Zeitschrift für Soziologie
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Therapeutic Role-Specific Orientations and Soial Representations of Inpatient Alcoholics
Die vorliegende Arbeit versucht empirisch zu klären, ob die jeweilige Rollenorientierung von klinischen Therapeuten die klinische Urteilsbildung über stationäre Alkoholismus-Patienten beeinflußt. Dabei konnte die Existenz von rollenspezifischen sozialen Repräsentationen nachgewiesen werden, die die individuelle Informationsverarbeitung bis hin zu Prognosen über den weiteren Verlauf der Krankheit leiten. Der Einfluß dieser sozialen Repräsentationen ist umso stärker, je ambivalenter die Situation für den Urteiler ist.
Women, Men and George Spencer Brown
Frauenforschung muß ihren Gegenstand mit Hilfe einer Unterscheidung bezeichnen, nämlich der Unterscheidung von Frauen und Männern. Sie braucht also theoretische Konzeptionen, die mit Unterscheidungen anfangen. Bis heute hat sie jedoch keinen Zugang zu derjenigen Logik gefunden, die radikal genau dieses Anliegen verfolgt - die Logik von George Spencer Brown, eine nichtstationäre Logik für das Prozessieren von Unterscheidungen. Der Beitrag versucht nicht, diesen Calculus anzuwenden. Er verfolgt einige Konsequenzen der Weisung 'draw a distinction'. Dabei werden zwei Beschränkungen entfaltet. Die erste betrifft die Willkür der Wahl der Unterscheidung, mit der man anfängt. Warum gerade Frauen/ Männer und nicht, zum Beispiel, wahr/ unwahr? Dies Problem wird gelöst durch die Anweisung, den/ die Beobachter/ in zu beobachten, der/ die mit seiner/ ihrer Unterscheidung arbeitet. Die zweite Beschränkung bezieht sich auf gesellschaftliche und historische Bedingungen für den Gebrauch von Unterscheidungen zur Herstellung von Anschlußfähigkeit. In dem Maße, als die Gesellschaft die Form ihrer primären Differenzierung ändert und von stratifikatorischer zu funktionaler Differenzierung übergeht, kann die Unterscheidung von Männern und Frauen nicht mehr in einem assymmetrischen Sinne benutzt werden, um den Männern die Funktion der Repräsentation des Systems im System zu geben. Die entsprechende Semantik muß ersetzt werden durch eine Semantik der Gleichheit. Das bedeutet, daß das Paradox, daß ein System in sich selbst nochmals vorkommt, ersetzt werden muß durch das Paradox der Ununterscheidbarkeit des Unterschiedenen. Der Beitrag erörtert einige Konsequenzen dieser Veränderung der Paradoxie und ihrer Auflösung für die Frauenbewegung.
Between "Civilization" and "Own Culture". - New Functions of Ethnic Identity for Indian Work Migrants in Ecuador
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Value Freedom and the Constitution of Sociology in Germany
Der Beitrag geht der Frage nach, warum sich die die Deutsche Gesellschaft für Soziologie gründenden Sozialwissenschaftler 1909 so schnell und diskussionslos auf die Werturteilsfreiheit als demonstrativen Programmpunkt einigen konnten. Die Antwort wird darin gesehen, daß das dort als Prinzip angesprochene Phänomen ihnen seit den 1890er Jahren vertraut und selbstverständlich war. Zum einen, aufgrund des während und nach der 'Ära Stumm' auf sie ausgeübten politischen Druckes, zum anderen - tiefgreifender und folgenreicher - als Folge des einsetzenden Zweifels am Fortschritt, der die bislang bestehende Verflechtung von Positivismus und Sozialismus löst. Das Wertfreiheitsprinzip erklärt sich so als Resultat der generationsspezifischen gemeinsamen Erfahrung der Gründungsmitglieder der DGS.
The Profession, the Client, and Medical Knowledge: From Curative Medicine to Risk Prevention
Im medizinischen Diskurs, zunehmend aber auch in der ärztlichen Praxis, wird die Tendenz sichtbar, Handlungspotentiale des Patienten zu mobilisieren. Damit kommt eine Paradoxie zum Tragen, die schon in die Struktur der modernen Medizin eingebaut ist. Einerseits führte die Durchsetzung professioneller Autonomie dazu, daß der Patient von der Kontrolle des medizinischen Wissens ausgeschlossen wurde. Insofern die Medizin personenbezogene Dienstleistungen erbringt, strebt sie andererseits immer auch dessen Orientierung auf der Grundlage medizinischen Wissens an. Mit dem Risikofaktorenkonzept und einer verstärkten Mobilisierung des Patienten spitzt sich dieses Spannungsverhältnis heute drastisch zu. Unter dem Aspekt der 'compliance' wird der Patient zum Objekt eines neuen Diskurses und mit ihm verknüpfter Disziplinartechnologien.
Niklas Luhmann's Theory of Generalized Media: Problems and Prospects
Niklas Luhmanns Version einer Theorie symbolisch generalisierter Medien soll mit der Version Talcott Parsons' konfrontiert werden, indem die grundbegrifflichen Differenzen aufgesucht werden, die Luhmanns Revisionen motivieren - Revisionen, die trotz ihrer Radikalität in der Diskussion bisher vernachlässigt wurden. Es wird versucht, eine Zwischenbilanz der theoretischen Weiterentwicklung von Luhmanns Version zu ziehen. Dabei treten Inkonsistenzen zutage, die sich dem prekären Verhältnis der Medien zur Sprache verdanken: Der Code-Begriff ist nicht eindeutig bestimmt; die Engführung von Wahrheitsmedium, Logik und Wissenschaftssystem bedeutet eine Verkennung der Logizität von Sprache; es bestehen Widersprüche zwischen der kommunikativen und der evolutiven Rolle der Sprache. Luhmanns Versuch der Marginalisierung von Sprache bleibt mithin nicht ohne Auswirkungen auf die Schlüssigkeit der Medientheorie.
The Sequential Organization of Gossip
Betrachtet man Klatschgespräche in ihrem zeitlichen Verlauf, so findet man ein Muster der sequentiellen Organisation, in dem sich diese kommunikative Gattung realisiert und reproduziert. In einer der eigentlichen Klatschmitteilung vorgeschalteten Klatschpräsequenz wird die Bereitschaft zum Klatschen intersubjektiv ausgehandelt und ratifiziert. In der nachfolgenden Klatschgeschichte wird eine auffällige, dem Zuhörer nich nicht bekannte Handlung eines abwesenden Dritten berichtet und bewertet, und zwar so, daß dem Handelnden ein bestimmter Charakter zugeschrieben wird. In der sich anschließenden Klatschnachsequenz wird die individuelle Charakterisierung im Blick auf soziale Typen generalisiert und in einem Meinungsaustausch erläutert. Interpretationen und Deutungsangebote werden gemacht, die die individuelle Handlung in den Rahmen allgemeiner sozialer und moralischer Regeln stellen.