Publikationen der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
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    Re-Orientierungen in der soziologischen Methodenausbildung: Ergänzungen zu einer Debatte aus Sicht der qualitativen Sozialforschung

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    Jüngst sind in dieser Zeitschrift zwei Beiträge erschienen, die eine Reform der sozial­wis­senschaftlichen Methodenausbildung fordern. Wir möchten Heraus­for­de­run­gen für die Lehre empirischer Sozialforschung aus Sicht der qualitativen Sozial­for­schung in der Diskussion ergänzen und Bedarfe und Hürden für notwendige Re­for­men zeigen. Für die qualitative Methodenausbildung stellen sich andere Fragen, in den Beiträgen angesprochene Probleme beziehungsweise deren Ursachen werden vor dem Hin­ter­grund anderer sozialtheoretischer Bezüge und Forschungsansätze anders viru­lent. Vor allem sehen wir aus Perspektive der qualitativen Sozialforschung deut­lich andere Bedarfe für eine professionalisierte und den gesellschaftlichen Ent­wick­lun­gen wie auch eigenen Forschungserkenntnissen angemessenen Metho­den­aus­bil­dung. Ange­spro­chene Herausforderungen sind unter anderem die Grenzen der For­ma­li­sier­barkeit qualitativer Methodenlehre oder begrenzte curriculare Spiel­räume, die durch gegenwärtige Schwerpunktsetzungen der Methodenausbildung be­dingt sind. Da­ne­ben plädieren wir dafür, auch angesichts gesellschaftlicher Ent­wicklungen im Be­reich digitaler Technologien soziologische Kernkompetenzen, etwa der eige­nen, pro­fessionellen Generierung qualitativ hochwertiger Daten, weiter zu kul­ti­vieren und in der Methodenausbildung zu vermitteln.   Recently, two articles have been published in this journal calling for a reform of social science methods education. We want to contribute to this discussion by addres­sing challenges for the teaching of qualitative methods in particular and to identify needs and hurdles for necessary reforms. In the case of teaching qualitative me­thods, different questions arise, and the problems addressed in the two articles men­tioned (or their causes) become virulent in a different way when seen against the backdrop of different social theoretical references and research approaches. Abo­ve all, from the perspective of qualitative social research, we see clearly different needs for a professionalized methodological training that is appropriate to social deve­lopments as well as to our own research findings. Challenges addressed are, among others, limits to the formalization of qualitative methodology, but also limited curricular space, which is due to current emphases in methodology edu­ca­tion. In addition, we argue that even in view of social developments in the field of digital technologies, sociological core competencies, such as the professional pro­duction of high-quality data, should be further cultivated and taught in methods trai­ning

    Berichte aus den Sektionen

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    Arbeitskreis Soziales Gedächtnis, Erinnern und Vergessen Sektion Biographieforschung Sektion Familiensoziologie Sektionen Kultursoziologie und Umwelt- und Nachhaltigkeitssoziologie Sektion Religionssoziologie Sektion Soziologiegeschichte Sektion Umwelt- und Nachhaltigkeitssoziologi

    DGS-Nachrichten

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    Stellungnahme zur geplanten Schließung des Hamburger Instituts für Sozialforschung Ausschreibung der beim 42. Kongress der DGS 2025 in Duisburg/Essen zu verleihenden Preise Aus dem DGS-Vorstand Veränderungen in der Mitgliedschaf

    Nachrichten aus der Soziologie

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    Michael Schmid: In memoriam Hans Albert Diana Lengersdorf: In memoriam Rainer Schützeichel Bernhard Schäfers: In memoriam Hans-Joachim Klein Johann Behrens, Alf Trojan: In memoriam Heiko Waller Dieter Bögenhold, Arndt Sorge: In memoriam Heinz Hartmann Habilitationen Call for Papers Modell Deutschland – Lost in Transformation? Guiding Distinctions. Observed with Social Systems Theory Tagungen Schreiben – Forschen – Publizieren Neues vom Tode Expertise in digitaler Transformatio

    Nachrichten aus der Soziologie

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    Lutz Leisering: In memoriam Franz-Xaver Kaufmann Detlef Horster: In memoriam Oskar Negt Jürgen Gerhards: In memoriam Friedhelm Neidhardt Johann Behrens, Jürgen Schupp: In memoriam Gert G. Wagner Dirk Baecker: In memoriam Helmut Willke Call for Papers Democracy and Society Challenges – Risks and Opportunities for Contemporary Democracies Tagungen Staat – Gesellschaft – Polykrise Enacting solidarity and citizenship across social fields and scales Fantastic Climate

    Paradigm Shifts in Macrosociology

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    Dieser Aufsatz betrachtet Veränderungen in makrosoziologischen Gesellschafts­vor­stellungen, die traditionell von der primitiven über die mittelalterlich geschichtete Ge­sellschaft zur funktionell differenzierten modernen Gesellschaft führen. Ver­än­dert man die systemtheoretische zu einer akteurtheoretischen Perspektive, die mit Popu­lationen individueller Akteure und Organisationen als kollektiven Akteuren ar­beitet, werden wichtige strukturelle Veränderungen in westlichen Gesellschaften sicht­bar. Die wichtigsten Veränderungen betreffen die ökonomische Globalisierung und die finanzielle Internationalisierung. Eine zunehmend flexibel agierende Popu­la­tion individueller Akteure und auf eng definierte Ziele orientierte Organisationen füh­ren zu einer Situation, die heute als Instabilität wahrgenommen wird, obwohl ihre Ur­sachen über ein halbes Jahrhundert zurück reichen.   This paper looks at changes in macrosociological paradigms for social development that traditionally stretch from the primitive society through the stratified medieval society to the image of a functionally differentiated modern society. Changing the perspective from a systems theoretical view of societies to an actor perspective, I focus on populations of individual actors and organizations as collective actors. Over recent decades, important structural changes in the nature of populations and of organizations have taken place in the Western world. The most important relate to economic globalization and financial internationalization. An increasingly flexible population and narrowly goal-specific organizations produce a situation of societal instability that appears to characterize the present, though its causes reach back half a century

    Soziologische Spuren im Verschwörungsdenken

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    Soziologie und Verschwörungsdenken haben den Anspruch gemeinsam, die sozialen Verhältnisse zu erklären. Allerdings unternehmen sie das im Rahmen diametral entgegengesetzter Logiken. Die Soziologie bietet relationale Erklärungen an, im Verschwörungsweltbild dagegen wird alles auf die bösen Intentionen eines mächtiges Handlungszentrums zurückgeführt. Dies bringt dem Verschwörungsdenken Erklärungsprobleme, die es durch Lügenvorwürfe und das Behaupten von Gegenwahrheiten zu neutralisieren versucht. Dadurch freilich wird eine Dynamik in Gang gesetzt, in der dem Verschwörungsdenken die Wirklichkeit Schritt für Schritt verloren geht. Diese Dynamik wird in dem Beitrag rekonstruiert, um der Frage nach Ähnlichkeiten zwischen Verschwörungsdenken und Soziologie sowie deren Ursachen nachzugehen. Ergebnis sind einerseits soziologisch informierte Einsichten in die Dynamik von Lügen und Wirklichkeitsverweigerung, andererseits Spuren soziologischer Argumentationen im Verschwörungsdenken, die zu soziologischer Selbstreflexion anregen sollten. Sociology and conspiracy thinking claim to explain society in common. However, they do so within the framework of diametrically opposed logics. Sociology offers relational explanations, whereas in the conspiracy worldview, everything is attributed to the evil intentions of a powerful center of action. This creates explanatory problems for conspiracy thinking, which it attempts to neutralize by accusing the mainstream of lying and by asserting counter-truths. However, this sets in motion a dynamic in which conspiracy thinking gradually loses touch with reality. This dynamic is reconstructed in the article in order to pursue the question of similarities between conspiracy thinking and sociology as well as their causes. The results are, on the one hand, sociologically informed insights into the dynamics of lies and the denial of reality and, on the other hand, traces of sociological argumentation in conspiracy thinking, which should encourage sociological self-reflection

    Dekolonisierung als Dekanonisierung? : Zur Ortsbestimmung Lateinamerikas und der Karibik in der soziologischen Wissensproduktion und -rezeption

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    Der Beitrag greift die jüngst auch in der SOZIOLOGIE geführten Debatten zur Öffnung und Dekolonisierung des Kanons und des Fachs auf und erweitert sie durch einen Blick auf die Geschichte der deutschsprachigen Soziologie und Lateinamerikaforschung, inklusive ihrer Austauschbeziehungen mit lateinamerikanischen und karibischen Intellektuellen: Exemplarisch dienen uns hierfür die gegenwärtige, späte und ausgewählte Rezeption Aníbal Quijanos sowie die (in Vergessenheit geratene) produktive Rezeption der Dependencia-Ansätze in den 1970er und 1980er Jahren in der spezifischen bundesdeutschen akademischen Landschaft. Mit dieser fachgeschichtlichen Rekonstruktion und Re-Lektüre soziologischer Theorie argumentieren wir, dass die gegenwärtige Beschränkung der hiesigen Soziologie auf nordwesteuropäische und nordamerikanische Kontexte historisch keine Konstante darstellt und deshalb mit Blick auf die Zukunft durchaus veränderbar ist. The article takes up the recent debates in SOZIOLOGIE on the opening and decolonization of the canon and the discipline, expanding on them by taking a close look at the history of German sociology and Latin American Studies, including its relations of exchange with Latin American and Caribbean intellectuals: Our exemplary case studies are the current, belated, and selective reception of Aníbal Quijano as well as the (forgotten) productive reception of dependencia approaches in the 1970s and 1980s in the specific German academic landscape. With this historical reconstruction and re-reading of sociological theory, we argue that the current focus of German sociology on Northwestern European and North American contexts is not a historical constant and can therefore be changed in the future

    Berichte aus den Sektionen

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    Arbeitskreis Normativitäten Sektion Frauen- und Geschlechterforschung Sektion Methoden der qualitativen Sozialforschun

    Editorial

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    Liebe Kolleginnen und Kollegen, der Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Dieses Diktum des preußischen Generalmajors Carl von Clausewitz aus seiner Schrift Vom Kriege ist bekannt. Schon weniger bekannt ist sein Hinweis, dass diese »an­de­ren Mittel« dazu neigen, sich zu verselbständigen und die Politik zu ab­sor­bie­ren. Und nahezu vergessen ist seine »philosophische« Definition, dass der Krieg erst mit der Verteidigung entsteht. Denn die Verteidigung will den Kampf, während der Angreifer nur die Eroberung und danach den Frieden will. Diese Einschätzung bestätigt sich in der Ukraine wie in Israel. Russlands »militärische Spezialoperation« zielt auf nichts als die Unterwerfung; der An­griff der Hamas wollte nichts als den Terror, was immer man damit zu er­rei­chen glaubt. Die Ukraine ebenso wie Israel haben zu ihrer Verteidigung den Kampf und damit den Krieg gewählt. Erst in zweiter Linie behauptet Russ­land, sich gegen den Westen und die NATO zu verteidigen, und be­haup­tet die Hamas, sich gegen die Besatzung zu verteidigen. Im Effekt wol­len alle den Krieg – und alle den Frieden, wenn auch jeweils zu ihren Be­din­gun­gen. Den »Nebel« des Krieges, von dem Clausewitz schreibt, gibt es somit nicht nur auf dem Schlachtfeld, sondern auch in der Semantik, mit der Aus­bruch und Verlauf des Krieges beschrieben werden. Diese Semantik ist jedoch entscheidend, wenn es darum geht, die po­li­ti­sche Kontrolle über die »anderen Mittel«, über die Waffen und den Tod, die Zer­störung und Vernichtung, zu behalten. René Girard behauptet in seinem Ver­such, Clausewitz »zu Ende zu denken« (2007), dass von Clausewitz nicht den Mut gehabt hätte, seine wichtigste Entdeckung ernst zu nehmen: die im Krieg angelegte, von keiner Politik zu bremsende, sondern sie ganz im Ge­gen­teil ein­ver­neh­men­de Steigerung der »explodierenden Kräfte« bis zum Äußer­sten. Doch es gibt bei von Clausewitz auch Anhaltspunkte für eine we­niger unaufhaltsame Entwicklung. Der Krieg habe keine eigene Logik, schreibt er, sondern nur eine eigene Grammatik. Er bleibe damit ein In­stru­ment der Politik. Der Krieg sei »ein Gebiet des gesellschaftlichen Lebens«, in dem drei Kräfte aufeinandertreffen, deren Auseinandersetzung seinen Ver­lauf bestimme: Volk, Heer und Regierung. Jede dieser drei Kräfte liefert einen Ansatzpunkt für eine soziologische Analyse – ganz zu schweigen von ihrem Zusammenspiel und den »Friktionen«, denen nicht nur das Heer auf dem Schlachtfeld unterliegt. Das »Volk« steht bei von Clausewitz für die Lei­denschaft, darunter den Hass und die Feindschaft, mit der ein Krieg ver­folgt wird. Das »Heer« steht für das »Spiel der Wahrscheinlichkeiten und des Zu­falls«. Innerhalb dieses Spiels entfalten sich Strategie und Taktik, Mut und Ta­lent der Feldherrn. Und die »Regierung« steht für die politischen Zwecke, die verfolgt werden, während die Soldaten auf dem Schlachtfeld sterben. Mir scheint, dass sich an der »wunderlichen Dreifaltigkeit« von Lei­den­schaft, freiem Willen und bloßem Verstand nicht sehr viel geändert hat, auch wenn unsere Sprache nicht mehr die des 19. Jahrhunderts ist. Das Volk wird zum Gegenstand von massenmedial verstärkter Demagogie, das Heer zum Outlet der Waffenindustrie, worauf bereits Helmuth Plessner hingewiesen hat,[1] und die Regierung zum Spielball ihres Interesses am Selbsterhalt. Damit sind drei Ansatzpunkte definiert, die soziologisch beschrieben werden kön­nen. Welche Rolle spielt die Bevölkerung? Welche Interessen verfolgt die In­dustrie? Und welche Entscheidungen trifft die Regierung? Es ist ebenso ernüchternd wie ermutigend, zu sehen, dass der Krieg ge­sell­schaftlich eingebettet ist. Er ist keine Naturgewalt, geschweige denn ein Aus­druck des Bösen, sondern ein Vektor in einem Feld komplexer Kräfte. Wir werden darüber wieder häufiger diskutieren müssen. Und wir sollten uns darüber im Klaren sein, dass auch unsere Beschreibungen und Berichte eine Rolle spielen. Mit herzlichen Grüßen Dirk Baecker       [1] Siehe Helmuth Plessner: Über das gegenwärtige Verhältnis zwischen Krieg und Frieden. In Ders., Macht und menschliche Natur. Gesammelte Schriften V, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1981, 235–257

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