Zeitschrift für Soziologie
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    The Rising Risk of Divorce - On Intergenerational Transmission of Marital Instability

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    Es wird darauf hingewiesen, daß Scheidung ein sich partiell selbstverstärkender Prozeß ist, da Kinder aus Scheidungsfamilien selbst wiederum ein erhöhtes Scheidungs-Risiko aufweisen. Die US-amerikanischen Untersuchungen, die diese intergenerationale Tradierung der Eheinstabilität belegen, werden dargestellt. Diskutiert werden die verschiedenen dafür vorgelegten Erklärungs-Ansätze. Es wird gezeigt, daß psychologische bzw. familiendynamische Erklärungs-Versuche unzureichend sind. Ein ökonomischer Ansatz hingegen scheint fruchtbarer zu sein. Die Bedeutung des Gesamtergebnisses wird diskutiert.

    Systems of Inquisition within Believing Communities - The Role of Public Confessions of Guilt within the Spanish and the Stalinist Inquisitions

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    Die folgende Studie untersucht in einem interkulturellen Vergleich die Rolle von Schuldbekenntnissen in der spanischen und stalinistischen Inquisitionspraxis. Gemeinsamer Bezugspunkt dieser beiden Inquisitionssysteme war ihr Bemühen, die angeklagten Häretiker zu einem Schuldbekenntnis zu veranlassen. Das Schuldbekenntnis sollte den Häretiker moralisch diskreditieren. Die Öffentlichkeit des Bekenntnisses sicherte der orthodoxen Glaubensmacht nicht nur das Monopol auf die beanspruchte Weltauslegung, sondern zerstörte auch die innere Glaubenswirklichkeit des Häretikers, der das Geheimnis seiner inneren Glaubensüberzeugungen durch sein Schuldbekenntnis preiszugeben gezwungen wurde. Die öffentliche Bloßstellung und dauernde soziale und kulturelle Stigmatisierung häretischer Lehre und Praxis sollten überdies ihre weitere Verbreitung innerhalb der jeweiligen Glaubensgemeinschaften verhindern. Beide Inquisitionssysteme benutzten das öffentliche Schuldbekenntnis des Häretikers als wichtigstes Vehikel zur Zerstörung des häretischen Legitimitätsanspruches, doch waren die Methoden zur Produktion von öffentlichen Schuldbekenntnissen in unterschiedlichen Legitimitätskontexten verankert. Die spanische Inquisition arbeitete im Kontext der zu ihrer Zeit üblichen Rechtsverfahren, während die stalinistische Säuberungsmethodik ihre Geständniserpressung sorgsam hinter der Fassade von kunstvoll arrangierten Schauprozessen zu verbergen versuchte.

    The Search for Security and the Longing for Shelter. "Dual Economy" and "Informal Sector Economy" - Phenomenon and Fiction

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    Warum wirkt ein Konzept, das seit seiner Entstehung immer wieder, sowohl von theoretischen wie von empirischen Gesichtspunkten aus, in Frage gestellt wurde, auch nach über 70 Jahren offenbar noch attraktiv? Welchen Modifikationen waren diese dualen Ansätze unterworfen, um diese Attraktion zu bewahren? Anhand einer Skizze des Entwicklungsprozesses dieses Konzeptes wird versucht, diesen Fragen nachzugehen. Dabei wird auf zwei Sachverhalte verwiesen: (1) Die üblichen Unterscheidungsmerkmale zwischen dualen Sektoren der entsprechenden Ökonomien sind empirisch nicht haltbar, da die jeweiligen Kriterien, die für einen Sektor typisch sein sollen, auch im jeweils anderen Sektor, wenn auch unter anderen Erscheinungsformen, zu finden sind. (2) Die Ansichten über die Eigenarten der jeweiligen Sektoren beruhen auf europäischen Vorurteilen von 'richtiger' ökonomischer und sozialer Ordnung und ihren Projektionen auf nichteuropäische Gesellschaften. Daher ist es dann nicht sonderlich verwunderlich, wenn solche Konzepte - ursprünglich gemünzt auf Entwicklungsgesellschaften mit importierten 'entwickelt-westlichen' Elementen - nun auch gewissermaßen umgedreht werden können, um auf europäische Verhältnisse angewandt zu werden. Dabei wird dann auch vollends deutlich, daß die Annahmen über den 'informellen' Sektor, also den Teil der Wirtschaft, der außerhalb der Regeln der europäischen Wirtschaftsordnung stehen soll, auf Vorurteilen beruhen. Waren diese einst negativ besetzt, da sie Ungesichertheit im 'informellen' Sektor unterstellten, so hat die zwischenzeitliche Entwicklung der Industrie- zur Risikogesellschaft zu einer 'Umwertung aller Werte' geführt: Der 'formelle' Sektor gewährt nicht mehr geregelte Ordnung, sondern erscheint bedrohlich unkontrollierbar. Der 'informelle' Sektor dagegen wird zum Kristallisationskern einer Sehnsucht nach neuer Geborgenheit.

    Reflexive Law at the End? Penetrating of Substantive Law into Collective Bargaining

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    In den letzten Jahren ist immer stärker von einer Krise des regulatorischen Rechts die Rede. Als Antwort darauf hat sich der Ansatz des 'reflexiven Rechts', so wie ihn Teubner/ Willke formuliert haben, in relativ kurzer Zeit eine beträchtliche Publizität erobert. Im vorliegenden Aufsatz soll gezeigt werden, daß der Ansatz von Teubner/ Willke im Kern die reale Entwicklung verfehlt, sie zum Teil sogar in ihr Gegenteil verkehrt. Denn gerade im Bereich der Tarifautonomie, der für ihre Beweisführung bislang am aussagekräftigsten war und dementsprechend auch eine zentrale Rolle in ihrer Argumentation spielt, zeichnet sich eine Entwicklung ab, die der von ihnen prognostizierten exakt entgegenläuft. Durch die mit dem MTV 1984 in der Metallindustrie eingetretene Verlagerung tariflicher Funktionen auf die betriebliche Ebene werden Formen 'indirekter Kontextsteuerung', d. h. reflexiven Rechts, nämlich durch materiale Rechtsetzung qua Einigungsstellenspruch und Arbeitsgerichtsurteil verdrängt. Materiales Recht ist also auf dem Vormarsch und nicht auf dem Rückzug.

    Toward a Conception of West German Family-Life and Socialization during the Formative Years

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    Die Herausgeber der Zeitschrift für Soziologie luden mich zu einem 'persönlichen retrospektiven und reflexiven Essay' über die 'Entstehung, damalige Zielsetzung und nachfolgende Wirkungsgeschichte' meiner Arbeiten zur Familien- und Sozialisationsforschung in der Nachkriegszeit ein. Damit sind zwei größere, sich im Laufe der Bearbeitung eng miteinander verknüpfende Themenbereiche der bundesdeutschen Sozialforschung angesprochen, die in besonderem Maße durch die geistigen und sozialen Umbrüche und Probleme der Kriegs- und Nachkriegszeit beeinflußt wurden. Sie haben sich jedoch auch in ihrer wissenschaftlichen Anregung und Wirkung bis zur Gegenwart als gewichtige interdisziplinär verbundene Bereiche der sozialwissenschaftlichen Forschung und Lehre erhalten. Die Vielfalt der sie charakterisierenden Fragestellungen und Literatur kann in diesem Essay nicht angemessen berücksichtigt werden. Erstens wähle ich daher entsprechend einem Vorschlag der Herausgeber vor allem drei eigene Veröffentlichungen als Ausgangspunkt für meine Überlegungen aus, die in die oben angesprochenen Zusammenhänge einige genauere Einsichten vermitteln können. Wegen ihres Dokumentationswertes für die Nachkriegsjahre sind dies einmal die 'Leitbilder gegenwärtigen deutschen Familienlebens' und zweitens ihre Ergänzung durch 'das Dorf im Spannungsfeld industrieller Entwicklung', eine Untersuchung bei der Bevölkerung eines ländlichen siegerländer Gemeindeverwaltungsverbandes von 45 Dörfern und Weilern, zum dritten schließlich die Veröffentlichung 'Der Mensch als soziales und personales Wesen. Beiträge zu Begriff und Theorie der Sozialisation'. Viertens um der - eigentlich zu großen - Themenstellung einer 'Wirkungsgeschichte' bis zur 'gegenwärtigen Forschungslage zu diesem Gebiet' wenigstens annäherungsweise zu entsprechen, verbinde ich meine Darstellung - wiederum selektiv - mit Fragestellungen und Deutungen, wie sie im Oktober 1986 auf einem interdisziplinären Symposium über 'Wandel und Kontinuität der Familie' fünftens an der Universität Bamberg vorgetragen und diskutiert wurden.

    Commen Sense Knowledge about Social Problems. Structural Characteristics and Explanatory Factors

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    Hauptziele der Untersuchung sind eine dimensionale und kausale Analyse alltagstheoretischer Konzepte über Drogen-, Alkohol-, Kriminalitäts- und Jugendprobleme. Die Studie, welche 1984/85 in drei Gemeinden der Innerschweiz bei 576 Befragten durchgeführt wurde, knüpft an konkrete öffentliche Auseinandersetzungen um therapeutische Drogenwohngemeinschaften an, um so der postulierten grundlegenden Praxis-/ Situationsorientierung von Laientheorien gerecht zu werden. Als Analyseinstrument kommt die computerunterstützte Inhaltsanalyse zum Einsatz. Die Ergebnisse weisen darauf hin, daß ein komplexes Wissen über soziale Probleme besteht, welches gleichzeitig durchgängig normativ besetzt ist und zum einen durch Schichtzugehörigkeit, zum anderen vor allem aber über die Vermittlung von Problemwissen durch relevante Bezugsgruppen beeinflußt wird. Konsequenzen für praktische Präventionspolitik ergeben sich vor allem hinsichtlich der Notwendigkeit, Botschaften an der 'Logik' der Adressaten auszurichten. Zielgruppen aufgrund der identifizierten strukturellen Bedingungen zu definieren und den Multiplikatoreffekt glaubwürdiger, informeller Bezugsgruppen auszunutzen.

    Values, Socio-political Conflicts and Generations. A Test of the Theory of Post-Materialism

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    Werte sind, so die erste These des Artikels, kontrovers. Die Theorie des Postmaterialismus sucht diesem Umstand Rechnung zu tragen. Dabei erweist sich der Begriff Postmaterialismus als undifferenziert. Er wird hier in fünf Dimensionen aufgegliedert. Grundlage dieser Differenzierung bildet eine Theorie sozio-politischer Konflikte. Die Interkorrelation der Dimensionen auf der Basis von Umfragen aus acht Ländern sowie ihre Beziehung zum Alter zeigen, daß der Begriff Postmaterialismus teils gegensätzliche, teils unabhängige Dimensionen verdeckt. Im zweiten Teil wird die Hypothese, wonach wachsender wirtschaftlicher Wohlstand für den Wertwandel verantwortlich ist, zurückgewiesen. Wertwandel im hier verstandenen Sinne beruht auf sozio-politischen Veränderungen, die über das Bildungssystem vermittelt werden. Dieser Wandel erfaßt auch nur die Werte Partizipation und Sicherheit.

    Language and Media of Communication: A False Comparison

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    Rational Choice. Traces, Concepts and Recent Debates: An Overview

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    Mit wachsender Häufigkeit wird in Handlungs- und Politikanalysen von einem Typus der Erklärung Gebrauch gemacht, der unter dem Etikett 'Rational choice' firmiert. Dank verschiedener Erkenntnisgewinne im Phänomenbereich des kollektiven Handelns und der rationalen Kooperation hat die 'rationale' Wahlhandlungstheorie die Begrenzungen der mikro-ökonomischen und nutzentheoretischen Begrifflichkeit überschritten. Neuere Ansätze machen die Akteurperspektive für eine kontingenzbewußte Rekonstruktion intentionaler und strategischer Handlungen fruchtbar. Gleichzeitig werden auch die Grenzen rationalen Handelns, also Dilemmata und Rationalitätsfallen, zum Gegenstand der Theorie. Weil die einschlägigen Axiome der Mikroökonomie, der Spieltheorie und der Theorie öffentlicher Güter nur in verstreuter, hinsichtlich ihrer disziplinären Herkunft disparat anmutender Form vorliegen, versucht dieser Aufsatz, einen Überblick über Herkunft, thematische Breite und neuere Diskussionen der 'Rational-choice' -Theorien zu vermitteln.

    The Substantive Complexity of Work as a Central Dimension of Job Structure

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    Der vorliegende Forschungsbericht befaßt sich mit der Frage, welchen Beitrag verschiedene Dimensionen beruflicher Tätigkeit, insbesondere die substantielle Komplexität der Arbeit, zur Vorhersage verschiedener Zufriedenheits-, Persönlichkeits- und Befindensvariablen leisten. Auf der Basis von Querschnittdaten einer Befragtenstichprobe von 499 männlichen Beschäftigten (Arbeitern, Angestellten und Beamten) des öffentlichen Dienstes werden mit Hilfe multipler linearer Regressionsanalysen die Zufriedenheit mit der Arbeit, die Zufriedenheit mit dem Job, das Selbstwert- und Kompetenzgefühl, die Depressivität und psychosomatische Beschwerden sowie das physische und psychische Befinden der Beschäftigten mit den Tätigkeitsmerkmalen (Jobdimensionen) Aufgabenvielfalt oder 'Skill Variety', Entscheidungsspielraum oder 'Decision Latitude', psychische Jobanforderungen oder 'Job Stressors/ Job Demands' und Umgang mit anderen Personen oder 'Interaction' vorhergesagt. Dabei erweist sich die Dimension Aufgabenvielfalt oder 'Skill Variety' als der mit Abstand beste Prädiktor sämtlicher Kriteriumsvariablen. Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, daß die Dimension Aufgabenvielfalt oder 'Skill Variety' eine wichtigere Rolle in der Jobstruktur spielt, als ihr weithin zugemessen wird; sie unterstützen die Feststellung Kohns und Schoolers (1982: 1256), daß 'die substantielle Komplexität der Arbeit das A und O der ganzen Jobstruktur' ist.

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