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Die Tätowierung als Medium
Der tätowierte Körper hat in den letzten Jahren nicht nur in der öffentlichen Wahrnehmung einen Bedeutungswandel erfahren, er rückt auch zunehmend in den Fokus geisteswissenschaftlicher Studien. Die Dissertation leistet einen Beitrag zum wissenschaftlichen Diskurs unter besonderer Berücksichtigung von bild- und medienwissenschaftlichen Fragestellungen zur Tätowierung.
Ein Tattoo transformiert den menschlichen Körper zum Informationsträger. Operiert wird mit einem erweiterten Medienbegriff im Sinne Marshall McLuhans, wobei nicht nur die Tätowierung als solche zum Medium erklärt wird, sondern auch ihre medialen Repräsentationen und Werkzeuge. Kulturwissenschaftliche Thesen zur Semantisierung der Haut und ihrer kommunikativen Dimension werden auf gleiche Weise berücksichtigt wie neue Verknüpfungen zum iconic turn und der wachsenden Bedeutung der Bilder in unserer Gesellschaft. Die Transformation des Körpers zum Zeichenträger durch eine Tätowierung unterliegt gleichsam dem soziokulturellen Wandel im Hinblick auf Tradition und Mode sowie bestimmten Geschlechterdifferenzen, kulturellen und regionalen Unterschieden. Ausgangspunkt ist dabei das Werk Body Sign Action von Valie Export aus dem Jahr 1970, in dem sich die Künstlerin bereits früh mit den unterschiedlichen Aspekten der Tätowierung als nonverbales Kommunikationsmittel beschäftigt, anhand dessen sich persönliche und kulturelle Identität ausdrücken und ablesen lassen können, sowie dem Menschen als Zeichenträger – vergleichbar mit dem Medium Buch – der auf gleiche Weise Informationen transportieren kann. Wie unterschiedlich diese Botschaften ausfallen können, zeigt die Dissertation anhand weiterer Materialsammlungen aus den Bereichen Kunst, Alltagskultur und sozialen Medien, neben dem Umstand, dass eine Tätowierung als Medium an sich bereits die alleinige Botschaft sein kann.
In recent years, the tattooed body has not only undergone a change of meaning in public perception, it was also increasingly brought into focus of humanities. This dissertation contributes to the scientific discourse with special consideration of picture theory and media studies questions concerning tattooing.
The human body will, due to the tattoo, be transformed into a type of infomation carrier. The extended concept of media of Marshall McLuhan is used to declare not only the tattoo itself as a medium, but also includes its media representation and the tools used to craft a tattoo. Cultural studies regarding the semantification of the skin and its communicative dimension will be considered in the same way as new links to the iconic turn, and the growing importance of images in our society. The transformation of the body into a media carrier, by tattooing, is subject to socio-cultural change with regard to tradition and fashion as well as certain gender, cultural and regional differences.
The starting point is the work Body Sign Action by Valie Export from 1970. In this work the artist deals early on with the different aspects of tattooing as a non-verbal means of communication by which personal and cultural identity can be expressed and read, as well as the human being as a sign carrier. The tattooed body transports information just like any other medium, for exmaple a book. This dissertation explores the different ways of how information on the body via tattoos as a medium can be send and read. This will be done through extensive and various examples in the field of art, everyday culture and social media, in addition to the fact that a tattoo can in itself be the only message
Zweifel und Zwänge
Mit Beiträgen von Hans Ulrich Reck, Kendy Garcia Puyen, Solveig Klaßen, Luis Negrón van Grieken, Beate Gütschow, Tobias Hartmann, Milica Lopiči
Geste und Geröll
Mit Beiträgen von Barbara Köhler, Tania de León Yong, Isabell Lorey, Alex Grein, Beate Middeke, Bettina Brokemper, Nieves de la Fuent
Theoretical Art and Binary Primitivism
This text was performed at Royal College of Art, Visual Cultures Lecture Series: Entanglement
Research Group. 25 January 2018 | 6.30pm – 9pm with Leo Costner / Amir George / Manu
Luksch / Martin Reinhart / UBERMORGEN. Organised by: Johnny Golding, Aura Satz, Margarita
Gluzberg and Nigel Rolfe.
The Lecture is based on a Invocation by UBERMORGEN, held at HKW Berlin for the ‘1948
Unbound’ Conference, Nov 30–Dec 2, 2017, Switches Discursive installation, Thursday, Nov 30,
7 pm, with Morehshin Allahyari, Marie-Luise Angerer, Elie Ayache, Anna Echterhölter, Thomas
Feuerstein, Alexander R. Galloway, Johnny Golding, Orit Halpern, Marian Kaiser, Giuseppe
Longo, Gerald Nestler, Julian Oliver, Sophia Roosth, Sarah Sharma, Felix Stalder,
UBERMORGE
Body, Society, History: Enacting materialisms through performances
Die Dissertation versteht Kunst als Inszenierung verschiedener Theorien des Materialismus, des Neuen Materialismus und historischen Materialismus, die als konzeptionelle Werkzeuge dienen, um materiale Akteure und soziopolitische Prozesse als im Entstehen begriffen, relational und dynamisch zu verstehen. Die Dissertation untersucht anhand der Arbeiten von Lawrence Abu Hamdan die Politik der Sprache und wie die Materialität der Sprache politische Grenzen überschreitet. Die Problematisierung der Sprache als Signifikant setzt sich fort in der Analyse von Werken der Biokunst von Paul Vanouse und Spiess/Strecker, die sich mit DNA-Technologie auseinandersetzten und den organischen Tod sowie das Erfassen des Lebens im Sinne der Nekropolitik aus Sicht der Hypernatur in Frage stellen. Daran schließt sich eine Untersuchung der choreografischen Arbeiten mit Maschinen von Geumhyung Jeong an, welche die relationale Koemergenz des Verbunds von Mensch und Maschine hervorheben. Die Dissertation schließt mit den transhistorischen Arbeiten zur südost- und ostasiatischen Moderne von Ho Tzu Nyen und Royce Ng, in welchen die Figuren des Tigers und des Vampirs das ungebremste Verlangen im Kapitalismus verkörpern. Beim Durchqueren verschiedener Historien und Geografien und dem verknüpfen diverser Thematiken einschließlich Animismus, Technologie, Kolonialismus und Konfuzianismus geht es immer um die Kernfrage, die Agentialität im Material und den (in)dividuellen Körpern zu lokalisieren.The PhD dissertation takes art as enactments of different theories of materialism – both new materialism(s) and historical materialism, to provide conceptual tools through which both material agents and socio-political processes could be understood in emergent, relational and dynamic ways. The dissertation examines the politics of language and how the materiality of language could transgress political boundaries by focusing on Lawrence Abu Hamdan’s works. The problematisation of language as a signifier continues with bioart works engaging with DNA technology from Paul Vanouse and Spiess/Strecker, which also challenge organic death and the capture of life under necropolitics with hypernature. This is followed by an analysis of Geumhyung Jeong’s choreographic works with machines, which highlight the relational co-emergence with the man-machine assemblage. The dissertation ends with Ho Tzu Nyen and Royce Ng’s transhistorical works on Southeast and East Asian modernity, with the figures of the tiger and the vampire embodying the free flow of desire in capitalism. Traversing different histories and geographies while interweaving diverse topics including animism, technology, colonialism and Confucianism, the core question remains the same throughout the dissertation: to locate the agency in the material and the (in)dividual bodies
Punkt und Passage
Mit Beiträgen von Karin Michalski, Lilian Haberer, Faubel & Jendreiko, Thomas Hawranke, Andreas Henric
Zum Paradigma der materiellen Aktivität in den Plastischen Künsten
Stoffe sind aktiv und können etwas tun. Sie stehen in Austausch mit ihrer Umgebung, mit der sie zusammen agieren und sich oder andere transformieren. Die Plastische Kunst muss sich der Tatsache stellen, dass Stoffe nicht mehr nur als passiv eingestuft werden können und bloss Empfänger menschlicher Formvorstellungen sind. Durch die Anerkennung materieller Aktivität kann das Repertoire der Kunst beträchtlich erweitert werden. Allerdings führt dies auch zu komplexeren Arbeits-, Teilnahme- und Rezeptionsprozessen.
Die Dissertation entwickelt die theoretischen Grundlagen für ein Paradigma der materiellen Aktivität in den Plastischen Künsten vor dem Hintergrund eigener, intensiver Kunstpraxis. Sie thematisiert die Auswirkungen auf das Denken, Vorstellen und Handeln mit aktiven Stoffen durch Kunst. Ziel ist ein konzeptuelles Werkzeug für die künstlerische Produktion und ihre Rezeption. Dafür bietet sie disziplinenübergreifende Auseinandersetzungen mit aktuellen Material- und Stoffauffassungen, beschäftigt sich mit dem Austausch zwischen Imagination und stofflicher Umgebung und entwickelt einen Leitfaden zu verschiedenen Spielformen des Aktiv-Werdens und -Bleibens materieller Komponenten. Dabei werden sowohl konkrete materielle Aktivitäten als auch emergente Phänomene aus dem Zusammenspiel zwischen Stoffen und Imagination behandelt. Zahlreiche Beispiele helfen etwa beim Umgang mit den Ebenenspielen der Materialität, während neue Arbeitsweisen wie die "Konversation" oder die "Mangel der künstlerischen Praxis", den Umgang mit Stoffen als Partnern ermöglichen.Materials are active. They do something. Materials are in constant exchange with their environment with which they act. They can transform themselves and other materials. Thus, the Plastic Arts have to face the fact that materials are not just passive or mere recipients of formal ideas conceived by humans. By acknowledging material acitivities, the arts' repertoire can be extended significantly. This also leads to more complex ways of creation, participation and reception.
This dissertation develops the theoretical foundations for a paradigm of material activities in the Plastic Arts grounded in intense personal art practice. It investigates the effects on thinking, imagining and acting with active materials through art. The result is a conceptual toolbox for artistic production and reception. In the three main parts, the dissertation discusses contemporary conceptions of materials and stuff, explores the exchange between imagination and material environment, and develops guidelines for ways in which material components become and stay active. The conducted investigations concern themselves both with concrete material activities and with phenomena emerging from the interplay between stuff and imagination. Numerous examples help with navigating the complex layers of materiality, while new ways of working like "conversation" or the "mangle of artistic practice" support approaching materials as partners
Muße und Materie
Mit Beiträgen von: Sara Hoffmann, Marcelo Alemán,
Jens Schillmöller, Anke Eckardt, Isabel Herguera,
Franziska Windisch, Jaqueline He
Ritualkunst zwischen Kult und Museum
edition KHM, Band 1
Mit einem Beitrag von Christine Bruggmann Hommage an Afrika
Mit Beginn des 19. Jahrhunderts setzt in den bildenden Künsten eine Aufbruchbewegung ein, die einige Jahrzehnte später zur Auffassung verfestigt wird, Kunst sei einer permanenten Welterfindung verpflichtet und müsse bedingungslos innovativ sein. Die Praktiken der Kunst werden konzeptuell, Künstler suchen und testen Entwürfe für neue Wirklichkeiten – Paradiese und Höllen gleicherweise. Jeden Tag eine neue Sprache erfinden, eine neue Welt, ist das Motto spätestens seit Arthur Rimbaud. Die Sehnsucht nach einem Archaischen und ›Wilden‹ erweist sich dabei zwangsläufig als Konstruktion eines Fremden, eines Blicks von außen, der aus dem historischen Verlust heraus umso heftiger die Attraktivität einer Aura ersehnt, die kulturell längst zersetzt worden ist – Imaginationen einer verlorenen Welt
Bild im Bild/Film im Film/Literatur in Literatur - VL 01
VL 1: 15. 4. 2016
Zur Einführung und Übersicht
Hans Ulrich Reck eröffnet die erste Vorlesung mit einer exemplarischen Thematisierung des Semesterthemas. Er beschäftigt sich mit dem so genannten 'Nouveau Réalisme, mit Pierre Restany und Arman, beschreibt die Decollagen von Raymond Hains und Jacques Villeglé, Daniel Spoerris 'trompe l'oeil'. Und die Pop Art (Roy Lichtenstein, Jasper Johns, Duane Hanson, James Rosenquist, Andy Warhol; Warhols Factory), allesamt Bewegungen auf der Suche nach einem gewandelten Wirklichkeitsbegriff.
Dietrich Leder setzt dann fort mit Exposition und exemplarischer Darstellung der
Selbstreflexion in Literatur und Spielfilm anhand der Rolle und Figur des Erzählers. Er thematisiert Marcel Proust und Erich Kästner. Über Eine Verfilmung von Erich Kästners 'Emil und die Detektive' blendet er über zu Max Ophuls (i.e. Max Ophüls) und interpretiert dessen Werk 'La ronde' (Frankreich 1951) nach dem Bühnenstück 'Reigen' von Arthur Schnitzler aus dem Jahr 1900