Publikationen der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
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    Rassistisch motivierte Anschläge und ihre sozialräumliche Wirkmächtigkeit: Zur Konstitution von Räumen der Migrationsgesellschaft

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    Der Beitrag stellt Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt „Räume der Migrationsgesellschaft“ (RäuMig) vor, in dem die Wirkung von rassistisch motivierten Anschlägen auf Stadtgesellschaften und Stadträume untersucht wird. Die übergeordneten Frage lautet, auf welche Weise die Anschläge und der Umgang mit ihnen zur Konstitution spezifischer Räume der Migrationsgesellschaft beitragen. Fallbeispiele sind Rostock und Solingen. Die Städte sind zwei Orte in Deutschland, an denen rassistisch motivierte Anschläge geschehen sind und die als Extremfälle lokalisierter und verräumlichter Kämpfe um Zugehörigkeit verstanden werden können. Mithilfe von empirischen Daten aus Interviews, ethnographischen Beobachtungen vor Ort und Dokumentenanalysen diskutieren wir, wie solche offen rassistischen Handlungen in lokale Erinnerungspraktiken einbezogen werden und auf welche Weise durch diese Anschläge und als Reaktion auf sie spezifische Erinnerungsorte in den Städten entstehen. Der Fokus liegt dabei auf den Akteur:innen vor Ort und ihren Formen, mit Erinnerung vor Ort umzugehen

    Armut erzählen: Biografische Selbstrepräsentationen von Menschen in Armutslagen

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    Aktuelle Prognosen der zunehmenden Armut, die vielfältigen Lebenslagen in Armut und das homogene Bild von „Armen“ nimmt der Beitrag zum Anlass, um mit dem Konzept immersiver Macht (Mühlhoff 2018) aus einer affekttheoretischen Brille auf biografische Erzählungen von in Armut lebenden Person zu blicken und deren Schilderungen in den Kontext aktueller gesellschaftlicher und sozialarbeiterischer Herausforderungen zu stellen. Entlang des biografischen Interviews von Erika F., die an der Studie „Armut in Schleswig-Holstein“ teilnahm, entfaltet der Beitrag Zustände der emotionalen Überforderung wie auch (affektive) Bewältigungsmechanismen, mit der finanziellen Lage zurechtzukommen. Zudem fragt der Beitrag danach, in welchem Verhältnis gefühlte (Selbst-)Wahrnehmung, gesellschaftliche Zuschreibung und materiellen Grundlagen stehen und führt damit biografische Forschung, Armutsforschung und affekttheoretische Überlegungen zusammen

    Wozu Identität? Zur Identarisierung von Selbstverständnissen

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    Was sind Menschen, wenn sie sagen, wer sie ‚sind‘? Sie sind, soziologisch besehen, (a) in ihren zahlreichen sozialen Zugehörigkeiten grundsätzlich sehr Vieles zugleich und nur situativ etwas vorübergehend Bestimmtes; (b) sind sie Vieles davon nicht eindeutig, weil sie auch in Zwischenräumen siedeln; und (c) sind sie Vieles für sich selbst relativ insignifikant, also auf niedrigem Relevanzniveau. Vor diesem Hintergrund betrachtet der Beitrag Identität als eine ethnosoziologische Kategorie, also einen Teilnehmerbegriff für einen bestimmten Aggregatzustand von Selbstver­ständ­nissen, der in Prozessen der Identarisierung entstehen kann. Nur in besonderen Lebenslagen geben Menschen ihrem biografisch gewachsenen aktuellen Selbstverstehen, das fluide mit Situationen und Beziehungen changiert, die Form einer Identität. Identitätspolitiken sind Begleit­erscheinungen eskalierender Humandifferen­zierungen. Sie politisieren ausgewählte Kategorien der Humandifferenzierung auf Basis von Identifizierungs- und Gruppierungs­prozessen. Für Individuen können Identitäten sowohl eine aktivierende psychische Ressource als auch eine behindernde Fixierung sein; für soziale Bewegungen eine politische Ressource wie eine Sackgasse der Fortentwicklung mit ihren Erfolgen; für die Gesellschaft sowohl eine Gelegenheit der Stiftung kultureller Ordnung als auch dauerhafte Quelle von Desintegration und Fragmentierung

    Materialität und räumliche Gerechtigkeit

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    Der Beitrag adressiert die Frage, welche Bedeutung der gebaute Stadtraum und die städtische Materialität für die Hervorbringung und Aufrechterhaltung einer heterogenen und Gerechtigkeit ermöglichenden Stadtgesellschaft aufweisen. Am Beispiel der street art wird die Bedeutung des urbanen designs für die Gesellschaft dargestellt und darauf aufbauend ein Vorschlag entwickelt, wie die Wechselbeziehun­gen von Materialität und Sozialität in die Theoriebildung und Konzeptio­na­li­sierung von räumlichen Prozessen integriert werden kann. Dazu wird in einem ersten Schritt ausgeführt, wie sich die Beziehung von Stadt und Gerechtigkeit aus stadtplanerischer Sicht fassen lässt und auf welche Weise sich aus stadtsoziologischer Perspektive das Moment des Materiellen in die Analyse integrieren lässt. In einem zweiten Schritt wird dargestellt, wie Konzeptionalisierungen der Öffentlichkeit und des öffent­lichen Raums von der Berücksichtigung des Materiellen und des gebauten öffentlichen Stadtraums profitieren können. Im dritten Schritt wird ein Vorschlag ausformuliert, wie mit einer materialitätssensitiven Perspektive räumliche Polarisie­rungen untersucht und konzeptionell fassbar gemacht werden können, um damit letztlich auch die Frage nach räumlicher Gerechtigkeit adressieren zu können

    #papahatdazuehnichtszusagen: Die (Selbst-)Darstellung von Vätern in den sozialen Medien

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    Dieser Beitrag nimmt die steigenden Zahlen von Nutzer*innen, die sich mit „Väterthemen“ befassen, die zunehmenden Beiträge von Väterbloggern sowie die Tatsache, dass zur (Selbst-)Darstellung auf Instagram bisher insgesamt wenig geforscht wurde, zum Anlass, um sich mit der Frage zu befassen, wie Väterblogger sich selbst und ihre Vaterschaft in unterschiedlichen Darstellungsformaten auf Instagram präsentieren. Die väterliche (Selbst-)Präsentation umfasst sprachlich vermittelte Inhalte der Väter, aber auch die Formen medialer und digitaler Techniken, die sie nutzen und deren emotionale Qualität. Die Perspektive dieses Beitrages basiert auf dem affekttheoretischen Konzept immersiver Macht von Mühlhoff und einer Zusammenführung unterschiedlicher Medienanalysen. Der Beitrag skizziert die (Selbst-)Darstellung von Väterbloggern und benennt systematische Unterscheidungskriterien. Abschließend geht er darauf ein, dass bestimmte Dimensionen sozialer Ungleichheit von Väterbloggern nicht dargestellt werden, und skizziert die Bedeutung von Polarisierungsschleifen in den Kommentarspalten der Väteraccounts

    Das gefrorene Gedächtnis: Temperatur und Erinnerung in Biobanken

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    Biobanken sind in den letzten Jahrzehnten zu zentralen Einrichtungen der Medizin und der Biologie geworden. Den Sozialwissenschaften ist diese Entwicklung freilich nicht entgangen; selten sind Biobanken aber als thermische Räume in den Blick genommen worden. In diesem Beitrag möchte ich deshalb die thermische Logik von Biobanken, der darin aufbewahrten „Kryo-Objekte“ und der von ihnen verwendeten Kältetechnik in den Vordergrund stellen und danach fragen, welche Implikationen sie für verschiedene Verständnisse von Biobanken hat. Für die Aufbewahrung von Forschungsproben müssen diese in zwei unterschiedliche Hälften zerlegt werden, die jeweils unter eigenen thermischen Regimen verwaltet werden. Für die Funktion von Biobanken als Archiv und Gedächtnis ist dies eine Herausforderung, weil die Unverfügbarkeit gefrorener Objekte die Antizipation zukünftiger Nutzungsweisen voraussetzt. &nbsp

    Der Mensch der Menschenrechte: Transzendenzbegriff, Erfahrungskategorie, Ordnungskonstruktion?

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    Der Mensch der Menschenrechte kann nicht vorausgesetzt werden – weder als ahistorisch bestimmbare Substanz noch als delokalisierte Entität. Zwar ist die Sprache der Menschenrechte universalistisch angelegt, was die historischen, politischen, kulturellen und sozialen Hintergründe des Sprechens über den Menschen oft vergessen lässt. Ihr Gegenstand – der menschenrechtlich gefasste Mensch – verweist jedoch allenfalls auf eine kontingente Konstruktion mit universalistischem Anspruch, womit Ambivalenzen und Widersprüche des menschenrechtlichen Menschenbildes, seiner Genese, Diskursivierung, Institutionalisierung und Subjektivierung verbunden sind. Über normative Formierungswirkungen hinaus kommen Prozesse der Selbst-Subjektivierung, der Aneignung menschenrechtlicher Interpretations- und Deutungshorizonte in konkreten, lokalen und kulturellen Kontexten, in den Blick. Den menschenrechtlichen Transzendenzen einerseits korrespondieren existenzielle Erfahrungen des Mensch-Seins andererseits. Gleichwohl ist das Entsprechungsverhältnis von objektiver und subjektiver Wirklichkeit offen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie aus menschenrechtlich gerahmten Formen des Humanen humane Formen der Welt- und Wirklichkeitserfahrung werden können. Mit anderen Worten: was die soziale und subjektive Bedeutung der Menschenrechte ausmacht

    Vergeschlechtlichte Arbeitsteilung in der Corona-Krise als „Backlash“? Was Diskurskoalitionen zwischen Sozialwissenschaften und Politik thematisieren – und was ausgeblendet bleibt

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    Als Folge der Lockdown-Regelungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie rückte im Jahr 2020 in Österreich die Familie erstmals als Produzentin „systemrelevanter Leistungen“ ins Licht der öffentlichen Wahrnehmung: Sozialwissenschaftliche und massenmediale Beiträge problematisierten den Widerspruch zwischen der Notwendigkeit und der gesellschaftlichen Bewertung und Sichtbarkeit „privat“ geleisteter und vergeschlechtlichter Reproduktionsarbeit. Der Beitrag rekonstruiert anhand der Karriere des soziologisch geprägten Terminus der „traditionellen Rollenbilder“, wie das potentielle Konfliktfeld, das sich aus den getroffenen Maßnahmen und der empirisch dokumentierten Überforderung der Betroffenen ergab, diskursiv neutralisiert wurde, indem dessen kritische Stoßrichtung in gängige individualisierende und kapitalismuskompatible Bearbeitungsstrategien eingepasst wurde. Unter Bezug auf Erkenntnisse feministischer Ökonomie und Ideologiekritik wird rekonstruiert, wie unter Krisenbedingungen herrschende Mythen verfestigt werden und danach gefragt, welche Rolle sozialwissenschaftliche Kritik dabei einnehmen kann

    Brüchige Beziehungen – konflikthafte Eigentumsarrangements: Verteilungskonflikte in prekären Haushalten

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    Im Zentrum des Artikels stehen unterschiedliche Bewältigungsstrategien von Haushalten, die mit prekären Beschäftigungs- und Lebenswirklichkeiten konfrontiert sind. Anhand einer qualitativen Studie, in der wir die Lebensführung und soziale Lage von prekären Haushalten mithilfe von biografisch-narrativen Gemeinschaftsinterviews in Form von Paar- und Familiengesprächen untersucht haben, wird deutlich, dass der Haushalt sowohl als Kraftquelle zur Bewältigung prekärer Arbeits- und Lebenssituationen als auch als Prekaritätsbeschleuniger wirken kann. Das heißt, prekäre Beschäftigung kann nicht alleine als Frage der individuellen „Bewältigung“ berufsbiografischer Verläufe behandelt werden, sondern muss als Erfahrung und Anforderung im Kontext sozialer Beziehungen in die soziologische Betrachtung eingehen. Auf diese Weise erweitert sich der analytische und methodische Blick auf gesellschaftliche Wirklichkeiten. Die Logik des Kollektiven (der Haushalt, die Familie, die Partnerschaft) kommt in den Blick und Sozialforschung bleibt nicht auf der Ebene einer Logik des Singulären stehen. Durch eine solche Analyseperspektive treten spezifische Verteilungskonflikte und Machtstrukturen sowie konflikthafte Eigentumsarrangements in Haushalten zutage, die durch prekäre Beschäftigungsverhältnisse, geringe finanzielle Mittel und brüchige familiäre Beziehungen geprägt sind. Anhand der Projektergebnisse wird deutlich, dass prekäre Haushalte im Anschluss an die Solidaritätskonzeption von Durkheim zum Beispiel als mechanische Notgemeinschaften, organische Solidargemeinschaften oder ideelle Bündnisse funktionieren können. Insbesondere in den mechanischen Notgemeinschaften finden sich sehr konflikthafte Eigentumsarrangements und diesbezügliche Verteilungskonflikte, die stark mit den Lebensführungsmustern, Wirtschaftsweisen sowie der Gestaltung der sozialen Beziehungen in den Haushalten zusammenhängen. Anhand zweier Fallbeispiele werden diese inneren Handlungsstrategien bzw. alltäglichen Praktiken sowie ihnen zugrundeliegende Haltungen aufgezeigt

    Große und kleine Zukünfte: Zur praktischen Synchronisation des Kommenden in temporären Organisationen

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    Mein Beitrag baut auf der von der Ad-hoc-Gruppe „Soziologie der Zukunft in polarisierten Zeiten“ geäußerten Diagnose einer Wieder-Entdeckung des Temporalmodus‘ der Zukunft innerhalb der Soziologie auf und fragt nach dem Skalenverhältnis von Zukünften. Anhand eines empirischen Falls, Hackathons, werden drei maßgebliche Praktiken (skalieren, veralltäglichen, lösen) der Hervorbringung, Bearbeitung und Relationierung von kleinen und großen Zukünften bestimmt und in ihrer Bedeutung für die konkrete Zukunftspraxis beschrieben

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