1,721,020 research outputs found
Research / Science / Development
As in other societal realms also in research, science, and development governments and parliaments increasingly have to legitimize their actions and want to base their future activities on informed decisions. Consequently, performance measures, benchmarking, comparative analysis, “foresight studies” are increasingly asked for. Ranking, ratings and evaluations are introduced throughout the system supposedly providing on the one hand the requested transparency and at the same time acting as stimuli to improve the performance. However, to date central questions relating to the underlying methodologies and indicators used are unanswered. These questions concern the availability and appropriateness of the data, indicator construction and methodologies on the one hand, tackle issues as how to deal with effects due to disciplinary, sectoral, regional or national differences, and concern the intended and unintended effects of the instruments used. In the contribution these issues are described and discussed in more detail. In Germany so far infrastructural deficiencies e.g. the fragmentation of research groups addressing those issues prevent adequately addressing the open research questions. Behind this background the two most important tasks identified are them the development of a decentralized data collection system enabling standard definitions and the development of a competitive research infrastructure.Science Indicators, R&D, Research Funding, Governance
Einflussfaktoren auf das Fahrverhalten und Unfallrisiko junger Fahrerinnen und Fahrer
Das Risiko, bei einem Verkehrsunfall verletzt oder getötet zu werden, ist in der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen deutlich größer als in allen anderen Altersgruppen. Diese Tatsache besitzt trotz eines deutlichen Rückgangs der Zahl der Verletzten bzw. Getöteten in dieser Altersgruppe in den vergangenen zehn Jahren weiterhin Gültigkeit. Somit bleibt die Verbesserung der Verkehrssicherheit insbesondere für die 18- bis 24-Jährigen auch in Zukunft ein vordringliches gesellschaftliches Anliegen. Im Rahmen einer Repräsentativbefragung (N=2084) wurde der Frage nachgegangen, in welchem Zusammenhang Erwartungen, Motive und Erfahrungen sowie weitere psychologische Merkmale (z.B. Lebensstile) und bestimmte Lebensumstände mit dem Fahrstil und dem Unfallrisiko junger Fahrerinnen und Fahrer stehen. Zur Beantwortung dieser Frage wurde ein theoretisches Modell entwickelt, das Bezüge zu verschiedenen etablierten Theorien der Psychologie aufweist. Eine Clusteranalyse ergab sechs Lebensstilgruppen, die sich hinsichtlich der Gefährdung im Straßenverkehr deutlich voneinander unterscheiden und eindeutig durch die Ausprägung bestimmter psychologischer, demographischer und sozioökonomischer Merkmale beschreibbar sind. Im Rahmen eines Querschnittsvergleichs wird eine relativ große Stabilität der Lebensstilgruppen über einen Zeitraum von dreizehn Jahren belegt. Hierzu wurden die 18- bis 24-Jährigen aus dem Jahr 1996 mit den 31- bis 37-Jährigen aus dem Jahr 2010 verglichen. Die Stabilität zeigt sich sowohl im Hinblick auf die Gruppen bildenden Lebensstilmerkmale (z.B. Freizeitverhalten) als auch in der Ausprägung verkehrssicherheitsrelevanter Merkmale in den jeweiligen Lebensstilgruppen. Andererseits haben sich innerhalb von dreizehn Jahren auch eine Reihe von Ausdifferenzierungen herausgebildet, die zum Teil markante Veränderungen innerhalb der Lebensstilgruppen erkennen lassen. Pfadanalysen bestätigen über alle Lebensstilgruppen, über zwei Altersgruppen und über beide Geschlechter hinweg eine sehr gute Anpassung eines theoretischen Modells an die empirischen Daten. Damit besteht ein wichtiger empirischer Beleg für den signifikanten Einfluss von Einstellungen, der erwarteten Handlungskompetenz und von verschiedenen Temperamentsdimensionen auf das berichtete Verhalten und die Unfallbeteiligung junger Fahrerinnen und Fahrer. Insgesamt zeichnen sich die Beschreibungen der sechs Lebensstilgruppen durch einen hohen Differenzierungsgrad aus. Damit ist eine bereite empirische Grundlage für die Entwicklung von Verkehrssicherheitsmaßnahmen sowohl für die Gesamtgruppe der 18- bis 24-Jährigen als auch für bestimmte Zielgruppen innerhalb der Gesamtgruppe (z.B. bestimmte Lebensstiltypen, Fahranfänger) gegeben. Darüber hinaus liegen nunmehr auch aktuelle Kenntnisse über die Vergleichsgruppe der 25- bis 37-Jährigen vor, die bei der Entwicklung von Verkehrssicherheitsmaßnahmen für diese Zielgruppe ebenfalls berücksichtigt werden können
P300 und Mismatch Negativity bei erhöhtem Psychoserisiko : Untersuchungen an so genannten früh- und spätprodromalen Patienten
Eine Vielzahl von Befunden, beispielsweise neuroanatomische, neuropsychologische und neurophysiologische Auffälligkeiten, weisen darauf hin, dass es sich bei der Schizophrenie um eine Hirnerkrankung handelt. Die Erkrankung führt zu deutlichen funktionalen Einschränkungen und zieht häufig gravierende soziale Folgen nach sich. In der Mehrzahl der Fälle geht der manifesten Psychose eine längere prodromale Phase voraus. Die Dauer der unbehandelten Erkrankung ist dabei ein ungünstiger Prädiktor für den weiteren Krankheitsverlauf. Ziel zahlreicher Forschungsansätze ist es daher, Personen schon im Prodromalstadium zu identifizieren, um frühzeitig intervenieren zu können. Da die Prodromalsymptome selbst häufig unspezifisch sind, sucht man nach spezifischeren, gut messbaren biologischen Risikoindikatoren. Dabei gelten elektrophysiologische Auffälligkeiten, insbesondere bei ereigniskorrelierten Potentialen, als viel versprechende Vulnerabilitätsmarker; bei schizophrenen Patienten und gesunden Angehörigen konnten mehrfach Defizite in diesen Paradigmen nachgewiesen werden. In der vorliegenden Studie wurden im Rahmen des Kompetenznetzes Schizophrenie, einer multizentrischen Studie, zwei ereigniskorrelierte Potentiale bei so genannten früh- und spätprodromalen Patienten untersucht. Die auditorische P300 und die Mismatch Negativity (MMN) wurden in getrennten Oddball-Paradigmen an 140 Probanden erhoben. Die Stichprobe setzte sich zusammen aus 50 "frühprodromalen" Patienten, 50 "spätprodromalen" Patienten und 40 gesunden Kontrollen. Die frühprodromale Gruppe umfasste Probanden mit erhöhtem biologischen Psychoserisiko, verbunden mit einer generellen Funktionsminderung, und/oder Personen mit diskreten kognitiven Störungen (Basisstörungen). In die spätprodromale Gruppe wurden Probanden mit attenuierten psychotischen Symptomen und/oder BLIPS (kurzen, begrenzten oder intermittierenden psychotischen Symptomen) eingeschlossen. In der frühprodromalen Gruppe und in eingeschränktem Umfang auch in der spätprodromalen Gruppe konnte eine reduzierte linkstemporale P300-Amplitude im Vergleich zur Kontrollgruppe nachgewiesen werden. Bei den Spätprodromalen zeigte sich darüber hinaus eine veränderte Lateralisierung in Form einer signifikanten Interaktion "Hemisphäre x Gruppe": Während die spätprodromale Gruppe eher rechtstemporal höhere Amplituden aufwies als linkstemporal, lagen in der Kontrollgruppe die Amplituden eher links höher als rechts. An den Mittellinien-Elektroden gab es dagegen keine signifikanten Amplitudendefizite in den Prodromalgruppen. P300-Latenzverzögerungen konnten bei beiden Prodromalgruppen ebenfalls nicht nachgewiesen werden. Die MMN-Amplitude bei Duration Deviants (Tönen, die in der Dauer vom Standardton abweichen) fiel in beiden prodromalen Gruppen signifikant kleiner aus als in der Kontrollgruppe. In Bezug auf die MMN-Amplitude bei Frequency Deviants (Tönen, die in der Tonhöhe abweichen) gab es dagegen keine signifikanten Gruppenunterschiede. In dieser Studie konnten damit erstmals an großen Stichproben signifikante P300- und MMN-Amplitudendefizite bei früh- und spätprodromalen Patienten nachgewiesen werden. Erste, explorativ ausgewertete Daten zu den klinischen Verläufen der untersuchten Probanden unterstützen im Wesentlichen diesen Befund. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass bereits im Prodromalstadium die auditorische Verarbeitung gestört ist, und zwar sowohl die aufmerksamkeitsassoziierte (späte) Verarbeitungsphase mit der P300 als Indikator als auch auf die frühe präattentive Verarbeitung zeitgebundener Informationen, repräsentiert durch die Duration-MMN. Nach den Ergebnissen dieser Studie kommen also insbesondere linkstemporale Auffälligkeiten der P300-Amplitude und Amplitudendefizite der Duration-MMN als mögliche Vulnerabilitätsindikatoren bei Personen mit Prodromalsymptomen in Frage. Demnach könnten die P300- und MMN-Paradigmen im Rahmen eines multidimensionalen Risiko-Assessments einen wichtigen Beitrag zur Früherkennung schizophrener Erkrankungen leisten.P300 and Mismatch Negativity in subjects with increased risk for psychosis - Investigations on so-called early and late prodromal patients A multitude of findings, e.g. neuroanatomical, neuropsychological and neurophysiological deficits, suggest that schizophrenia is a brain desease. The desease is associated with marked functional deteriorations and often leads to serious negative social consequences. In the majority of cases, the manifest psychosis is preceded by a rather long prodromal phase. The duration of untreated illness is a negative predictor for the further course of illness. Therefore, numerous research projects aim at identifying individuals already in the prodromal stage in order to be able to intervene as early as possible. As the prodromal symptoms themselves are often unspecific, more specific and easily measurable biological risk indicators are searched for. Electrophysiological abnormalities, especially concerning event related potentials, are considered as promising vulnerability markers; deficits in these paradigms could be demonstrated repeatedly in schizophrenic patients and healthy relatives. In the present study which was conducted within the German Research Network on Schizophrenia, two event-related potentials were examined in so-called early and late prodromal patients. The auditory P300 and the mismatch negativity (MMN) were recorded from 140 subjects in two separate oddball paradigms. The sample consisted of 50 "early prodromal" patients, 50 "late prodromal" patients and 40 healthy control subjects. The early prodromal group comprised subjects with increased biological risk of psychosis, combined with a reduction in general functioning, and/or individuals with discrete cognitive disturbances (basic disorders). In the late prodromal group, subjects with attenuated psychotic symptoms and/or BLIPS (brief, limited or intermittent symptoms) were included. Compared to the control group, the left temporal P300 amplitude was reduced in the early prodromal and (with restrictions) also in the late prodromal group. Furthermore, the late prodromals showed an abnormal lateralization, indicated by a significant interaction "hemisphere x group": The late prodromals had higher amplitudes at right temporal sites than at left temporal sites, whereas the controls had higher amplitudes on the left than on the right. At the midline electrode positions however, no significant amplitude deficits were found in the prodromal groups. Furthermore, there was no evidence for delayed P300 latencies in both prodromal groups. The MMN amplitude to duration deviants (tones that differ in duration from the standard stimulus) was significantly smaller in both prodromal groups compared to the control group. Concerning the MMN amplitude to frequency deviants (tones that differ in pitch from the standard tone), no significant group differences were found. In sum, this study could for the first time demonstrate significant P300 and MMN amplitude deficits in large samples of early and late prodromal patients. A first explorative examination of data about the proband's clinical courses gives some further support for these findings. The results indicate that the auditory information processing is already disturbed in the prodromal stage of illness. And apparently, not only the attentional (late) processing phase with the P300 as its indicator is concerned, but also the early preattentive processing of time-dependent information, represented by the duration MMN. According to the findings of this study, especially left temporal P300 amplitude abnormalities and duration MMN amplitude deficits might be promising vulnerability indicators in subjects with prodromal symptoms. As part of a multidimensional risk assessment, the P300 and MMN paradigms could make an important contribution to the early recognition of schizophrenic disorders
Potenziale und Risiken älterer Kraftfahrer mit Unfällen und ihre Darstellung in der Lokalpresse
Der demographische Wandel bedingt eine Alterung der Gesellschaft, die sich in den nächsten Jahren noch verstärkt auswirken wird. Schätzungen sprechen davon, dass in Deutschland im Jahr 2060 jeder Dritte zu der Gruppe der über 64-Jährigen gehören wird. Mobilität bis ins hohe Lebensalter stellt dabei ein primäres Bedürfnis zur Sicherung von Autonomie und Teilhabe dar. Der Pkw nimmt dabei eine besondere Rolle ein. Er stellt das Verkehrsmittel der ersten Wahl dar und ermöglicht oft erst die Aufrechterhaltung von Mobilität. Die Fahrleistung kann jedoch mit fortschreitendem Alter durch verschiedene körperliche oder geistige Leistungseinbußen beeinflusst werden. So rückt die Frage nach den Unfallrisiken des älteren Kraftfahrers in den Mittelpunkt des Interesses. Die Risiken des Autofahrens im Alter werden sowohl in der Öffentlichkeit, in der Wissenschaft als auch auf politischer Ebene kontrovers diskutiert. Die vorliegende Arbeit setzt an den uneinheitlichen Forschungsbefunden zum Unfallrisiko des älteren Autofahrers an und widmet sich der Verunfallung von Senioren als Autofahrer auf zwei verschiedenen explorativen Wegen. Eine inhaltsanalytische Auswertung von drei lokalen Tageszeitungen des Bonner Raums geht der Frage nach, wie Unfälle von Senioren dargestellt werden und welches öffentliche Bild des verunfallten Seniors an den Leser vermittelt wird. 100 Unfallberichte mit Seniorenbeteiligung, die innerhalb eines Jahres in den Tageszeitungen erschienen, konnten dazu inhaltsanalytisch untersucht werden. Um die Befunde mit durchschnittlichen Kennzahlen des örtlichen Unfallgeschehens zu vergleichen, wurden sie den lokalen polizeilichen Unfallstatistiken gegenübergestellt. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Zeitungen zwar gezielt Unfälle für ihre Berichterstattung wählen, die einen erhöhten Unterhaltungs- und Sensationswert für den Leser beinhalten. Jedoch nur wenige, unsachliche Artikel, die meist der Boulevardpresse zuzuordnen sind, dramatisieren dabei die Beteiligung des Seniors, während der Großteil ein durchaus realitätsnahes und sachliches Bild des verunfallten Seniors vermittelt. Neben der inhaltsanalytischen Auswertung sollte mit Hilfe einer empirischen Untersuchung von verunfallten Senioren dem Forschungsdefizit zur Rolle altersbedingter Defizite und Erkrankungen bei der Unfallentstehung begegnet werden. Es wurde ein Interview entwickelt, mit dem unfallrelevante Merkmale erfasst werden. Die Befragung wurde an 180 Autofahrern im Mindestalter von 65 Jahren aus dem Großraum Bonn vorgenommen, die in den letzten fünf Jahren am Steuer eines Autos in einen Unfall mit Sach- oder Personenschaden verwickelt waren. Die Teilnehmer wurden zu individuellen Leistungsbeeinträchtigungen und Persönlichkeitsmerkmalen sowie zu ihrer Fahrbiographie und Unfallgeschichte befragt. Zusätzlich wurden 50 Senioren der Untersuchungsteilnehmer einer internistisch-verkehrspsychologischen Untersuchung sowie einer Fahrverhaltensprobe im realen Straßenverkehr unterzogen. Unter den verunfallten Senioren lassen sich Gruppen und ihre Profile risikomodifizierender Variablen des Fahrverhaltens identifizieren. Diese verdeutlichen, dass das Alter allein kein Prädiktor für individuelle Leistungsfähigkeit und Unfallrisiko darstellt. Vielmehr scheinen spezifische Kombinationen aus alterskorrelierten Einbußen und Krankheit zu einem erhöhten Risiko zu führen. Diese Heterogenität sollte vor allem bei interventiven Maßnahmen und bei künftigen Forschungen berücksichtigt werden
Das Mannheimer Informationssystem für Studieninteressierte der Sozialwissenschaften: Führt ein Erwartungstest als Self-Assessment tatsächlich zu korrekteren Erwartungen bei Studienanfängern?
Analyzing homogeneity and heterogeneity of change using Rasch and latent class models: A comparative and integrative approach
The application of unidimensional Rasch models
to longitudinal data assumes homogeneity of change
over persons. Using latent class models, several
classes with qualitatively distinct patterns of development
can be taken into account; thus, heterogeneity of
change is assumed. The mixed Rasch model integrates
both the Rasch and the latent class approach by
dividing the population of persons into classes that
conform to Rasch models with class-specific parameters.
Thus, qualitatively different patterns of change
can be modeled with the homogeneity assumption retained
within each class, but not between classes. In
contrast to the usual latent class approach, the mixed
Rasch model includes a quantitative differentiation
among persons in the same class. Thus, quantitative
differences in the level of the latent attribute are disentangled
from the qualitative shape of development.
A theoretical comparison of the formal approaches is
presented here, as well as an application to empirical
longitudinal data. In the context of personality development
in childhood and early adolescence, the
existence of different developmental trajectories is
demonstrated for two aspects of personality. Relations
between the latent trajectories and discrete
exogenous variables are investigated. Index terms:
latent class analysis, latent structure analysis, measurement
of change, mixture distribution models,
Rasch model, rating scale model.Meiser, Thorsten; Hein-Eggers, Monika; Rompe, Pamela; Rudinger, Georg. (1995). Analyzing homogeneity and heterogeneity of change using Rasch and latent class models: A comparative and integrative approach. Retrieved from the University Digital Conservancy, https://hdl.handle.net/11299/118399
Going Beyond Counting First Authors in Author Co-citation Analysis
The present study examines one of the fundamental aspects of author co-citation analysis (ACA) - the way co-citation
counts are defined. Co-citation counting provides the data on which all subsequent statistical analyses and mappings
are based, and we compare ACA results based on two different types of co-citation counting - the traditional type that
only counts the first one among a cited work's authors on the one hand and a non-traditional type that takes into
account the first 5 authors of a cited work on the other hand. Results indicate that the picture produced through this non-traditional author co-citation counting contains more coherent author groups and is therefore considerably clearer. However, this picture represents fewer specialties in the research field being studied than that produced through the traditional first-author co-citation counting when the same number of top-ranked authors is selected and analyzed. Reasons for these effects are discussed
Selbsttests zur Studienorientierung: nützliche Vielfalt oder unnützer Wildwuchs?
Selbsttests zur Studienorientierung: nützliche Vielfalt oder unnützer Wildwuchs
Extratemporale Veränderungen der Hirnstruktur nach der operativen Behandlung der mesialen Temporallappenepilepsie und ihre kognitiven Korrelate
Die Epilepsiechirurgie ist im Laufe der letzten Jahrzehnte zu Operationsstrategien übergegangen, bei denen immer mehr die Schonung von Gewebe im Vordergrund steht. So werden bei der SAH nur die temporo-mesialen Strukturen entfernt. Hierzu zählen der Hippokampus, die Amygdala und der Gyrus parahippocampalis. Die vorliegende Arbeit geht der Frage nach, ob sich Regionen in ihrer Neuronendichte verändern, die außerhalb des Temporallappens liegen und dadurch nicht unmittelbar durch die Operation betroffen sind. Des Weiteren wird untersucht, welche extratemporalen Strukturveränderungen mit signifikanten Kognitionsveränderungen der betroffenen TLE-Patienten nach einer SAH zusammenhängen. Um die Fragestellung zu untersuchen, wurden die Verhaltens- und MRT-Daten von 69 mTLE-Patienten untersucht, bei denen eine AHS diagnostiziert wurde und die sich einer SAH unterzogen haben. Die Auswertung der MRT-Daten fand unter Zuhilfenahme der Voxel-basierten Morphometrie statt. Diese Methode ermöglicht eine objektive Ganzhirnanalyse, durch die regionale Unterschiede in der Neuronendichte dargestellt werden können. Als kognitive Funktionen gingen die Daten des verbalen und figuralen Gedächtnisses, der Aufmerksamkeitsleistung und die der phonematischen Wortflüssigkeit in die Analyse ein. Als Ergebnis der reinen MRT-Analyse zeigte sich eine signifikante Abnahme der extratemporalen Neuronendichte im ipsi- und kontralateralen Thalamus und Nucleus caudatus nach einer rechten SAH. Bei den Patienten, die einen linksseitigen epilepsiechirurgischen Eingriff erhalten haben, ergab sich eine Dichteabnahme der grauen Substanz im Bereich des ipsilateralen Pallidum, Putamen und Nucleus caudatus. Die Dichteabnahme lässt sich gut mit der Annahme einer Deafferenzierung diskutieren. Eine Dichtezunahme der Neuronen konnte im linken Gyrus praecentralis nach einer linksseitigen SAH sowie im beidseitigen Cerebellum und im rechten supplementär-motorische Areal (SMA) nach einer SAH der rechten Seite beobachtet werden. Eine Erklärung für diese Dichtezunahme lässt sich bei der vorliegenden Datenlage nicht finden. Die kombinierte Analyse der Verhaltens- und MRT-Daten ergab bei einer signifikanten Verschlechterung des Verbalgedächtnisses eine Neuronendichteabnahme außerhalb der temporalen Strukturen im ipsilateralen Gyrus cinguli, Thalamus und rolandischen Operculum sowie ipsi- und kontralateral im Nucleus caudatus, Gyrus frontalis superior und Gyrus orbitofrontalis bei linksseitig betroffenen Patienten. Damit einhergehende Gedächtnisverschlechterung lassen sich durch die Annahme erklären, dass extratemporale Areale atrophieren, die innerhalb eines funktionalen Netzwerkes mit den resezierten mesio-limbischen Strukturen verknüpft sind. Die signifikante Verbesserung in der Aufmerksamkeitsleistung ging hingegen mit einer Dichtezunahme der grauen Substanz im ipsilateralen Gyrus frontalis triangularis inferior, Gyrus frontalis opercularis, Gyrus praecentralis und Cerebellum sowie im kontralateralen Precuneus einher. Bei rechtsseitig operierten TLE-Patienten zeigte sich eine signifikante Aufmerksamkeitsverbesserung zusammen mit einer Dichtezunahme der Neuronen im Bereich des ipsilateralen rolandischen Operculums. Erklärt wird hierbei die Aufmerksamkeitsverbesserung als Folge der Dichteerhöhung der grauen Substanz in Arealen, welche diese exekutive Funktion generieren. Zudem wird die Annahme der Beteiligung des Kleinhirns an kognitiven Funktionen im Sinne einer Vorbereitungsfunktion zur Diskussion der Aufmerksamkeitsverbesserung herangezogen. Die Arbeit zeigt, dass die Selektivität der SAH insofern eingeschränkt ist, als dass der chirurgische Eingriff nicht nur zu Strukturveränderungen im Resektionsbereich führt, sondern auch zu Änderungen, welche Areale des gesamten Gehirns betreffen. Damit gehen Veränderungen von neuropsychologischen Funktionen einher, die wiederum nicht lediglich auf die Entfernung der mesialen Strukturen zurückzuführen sind, sondern auf das Eingreifen in ein komplexes Netzwerk aus Hirnstrukturen, welche funktionell in verschiedene Kognitionen eingebunden sind
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