Publikationen der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
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    „Oh dann, dann bin ich wohl das Problem.“: (Selbst-)Pathologisierung im psychotherapeutischen Prozess

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    Der Beitrag stellt empirische Befunde zur (Selbst-)Pathologisierung im psychotherapeutischen Prozess vor. Ziel ist es, Ansatzpunkte für einen Dialog zwischen der soziologischen Disziplin und der psychotherapeutischen Profession auszuweisen, der diesseits des kritischen Gestus liegt, durch den sich insbesondere sozialkonstruktivistische und diskursanalytische Ansätze im Untersuchungsfeld auszeichnen

    Atmosphären in Videokonferenzen: Schmitz‘ Atmosphären-Konzept zur Analyse digital vermittelter Interaktion

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    Während Videokonferenzen zeigen sich Phänomene wie die Nähe zu anderen Teilnehmenden oder das Gefühl, dass in der Videokonferenz eine ganz eigene Atmosphäre herrscht. Während klassische soziologische Interaktionstheorien nur eingeschränkt in der Lage sind, Fragen nach dem Beieinandersein und Nähe bei körperlicher Separiertheit zu behandeln, zeigt das Beispiel der Videokonferenz, wie es die systematische Integration leibphänomenologischer Konzepte ermöglicht, Grenzsituationen der Interaktion theoretisch und empirisch greifbar zu machen. Während Videokonferenzen kann es trotz technischer und leib-kommunikativer Beschränkungen zu Interaktionen kommen, während derer sich die Teilnehmenden besonders nah kommen. Auch herrschen Gefühle und Stimmungen, die anhand des empirischen Materials herausgearbeitet und mit Schmitz‘ Atmosphären-Begriff analysiert werden konnten. Neben einer knappen Darstellung der Forschung und ihrer Ergebnisse wird in diesem Beitrag insbesondere die soziologische Arbeit mit Schmitz‘ Atmosphären-Begriff dargelegt

    Wissenschaftsbezogener Rechtspopulismus/-extremismus: Eine Podiumsdiskussion

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    Mit dem Begriff wissenschaftsbezogener Rechtspopulismus/-extremismus werden (extrem) rechte Praktiken, Diskurse, Akteur:innen und Organisationen beschrieben, die entweder von außen Bezüge zum Feld der Wissenschaft herzustellen versuchen oder selbst Teil des akademischen Milieus sind. Der hier vorliegende Text ist eine redigierte und stark gekürzte Transkription der Podiumsdiskussion „Wissenschaftsbezogener Rechtspopulismus/-extremismus“. Der Text gliedert sich entlang von drei Schwerpunktsetzungen. Zunächst nehmen wir eine historische Perspektive ein. Anschließend rücken wir das Thema Gender in den Mittelpunkt des Austauschs. Abschließend fokussieren wir hochschulimmanente (extrem) rechte Tendenzen

    Aushandlung der Klimakrise in der jungen Generation: Milieuspezifische Muster der Betroffenheit und Verantwortung

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    Junge Menschen sehen sich durch die Klimakrise einer Einschränkung ihrer Entfaltungs- und Lebensmöglichkeiten gegenübergestellt. So überrascht es nicht, dass gerade die junge Generation sich aktiv für mehr Klimaschutz einsetzt – doch sind es wirklich alle Jugendlichen, die auf die Straße gehen? Die vorliegende explorative Studie zeigt auf, wie sowohl die Wahrnehmung der Klimakrise, die Handlungsmuster und auch die Verantwortungsattribution – individuell, innergenerational und politisch – milieuspezifisch verhandelt werden. Informiert durch das Projekt Schools4Future wurden vier Leitfadeninterviews mit Schüler*innen zur Wahrnehmung und Deutung der Klimakrise geführt. Im dreischrittigen Kodierprozess der Grounded Theory konnten Muster der Betroffenheit, der Verantwortungsattribution und der Handlungsstrategien von vier jugendlichen Klimaaktivist*innen aus akademischen und prekären Herkunftsmilieus rekonstruiert werden

    (Berufs-)Biografische Erfahrungen und die Sozialisation von Wissenschaftler*innen

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    Seit mehr als 100 Jahren beherrscht Max Webers Diktum vom akademischen Hazard als Leitnarrativ die Große Erzählung von der wissenschaftlichen Karriere. Protagonist der Großen Erzählung ist die Figur des Privatdozenten bzw. der/des fortgeschrittenen Postdoktorand*in, der nach vielen Jahren der Unsicherheit auf unbezahlten bzw. befristeten Positionen endlich eine Lebenszeitprofessur ergattert. Diese Große Erzählung ist verflochten mit  Studien zum wissenschaftlichen Werdegang, die eine große Menge an Wissen über statistische Verhältnisse und Mechanismen sozialer Ungleichheiten auf den unterschiedlichen Ebenen in Hochschulen und Wissenschaft hervorgebracht haben. Im vorliegenden Beitrag geht es dagegen darum, Aufschluss über individuelle Handlungsoptionen im dynamischen Prozess der beruflichen Sozialisation von Wissenschaftler*innen zu gewinnen, die Spielräume jenseits der Großen Erzählung eröffnen. Grundlage für die Untersuchung von zwei autobiografischen Texten arrivierter Wissenschaftler ist die Unterscheidung in strategisches und taktisches Handeln von Michel de Certeau. Die Fallanalysen zeigen, dass Wissenschaftler*innen durch die Kombination von biografischen Erfahrungen, die sie in unterschiedlichen sozialen Welten gemacht, und Übersichten, die sie dabei erlangt haben, Gelegenheiten wahrnehmen und ergreifen, wobei sie einem individuellen Handlungsmodus folgen. Dabei wird sichtbar, wie sie (berufs-)biografische Erfahrungen in Ressourcen für einen erfolgreichen wissenschaftlichen Werdegang umwandeln

    Politische Partizipation und Sozialisation unter Mediatisierungsbedingungen

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    Der Beitrag beschäftigt sich mit der individuellen und kollektiven Bedeutung und Funktion digitaler Partizipationsformen im Sinne eines „doing politics“ und ihrer Ausdifferenzierung unter Mediatisierungsbedingungen. Es wird danach gefragt, inwieweit „neuartige“ Partizipationsformen zur Konstruktion einer politischen Identität beitragen können und von Sozialisationsrelevanz sind

    Rurale Selbstversorgung in der Mecklenburgischen Seenplatte: Zwischen Krise und Aufbruch

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    In den ostdeutschen Bundesländern sind bis heute die Strukturen der Sozial- und Ernährungspolitik der ehemaligen DDR deutlich erkennbar. Dies betrifft neben dem eigentlichen Agrarsektor über Bodenreform, Kollektivierung und Industrialisierung auch die Privathaushalte.   Zur Sicherung der Lebensmittelversorgung gab es in der Ernährungspolitik der DDR einen stark subventionierten Lebensmittelankauf. In diese Kategorie fielen Hausgärten, Kleingärten und Flächen, die im Rahmen der LPG-Mitgliedschaft zur Verfügung gestellt wurden. Die hohen Ankaufpreise waren für viele Haushalte ein lukrativer Nebenverdienst, entsprechend umfangreich wurden Gartenbau und Tierhaltung betrieben. Der vorliegende Beitrag soll sich mit den Motiven der Kleinproduzent:innen im dörflichen Umfeld beschäftigen. Die Subsistenzwirtschaft soll in dem Kontext der „neuen” und „alten” Mittelklassen nach Reckwitz betrachtet werden. Lassen sich die Kleinproduzent:innen mit diesem Klassenkonzept abbilden? Inwiefern können Konzept, Umfang und Motivation der ruralen Selbstversorgung als Ausdruck der Gesellschaft der Singularitäten verstanden werden? Hintergrund ist der stetige und seit der Pandemie zunehmende Zuzug in den ländlichen Raum. Gerade Personen aus der neuen Mittelklasse sind in der Lage die neue Flexibilität durch Homeoffice und Digitalisierungsschub zu nutzen. Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu „traditionellen“ Kleinerzeugern sollen betrachtet werden. Aus den bisherigen Befragungen wird deutlich, dass „Armut“ keinesfalls ein Treiber der Selbstversorgungswirtschaft ist.    Schließlich wird auch geklärt, inwiefern die betrachteten Gruppen ihre Tätigkeit in Angesicht von Krisen, wie der Covid-19-Pandemie und zuletzt dem Ukraine-Krieg, anpassen bzw. überdenken. Kann die rurale Selbstversorgung als Reaktion auf eine „Katastrophenstimmung” und damit als „Verlustprävention” verstanden werden?

    Intersituativität in der Telemedizin: Zur Verkomplizierung von Anwesenheit im Rettungsdienst

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    Neue Informations- und Kommunikationstechnologien verändern gesellschaftliche Beziehungen und Körperlichkeiten. Der Beitrag begreift solche Veränderungen in Anlehnung an Stefan Hirschauers Konzept der Intersituativität als Verkomplizierung von Anwesenheit. Für Rettungsdienste wird die volle Präsenz aller Teilnehmer in der Regel als wesentlich angesehen, aber auch hier werden inzwischen Telenotärzt*innen eingesetzt, die versuchen digital Zugriff auf den Patient*innenkörper zu bekommen. Auf der Basis von Beobachtungen und Interviews bei einem Telenotarztsystem beschreiben wir Grundlagen und Herausforderungen telemedizinischer Situationen. Wir analysieren, wie sie von Ärzt*innen, Rettungsassistent*innen und Patient*innen gehandhabt werden, die nur graduell füreinander präsent sind

    Predictive Policing: Performative Kriminalitätsprognosen zwischen Undurchsichtigkeit und Granularisierung

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    In der polizeilichen Arbeit werden algorithmische Prognosen seit einigen Jahren im Rahmen von Predictive Policing angewendet. Es handelt sich dabei vor allem um Kriminalitätsprognosen, die raumzeitliche Vorhersagen von Wohnungseinbruchdiebstählen tätigen sollen. Diese sind, so argumentieren wir in unserem Beitrag, mit performativen Effekten, im Sinne von self-destructing prophecies, verbunden. Dabei werden bisweilen komplexe machine learning-Algorithmen genutzt, die auch für die Anwender:innen selbst undurchsichtig sein können. Mit ihnen geht nicht zuletzt eine Granularisierung Präventionsziele polizeilicher Arbeit einher

    Cancel Culture als Arena politisierter Wissenskonflikte: Am Beispiel einer Debatte um rassistische Begriffe im Sommer 2022

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    Im Beitrag wird das Phänomen cancel culture aufgegriffen und ein Zugang aus geschlechtersoziologischer Perspektive erarbeitet, um es als Arena politisierter Wissenskonflikte zu fassen. Dies wird anhand eines Materialbeispiels ausgeführt, in dem aktuelle Auseinandersetzungen um das sogenannte N-Wort, also um die Legitimität oder Tabuisierung von rassistischen Begriffen untersucht werden. Im letzten Schritt werden die dargelegten Überlegungen mit dem Schlagwort der "Polarisierung" und dem Anliegen der Ad-Hoc Gruppe zusammengebracht, die sich mit gegenwärtigen Phänomenen wie wissenschaftsfeindlichen Bewegungen auseinandersetzen möchte. Die zentrale These des Beitrags lautet, dass der cancel culture zwar auf seine pejorativen Herkunft und Intention befragt werden muss, aber auch als Phänomen verstanden werden kann, dass aus soziologischer Perspektive durchaus ernstzunehmen ist. Mit einer geschlechtertheoretischen Lesweise kann es dann als Indikator für die Etablierung und Verhandlungen von normativen Maßstäben in gesellschaftlichen Transformationsprozessen verstanden werden

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