Hochschulschriftenserver der PH Ludwigsburg
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Dokumentation und Bewertung von Arbeitsvorgängen. Die Lücke bei Wissenschaftlichen Bibliotheken ist geschlossen.
Rezension zu "Arbeitsvorgänge in Bibliotheken II"; hrsg. vom Berufsverband Information Bibliothek e.V.
Erschienen in BuB 77, 01/2025, S. 058-059;
siehe auch https://www.b-u-b.de/
online-Veröffentlichung auf OPUS mit freundlicher Genehmigung der Herausgebe
Effektive Sprachförderung konsequent zu Ende gedacht! Von der Wirksamkeit einer Sprachfördermaßnahme im Alltag bis zur kontinuierlichen Überwachung des Entwicklungsverlaufs mithilfe einer neu entwickelten Lernverlaufsdiagnostik
Das übergeordnete Ziel der Dissertation besteht darin, die Wirksamkeit von Sprachförderung konsequent zu Ende zu denken. Einerseits wurde die Wirksamkeit einer Sprachfördermaßnahme am Beispiel des Dialogischen Lesens im Kita-Alltag überprüft, andererseits eine Lernverlaufsdiagnostik (LVD) sprachlicher Fähigkeiten als neue Möglichkeit zur Evaluation von Sprachförderung im Einzelfall entwickelt und erprobt.
Die Wirksamkeit des Dialogischen Lesens im Kita-Alltag konnte im Vergleich zu einer Kontrollgruppe nachgewiesen werden. Darüber hinaus konnte im direkten Vergleich mit den Ergebnissen einer Studie in einem eng kontrollierten Setting gezeigt werden, dass pädagogische Fachkräfte im Kita-Alltag ähnliche Fördereffekte erzielen können wie Fachkräfte in einem eng kontrollierten Setting. Diese Ergebnisse erweitern bestehende Erkenntnisse zur Wirksamkeit des Dialogischen Lesens bzw. des Einsatzes von Sprachförderstrategien im Kita-Alltag.
Zusätzlich zur grundsätzlichen Wirksamkeit von Sprachfördermaßnahmen – auch unter alltagspraktischen Bedingungen – ist es entscheidend, die Fortschritte des einzelnen Kindes zu erfassen. Zu diesem Zweck wurde eine Lernverlaufsdiagnostik sprachlicher Fähigkeiten, die LVD Sprache, auf Grundlage des Sätze Nachsprechens entwickelt und erprobt. Die Ergebnisse verschiedener Teilstudien weisen übereinstimmend darauf hin, dass die LVD Sprache ein objektives, reliables und valides Globalmaß zur Erfassung der Sprachkompetenz von Kindern darstellt, das zudem ökonomisch ist. Die Ergebnisse zur Änderungssensitivität geben erste Hinweise, die jedoch weiter überprüft werden müssen, um herauszufinden, ob mit der LVD Sprache auch kurzfristige Veränderungen im Einzelfall abgebildet werden können
AGICA Lessons Learned Paper 3 (Dezember 2025) Design Sprints als Instrument hochschulinternen Wissenstransfers: Lessons Learned aus dem Projekt AGICA
Im Projekt AGICA – Agiler Campus: Hochschulinterner Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Verwaltung wurden zwischen September 2024 und November 2025 vier designbasierte Workshops durchgeführt, die systematisch der Frage nachgingen, wie hochschulinterner Wissenstransfer gestärkt und organisational verankert werden kann. Das Lessons Learned Paper 3 bündelt Erfahrungen und Handlungsempfehlungen zum Einsatz von Design Sprints an Hochschulen
Instagram und Social Media als aufmerksamkeitsgenerierende Instrumente institutionalisierter Bildungsangebote am Beispiel der Studiengänge Kultur- und Medienbildung sowie Kulturelle Bildung an der PH Ludwigsburg.
Der folgende Beitrag thematisiert die Entwicklung zweier Social-Media-Kanäle auf Instagram und TikTok. Diese beiden Kanäle repräsentieren nicht nur die Abteilung Kultur- und Medienbildung der PH Ludwigsburg, sondern auch den BA-Studiengang Kultur- und Medienbildung sowie den Master Kulturelle Bildung. Darüber hinaus gibt der Artikel Einblick in die Entwicklung spezifischer Formate und Inhalte, strategische Überlegungen und deren Realisierung sowie die Auswertung der entsprechenden Follower-Entwicklungen und Reaktionen.
The following article focuses on the development of two social media channels on Instagram and TikTok. These two channels not only represent the Department of Cultural and Media Education at the PH Ludwigsburg, but also the BA program in Cultural and Media Education and the Master in Cultural Education. In addition, the article provides an insight into the development of specific formats and content, strategic considerations and their implementation as well as the evaluation of the corresponding follower developments and reactions
Verfahrensinformation zur SEED-2. Skala der Emotionalen Entwicklung – Diagnostik 2 (Dia-Inform Verfahrensinformation 013-01)
Die SEED-2 ist ein Verfahren zur Einschätzung des emotionalen Entwicklungsstandes von Personen mit einer kognitiven Beeinträchtigung. Die Dia-Inform Verfahrensinformation zur SEED-2 gibt einen Überblick über den theoretischen Hintergrund, den Aufbau und die Durchführung des Verfahrens. Zudem werden relevante Gütekriterien betrachtet. Sinnvolle Ergänzungen und Alternativen werden vorgestellt und die SEED-2 zusammenfassend bewertet
Studentische Gruppengespräche: Mehrsprachigkeit in Praxis und Diskurs. Multimodale Interaktionsanalysen aus translingualer Perspektive
Das Dissertationsprojekt beschäftigt sich aus translingualer Perspektive mit lebensweltlicher Mehrsprachigkeit im hochschulischen Kontext. Die im europäischen Hochschulraum verorteten Daten zeigen audio- und videographische Aufnahmen aufgabenorientierter Gruppengespräche, in denen die Teilnehmenden zum einen selbst verschiedene Formen von Mehrsprachigkeit mitbringen, und zum anderen mit vornehmlich deutsch- und englischsprachigen Materialien zum Thema Mehrsprachigkeit arbeiten. Aufbauend auf einem weiten Verständnis von Mehrsprachigkeit als sozialem Handeln und dem Konzept eines umfassenden kommunikativen Repertoires wird mit Verfahren der multimodalen Interaktionsanalyse untersucht, ob und wie individuelle Mehrsprachigkeit in traditionell monolingual geprägten Bildungsinstitutionen interaktional relevant wird. Jenseits einzelsprachlicher Abgrenzungen und nationaler Standardbeschreibungen zeigen sich in den Detailanalysen mehrsprachige Praktiken und Kompetenzen, die aus monolingualer Perspektive häufig vernachlässigt werden, die aber zur Konstitution lebensweltlicher Mehrsprachigkeit beitragen und für ein inklusives Bildungsziel Mehrsprachigkeit an der Institution Hochschule und in zunehmend pluralistischen Gesellschaften bedeutsam erscheinen
Sonderpädagogik im Wandel. Erfahrungen einer Sonderpädagogin von den 1960er Jahren bis in die 2000er. Eine Fallstudie
Diese Masterarbeit widmet sich anhand der biografischen Fallstudie einer ehemaligen Sonderpädagogin dem Wandel der Profession, sowie der Frage, wie sich Lehrer*innenpersönlichkeit und gutes Lehrer*innenhandeln entwickeln kann. Durch ein offenes, narratives Interview wird ihre berufliche Entwicklung nachgezeichnet, analysiert und in den Kontext gesellschaftlicher, politischer und pädagogischer Veränderungen eingebettet. Der Fokus liegt auf Fragen der Professionalisierung und pädagogischen Professionalität, wobei zentrale theoretische Perspektiven auf Profession, Lehrer*innenberuf und Sonderpädagogik berücksichtigt werden. Die Arbeit beleuchtet das Spannungsfeld zwischen individueller Berufsbiografie und strukturellen Rahmenbedingungen im Bildungssystem. Sie leistet damit nicht nur einen Beitrag zur biografischen Forschung im sonderpädagogischen Kontext, sondern bietet auch Erkenntnisse für aktuelle Debatten um die Professionalisierung des Lehrberufs. Insbesondere die Verknüpfung historischer Entwicklungen mit individuellen Erfahrungen eröffnet Reflexionsräume für angehende Lehrkräfte und trägt zur Bewahrung eines wertvollen Erfahrungsschatzes vorangegangener Generationen bei
Status und Förderung des Unterrichtens molekularbiologischer Grundlagen in der Sekundarstufe 1
Seit der Bekämpfung der Coronapandemie mittels mRNA-basierter Impfstoffe und PCR-Tests zeigt sich unmissverständlich, dass die Molekularbiologie nicht nur die biologische Forschung transformiert, sondern auch unser alltägliches Leben revolutioniert hat. Gleichzeitig wurde deutlich, dass ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung Schwierigkeiten hat, molekularbiologische Methoden zu verstehen und demnach das Potenzial sowie die Gefahren, die von ihnen ausgehen, nicht adäquat einzuschätzen kann. Im Biologie-Bildungsplan des Landes Baden-Württemberg sind molekularbiologische Inhalte den Lernenden der gymnasialen Oberstufe vorbehalten und finden sich kaum im Bereich der Sekundarstufe 1 wieder. Um jedoch sicherzustellen, dass zukünftige Generationen als mündige Bürger:innen beispielsweise die Risiken medizinischer Maßnahmen, die auf molekularbiologischen Errungenschaften basieren, eigenständig beurteilen und an gesellschaftlichen Debatten zu molekularbiologischen Fragestellungen teilnehmen können, ist es von entscheidender Bedeutung, dass alle Lernenden – nicht ausschließlich diejenigen, die das Abitur anstreben – ein Verständnis für molekularbiologische Grundlagen entwickeln.
In dieser Forschungsarbeit wurden im Sinne des Educational-Design-Research-Ansatzes zuerst durch den Dialog zwischen Biolog:innen, Fachdidaktiker:innen und Lehrkräften in einer Gruppendelphi-Methodik relevante, molekularbiologische Bildungsinhalte für die Sekundarstufe 1 identifiziert. Zudem wurde analysiert, welche Herausforderungen aus Sicht praktizierender Lehrkräfte für das Unterrichten von Molekularbiologie bestehen. Darüber hinaus wurde untersucht, welche Selbstwirksamkeitserwartungen bezüglich des Unterrichtens und welches deklarative Fachwissen Lehrkräfte der Sekundarstufe 1 im Vergleich zu ihren Kolleg:innen an Gymnasien aufweisen. Auf Basis dieser Erkenntnisse wurden anschließend zwei Lehr-Lern-Labor-Seminare für die erste Phase der Lehrkräftebildung konzipiert, optimiert und auf ihre Wirksamkeit hinsichtlich der Entwicklung der Reflexionskompetenz, der Lehrer-Selbstwirksamkeitserwartung und des deklarativen Fachwissens evaluiert. In diesen Seminaren lernen die Masterstudierenden zunächst molekularbiologische Schulversuche aus der Perspektive der Lernenden kennen. Darauffolgend schlüpfen sie in die Rolle der Lehrenden, indem sie die Durchführung der molekularbiologischen Schulversuche planen, den Unterricht gestalten, dabei videografiert werden und ihre Unterrichtserfahrungen anhand der Videovignetten reflektieren. Des Weiteren wurde untersucht, ob Schüler:innen der Sekundarstufe 1 durch die in den Lehr-Lern-Labor-Seminaren vermittelten molekularbiologischen Schulversuche ihr deklaratives Fachwissen über Molekularbiologie entwickeln können. Der Forschungsschwerpunkt lag dabei darauf, das Arbeiten in virtuellen Laboren, in praktischen Laboren oder einer Kombination beider Ansätze mit dem Arbeiten mittels eines traditionellen Unterrichtsansatzes ohne Zugang zu diesen Laborumgebungen zu vergleichen. Die Ergebnisse zeigen, dass aktuell praktizierende Lehrkräfte der Sekundarstufe 1 deutlich geringere Selbstwirksamkeitserwartungen und weniger deklaratives Fachwissen über Molekularbiologie besitzen als ihre Kolleg:innen an den Gymnasien. Schulübergreifend wurden die Komplexität des Inhalts sowie der Mangel an Zeit und materiellen Ressourcen als die größten Herausforderungen des Unterrichtens von Molekularbiologie identifiziert. Des Weiteren weichen die von den Expert:innenteams als relevant für den mittleren Schulabschluss identifizierten Bildungsinhalte deutlich vom aktuellen Bildungsplan der Sekundarstufe 1 ab. Im Verlauf der zur Vermittlung dieser Bildungsinhalte für die erste Phase der Lehrkräftbildung konzipierten Lehr-Lern-Labor-Seminare stieg das deklarative Fachwissen über Molekularbiologie sowie die Selbstwirksamkeitserwartung, das Fachgebiet in der Sekundarstufe 1 zu unterrichten, an. Darüber hinaus nahm sowohl die Reflexionsbereitschaft als auch die Reflexionsperformanz der angehenden Lehrkräfte zu. Durch die Durchführung molekularbiologischer Schulversuche konnten Schüler:innen der Sekundarstufe 1 ihr deklaratives Fachwissen über Molekularbiologie erheblich erweitern. Dieser Effekt blieb in allen Interventionsgruppen, mit Ausnahme der Lerngruppe im traditionellen Unterrichtssetting, auch über einen Zeitraum von sechs Wochen bestehen. Die als besonders authentisch wahrgenommene praktische Versuchsdurchführung zeigte die größten Effektstärken. Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeit verdeutlichen, dass es möglich ist, molekularbiologische Methoden erfolgreich in der Sekundarstufe 1 zu etablieren und, dass angehende Lehrkräfte durch Lehr-Lern-Labor-Seminare effektiv auf diese Aufgabe vorbereitet werden können
ExpeditioN Stadt + Natur. Didaktisches Handbuch für mobiles außerschulisches Lernen in Stadt und Natur mit Umsetzungsbeispielen für digitale Themen-Rallyes und Lehrpfade
Dieses Handbuch zeigt auf, wie digitale Themen-Rallyes als mobile Lernangebote an außerschulischen Lernorten in Stadt und Natur mit der App Actionbound auf einfache Weise gestaltet und mit Lerngruppen genutzt werden können. Dazu werden Konzepte und didaktische Werkzeuge einer digital unterstützten Exkursionsdidaktik vorgestellt und an konkreten Praxisbeispielen verdeutlicht. Es wird gezeigt, wie Storytelling- und Gamification-Konzepte genutzt werden können, um einen Lernort auf motivierende Weise mit einer interaktiven Themenrallye zu erschließen. Eine eigens entwickelte didaktische Aufgabentypologie hilft bei der Gestaltung kreativer Aufgabenformate entlang der BNE-Kompetenzbereiche „Erkennen“, „Bewerten“ und „Handeln“.
Städte sind besondere Lernorte, da sie „Hot Spots“ für Nachhaltigkeitsthemen sind. Zugleich sind sie ein zentraler Schauplatz für die kreative Entwicklung von Lösungsansätzen. Sie eignen sich damit hervorragend als ein Lernort für die Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE).
Ähnliches gilt für viele Naturräume, insbesondere wenn diese als Schutzgebiet klassifiziert und entsprechend gut untersucht wurden – auch mit Blick auf BNE-Themen. In beiden Fällen ermöglicht die selbstständige Erkundung der Lernorte über digitale Themen-Rallyes eine spannende und motivierende Form eines Lernens vor Ort.
Die Autoren arbeiten in den Fächern Geographie oder Biologie an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. Sie haben vielfältige Erfahrungen in der Erstellung von didaktischen Materialien und in der fachdidaktischen Forschung.
Die Publikation liegt auch im print vor.
ISBN 978-3-98649-046-1
Schneider Verlag Hohengehren GmbH, 202
Vorstellungen von Grammatik und Grammatikunterricht. Eine explorative Studie zur domänenspezifischen Literalität von Lernenden
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Vorstellungen von Grammatik und Grammatikunterricht bei Lernenden in Deutschland. Funke betont, dass „preconceptions about what people learn or should learn in grammar instruction […] may be assumed to deeply influence what happens in grammar classrooms“ (Funke 2018: 31). Die internationale Forschung zu conceptual change zeigt, wie wichtig solche framework theories für das Lernen sind. Diese „ontological and epistemological assumptions“ seien laut Schnotz (1999: xv) tief im Denken verwurzelt und meistens implizit. Die vorliegende explorative Studie zeigt, dass die Vorstellungen, die Fünftklässler von Grammatik und Grammatikunterricht haben, lose verbundene Sets von Vorstellungen sind und keine komplexen Theorien im eigentlichen Sinne. Die Vorstellungen, die jeweils aktiviert werden, unterscheiden sich von Situation zu Situation und können zu zwei Vorstellungswelten aggregiert werden. Diese beiden Vorstellungswelten entsprechen einerseits einer ausgebildeten domänenspezifischen Literalität und andererseits mehr oder weniger unangemessenen Vorstellungen vom erstsprachlichen Grammatikunterricht und seinen Gegenständen. Lernende wechseln je nach Kontext zwischen diesen Vorstellungswelten.
Den theoretischen Rahmen der Studie liefert das Modell der scientific literacy als domänenspezifische Literalität für die Naturwissenschaften (OECD 2017; Frickel 2019). Ein Modell domänenspezifischer Literalität für den expliziten, propädeutischen Grammatikunterricht (Pohl 2019) in der Erstsprache Deutsch wurde aus dem wissenschaftlichen Diskurs rekonstruiert. Dafür wurde in Entsprechung zu scientific literacy und zu literary literacy (Frederking et al. 2012) der Begriff linguistic literacy gewählt. Man kann von einer Re-Konstruktion sprechen, weil die dort versammelten Vorstellungen eine notwendige Voraussetzung der Verständigung im grammatikdidaktischen Diskurs sind. Sie werden implizit von mehr oder weniger allen Forschenden geteilt. Das Modell hat drei Dimensionen. Diese entsprechen drei Perspektiven auf metasprachliches Handeln: Prozedurales Wissen bezieht sich auf die Form, in der grammatisches Wissen sichtbar wird. Gemeint sind domänenspezifische Handlungsmuster. Konzeptuelles Wissen bezieht sich auf den Inhalt konkreter metasprachlicher Handlungen. Ohne Inhalt bleiben die Handlungsmuster reine Form. Epistemologisches Wissen bezieht sich als Metawissen auf das, was man tut, wenn man eine konkrete metasprachliche Handlung ausführt, wieso man etwas tut etc. Primärsprachliche Fähigkeiten und Sprachbewusstheit sind keine eigenständigen Dimensionen von linguistic literacy. Primärsprachliche Fähigkeiten, insbesondere das Sprachgefühl (Pafel 2005), sind eine notwendige Voraussetzung für metasprachliche Handlungen. Sprachbewusstheit ist ein mögliches Ziel propädeutischen Grammatikunterrichts, aber nicht nur von diesem, sondern grundsätzlich das Ziel des muttersprachlichen Deutschunterrichts. Linguistic literacy bezieht sich insofern nur auf den expliziten, propädeutischen Grammatikunterricht als Kern der Domäne „Sprache und Sprachgebrauch untersuchen“ und nicht auf andere Formen der Arbeit an und mit Sprache.
Interviews mit Schülerinnen und Schülern an fünften Klassen baden-württembergischer Gymnasien wurden qualitativ inhaltsanalytisch (Mayring 2015; Kuckartz 2018). Das Ergebnis dieser Analyse sind die beiden eben erwähnten Vorstellungswelten. Die Nutzung eines Unterrichtsangebots hängt davon ab, in welcher Vorstellungswelt sich eine Schülerin oder ein Schüler gerade bewegt und ob die Rahmung des Unterrichtsangebots dazu passt oder nicht. Das konnte durch die Analyse von Unterrichtsvideos gezeigt werden. Insofern zählen die hier analysierten Vorstellungen einerseits zu den schülerseitigen Voraussetzungen und andererseits zu einem Merkmal des Unterrichtsangebots. Die beiden Vorstellungswelten wurden „Grammatikunterricht ist Training“ und „Grammatikunterricht ist Erkenntnisgewinn“ genannt. Letztere ist das Äquivalent zur ausgebildeten linguistic literacy. Es wird gezeigt, wie die beiden Vorstellungswelten zur Analyse von Lehr-Lernprozessen genutzt werden können. Außerdem werden konkrete Vorschläge für den Grammatikunterricht gemacht.This book is about students’ conceptions of grammar in L1 education in Germany. Funke points out that “preconceptions about what people learn or should learn in grammar instruction […] may be assumed to deeply influence what happens in grammar classrooms“. (Funke 2018: 31) International research on conceptual change shows the importance of such framework theories for learning. These “ontological and epistemological assumptions are deeply entrenched” and mostly implicit (Schnotz 1999: xv). This study shows that 5th grade students’ conceptions of grammar in L1-education are sets of concepts as opposed to complex conceptions or framework theories. The activated sets vary from context to context, from situation to situation. They can be grouped into two alternative worlds representing different aspects of grammar instruction. Students may switch between those worlds when the focus of their attention changes. The theoretical framework of this study is scientific literacy (OECD 2017; Frickel 2019). A domain specific model of linguistic literacy is reconstructed analysing the scientific discourse on explicit L1 grammar education in Germany. It is a reconstruction because it consists of mostly implicit but nonetheless necessary preconditions of understanding in this discourse. The model has three dimensions. These dimensions are equivalent to three perspectives on metalinguistic acts: Prozedurales Wissen (procedural knowledge) focusses on their form, konzeptuelles Wissen (content knowledge) on their content and epistemologisches Wissen (epistemic knowledge) is the level of framework theory. Neither the capacity to use language nor language awareness are separate dimensions of linguistic literacy. The first is a necessary prerequisite and the latter the non-domain specific aim of L1 education. This means that linguistic literacy regards only explicit grammar instruction as core of the domain Sprache und Sprachgebrauch untersuchen.
Interviews with 5th grade students of Baden-Württemberg Gymnasium are analysed using qualitative content analysis (Mayring 2015; Kuckartz 2018). The result of this explorative study is that there are two alternative worlds that shape pupils’ usage of learning opportunities as individual learning preconditions (Helmke et al. 2007): Grammatikunterricht ist Training (training) and
Grammatikunterricht ist Erkenntnisgewinn (knowledge acquisition). The latter is the equivalent to epistemologisches Wissen as part of linguistic literacy. It is further proposed that the alternative worlds should be used as instruments to analyse what happens in classrooms. Last but not least, didactical
conclusions are drawn for shaping explicit L1 grammar instruction