘, Realitätscharakter annimmt. Eingeschlossen in die „beharrende Existenz“ ihres eigenen Denkens droht die Soziologie die Bewegungen der Seele und mithin das Menschliche gänzlich aus dem Blick zu verlieren; und der Weg zu den Hyperrealitäten von Jean Baudrillard ist nicht mehr weit. Was den zweiten Teil der Tragödie angeht, hält die Soziologie ihr Schicksal indes in den eigenen Händen. Ideengeschichtliche Aufklärung hilft ihr, dies zu erkennen
Forschung zu marginalisierten und diskriminierten Gruppen: Aktuelles zur Anwendung qualitativer Methoden der Sozialforschung im Bereich Sexarbeit
Sexarbeit ist seit langem ein gesellschaftlich umstrittenes Thema, was sich unter anderem in der unterschiedlichen rechtlichen Regulierung in internationaler sowie historischer Perspektive in Deutschland zeigt. Dabei fand durch das Inkrafttreten des Prostituiertenschutzgesetzes 2017 eine rechtliche Neuregulierung statt, die auch Veränderungen bzgl. der Forschung zu dieser Personengruppe erwarten lässt. Welche Besonderheiten sind bei der Forschung zu Sexarbeit aktuell zu erwarten und wie kann dem methodologisch begegnet werden? Dieser Frage geht dieser Beitrag nach und fokussiert im Folgenden die gesellschaftliche und politische Debatte zu Prostitution und ihre rechtliche Regulierung
Wie beeinflusst die soziale Herkunft Studienverläufe von Bachelorstudierenden in Deutschland? Eine Rekonstruktion mittels Sequenzmusteranalyse
Im Beitrag wird untersucht, wie die soziale Herkunft Verläufe von Studierenden durch das Bachelorstudium beeinflusst. Während bereits gezeigt wurde, dass sich Schulabgänger/-innen unterschiedlicher sozialer Herkunftsgruppen in ihrer Studieneintrittswahrscheinlichkeit unterscheiden und ob sie nach dem Bachelorstudium ein Masterstudium aufnehmen, gibt es weniger Forschung zum Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft und der Gestaltung des Studienverlaufs zwischen Ersteinschreibung und Studienabschluss bzw. -abbruch.
Der Beitrag rekonstruiert auf Basis der Studierendenkohorte des Nationalen Bildungspanels Verläufe von Studierenden, die sich im Wintersemester 2010 für ein Bachelorstudium an deutschen Universitäten eingeschrieben haben, mittels Sequenzmusteranalyse. Diese Methode erfasst den gesamten Studienverlauf und ermöglicht es, die Studiendauer, Studienabbrüche, -abschlüsse, Fachwechsel und ferner Unterbrechungen zu berücksichtigen.
Der soziale Hintergrund der Studierenden wird als mehrdimensionales Konzept verstanden. Dabei werden im Beitrag die elterliche Bildung sowie der berufliche Status berücksichtigt, die mit der Bereitstellung kultureller und ökonomischer Ressourcen verknüpft sind.
Die Ergebnisse der Sequenzmusteranalyse und der anschließenden Clusteranalyse verweisen auf sechs Studienverlaufstypen, die unterschiedlich häufig in der Studierendenpopulation vorzufinden sind. Insgesamt deuten die Ergebnisse der multinomialen logistischen Regression vor allem auf eine Benachteiligung von Studierenden aus niedrig gebildeten Elternhäusern hin: im Gegensatz zu Studierenden aus akademischen Elternhäusern weisen diese häufiger komplexe und nicht abgeschlossene Studienverläufe auf. Ähnliches gilt im Hinblick auf den beruflichen Status des Elternhauses