Zeitschrift für Soziologie
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Ecology in Everyday Life - For the Sensible Anchoring of Ecological Awareness in the Household
Untersucht wird das Phänomen wachsender Bereitschaft, im Alltagsverhalten größeres Umweltbewußtsein zu zeigen: dabei werden v. a. jene Erscheinungsformen thematisiert, die sich selbst auf eine 'Ableitung aus ökologischen Prinzipien' beziehen. Von einem religionssoziologischen Zugang aus werden anhand des Fallbeispiels 'biologischer Gartenbau' die Bedingungen und Möglichkeiten erfolgreicher Einpassung von Alltagsökologie in die Lebenswelt diskutiert, aber auch die Gefahren, die einer solchem Handeln zugrundeliegenden 'ökologischen Ethik' drohen, wenn sie sich allzu eng an die wissenschaftliche Ökologie als institutionalisierter Disziplin anlehnt.
Tautology and Paradox in the Self-Descriptions of Modern Society
Die moderne Gesellschaft kann sich nicht länger mit Hilfe der traditionellen Vorstellungen von Natur bzw. Vertrag beschreiben. Diese Semantiken sind inzwischen durch tautologische oder paradoxe Selbstbeschreibungen ersetzt worden. Danach ist die Gesellschaft, was sie ist, oder sie ist, was sie nicht (oder: noch nicht) ist. Solche tautologischen bzw. paradoxen Selbstbeschreibungen müssen jedoch transkribiert werden, um überzeugend Darstellungen der Gesellschaft abzugeben, in der wir jeweils leben. Der Beitrag diskutiert einige dieser enttautologisierenden bzw. entparadoxifizierenden Hilfsmittel, vor allem konservative bzw. progressive Ideologien. Unterscheidungen (zum Beispiel Gesellschaft/ Gemeinschaft, Individuum/ Kollektiv) und Beschreibungen von Geschichtstrends (Verzeitlichungen).
The Network Structure and Social Position of Writers
Der Aufsatz interpretiert die Ergebnisse einer Befragung von Kölner Schriftstellern. Mit Hilfe der Blockmodellanalyse werden die Autoren in vier Subgruppen (Elite, Nachwuchselite, Peripherie, etablierte Peripherie) eingeteilt. Die Subgruppen werden in ihrer Binnenstruktur und in ihrem Verhältnis zueinander näher bestimmt. In einem zweiten Schritt wird der Frage nachgegangen, inwieweit es sich bei der Sozialposition des Literaten um eine ökonomisch, ästhetisch und sozial instabile Position handelt und welche Beziehungsmuster in der Lage sind, die instabile Position abzufedern und zu integrieren. Für die vier Subgruppen ergeben sich dabei unterschiedliche Positions- und Beziehungsmuster.
Unwanted Third Persons in Interview Situations
Dritte Personen sind meist bei einem Teil der Interviews zugegen. Welche Auswirkungen dies hat, ist bislang ungeklärt. In der vorliegenden Arbeit wird deshalb untersucht, wie es zur Anwesenheit Dritter kommt und welche Effekte dies hat. Empirische Grundlage ist eine bundesweite repräsentative Umfrage. Die Analyse zeigt nicht nur, daß Dritte oft auf Betreiben des Befragten hin anwesend sind. Sie zeigt auch, daß in dieser Konstellation die stärksten Abweichungen im Antwortmuster auftreten. Selektionsprozesse sind eine mögliche Erklärung dafür. Interaktionseffekte, bei denen Selektionseffekte sich mit dem Effekt Dritter kombinieren, sind ein anderer möglicher Grund.
The Information of Experience-Founded Knowledge of Labour and the "Imperialism of Instrumental Reason"
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The Decoupling of the Production and Work Process
Verschiedene empirische Studien über die Einführung und Nutzung der CNC-Technologie haben gezeigt, daß bei gleichen oder zumindest ähnlichen technischen und ökonomischen Rahmenbedingungen arbeitsorganisatorisch verschieden verfahren wird. Der gegebene Organisationsspielraum wird theoretisch als Resultat einer zunehmenden Entkoppelung von Produktions- und Arbeitsprozeß, einzelne Organisationsvarianten werden als Lösungsversuche einer strukturellen Problematik von Prozeß- und Arbeitsökonomie begriffen. Die objektive Problematik der Organisationsbildung ist ihrerseits in soziale Kräftekonstellationen eingebunden, die selbst wiederum auf das organisationsstrukturelle Problem von Fremdsteuerung und Eigenregulierung von Arbeit verweisen.
Measuring Individual versus Structural Change in Panel Surveys. A New Index
In den zurückliegenden Jahren sind in der empirischen Sozialforschung in zunehmendem Maße Panelerhebungen durchgeführt worden. Dabei stellt sich häufig die Frage, ob Veränderungen von einer Befragung zur nächsten individueller Natur sind oder als sozialstruktureller Wandel interpretiert werden können. Der vorliegende Beitrag diskutiert zwei bislang in der Literatur vorgeschlagene Maße zur Messung des Anteils an zufälliger Veränderung hinsichtlich ihrer Validität und entwickelt aus ihrer Kritik eine verbesserte Maßzahl. Dieser verbesserte Index ist in dreifacher Hinsicht nützlich: Er zeigt an, inwieweit sozialstruktureller Wandel als 'stabil' bezeichnet werden kann oder von gegenläufigen Tendenzen durchsetzt ist. Er kann darüber hinaus zur Beurteilung der Wirksamkeit sozialpolitischer Maßnahmen beitragen. Schließlich gibt er u. U. einen Aufschluß über die (Retest-) Reliabilität der verwendeten Fragen, wenn man vermuten kann, daß real gar keine Veränderung stattgefunden hat.
On the Civilizing of Appetite
Dieser Aufsatz diskutiert Wandlungen in den Mustern der Kontrolle des Appetits in der europäischen Gesellschaft seit dem Mittelalter. Offenbar hat sich diese Kontrolle in einer spezifischen Richtung verändert - ähnlich wie jene über die Körperfunktionen und den Gebrauch von Gewalt, die Norbert Elias in 'Über den Prozeß der Zivilisation' untersucht hat - nämlich in Richtung auf gleichmäßigere und zugleich umfassendere Kontrollen. Im Mittelalter herrschte in allen sozialen Rängen ein oszillierendes Muster des Essens vor - im Zusammenhang mit der allgemeinen Unsicherheit des Lebens und der Nahrungsversorgung im besonderen. Zwänge zur Kontrolle des Appetits - seitens der Kirche, durch Luxusgesetze und seitens der ärztlichen Meinung - tragen eher die Merkmale von Fremdzwängen als von Selbstzwängen. Die Anfänge einer größeren Selbstkontrolle über die Eßlust können in Oberschichtenkreisen im 18. Jahrhundert beobachtet werden, als sie sich von niedrigeren Rängen der Gesellschaft mehr durch die Delikatesse als durch die Quantität ihrer Speisen abzusetzen beginnen. Während des 19. Jahrhunderts wird die Tugend des Maßhaltens zunehmend von bürgerlichen Feinschmeckern propagiert. Das Problem der und die Angst vor Fettleibigkeit verbreiteten sich allmählich die soziale Stufenleiter abwärts, bis im 20. Jahrhundert Schlankwerden und -sein zu einem prominenten Thema der Massenpresse geworden ist. Das Auftreten krankhafter Eßstörungen wie Anorexia und Bulimia nervosa hängt offenkundig ebenfalls mit den sich wandelnden sozialen Standards der Appetitkontrolle zusammen.
Social Structure and Cooperation among Rational Egoists
Soziale Situationen strategischer Interdependenz, in denen kooperatives Verhalten für nicht durch externe Instanzen eingeschränkte, rationale und egoistische Akteure zwar vorteilhaft, jedoch schwierig zu erreichen ist, treten in vielen Zusammenhängen auf. Klassisches Beispiel ist Hobbes' Problem der sozialen Ordnung. Weitere zentrale Beispiele sind bestimmte wirtschaftliche und 'soziale' Austauschbeziehungen oder solidarisches Verhalten in Gruppen. Im ersten Teil des Beitrags werden 'problematische' Situationen dieser Art und die bei ihrer theoretischen Analyse auftretenden Erklärungsprobleme genauer charakterisiert. Der zweite Abschnitt enthält spieltheoretische Untersuchungen. Aus deren Ergebnissen lassen sich qualitative, im Prinzip empirisch prüfbare Aussagen über sozialstrukturelle Bedingungen der Kooperation herleiten. Diese Bedingungen für kooperatives Verhalten in problematischen Situationen werden im dritten Abschnitt diskutiert. Man kann den Beitrag als einen Schritt auf dem Weg zu einem Nachweis dafür sehen, daß das Problem der sozialen Ordnung im Rahmen eines 'utilitaristischen' Erklärungssatzes rationalen Handels lösbar ist.