WE_OS Jahrbuch (Oberstufen-Kolleg, Universität Bielefeld)
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Aufforstungsprojekte als Bürger*innenwissenschaft in der Oberstufe im Kontext „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ (AProBOS BNE): Projektbericht zur Entwicklung von Unterrichtsmaterialien für einen anwendungs- und methodenorientierten Unterricht
In diesem Beitrag stellen wir den angestrebten doppelten Nutzen unseres Projektes für Bildung und Biotope sowie erste Einblicke und einen Ausblick in die Arbeiten dar, zu denen wir Materialien entwickeln. Dies ist gleichsam ein Übersichtsbeitrag, der das Verständnis einzelner Materialbeiträge späterer Veröffentlichungen rahmen kann. Wir argumentieren zur Relevanz von Aufforstungsprojekten im naturwissenschaftlichen Unterricht der Oberstufe auf zwei Ebenen. Zunächst analysieren wir didaktisch denkend, warum der fachliche Inhalt des Aufforstens für eine oberstufengemäße Aufarbeitung besonders geeignet ist. Anschließend erläutern wir die Bedeutung von Bürger*innenwissenschafts-Projekten (bzw. Citizen-Science-Projekten) zur Aufforstung für den (naturwissenschaftlichen) Unterricht in der Oberstufe. Im dritten Abschnitt stellen wir aus der Sachlogik von Aufforstungsprojekten fachliche und methodische Materialbausteine vor, mit denen Schulen den Einstieg in solche nachhaltigen Aufforstungsprojekte leichter finden können. Es folgen ein Ausblick auf Evaluationsstrategien zur Weiterentwicklung der Materialien und ein kurzer, hoffentlich einladender Einblick in die Ausweitung des Projekts AProBOS BNE zu einem informellen Netzwerk.
In this paper, we present the intended dual benefits of our project for education and for biotopes, as well as initial insights and an outlook into the work for which we are developing materials. This overview contribution also provides a frame for understanding individual material contributions in publications to follow. We argue for the relevance of inquiry projects in science education in upper secondary school on two levels. First, we analyze didactically why the subject matter of reforestation is particularly suitable for upper-level instruction. We then explain the relevance of citizen science projects on reforestation for (science) teaching at upper secondary level. Against the background of reforestation projects’ subject logic, we present subject-specific and methodological material modules in the third section, which can support schools in finding their way into such sustainable reforestation projects more easily. The paper closes with an outlook on evaluation strategies for further development of the materials and a short, hopefully inviting, insight into the expansion of the AProBOS BNE project into an informal network
Zurück zur (neuen) Normalität? Forschungs- und Entwicklungsplan der Wissenschaftlichen Einrichtung Oberstufen-Kolleg für das Jahr 2022
Der Forschungs- und Entwicklungsplan beginnt mit einer Reflexion darüber, inwieweit die Corona-Pandemie die Forschungs- und Entwicklungsarbeit sowie auch die Schulentwicklungsarbeit beeinflusst hat (Kap. 1). Die Veränderungen in der Schulentwicklung werden daraufhin beschrieben (Kap. 2). Nachfolgend werden die laufenden und die kommenden Projekte des Forschungs- und Entwicklungsplans vorgestellt (Kap. 3). Die Anpassung des Forschungs- und Entwicklungsmodells für das Oberstufen-Kolleg ist Gegenstand des darauffolgenden Abschnitts (Kap. 4). Der Forschungs- und Entwicklungsplan schließt mit einem weiteren Rückblick auf das Jahr 2022 und dem Ausblick auf die Aktivitäten der Wissenschaftlichen Einrichtung Oberstufen-Kolleg im Jahr 2023 (Kap. 5).
The research and development plan begins with a reflection on the extent to which the Corona pandemic has influenced the research and development work as well as the school development work (chapter 1). Subsequently, the changes in school development are described (chapter 2). The current and future projects of the research and development plan are then presented (chapter 3). The adaptation of the research and development model for the “Oberstufen-Kolleg” is subject of the following section (chapter 4). The research and development plan concludes with a further review of the year 2022 and a prospect on the activities of the “Wissenschaftliche Einrichtung Oberstufen-Kolleg” in 2023 (chapter 5)
Mit Lisa durch die Oberstufe: Hintergründe und Anregungen zur Gewährung und Umsetzung von Nachteilsausgleich in der gymnasialen Oberstufe
Die Gewährung von Nachteilausgleich in der gymnasialen Oberstufe ist nicht nur eine persönliche Herausforderung für betroffene Schüler*innen und ihre Lehrkräfte, sondern auch eine ressourcielle für die gesamte schulische Einrichtung. Darf eine Schule für ihre Schüler*innen Nachteilsausgleich in Eigenverantwortung gewähren, so ist die Phase der Entscheidungsfindung zu konkreten Nachteilsausgleichsmaßnahmen besonders für die von standardisierten Leistungsanforderungen geprägte gymnasiale Oberstufe oftmals von Unsicherheit geprägt. Dies sind einige mögliche Gründe dafür, dass das im Kontext der aktuellen schulischen Rahmenbedingungen wichtige und vielfach notwendige Individualisierungsinstrument Nachteilsausgleich in der gymnasialen Oberstufe oftmals nur zögerlich umgesetzt wird. In diesem Beitrag werden auf Basis empirischer Daten Herausforderungen rund um die Gewährung und Umsetzung von Nachteilsausgleich für die gymnasiale Oberstufe aufgezeigt und Anregungen zu ihrer Bewältigung vorgestellt. Im Supplement ist zudem ein Flyer verfügbar, der vielfältige handlungsbezogene Hinweise für den Umgang mit Nachteilsausgleich enthält. Die dort angesprochene fiktive Schülerin Lisa führt die Leser*innen auch durch diesen Beitrag.
In upper secondary education, granting disadvantage compensation can be personally challenging for concerned students and present a resource challenge for the entire school. Seeing as the “gymnasiale Oberstufe” in Germany is characterized by standardized curricula and achievement goals, the decision-making process on which concrete measures to apply often is one of uncertainty if schools are allowed to grant disadvantage compensation autonomously. For these and other possible reasons, disadvantage compensation as a measure of individualization, though important and necessary within the current school system framework, is often applied only hesitantly in German upper secondary education. Based on empirical findings, this paper identifies some challenges of granting and implementing disadvantage compensation in the “gymnasiale Oberstufe” and presents suggestions for addressing them. The supplement contains a flyer with a variety of actionable advice on disadvantage compensation. Lisa, the fictitious student who is mentioned there, will also guide readers through this paper
Inklusion und Nachhaltigkeit
Fragen der Nachhaltigkeit sind heute in vielen wissenschaftlichen Disziplinen und Praxisfeldern geradezu omnipräsent. Der Begriff selbst ist nur aus seiner Entstehungsgeschichte heraus einigermaßen zu präzisieren, und er wird, dem Inklusionsbegriff vergleichbar, heute weitgehend inflationär gebraucht. Unter Aspekten der Schärfung beider Begriffe ist es dennoch sinnvoll, sie auch im Feld der Erziehungswissenschaft in Beziehung zu setzen und im Zusammenhang mit pädagogisch relevanten Problemstellungen zu präzisieren. Entsprechend versucht dieser Beitrag, unter dem Primat der Schaffung von Bildungsoptionen für alle und unter Einbezug von Fragen der Kultur und ethischen Dimensionen, die in ökonomischen, wirtschafts- und wachstumsfokussierten Fragestellungen weitgehend verloren gehen, einen integrierten Ansatz aufzuzeigen. Das bedeutet, auch in Feldern der Pädagogik zu klären, was letztlich Bestand haben soll, um im Sinne von Heydorn „die unmenschliche Repression der Vergangenheit als Kulturversagung” (1980, S. 180) aufzuheben – und damit auch die als exzessiv zu bezeichnenden, das ganze Schulsystem durchziehenden Selektions- und Exklusionsprozesse, was von Inklusion zu sprechen dann nicht mehr erforderlich machen würde.
Issues of sustainability are nearly omnipresent in many scientific disciplines and fields of practice today. The term itself can only be reasonably specified by looking at its genesis; it is largely used in an inflationary manner today. In order to clarify both terms, it is sensible, however, to relate them also in the field of educational science and to specify them in the context of pedagogically relevant problems. Thus, this contribution tries to point out an integrated approach – under the primacy of educational chances for all, including cultural issues and ethical dimensions, which get widely lost in the economical, profitable growth-focused discussions. This means to clarify also in fields of education what shall endure in the end, in order to cancel “the inhumane repression of the past as a refusal of culture” (Heydorn, 1980, p. 180), and thus the excessive processes of selection and exclusion, which pervade the whole educational system – this means that it would no longer be necessary to talk about inclusion
ZUsammenKUNFT: Ein Verein von Fremden für Fremde
Im Jahr 2018 gründete eine Gruppe von Kollegiat*innen des Oberstufen-Kollegs einen Verein mit dem Namen ZUsammenKUNFT. Diese Gruppe besteht aus jungen Menschen mit sehr unterschiedlichen Hintergründen und Erfahrungen, die jedoch durch die Erfahrung des Fremdseins vereint sind. In dieser Organisation arbeiten sie gemeinsam, um die Mechanismen zu verstehen, durch die der Diskurs und die Kategorien entstehen, die sie ausschließen. Sie wollen verstehen, wie bestimmt wird, wer in ihrem sozialen Kontext zum „Wir“ und wer zum „Ihr“ gehört. Dafür setzen sie sich mit philosophischen und soziologischen Texten auseinander, die ihnen dabei helfen, ihre konkreten Erfahrungen der Ausgrenzung zu analysieren. Diese Lektüren ermöglichen den Kollegiat*innen, eine neue Perspektive zu gewinnen, von der aus sie nach Wegen zur Überwindung dieser Situation der Fremdheit suchen können. In diesem Sinne ist ZUsammenKUNFT ein Verein, dessen Ziel das Empowerment der Fremden ist. Aber diese jungen Menschen wollen nicht nur ihre persönliche Situation verbessern, sondern auch die homogenisierenden Kategorien der Normalität durchbrechen, um Raum für Vielfalt zu schaffen. Zu diesem Zweck verstehen sie sich als Multiplikator*innen und suchen nach Möglichkeiten, ihre Arbeit an andere junge Menschen weiterzugeben, die ihre Erfahrungen teilen. Mit diesem Ziel vor Augen entwickeln sie Unterrichtsmaterialien, die sie Lehrer*innen anderer Schulen zur Verfügung stellen.
A group of students at the Oberstufen-Kolleg founded an association “ZUsammenKUNFT“ in 2018. Members of this association are young people with diverse backgrounds and experiences, but they all share the same experience of being strangers. In this organisation, they work together in order to analyse and understand the mechanisms that produce a discourse and categories which exclude them. They want to understand the way “we” and “you” are defined and who is part of these categories in their social context. In order to do that, they deal with philosophical and sociological texts which help them to analyse their experience of being excluded. This theoretical basis allows the students to gain a new perspective that enables them to find a way to overcome their alienation. Therefore, “ZUsammenKUNFT” aims at empowerment of foreigners. But these young people do not only want to improve their own personal situation, but they also want to break up the homogenised categories of normality in order to create space for diversity. In order to achieve that, they see themselves as multiplicators and search for opportunities to pass on their insights to other young people who share their experiences. With this goal in mind they develop teaching material which they provide for teachers of other schools
Herausforderungen und Perspektiven für Forschung und Entwicklung: Forschungs- und Entwicklungsplan in Zeiten der Corona-Pandemie 2.0
Der Forschungs- und Entwicklungsarbeit dieses Jahres ist ebenso wie die im vorangegangenen Jahr durch die Corona-Pandemie geprägt; dennoch soll der Schwerpunkt dieses Forschungs- und Entwicklungsplans nicht allein darauf liegen. Es wird stattdessen ein Überblick über abgeschlossene, laufende und beantragte Forschungs- und Entwicklungsprojekte gegeben, und die Kooperationen der Wissenschaftlichen Einrichtung Oberstufen-Kolleg werden beschrieben. Die relevanten übergeordneten Themen und die daraus resultierenden Arbeitsschwerpunkte fließen ein in den Ausblick auf das Jahr 2022.
This year’s research and development work, like that of the previous year, has been shaped by the Corona pandemic, yet the focus of this research and development plan is not intended to zoom in on this issue alone. Instead, an overview of completed, ongoing and proposed research and development projects is given and the cooperations of the scientific institution Oberstufen-Kolleg are described. The relevant overarching themes and the resulting focal points of work are included in the outlook for the year 2022
Projektarbeit: Struktur und Methode
Der Ausgangspunkt für die pädagogische Entwicklung an der Universitätsschule Dresden ist die Bestimmung, dass Lernen sich, wie es die kulturhistorische Theorie (u.a. Vygotskij, 2002) bestimmt, im Dialog vollzieht, bzw. wird das Lernen dem Konstruktivismus folgend als Ko-Konstruktionsprozess zwischen Schüler*innen und auch zwischen Schüler*innen und Lehrer*innen verstanden. Der vorliegende Beitrag stellt das Konzept und die Umsetzung der Projektarbeit als Kern des Lehr-Lernsettings an der Universitätsschule dar. In einem ersten Schritt wird das Konzept der Projektarbeit mit seinen Prämissen und Charakteristika skizziert, bevor im Anschluss die Projektarbeit exemplarisch für drei Altersstufen dargelegt wird. Anhand dessen werden die didaktisch-methodische Umsetzung und auch die Heranführung der Schüler*innen an die Projektarbeit deutlich. Nach der Differenzierung der Projektarbeit in der Primarstufe, der Mittelstufe und der Oberstufe werden zwei Aspekte der Umsetzung der Projektarbeit in der Universitätsschule noch einmal näher beleuchtet: Zum einen wird die Standardisierung von schulischen Prozessen zur Ermöglichung von individualisierter Entwicklung in kooperativen Lernprozessen über die Projektarbeit und zum anderen die Verbindung zwischen Projektarbeit und Digitalisierung in dieser Schule herausgearbeitet. Abschließend wird die aktuelle Umsetzung der Projektarbeit in der Universitätsschule Dresden als Entwicklung in einem Ko-Konstruktionsprozess von Praxis und Wissenschaft skizziert.
At the University School Dresden, the starting point for the pedagogical development is the determination that learning takes place in dialogue as described by cultural-historical theory (e.g., Vygotskij, 2002); or, according to constructivism, learning is understood as co-construction process between students as well as between students and teachers. This paper presents the concept and implementation of project work as the core of the teaching-learning setting at the University School Dresden. In a first step, the concept of project work with its premises and characteristics is outlined, before project work is exemplified for three age groups. The didactic-methodical implementation and also the introduction of the pupils to the project work are elaborated. After the differentiation of project work at the primary, the intermediate and the advanced levels, two aspects of the implementation of project work are examined in more detail: on the one hand, the standardization of school processes which aim at enabling individualized development in cooperative learning processes via project work, and, on the other hand, the connection between project work and digitalization. Finally, the current implementation of project work at the University School Dresden is outlined as a co-construction process of practice and science
Richtige Noten im Falschen? Oder: Warum unsere Oberstufe immer exklusiver, ungerechter und irrationaler wird, je genauer wir die Leistungen messen
Ausgehend von der Problemfrage „Wie verhält man sich möglichst rational innerhalb eines irrationalen Systems?“ thematisiert der Beitrag zunächst die Ansprüche, die in Deutschland seitens der Kultusministerkonferenz (KMK) an die gymnasiale Oberstufe formuliert werden (Kap. 1). Kontrastierend zu diesen Ansprüchen auf vertiefte Allgemeinbildung, allgemeine Studierfähigkeit sowie wissenschaftspropädeutische Bildung wird dann die Benotung als Bewertungsmaßstab problematisiert, da mit ihr streng genommen systematisch eine Praxis organisiert wird, die den von der KMK geforderten Maximen entgegensteht, da ihr das Paradox einer Gradierbarkeit von Studierfähigkeit inhärent ist (Kap. 2). Als Grund für diese Widersprüchlichkeit werden dann die diesem System zugrunde liegenden unpädagogischen Gerechtigkeitsvorstellungen diskutiert (Kap. 3) sowie deren Niederschlag und die mit ihnen verbundene unfaire Chancengleichheit im Notensystem (Kap. 4), bevor dann eine Kritik an den klassischen Bezugsnormen der Notengebung erfolgt und das Programm einer Inklusiven Oberstufe jenseits der asozialen und der pseudoindividuellen Bezugsnorm formuliert wird (Kap. 5). Abschließend (Kap. 6) folgt ein Plädoyer für eine Differenzierung zwischen einer pädagogischen und einer bildungspolitischen Rolle, um einen Ausweg aus dem eingangs formulierten Problemkomplex zu finden, also der Versuch einer Antwort auf die Frage: „Wie verhält man sich möglichst rational innerhalb eines irrationalen Systems?“
Starting from the problem of “How to behave as rationally as possible within an irrational system?”, the article first discusses the demands that the Conference of Ministers of Education and Cultural Affairs of the Laender in Germany (KMK) formulates for the upper secondary schools in Germany (chap. 1). Contrasting these demands for in-depth general education, general study skills, and scientific education, grading as a standard of assessment is then problematized, since, strictly speaking, it systematically organizes a practice that contradicts the maxims demanded by the KMK, since the paradox of gradability of study skills is inherent in it (chap. 2). As a reason for this contradictoriness, the uneducational ideas of justice underlying this system are then discussed (chap. 3), as well as their precipitation and the unfair equality of opportunity associated with them in the grading system (chap. 4), before a critique of the classical reference norms of grading is then made and the program of an inclusive upper secondary school beyond the asocial and the pseudo-individual reference norm is formulated (chap. 5). Finally (chap. 6) follows a plea for a differentiation between a pedagogical and an educational role in order to find a way out of the problem complex formulated at the beginning, i.e., the attempt to answer the question: “How does one behave as rationally as possible within an irrational system?
Die flexible Oberstufe: Konzepte und Studien zu einer auf Individualisierung zielenden Oberstufenreform
Das kürzlich erschienene Buch Die flexible Oberstufe setzt sich in Theorie und Praxis mit der höheren Schulbildung bis zum Abitur auseinander. Das Ziel der Autor*innen ist ein Paradigmenwechsel von der vorherrschenden Reglementierung hin zu einer flexibilisierten Oberstufe, die sich an den individuellen Bedürfnissen der Schüler*innen orientiert. Es wird aus unterschiedlicher Perspektive (Hochschule, Wirtschaft, Gesellschaft, Schule) gezeigt, dass ein Schulsystem, das die unterschiedlichen Bildungsbiografien einer zunehmend heterogenen Gesellschaft auffängt, auf Eigenverantwortlichkeit und Teamfähigkeit setzt sowie individuelle Potenziale entdeckt und fördert, den Anforderungen der nächsten Jahrzehnte besser gerecht wird als das derzeitige. Die im Sinne einer Studierfähigkeit unerlässlichen hohen Qualitätsstandards im Abitur können auf flexiblen Wegen besser gesichert werden. Vielfältige Anregungen aus der Praxis bieten einen intensiven Einblick in die mögliche Umsetzung des Konzeptes einer veränderten Oberstufe. Daraus ergeben sich konkrete Forderungen an Gesellschaft und Politik, Rahmenbedingungen zu schaffen, die eine in diesem Sinne moderne Schule möglich machen.
The recently published book Die flexible Oberstufe (The Flexible Upper Secondary School) deals with higher education up to the Abitur in theory and practice. The authors’ goal is a paradigm shift from the prevailing regimentation to a more flexible upper school that is oriented towards the individual needs of the students. From different perspectives (university, economy, society, school), it is shown that a school system that accommodates the different educational biographies of an increasingly heterogeneous society, focuses on individual responsibility and teamwork, and discovers and promotes individual potential, will better meet the requirements of the next decades than the current system. The high quality standards in the Abitur, which are indispensable in the sense of being able to study, can be better ensured in flexible ways. Diverse suggestions from the practice offer an intensive insight into the possible implementation of the concept of a modified upper secondary school. This leads to concrete demands on society and politics to create framework conditions that make a modern school in this sense possible
„Abitur im eigenen Takt“ – neu gedacht
Das Abitur in der Bundesrepublik Deutschland wird der heterogenen Schülerschaft in der gymnasialen Oberstufe nicht mehr gerecht. Abitur umfasst in diesem Sinne sowohl die Ausbildung in der Oberstufe als auch die Abschlussprüfungen, die in den Bundesländern in der Regel in einem zentral gesteuerten Prüfungsformat umgesetzt werden. In diesem Beitrag setzen sich die Autor*innen stellvertretend für eine Gruppe von (Schul-)Praktiker*innen mit den veralteten Bedingungen der gymnasialen Oberstufe auseinander und zeigen anhand vieler Praxisverweise auf, warum das derzeitige Abitur nicht mehr zeitgemäß ist. Auf der Basis ihrer Analysen skizzieren die Autor*innen eine moderne Ausbildungs- und Prüfungsordnung für die gymnasiale Oberstufe, die z.B. individualisierte Laufbahnen und auch modular durchgeführte Abschlussprüfungen ermöglicht.
The Abitur (secondary-school demands) in the Federal Republic of Germany does not do justice to the heterogeneous students at secondary school level. Abitur in this context comprises both teaching and learning at secondary level and the final examinations, which are generally run in a centrally controlled examination format. In this contribution, the authors, representative for a team of (school) practitioners, deal with the outdated requirements at the secondary school level and show why those are no longer in keeping with the lines, using various examples from practice. Based on their analysis, the authors map modern schooling and examination regulations for the secondary school level, which allow, for example, individualized career paths and modularized final exams