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Hallen für neue Kunst/ Sammlung Crex in CH-Schaffhausen
Die siebte Vorlesung findet in Form einer Exkursion in die Hallen für neue Kunst in CH-Schaffhausen statt. Neben Erörterungen von Hans Ulrich Reck wird von der Leiterin der Sammlung Crex, Christel Raussmüller, begrüßt und eingeführt. (Aus technischen Gründen sind nur die ersten 47 Minuten von insgesamt vier Stunden dokumentiert.)
Weiterführende Informationen zu den Hallen für Neue Kunst in Schaffhausen finden sich unter:
https://raussmueller.org/?page_id=30 (konsultiert am 14.11.2019
Imaginäre Landschaft VL 00
Prof. Dr. Hans Ulrich Reck 3. 7. 2002
Kunsthochschule für Medien Köln
Wintersemester 2002/ 03
Geschichte der Künste im medialen Kontext: Bildende Künste
Basisseminar Hauptstudium/ Vorlesung mit Diskussion, offen für Gasthörer
DO 10 30 bis 13 00
Overstolzenhaus, Aula
'Imaginäre Landschaft' - Zu Natur-, Kunst- und Kulturgeschichte der
Urbanisierung
Städte sind Schnittstellen zahlreicher Kräfte und Dynamiken. Als Orte einer
ausgezeichneten, nicht nur funktionalen, sondern auch mytho-poetischen Geographie
besitzen sie eine starke imaginäre Kraft, die sich in Bildern, Diskursen, materiellen
und immateriellen, sichtbaren und unsichtbaren Dispositiven äußert. Nicht zuletzt
sind Städte Produkte wie Bedingungen von imaginären Landschaften. In ihnen
verbinden sich in unauflöslicher, historisch wandelbarer, wechselseitiger und
unerschöpflicher Durchdringung Natur und Kultur, erste, zweite und dritte Natur des
Menschen. Dabei kann man den Entwurf urbanisierter Lebensformen als wesentliche
Konstruktion einer 'Artifizialität des Menschen von Natur aus', als künstlerischen
Entwurf also verstehen. Landschaften als stetige Umwandlungen von Natur ereignen
sich nicht nur in der Stadt, sondern die Stadt selbst ist herausragend Modellierung
imaginärer Landschaften, Medium der Verbindung der Ungleichzeitigkeiten und des
Diversen. Städte sind die wesentlichen Orte der Entwicklung der bildenden Künste,
ihrer Werke wie ihrer Wirkungen: Kunstgeschichte ist Stadtgeschichte, der Ort der
Kunst ihre Wirkung im urban Lebendigen.
Die Vorlesung präsentiert unter dem Gesichtspunkt der Urbanisierung der Künste und
der Kunst imaginärer Urbanität ausgewählte Stadtmodelle, die zugleich Denkmodelle
der Kunst wie ihrer Geschichte sind.
Gefordert und erwartet wird mental wirksame Präsenz. Leistungsscheine werden
vergeben für die Verfertigung einer Semesterarbeit zu einem begründeten eigenen
Thema im Gebiet der Vorlesung nach Vorlage einer Disposition.
Die Wahrung der notwendigen Zeiträume obliegt den Studierenden. Man
berücksichtige eine Frist von mindestens 6 Wochen zwischen der Abgabe einer
sprachlich korrekt und inhaltlich anspruchsvoll ausgearbeiteten, unter Umständen in
mehreren Schritten zu revidierenden Semesterarbeit und der Anmeldung für das
Diplom, resp. dem gesetzten Termin für die Vorlage aller Scheine im Diplomprozeß
Kunst, Technik, Wissenschaft; Kunsttheorie als Theorie künstlerischer Praktiken und Methoden; kommunikative und andere Funktionen (Schwerpunkt Leonardo da Vinci als Einleitung zum Paragone)
In der dritten Vorlesung beginnt Hans Ulrich Reck mit einer Vorschau und Organisatorischem zur Exkursion nach Schaffhausen (Hallen für neue Kunst, Sammlung Crex), die im Rahmen des Semesterzyklus stattfindet. Reisewege und Qualifikationsmöglichkeiten werden erläutert: Bildbetrachtungen vor Originalen, Ausstellungsbesprechung 'Wettstreit der Künste' (Ausstellung im Wallraff-Richartz-Museum in Köln ab Ende Mai), theoretisch reflexive Hausarbeit. Desweiteren geht es in der Vorlesung um folgende Stichpunkte: Rekapitulation von Grundtendenzen und -fragen des 20. Jahrhunderts, Positionsbestimmungen der Künste der Moderne; Fra Angelico, Filippo Brunelleschi, Handwerker, Zünfte, technische Errungenschaften, Emanzipationsbestrebungen; Genesis des säkularen, post-symbolischen Bildes; das Modell des identifizierenden Sehens und der Kunst der Vortäuschungen (vs. Symbolik und Religion/ Numinosität; Konventionalität des identifizierenden Sehens, kultureller Code etc); Technik der Zentralperspektive, Perspektive in der Antike versus das geometrische Wissen der Renaissance; nochmals: Albertis Traktat, das göttliche Auge, der Fluchtpunkt Gottes als Unendlichkeitslinie der technisch konstruierten Perspektive; Mathematik als Naturerkenntnis; die neue Rolle des Künstlers, ästhetische Emanzipation vorneweg. Illusionsartistik und ihr Ende (Fotografie als fixierendes dokumentarisches, ikonisches Medium, Dekonstruktion seit Cézanne - neue Symbolik und Hermetik, respektive Banalität) Fortsetzung Zentralperspektivität, Künstler als Wissenschaftler des Visuellen; diverse Erörterungen zu Piero della Francescas 'Geißelung Christi'; andere Bilder von Piero, u. a. Traum Konstantins (Fresken-Zyklus 'Die Legende vom wahren Kreuz', 1452-1466 ausgeführt in einer Kapelle der Kirche San Francesco in Arezzo).
Zusätzliche Bildbeispiele mit Bildverzeichnis für die Vorlesungen 1 bis 3 finden sich gesammelt in den Dateien der VL 1
Von Piero della Francesca zu Joseph Beuys und der Arte povera, Krise der Allegorien, Performativität und 'Kommentarbedürftigkeit der Kunst'
In der vierten Vorlesung beschäftigt sich Hans Ulrich Reck mit den folgenden Stichpunkten: Rückblick auf die Dechiffrierung von Piero della Francescas Bild 'Geißelung Christi' durch Carlo Ginzburg; Beuys und einige Grenzüberschreitungen – Kunst, Technik, Wissenschaft; Propaganda, Diskurs, Missionierung, Engagement, Kunst und politische Kontexte; die permanente Kommentierung des künstlerischen Werkes; Vergegenständlichung und Entfremdung; Wiederaneignung von Formen der Lebendigkeit; Kunsttheorie als Theorie künstlerischer Praktiken und Methoden; Hinweis auf die Aktion von 1965 'Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt' – theoretische Erörterungen als immanente Dimension des Werkes (am Bsp. der 'Honigpumpe' in Kassel); "man sieht, was man sieht" vs. "man sieht, was man weiß"– kommunikative und andere Funktionen; Kritik der Kommentarbedürftigkeit der Kunst (Arnold Gehlen); Ent-Gegensetzung: die 'soziale Plastik' von Joseph Beuys; Aufbrechen des Werkes in Richtung auf Prozesse, Verlebendigung der allegoretisch eingefrorenen toten Gedanken in Wahrnehmung und offener Erfahrung; Hinweis auf die Diskussion zwischen Beuys, Kounellis, Kiefer und Cucchi (1986; Verlag der Zeitschrift 'Parkett'); Piero della Francesca und Joseph Beuys als prototypische, exemplarische, aber v.a. beispielgebende Exponenten ihrer Zeit, die ikonologischen Tendenzen konzentrierend.
Bildbeispiele und ein Bildverzeichnis für die Vorlesungen 3 und 4 finden sich gesammelt in den Dateien der VL 3
Mythos Medienkunst
Mythos Medienkunst:
"Medienkunst" ist seit geraumer Zeit etabliert. Lanciert vor über zehn Jahren, um der Kunst einen weiteren Raum zu sichern, ist es an der Zeit, eine Revision vorzunehmen. Es geht um - philosophische wie poetische - Allianzen zwischen Kunst, Wissenschaft, Technologie und Lebenswelt, die sich nicht länger mit der Magie der Bilder begnügen wollen
Geschichte der Künstlerausbildung/ Akademien von Vasari bis zur Gegenwart
Nach einigen Vorabinformationen zum Verlauf des Semesterzyklus beginnt Hans Ulrich Reck die achte Vorlesung mit Bemerkungen zu Studiengebühren, Langzeitstudien-Kosten und Angriff auf die Hochschulen heute. Desweiteren spricht er zu: Gratisleistungen von KiTa bis Hochschule, Angriffe auf das vermeintlich Elitäre, commonsense des Allgemeinen, den unlauteren Gleichheitsbegriff und den sozialdemokratischen Komplex der Inferiorität, Demütigungen der Sozis und Jungsoszis durch die radikalen Exponenten um 1968; nicht eingestandener Kultur-, Hochschul- und Wissenschaftshass der systemisch adaptierten Halblinken; Korruption/ Korruptivität der durch den Staat ernannten Ethik-Räte; angenommene und jederzeit in allen Belangen und Hinsichten unterstellte europäische Konvention, dass der Staat à discretion die Bildung und Ausbildung auf Basis persönlicher Neigungen für alle Individuen unentgeltlich garantiert und anbietet; zum Begriff der Subsistenz, Instandgesetztwerden durch eigene Qualifikation, Dienste an sich und der Gesellschaft; Erwerb des Glücks, einklagbare Ausbildungsrechte des Einzelnen und damit aller Einzelnen gibt es erst seit etwa 130 Jahren, allgemeine Schulpflicht u. a. m. Inhaltlich und thematisch folgen Erörterungen zu: Geschichte der Künstlerausbildung/ Akademien etc. von Vasari bis zur Gegenwart; Akademie in der Antike: freier Zusammenschluss einzelner für die Pflege einer übergreifenden Aufgabe: Ethos = Aufrechtstehenkönnen; die Entstehung der Abstraktionskonzepte im alten Griechenland; handwerkliche Meisterleistungen des Mittelalters, Dom in Monreale (bei Palermo), Begriff des Handwerklichen, Meisterlichkeit des Handwerkens; Bilder und Bauten, Symbole und Manifestationen vor der entfalteten Semantik der europäischen Kunst; Entgegensetzung am Bsp. Alberto Giacometti: der Künstler kann kein Wissen darüber haben, wie er vorgeht; was heißt Gestalterausbildung zu verschiedenen Zeiten?; Begriffs- und Wortgeschichte der 'Akademie'; Vasaris Gründung der Accademia del Disegno in Florenz 1561 – Programm, Aufgaben, Techniken, curriculare Konzepte, Selbstverständnis; Vasaris 'Viten' als Gründungsakte der neuzeitlichen und eigentlichen Kunstgeschichtsschreibung; Ästhetik als Vereinheitlichung der Künste gegen den Zerfall im Manierismus; fortschrittlicher, wissenschaftsfreundlicher Absolutismus; weitere Entwicklung bis zum 19. Jh., Weltausstellungen seit 1851 in London (Kristallpalast von Joseph Paxton), Paradoxien des Fortschritts, das Elend ästhetisch depravierter Produktekultur im Industriekapitalismus, Industriekitsch; Sezessionen und Kunstvereine, Künstler-Organisationen in Opposition zur industriellen Maschine; Arts-and-Crafts, William Morris, Dürerbund, Werkbund, Bauhaus, zweite Phase: Entwicklung hin zu Industrie und Maschine; Le Corbusier, das Atelier Peter Behrens in Berlin; Hochschule für Gestaltung in Ulm, die 'gute Form'; gedankliche Situierungen der aktuellen Kunsthochschulen auf diesem Hintergrund: Kunst und Lebensform
Imaginäre Landschaft VL 11
VL 11: 06. Juni 2002
Imaginäre Landschaft
Vortrag von Hans Ulrich Reck im Architekturforum Kornhaus Bern
minimal und conceptual art/ Bruce Nauman mit einem Seitenblick auf Auguste Rodin, Robert Morris und Joseph Beuys
Die zehnte Vorlesung beginnt Hans Ulrich Reck mit einer Vorabeinlassung zu den Stichpunkten: Theorie-Ignoranz an Kunsthochschulen, ausbleibender Resonanzraum seit je, Unveränderlichkeit eines beklagenswerten Mangels. Danach spricht er, nochmals ausgehend von der Sammlung in Schaffhausen, über die folgenden Themen: was nach der Konzeptkunst und der minimal art kommt: Bruce Nauman und Christo; Hinweis auf Running Fence als zwei diverse Möglichkeiten, zeitgenössische Kunst zu situieren; Exkurs zur 'arte povera' (Mario Merz, Jannis Kounellis, Joseph Beuys), kuratorische Exposition von Germano Celant; Ästhetik und Aisthesis, Begriffsbestimmungen, sinnliche Wahrnehmung und Modelle der Differenz jenseits der sensualistischen Rückkoppelung von Erfahrungen, auch solchen der Kunst; zwischen ideeller Reflexion und sinnlicher Erfahrung: Erfahrung durch Wahrnehmung, Steigerungsformen; spezifische Möglichkeiten der Kunst unterhalb des Symbolischen; ein artifiziell Neues, das erfahren werden kann und nicht gelernt werden muss; direktes Erleben eines Neuen – dies das herausragende Kennzeichen der Arbeit von Bruce Nauman; Bilder zu Bewegungen im Quadrat; Hinweis auf 'Squares' und andere TV-Stücke von Samuel Beckett; das konkrete Hier- und So-Sein unter Ausschluss aller anderen Möglichkeiten, die sich gleichzeitig anbieten würden: das konkrete So-Sein als Ausschluss aller anderen Möglichkeiten, das Leben als Ausschluss von Alternativen; Spinoza, Empfinden des Konkreten, Jede Bestimmung ist Verneinung; Bestimmungen im Konkreten: zur Kraft der Linien, die generative Natur, hieroglyphische Linie, Leonardo, Kandinsky, Jugendstil, Paul Klee – Nachwirkungen in Bruce Naumans Selbstbildnissen und Atelier-Performances; "von der Hand in den Mund": ein Wörtlichnehmen dessen, was dann, als gezeigtes, zum Bild, wird; Frage, die bleibt: Wie kommt man vom Einzelnen und Speziellen zu einem Allgemeinen oder gar Universalen? Kunst nicht als Selbstreferenz, sondern als Medium der Wahrnehmung und Thematisierung der Beziehung von Selbst und Welt; Naumans Konzepte als Reaktualisierungen und Aneignungen von Themen aus der europäischen Kunstgeschichte, z. Bsp. der Thematik des Fußes eines Sockels; Allegoretisches im Werk von Bruce Nauman: Realismus, US-amerikanische Gewaltwirklichkeit; zur Einheit von Person und Werk: "the true artists helps the world by revealing mystic truths"; Hinweis auf zu Christos 'Running Fence': Kommunikationsdesign, Prozessbezogenheit des Werkes, Sichtbarmachen des Konzeptes; auch hier ein Bsp. von Kunst als Lebensform
Imaginäre Landschaft VL 6
VL 6: 12. Dezember 2002
Typologie von Urbanität 3: Antikes Rom, USA
In der sechsten Vorlesung behandelt Hans Ulrich Reck am Beispiel der römischen Antike urbane Strategien der Globalisierung und erörtert Parallelen mit der Gegenwart (USA)
Imaginäre Landschaft VL 7
VL 7: 19. Dezember 2002
Typologie von Urbanität 4: Asien, Islam und Ausblick auf weiteres
In der siebten Vorlesung entwickelt Hans Ulrich Reck Betrachtungen zu einer 'Typologie der Urbanisierung' im Hinblick auf die asiatische und die islamische Konzeption von Stadt – Zitadellen vs. Kasbah, politisches und religiöses Konzept des Islam.
Eine weitere, wegen Krankheit, Hörermangel und Gastvorträgen nicht mehr zustande gekommene Fortsetzung hat folgende Themen vorgesehen:
– Renaissance-Gärten; der Geist der Geometrie; die Vedute; Überblick über die Geschichte der Idealstadtentwürfe, besonders der und seit der Renaissance (vgl. H. W. Kruft u. a.)
– Agora - u. a. am Bsp. der Piazza della Signoria in Florenz; Thesen zur Entwicklung von Öffentlichkeit; Dispersivität, mediale und technische Vermittlung der Stadt; die amerikanische Verkehrsstadt, Chicago und Los Angeles; Exkurs zu 'Lernen vonm Las Vegas'(Venturi und Co.)
– Europa, Abendland, Stadtrepubliken; Residenzstädte; Turin etc.
– Entwicklungen hin zur Moderne: Von der Residenzstadt zu Le Corbusier (über Garnier, Amsterdam, Taut, Hilbersheimer etc.)
– Literarische Städtebilder/ urbanistische Zeugnisse am Ausgang des 19. Jahrhunderts;
– Paris im 19. Jh.; Baudelaire und darüber hinaus
– Paris im 19. Jh. vs. die Utopien des 19. Jh. (Fouriers 'Phalanstères', Owens 'New Harmony' etc); Gesamtwerk Le Corbusier; Exkurs zu Corbusiers Synthese von aufgelöster/transformierter Natur und Zivilisierung des Expressiven als Prototyp/Programm von Modernität; Exkurs zur Modernismuskritik u. a. der situationistischen Internationale einerseits, der Ikonographie einer Geschäftsstadt anhand von 'Lernen von Las Vegas' andererseits
- Gesamtwerk Le Corbusier; Exkurs zu Corbusiers Synthese von aufgelöster/transformierter Natur und Zivilisierung des Expressiven als Prototyp/Programm von Modernität; Kategorie der 'Transparenz'.
– Labyrinthe; Motiv und manieristische Weltverknotungen; Louis Soutter und art brut; schwarze Romantik: Strudel und Verschlingungen: Piranesi; Subversivität der Städte, urbane Obsessionen, schwarze Romantik, towns go underground
– Rückblick: Wüste, Verwüstung - Manifest (Auszüge) von Coop Himmelb(l)au; roadmovies, Jack Kerouac - Pop und Rocksongs; Literatur; Robert Smithson, Spiral Jetty; land ar