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Imaginäre Landschaft VL 1
VL 1: 31. Oktober 2002
Einführung an Beispielen
In der ersten Vorlesung entwickelt Hans Ulrich Reck eine Typologie des Themas. Anstelle der unmöglichen Ausbreitung des gesamten Materials wird auf eine Verbindung von Motiven hin gearbeitet. Stichworte (im Ablauf der Vorlesung):
– Vulkane/ Vulkanismus/ das Erhabene
– Veduten
– Perspektivität/ Apparate und Artefakte
– Natur als Landschaft, Konstruktionen seit dem holländischen Stilleben
– Utopien und Fiktionen - Träume und Bauten
– Romantik und Revokationen, Utopiekritik im Zeichen des Unfertigen und Fragmentarischen
Von der Bilderliste werden behandelt die Nr. 1-3
Geschichte und Ende der Akademien, Romantik als Krise und Verwerfung, 'Rätselhaftigkeit der Kunst'/ minimal and conceptual art
Hans Ulrich Reck beginnt die neunte Vorlesung mit einer Vorschau auf die Führung im Wallraff-Richartz-Museum, die im Rahmen des Vorlesungszyklus durch Thomas Hensel durchgeführt wird. Es folgen Ausführungen und Erörterungen zu den Themen und Stichpunkten: Paragone-Thematik: Kunst und Lebensform; Rekapitulation: Gründungsgeschichte der Akademien und polytechnischen Hochschulen im Absolutismus; Absetzungsbewegung: europäische Romantik, die Insistenz der Künstler auf einer je unaufhebbaren Gegenwärtigkeit; Problem der Routinen, Aufgabe des Verlernens; Gegenwartskunst, Kunstvereine; Anspruchsniveaus der Künste, auch in Bezug auf technische Voraussetzungen, Mittel, Instrumente, Medien; zur Nachbereitung zur Exkursion in die Hallen für neue Kunst mit einigen Erweiterungen: minimal und conceptual art mit einem Einbezug von/ Theoriefokus auf: Passagen zur 'Rätselhaftigkeit der Kunst', 'Logizität des Kunstwerkes' aus Theodor W. Adornos 'Ästhetischer Theorie'; Robert Mangold, Bilder zu Figur und Grund; Sol Lewitt, Serialisierungen, Vision einer weltweit gleichen Kunst, seriell, maschinell herstellbar, Computerstrukturen; land art, Bruce Nauman; Robert Morris' Apokalyptische Bilder mit den akzentuierten Rahmungen aus den 1980er Jahren; Wesensbestimmungen und Ausdrucksformen des Minimalen; Joseph Kosuth, Abhandlung von 1969 zu 'Kunst nach der Philosophie', Umkehrung des Hegelianismus; nicht ein zeitliches Ende der Kunst, sondern eine sachliche Grenze ihrer Leistungsfähigkeit; Kunst braucht nach Hegel Veranschaulichung und kann nicht Theorie denken; dagegen Kosuth; Hinweise auf eine Denkfigur in einer ausgewählten Passage zur 'Rätselhaftigkeit der Kunst', 'Logizität des Kunstwerkes' aus Theodor W. Adornos 'Ästhetischer Theorie': Denken der Versöhnung in einer Welt, die Versöhnung nicht mehr kennt; Nähe zum Denken, aber nicht in diskursiver Gestalt; Kosuths Beschwörung der Kunst als synthetische Urteile apriori; Exkurs zu Kants Urteilsformen (analytisch, synthetisch, aposteriori, apriori); Ausführungen zu Donald Judd; Rémy Zaugg, List der Unschuld, Ausführungen zu einer Skulptur von Donald Judd; Wahrnehmungsformen, Anwesendes und Abwesendes; Logizität der Kunst, minimal und conceptual art als Vorbedingungen zur neugefassten Kontur eines zeitgenössischen Realismus; Ausklang mit technischen Hinweisen: Exkursion ins Museum nächste Woche und Leistungsscheine/ Anforderungen/ Termine; Auslegen der Literaturliste, Daten zur Geschichte der Künstler- und Designerausbildung
Imaginäre Landschaft VL 4
VL 4: 28. November 2002
Typologie von Urbanität 1: Wüste, Ursprung, Zitadelle, Pyramide – Entwicklung
von der Prähistorie bis zur Antike
Die vierte Vorlesung beginnt Hans Ulrich Reck mit einer Betrachtung zur Wüste als einer
rohen Voraussetzung für alles Spätere. Dazu bedient er sich des Beispiels von Andalusien.
Die Wüste wird thematisiert zugleich als Kalligraphie wie als Hieroglyphie. Sie bildet
einen Raum für die 'Rites de Passage', passagere Lebensformen, einladend zur Mobilität
(Edmond Jabès).
Die Typologie der Urbanität beginnt mit der chronologischen Entwicklung seit der
Prähistorie. Stichworte: Sesshaftwerden, Kulturkreise, Anlagen, Muster, Grundrisse,
Segmentierungen. Die Fortsetzung behandelt die 'heilige Stadt', das Konzept der
Akropolis, den mythologischen Gründungsakt durch den 'hieros gamos'. Mit den
Archiven und Arsenalen entwickeln sich die Apparate urbaner Zivilisation
Sprechakt, Realismus, Techno-Folklore & visuelle Repräsentation / Fall-Studie 1: Bruce Nauman
In der zehnten Vorlesung führt Hans Ulrich Reck mit dem Künstler Bruce Nauman eine erste Fallstudie ein. Es geht um den Sprechakt und visuelle Repräsentation. Als Exkurs und Problemvorstellung wird der Universalcode zwischen Allegorie und Symbol bei Joseph Beuys thematisiert. Hinzu kommen theoretische Ausführungen zu Sprache und Natur, Allegorie, Symbol und Zeichentheorie sowie zu 'Sprechenden Zeichen' (Otto Neurath). - Audiolectures 05,10
Reflexion, Denotation, Aspektualisierung
In der neunten Vorlesung spricht Hans Ulrich Reck über die Epistemologie im Vergleich zur Ontologie von Bildern und diskutiert Konzepte der Visualität als Hintergrund des Konzeptes 'Kunst'. Zur Pointierung und als maßgebende Beispiele aus der Gegenwartskunst werden Gary Hill und Dan Graham thematisiert. Darüber hinaus geht es um byzantinische Bildkonzeption, die dreidimensionale naturalistische Illusionsinszenierung des Barock in Gestalt von heiligen Bildern (Sacri Monti u.a.), um Bilderstreit und Bilderkriege, um die Bildverbote im 20. Jahrhundert (Duchamp, Adorno u.a.) sowie Theorien der Photographie. Zusammenfassend und als Überleitung zur folgenden Vorlesung werden semiotische Diagramme zu Sprach- und Zeichenstrukturen sowie um das komplexe Modell künstlerisch-kunsttheoretischer-semiotischer Referenzsysteme am Beispiel Malewitsch (Abkoppelung von Zeichen und Bedeutung) vorgestellt. - Audiolectures 05,9
Bildgenese: Der epistemologische Aufbau der Welt und das imaginative Erfahrungswissen / Fallstudie 2: Aldo Walker
In der elften Vorlesung spricht Hans Ulrich Reck über Paradoxien und Bildwitz, über Intuition und Innovation, Kommunikation und Singularität. Es geht um das Bild und/ als epistemologische Reduktion. Mit dem Künstler Aldo Walker wird eine zweite Fallstudie eingeführt. - Audiolectures 05,11
Beobachtung der Selbstbeobachtung / Fallstudie 3: Dan Graham
In der zwölften Vorlesung führt Hans Ulrich Reck mit dem Künstler Dan Graham eine dritte Fallstudie ein. Es geht dabei um postmoderne Theorie und Praktiken als Kritik mono-okularer Perspektive sowie um Batailles Auf-Begehren gegen den gezähmten Augensinn. Darüberhinaus thematisiert Reck die Beobachtung der Selbstbeobachtung bzw. Kunst als inszenierte Beobachtung zweiter Ordnung. Außerdem werden zusammenfassende Thesen zur Medientheorie der Kunst vorgestellt (anhand von Hans Belting, dem Poesiebegriff bei Lotmann, Kristeva und Fischer-Lichte, Bezügen zu Gombrich und Warnke sowie Genette). Perspektivisch wird über das Programm einer Kunstgeschichte der Aufgabestellungen, kognitiven Thematisierungen und widerspruchsreichen Intensitäten gesprochen. - Audiolectures 05,12
Das Medium der Musealisierung und die Medialität der Künste / Fallstudie 4: Marcel Broodthaers
In der dreizehnten und abschließenden Vorlesung des Zyklus 'Kunst als Medientheorie' führt Hans Ulrich Reck mit dem Künstler Marcel Broodthaers zunächst eine vierte Fallstudie ein. Darüberhinaus geht es um das Museum als Medium, um Sammlung, Archive, Mediatisierung und Musealisierung. Theorien des Kunstmuseums werden genau so besprochen, wie eine Kunstgeschichte der Aufgaben. Zudem werden phänomenale wie begriffliche Konsequenzen und Konturen einer 'Kunst als Medientheorie' wie einer Medientheorie der Künste auf mehreren, also gestuften Meta-Ebenen der erweiterten Interpretation des thematisierten und modellierten Empirischen, der gegebenen Sachverhalte, erörtert. Als Ausblick spricht Reck über Netzkunst und thematisiert Telepräsenz sowie Kunst und Kommunikation im Zeitalter digitaler Maschinen und des Techno-Imaginären (am Beispiel von 'immer anderswo' - Fax-Kunst). - Audiolectures 05,13
Genre und Code
In der achten Vorlesung stellt Hans Ulrich Reck Überlegungen zum offenen Kunstwerk im Zeitalter des techno-Imaginären vor. Darstellung und Wahrnehmung werden im Bezug auf Merleau-Ponty und Arnheim thematisiert. Ausführungen zur Gestalttheorie rekurrieren u.a. auf Bildbeispiele aus dem Spätwerk Picabias. Darüberhinaus werden die visuelle Publizistik der 68er- und 80er-Bewegungen verglichen und in Zusammenhang mit Ästhetik und politischer Dissidenz gestellt. Es geht um Technologieverwendung, Mimesis vs. Simulation und Fälschungsbewusstsein. - Audiolectures 05,8
Bildrhetorik und Erzählform II
In der sechsten Vorlesung setzt Hans Ulrich Reck die Ausführungen zu Bildrhetorik und Erzählform fort. Dabei liegt der Fokus auf deskriptiven Formen und Strukturen in der europäischen Malerei. Als Beispiele fungieren u.a. Pistolettos 'Weltkugel', Dürers 'Melencolia I' (Panofsky vs. Hoffmann), die Wiener Genesis, Botticellis Allegorien und Freskenzyklen von Giotto, Masaccio und Piero della Francesca. Die Thematik des Raum- und Zeitbilds wird mit Referenzen auf Dürer, Botticelli, Holbein und Turrell diskutiert. Zudem geht es um Lessings 'Laokoon' im Bezug auf Erfahrung und Erzählung. - Audiolectures 05,6