Publikationen der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
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    Die Eigenlogik der lokalen Felder: Kriterien zur „guten“ Bildung der Künste und feldüberschreitende Studierendenmobilität

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    In diesem Beitrag beschäftigt sich der Autor mit der Frage, welche Rolle die Studierendenmobilität der jungen Künstler und Künstlerinnen bei der Verbreitung der als „authentisch“ erachteten Kunst sowie als „gut“ betrachteten Methode der künstlerischen Ausbildung spielt. Die Diskussion beruht dabei auf der Feldtheorie Bourdieus und den Interviewdaten, die im Rahmen des DFG-geförderten Forschungsprojekt „Asiatische Bildungsmobilität“ erhoben wurden. Da in sozialen Feldern stets Machtkämpfe um die legitime Sicht- und Teilungsprinzipien (z.B. in Bezug auf Kunst) erfolgen, sollten die feldinternen Machtrelationen gründlich erforscht werden, will man den Prozess der feldspezifischen Transkulturation – also der globalen Durchsetzung einer Idee, die in „der Wiege und dem Zentrum der klassischen Musik“ (Honba)  prävalent ist, begreifen. Bei der Datenanalyse stellte sich heraus, dass zwei unterschiedliche Machtgefälle besonders relevant sind: a) die Hierarchie zwischen dem Zentrum und der Semiperipherie und b) Meister(innen)-Schüler(innen)-Beziehung. Die Verbreitung von feldspezifischen Ideen sowie Sicht- und Teilungsprinzipien kann nicht bloß als ein Nachahmungsprozess betrachtet werden

    Die „Suche nach Normalität“ als subjektiver Bewältigungsprozess im Arbeitsalltag nach Brustkrebs

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    Bei dem ersten Deutschen Krebsforschungskongress (DKFK) in 2019 wurde im Zusammenhang mit der steigenden Krebs-Inzidenz von einem zu erwartenden „Tsunami an Krebserkrankungen“ gesprochen. Wie Betroffene nach und mit den Folgen dieser Erkrankung in den Alltag, insbesondere den Berufsalltag, zurückkehren, ist bislang allerdings kaum Thema soziologischer Forschungen gewesen. Vor diesem Hintergrund ist der berufliche Übergangsprozess von zehn Brustkrebsbetroffenen im Rahmen eines 11-monatigen, qualitativen Längsschnitts begleitet worden. Die Ergebnisse der Dissertation zeigen, dass sich auf der subjektiven Ebene für Betroffene trotz institutionalisierter Behandlungs- und Wiedereingliederungsmaßnahmen des professionellen medizinischen Systems komplexe Spannungsfelder rund um Gesundheit, Krankheit und Erwerbstätigkeit entzünden

    (Un-)Mögliche Subjektpositionen: trans*Personen im Erwerbsarbeitskontext

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    Mit dem Wandel der Erwerbsarbeit und der Erwerbsarbeitsverhältnisse hin zu entgrenzter und projektbasierter Arbeit, wandeln sich auch die (Un)Möglichkeiten anerkannter (vergeschlechtlichter) Subjektpositionen – nicht zuletzt für trans*Personen. Die Existenzsicherung über Erwerbsarbeit gilt mehr denn je als Voraussetzung für gesellschaftliche Integration. Notwendig ist dafür vor allem „employability“ und die Marktförmigkeit der Einzelnen, scheinbar unabhängig von intersektionalen Zugehörigkeiten und Zuschreibungen. Zugleich erweist sich die zweigeschlechtsspezifische Segregation des Erwerbsarbeitsmarktes als relativ stabil. In der Folge ist der Erwerbsarbeitskontext derzeit durch die Widersprüchlichkeiten von Pluralisierung und Persistenz heteronormativer Verhältnisse geprägt. Erwerbsbiografische Interviews mit trans*Personen und narrative Interviews mit Schlüsselpersonen im Erwerbsarbeitskontext verweisen auf die hier wirksamen, ineinandergreifenden Subjektivierungsweisen und den damit verbundenen ambivalenten Chancen und Risiken für unterschiedliche trans*Personen: 1.Unter anderem durch die zweigeschlechtsspezifische Organisation von Arbeit ist heteronormative Subjektivierung bedingt. Für trans*Personen ist damit die Anforderung verbunden sich geschlechtlich zu vereindeutigen, um als entweder Ausnahme oder „normal“ in männer*- bzw. frauen*dominierten Arbeitsbereichen anerkannt zu werden. Dies erfolgt in Abgrenzung zu bzw. durch Exotisierung von uneindeutigen und „auffälligen“ geschlechtlichen Ausdrucksweisen. Geschlechtliche Uneindeutigkeit wird im Handwerk, in der Industrie und im (sozialen) Dienstleistungsgewerbe zum Markthindernis, während Exotisierung im Showbusiness zum Marktvorteil wird. 2.Die ökonomisierte Subjektivierung zielt insbesondere auf das „unternehmerische Selbst“, das seine Marktförmigkeit permanent selbst optimiert und flexibel den Markterfordernissen anpasst. Die vorrangige Leistungsorientierung beinhaltet für trans*Personen die Chance, dass (ggf. uneindeutige) Geschlechtlichkeiten in den Hintergrund und „employability“ in den Vordergrund rücken. Zugleich besteht das Risiko, dass Diskriminierungserfahrungen von trans*Personen selbst individuell „gemanagt“ werden müssen. 3.Postkoloniale Subjektivierung gründet historisch im kolonialen Rassismus und in Otheringprozessen, u.a. der Unterscheidung zwischen modern und traditionell. Bezüglich trans*Personen im Erwerbsarbeitskontext wird insbesondere der Aspekt der Toleranz relevant gemacht, was mit „westlicher Moderne“ gleichgesetzt wird. Dies ermöglicht weißen trans*Personen die Zugehörigkeit zur privilegierten, vorgeblich toleranten Gruppe und beinhaltet zugleich für BIPoC-trans*Personen die Gefahr als unmögliches Subjekt auch rassifiziert diskriminiert zu werden. &nbsp

    Die Scham, arbeitslos zu sein: Subjektivierungsanalytische Überlegungen zur Wirkungsweise der Erwerbsarbeitsnorm

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    Der Beitrag stellt erste Überlegungen zur Wirkungsweise der Erwerbsarbeitsnorm dar. Es wird eine subjektivierungstheoretische Argumentation entfaltet,  welche die Scham darüber, arbeitslos zu sein, in den Mittelpunkt rückt

    „Ich habe ihm gesagt, dass ich keinen Krieg in meinem Land brauche, wenn ich Krieg in meinem eigenen Haus habe“: Selbst- und Fremdzuschreibungen Geflüchteter in Deutschland in einer Zeit von Mehrfachkrisen

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    Der Beitrag möchte aufzeigen, welche Diskrepanz zwischen den Fremdzuschreibungen und den Selbstzuschreibungen von Menschen aus „sicheren Herkunftsstaaten“ besteht, die nach Deutschland geflüchtet sind – und wie sich diese Diskrepanz auf die Frage der Teilhabe auswirkt. Dafür werden im Folgenden die Interpretationen und Praktiken Geflüchteter in Bezug auf Teilhabe analysiert und in den Kontext diskursiver und struktureller Ungleichheit gesetzt. Im Mittelpunkt steht das Fallbeispiel einer Frau, die mit ihren Kindern vor der Gewalt ihres Ehemanns aus Albanien nach Deutschland geflüchtet ist. Eine besondere Herausforderung besteht darin, Gewalt im Zusammenhang mit Flucht und Migration zu adressieren, ohne ein negatives Othering zu stärken und ohne die Viktimisierung migrantischer Frauen wissenschaftlich zu reifizieren. Um dieser Herausforderung zu begegnen, erscheint ein breit angelegter Gewaltbegriff nützlich, der imstande ist, die verschiedenen Dimensionen der Verunmöglichung von Teilhabe – im Herkunftsland und in Deutschland – offenzulegen. Darüber hinaus werden aus einer subjektorientierten Perspektive gleichermaßen die Strategien herausgestellt, mit deren Einsatz es Geflüchteten gelingen kann, Handlungsmacht selbst unter Bedingungen massiver Exklusion zu erlangen beziehungsweise aufrechtzuerhalten

    „Anti-Intellektualismus“: Auch eine Antwort Theodor W. Adornos auf die Frage: Was ist deutsch?

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    Theodor W. Adorno gilt als Denker, der ein sehr positives Verhältnis zur deutschen Geisteskultur hatte: Hegel, Marx, Nietzsche – das waren ihm Vorbilder, welche gezeigt hatten, wie sich über die verwaltete Welt nachdenken lässt. Insofern überrascht es nicht, dass Adornos Kritik an der deutschen Universitätskultur selbst in der Adornoforschung für gewöhnlich entweder gar nicht oder nur am Rande besprochen wird. Das ist im Folgenden anders. In drei Schritten (und unter Bezugnahme auf grosse Hauptwerke, auf kleine Nebenarbeiten und auf einen Briefwechsel) wird nachgezeichnet, wie die deutsche Universitätskultur im Adorno’schen Werk einerseits thematisiert, andererseits attackiert wird. Für Adorno ist diese Kultur, so viel sei vorweggenommen, auch durch „Anti-Intellektualismus“ geprägt. Im ersten Schritt wird aufgezeigt, dass Adorno in vielen Texten – so unter anderem in Minima Moralia – die deutsche Universitätswelt thematisierte. Im zweiten Schritt wird dargelegt, wie Adorno in etlichen Beiträgen – so zum Beispiel in Jargon der Eigentlichkeit – die deutsche Universitätsmilieu attackierte. Schliesslich geht es im dritten Schritt darum, aus einer soziologiegeschichtlichen Perspektive auf die Thematisierung von beziehungsweise auf die Kritik an deutschen Universitätsvertretern zu blicken: Dabei wird thesenhaft illustriert, dass respektive inwiefern der Philosoph, Soziologe und Musiktheoretiker seine harsche Polemik gegenüber der deutschen Universitätskultur im Anschluss an deutsche Universitätsgrössen tätigte, so nicht zuletzt im Anschluss an Max Weber

    Imperiale und nationale Logiken des Kaiserreichs: Migrationsregulierung und Ansiedlungspolitik

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    Die Ausgangsbeobachtung dieses Beitrags ist, dass Imperien und Nationalstaaten zwar analytisch als unterschiedliche Formen politischer Herrschaft auseinander zu halten sind, sie empirisch allerdings oftmals nebeneinander bestehen und interrelational aufeinander bezogen sein können. Vor diesem Hintergrund werden imperiale und nationale Logiken bzw. Prinzipien der Politik des deutschen Kaiserreichs beleuchtet. Die Frage ist, wie sich in den östlichen Provinzen des Reichs diese Prinzipien politisch in der Regulierung der Migration und der Ansiedlung (innere Kolonisation) in den östlichen Territorien manifestierten, und, durch welche spezifischen sozialen Instrumente sie umgesetzt wurden. Aus einer wissenssoziologischen Perspektive wird argumentiere, dass durch beide Politiken mittels sozialer Techniken ein neuartiges Wissen über verschiedene Teile der Bevölkerung, über Raum und Arbeit hervorgebracht wurde. Hierfür wird an Studien angeschlossen, die das Kaiserreich in den globalen Horizont imperialer, kolonialer und nationaler Verflechtungen einbetten, statt von endogenen Entwicklungen Europas auszugehen

    Die französische Gelbwesten-Bewegung: Ein Simulationsmodell zur Erklärung ihres Scheiterns und zur Exploration eines möglichen Erfolgs

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    Diese Arbeit beschäftigt sich mit der französischen Gelbwesten-Bewegung und verfolgt zwei miteinander verbundene Ziele. Einerseits wird versucht, die Dynamik dieser Volksbewegung mit einem Modell der sozialen Ansteckung von politischem Protest zu erklären. Andererseits exploriert die Arbeit alternative Modellparameter, mit denen der Misserfolg der Gelbwesten-Bewegung hätte verhindert werden können

    Quantitative Surveys of Refugees: Between pragmatism and the claim of generalizability of empirical data

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    Mit dem erhöhten Zuzug von Asylsuchenden seit 2012 stieg der Bedarf von Politik und Gesellschaft an zeitnahen, reliablen und validen Daten über die neu Hinzugekommenen. Geflüchtete sind jedoch eine vulnerable, versteckte und schwer erreichbare Population, woraus sich eine Vielzahl von Herausforderungen für deren Befragung ergibt. Der Beitrag beschreibt und vergleicht die Möglichkeiten und Grenzen verschiedener Stichprobenziehungsverfahren. Weiterhin wird ein Einblick in die Felderfahrungen bei der Datenerhebung der Mixed-Methods-Studie „Demokratieakzeptanz und Partizipation von Geflüchteten in Bayern“ vorgestellt. With the increased influx of asylum seekers since 2012, policymakers’ and society’s need for timely, reliable, and valid data on the newly arrived has increased. However, refugees are a vulnerable, hidden, and hard-to-reach population, which poses a variety of challenges to surveying them. The paper describes and compares the possibilities and limitations of different sampling methods. Furthermore, an insight into the field experiences during data collection of the mixed-methods study “Democracy and Participation of Refugees in Bavaria” is presented

    Team We’re-going-to-Mars vs. Team There-is-no-Planet-B: Überlegungen zum Konflikt zwischen expansionistischen und stabilisatorischen Kräften in der Exponentialgesellschaft

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    Von Klima- und Umweltkrise über Coronapandemie, Inflation, Globalisierung, Migration und Verkehr bis hin zu Digitalisierung und Alterung der Gesellschaft – die großen Themen unserer Zeit haben einen gemeinsamen Kern: sie folgen exponentiellen Mustern. Während frühere Gesellschaften durch wiederkehrende Zyklen oder allenfalls langsamen, steten Wandel geprägt waren, bestimmt heute eine Vielzahl zugespitzter exponentieller Trends öffentliche Debatten, schürt neue soziale Konflikte und steht im Zentrum der großen Probleme des 21. Jahrhunderts. Doch lange geht es so nicht weiter: kein exponentieller Trend hält ewig und mit der unweigerlichen Explosion der Bestandsgrößen – seien es Treibhausgase, virale Inzidenzen oder Plastik im Ozean – droht das zukunftsgefährdende Desaster. Stabilisierung ist daher das zentrale Ordnungsproblem dieser Exponentialgesellschaft. In wichtigen Gesellschaftsbereichen müssen exponentielle Trends rechtzeitig gebrochen werden, um stabilisierte Verhältnisse auf nachhaltigen und kollektiv wünschenswerten Niveaus herbeizuführen. Wie wir sehen werden, denkt die Gesellschaft zunehmend über Wege in diese Richtung nach, streitet über mögliche Stabilisierungsniveaus, Umsetzungsstrategien, Folgen und Nebenwirkungen. Dies führt dazu, dass eine wachsende Zahl sozialer Konflikte sich an der Frage des Umgangs mit exponentiellen Trends entzündet. Etwas vereinfacht ausgedrückt verläuft der politische Grundkonflikt dabei zwischen expansionistischen und stabilisatorischen Kräften. Während erstere sich für eine Fortsetzung exponentieller Steigerung einsetzen, kämpfen letztere für Stabilisierung. Je weiter sich die Lage der Exponentialgesellschaft zuspitzt, desto mehr wird dieser neue Grundkonflikt andere, bisher in soziologischer Betrachtung im Vordergrund stehende gesellschaftliche Konfliktachsen (Kommunitarismus vs. Kosmopolitismus, „unten“ vs. „oben“, usw.) verdrängen, so eine zentrale These des Beitrags. Obwohl, wie wir sehen werden, die expansionistische Seite in vielerlei Hinsicht im Unrecht ist, ist keineswegs ausgemacht, dass sich die stabilisatorische Seite durchsetzen wird. Dies liegt unter anderem an einem Machtungleichgewicht, denn die expansionistische Seite hat die gewaltigen Kräfte kapitalistisch-exponentieller Steigerung und den Heimvorteil des etablierten Systems hinter sich. Der Beitrag erkundet diesen ungleichen, offenen Kampf um die Zukunft

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