WE_OS Jahrbuch (Oberstufen-Kolleg, Universität Bielefeld)
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Das Schulklima am Oberstufen-Kolleg: Forschungsergebnisse aus den Forschungs- und Entwicklungsprojekten der Wissenschaftlichen Einrichtung Oberstufen-Kolleg
Das Schulklima am Oberstufen-Kolleg wurde aus der Außenperspektive oft als besonders beschrieben, sodass es einige Forschungs- und Entwicklungsprojekte der Wissenschaftlichen Einrichtung Oberstufen-Kolleg untersucht haben. Nach kurzen begrifflichen Überlegungen zum Schulklima und seiner Abgrenzung vom Begriff der Schulkultur stellt der Beitrag Ergebnisse aus vier Projekten der Wissenschaftlichen Einrichtung zusammen und fokussiert dabei den Vergleich mit Oberstufentypen des Regelschulsystems. Es lässt sich im Rahmen verschiedener quantitativer Studien nachweisen, dass die durchschnittliche Einschätzung des Schulklimas am Oberstufen-Kolleg in einigen Bereichen besser ausfällt als an den Vergleichsschulen. Darüber hinaus lässt sich beobachten, dass die Einschätzung des Schulklimas im Verlauf des Besuchs der Oberstufe in allen Schulen abnimmt. Durch den Einbezug von Ergebnissen qualitativer Untersuchungen wird illustriert, welche individuellen Auswirkungen unterschiedliche Ausprägungen des Schulklimas haben können. Dabei wird plausibilisiert, dass zur Betrachtung dieser Zusammenhänge auf der Mikroebene auf den Begriff der Schulkultur und die Untersuchung habitueller Passungsverhältnisse zurückgegriffen werden muss
Reflexion, Leistung & Inklusion: Qualifizierungserfordernisse für einen reflexiven Umgang mit Leistung in der inklusiven Sekundarstufe
Die Qualifizierung der pädagogischen Fachkräfte für die inklusive Bildung im Sekundarbereich stellt eine zentrale Herausforderung dar. „Inklusion“ und „Leistung“ können im Kontext eines nach Leistung differenzierenden selektiven Schulsystems und angesichts einer verstärkten Leistungsorientierung und standardisierten Leistungsüberprüfung als unvereinbar erscheinen. Zugleich zielt inklusive Bildung programmatisch sowohl auf die Anwesenheit von Schüler*innen mit sonderpädagogischen Förderbedarfen in der Regelschule als auch auf den Prozess der Förderung der Akzeptanz, Partizipation und Lern- und Leistungsentwicklung aller Schüler*innen. Aus sozialkonstruktivistischer Perspektive ist hierbei „Leistung“ nicht einfach gegeben, sondern wird in der Schule hergestellt und ist verwoben mit sozialen Differenzkategorien. Ein reflexiver Umgang mit Leistung stellt eine zentrale Anforderung für die Lehrpersonen dar. Das Verbundprojekt Reflexion, Leistung und Inklusion zielt im Rahmen eines Forschungs- und Entwicklungsdesigns auf die Identifizierung von Qualifizierungserfordernissen und -inhalten für einen reflexiven Umgang mit Leistung in der inklusiven Sekundarstufe auf Basis einer qualitativen Untersuchung an zwei Gesamtschulen und zwei Gymnasien. Hierbei wird der Umgang mit der (erweiterten) Leistungsheterogenität im zieldifferenten Unterricht (Förderschwerpunkt Lernen) sowie die Relation von Leistung und Verhalten (Förderschwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung) vertiefend untersucht. Bilden die schulorganisatorischen Kategorien den Ausgangspunkt, rücken im Forschungsprozess die konkreten Konstruktionen von Differenz in den Blick. Im Sinne einer fokussierten Ethnographie erfolgt eine teilnehmende Beobachtung, ergänzt u.a. um ausgewählte Dokumente und Interviews mit Lehrkräften und Lernenden. Die Auswertung orientiert sich an der Grounded Theory. Hierauf aufbauend werden in Kooperation mit der Wissenschaftlichen Einrichtung Oberstufen-Kolleg Materialien für die kasuistische Lehrer*innenaus- und -fortbildung entwickelt und erprobt. Es werden Lehrer*innenfortbildungen (Einzelworkshops) durchgeführt und die Reaktionsmuster der Lehrpersonen rekonstruiert. Auf dieser Basis wird eine längerfristige schulinterne Fortbildung entwickelt
Wege zu Abitur und Fachhochschulreife für neuzugewanderte junge Menschen: Die Forschungs- und Entwicklungs-Arbeit zur Inklusion neuzugewanderter Jugendlicher am Oberstufen-Kolleg Bielefeld
Seit 2015 beschäftigt sich das Oberstufen-Kolleg mit der Entwicklung eines Konzepts zur Inklusion neuzugewanderter Jugendlicher in der gymnasialen Oberstufe. Mittlerweile besuchen 49 junge Menschen, die bei ihrem Eintritt ins Oberstufen-Kolleg erst seit zwei bis vier Jahren Deutsch gelernt hatten, die Versuchsschule. Bei der Konzeptarbeit zur Beschulung dieser Jugendlichen stand zunächst die Schaffung eines geeigneten Kursangebots für eine zweijährige „gestreckte Eingangsphase“ an. Es ging darum, ein geeignetes Angebot in Deutsch als Zweitsprache (DaZ) zu installieren und etablierte Kursarten zu modifizieren bzw. völlig neuartige Kursangebote zu entwickeln, welche den DaZ-Unterricht mit dem Fachunterricht verzahnen. Daneben richtete die Versuchsschule ein eigenes Aufnahmeverfahren für die Gruppe der Neuzugewanderten ein. Derzeit beschäftigen sich die Akteur*innen mit der Weiterentwicklung der Sprachbildung im Fachunterricht. Außerdem werden – u.a. ausgehend von Kollegiat*innen-Interviews – Angebote (weiter-)entwickelt, die eine besondere Förderung der auf Eigenverantwortung ausgerichteten Arbeitsformen der gymnasialen Oberstufe zum Ziel haben. Prägend für die Konzeptarbeit war und ist der Spagat zwischen dem Ideal einer möglichst inklusiven Beschulung und einer pragmatischen Vorbereitung auf die Anforderungen der Qualifikationsphase der gymnasialen Oberstufe, was angesichts des Alters unserer Kollegiat*innen bei ihrem Einstieg ins deutsche Schulsystem und der Anforderungen bzw. der zunehmenden Standardisierung des Abiturs eine besondere Herausforderung darstellt
Critical Friends zu einer kritischen (?) Freundschaft: Forschung und Entwicklung am Oberstufen-Kolleg: Forschungs- und Entwicklungsplan der Wissenschaftlichen Einrichtung Oberstufen-Kolleg für das Jahr 2018
In diesem Beitrag wird das aktuelle Forschungs- und Entwicklungsmodell für das Oberstufen-Kolleg dargelegt. Dies geschieht sowohl vor dem Hintergrund der aktuellen Kritik an der empirischen Bildungsforschung als auch der Ergebnisse eines externen Peer-Reviews, das im Jahr 2016 gemeinsam für die Versuchsschule und die Wissenschaftliche Einrichtung Oberstufen-Kolleg stattgefunden hat. Es wird deutlich, wie die Fragen des internen Transfers, der Verzahnung von Forschung und Schulentwicklung sowie der stärkeren Einbindung von Schüler*innen des Oberstufen-Kollegs in die Forschung und Entwicklung bearbeitet werden sollen
Individueller Bildungsprozess und/oder individuelle Rendite? Fragen nach dem Verhältnis von Reformpädagogik und Ökonomie am Beispiel des Oberstufen-Kollegs
Traditionell gibt es ein Spannungsverhältnis zwischen humanistischen bzw. reformpädagogischen Bildungsansprüchen einerseits und den ökonomischen Bedingungen gesellschaftlicher Reproduktion andererseits, das sich derzeit im bildungspolitischen Diskurs als „Kritik an der Ökonomisierung des Bildungssystems“ artikuliert. Da es sich angesichts des humanistischen Anspruchs der Zweckfreiheit von Bildung in Abgrenzung zur schulischen Qualifikationsfunktion bei diesem Spannungsverhältnis um ein strukturell bedingtes handelt, gehen wir davon aus, dass es sich nicht abschließend auflösen, wohl aber produktiver oder eben weniger produktiv bearbeiten lässt. Im vorliegenden Beitrag sind wir daher der Frage nachgegangen, inwieweit sich die reformpädagogischen Bemühungen der Versuchsschule Oberstufen-Kolleg auch volkswirtschaftlich abbilden lassen, d.h. eine ökonomische Rendite erzeugen, zugleich aber damit besondere Aufmerksamkeit der Frage gewidmet werden muss, inwiefern ökonomische Motive in Spannung zu den reformpädagogischen Ansprüchen geraten. Zur analytischen Abarbeitung führen wir hierfür die begriffliche Differenzierung zwischen ökonomischer und pädagogischer Effizienz und Effektivität ein. Im Fazit des Beitrags versuchen wir aufzuzeigen, dass es sich unseres Erachtens bei der Differenz zwischen effizienzorientiertem ökonomischen Denken und den Zielbestimmungen von Pädagogik, nämlich Bildung, Mündigkeit und Selbstbestimmung, nicht um einen kontradiktorischen Widerspruch handelt, d.h. einen solchen, in dem sich zwei Elemente unvereinbar gegenüberstehen, wohl aber einen konträren Widerspruch, d.h. einen solchen, in dem zwei Pole einander gegenüberstehen und die pädagogische Aufgabe darin besteht, dieses widersprüchliche Moment möglichst produktiv und konstruktiv miteinander zu vermitteln. Dies erweist sich in einem zugleich humanistischen Ansprüchen und marktwirtschaftlichen Prinzipien folgenden Bildungssystem als dauerhafte sowohl kritische als auch kritisch-konstruktive Vermittlungsaufgabe
Empfehlungen zu einem Inklusionskonzept am Oberstufen-Kolleg Bielefeld: Ein Diskussionspapier der FEP-Gruppe „Kernaufgabe Inklusion am Oberstufen-Kolleg“
Das Oberstufen-Kolleg Bielefeld verfügt über eine langjährige Erfahrung im Umgang mit seiner heterogenen Kollegiatenschaft und den daraus resultierenden unterschiedlichen pädagogischen Bedürfnissen. Die Projektgruppe „KIOSK – Kernaufgabe Inklusion am Oberstufen-Kolleg“ hat während der dreijährigen Projektlaufzeit von 2014 bis 2017 das Anliegen verfolgt, auf die Erfahrungen des Hauses in der Arbeit mit der heterogenen Kollegiatenschaft aufzubauen und systematischere Strukturen zu schaffen, die es ermöglichen, näher auf die individuellen pädagogischen Bedürfnisse der Kollegiat*innen in unterschiedlichen Bereichen des Schullebens eingehen zu können. Zu diesem Zwecke wurden mit unterschiedlichen Akteursgruppen Interviews und Gruppendiskussionen geführt, schulische Strukturen und Prozesse mit inklusionssensiblem Blick analysiert und z.T. auch adaptiert, neue Kursformate erprobt und Transferveranstaltungen durchgeführt. Die Erkenntnisse dieser umfassenden Analyse sind im vorliegenden Papier in Form von Empfehlungen zu einem Inklusionskonzept am Oberstufen-Kolleg Bielefeld gebündelt, die sich insgesamt auf zwölf unterschiedliche Bereiche beziehen. Einige dieser Bereiche betreffen die Beratungs- und Unterstützungsstrukturen für Kollegiat*innen (etwa hinsichtlich ihrer Potenzialförderung, sonderpädagogischer Expertise, Schulsozialarbeit und Coaching-Programmen); andere Bereiche beziehen sich auf Strukturen und Prozesse des Hauses (z.B. das Aufnahmeverfahren, die Gewährung von Nachteilsausgleich und der Umgang mit psychisch erkrankten Kollegiat*innen). Obwohl sich das vorliegende Dokument in erster Linie als Arbeitspapier für die weitere inklusive Schulentwicklung des Oberstufen-Kollegs versteht, mag es darüber hinaus jedoch trotz seiner Spezifik auch wertvoll für andere (Oberstufen-)Schulen sein – etwa, um den Blick für inklusive Strukturen und Prozesse zu schärfen, mögliche blinde Flecken aufzuspüren und Impulse für die eigene Schulentwicklung zu bekommen
Diversität, Leistung und Inklusion – eine Einführung in den Themenschwerpunkt
oai:biejournals.de:article/1104Im vorliegenden Beitrag wird aufgezeigt, dass die Phänomene Diversität, Leistung und Inklusion seit der Gründung des Oberstufen-Kollegs zentrale Topoi für die Forschungs- und Entwicklungsarbeit der Versuchsschule darstellen. Auch wenn sich die Terminologie in den letzten Jahrzehnten gewandelt hat, so hält die Beschäftigung mit diesen Phänomenen an. Die im Jahrbuch enthaltenen Beiträge werden entsprechend vor diesem Hintergrund mit Blick auf die Entwicklungen der Versuchsschule und ihrer Wissenschaftlichen Einrichtung Oberstufen-Kolleg kommentiert
Ohnmacht versus Unternehmertum – Wirkungen von Bildungsstandards und Kompetenzorientierung auf das lernende Subjekt in der Oberstufe
In der Debatte um Kompetenzorientierung und Bildungsstandards bisher zu wenig beachtet ist die Frage nach ihren Auswirkungen auf die Selbstwahrnehmung von Lernenden und auf ihre im Kompetenzbegriff als erlernbar gedachte Fähigkeit zur Selbstmotivierung. Internalisieren sie die ihnen zugesprochene Eigenverantwortung für ihren Lernerfolg – oder ihr Scheitern? Machen sie sich zu „bildungsunternehmerischen Subjekten“, die sich wohlkalkuliert, aber ohne Interesse an Inhalten durch den Schulalltag manövrieren? Und falls ja, wie sind diese Subjekte konstituiert, und welche Konsequenzen ergeben sich für die Beratung in der Oberstufe? Anhand zweier argumentationsmusteranalytischer Rekonstruktionen von Passagen aus Interviews mit Oberstufen-Schüler*innen, die Schwierigkeiten mit dem Fach Mathematik beschreiben, werden im Beitrag zwei Varianten von Subjektivierungsweisen angesichts responsibilisierender Adressierungen dargestellt, die einige Gemeinsamkeiten aufweisen – z.B. die Internalisierung der schulischen Verrechnungslogik –, sich aber auch in zentralen Aspekten unterscheiden, indem einmal Ohnmacht, einmal Unternehmertum im Vordergrund steht. Hieraus leiten sich einige Konsequenzen für die Beratungspraxis in der Oberstufe ab