Zeitschrift für Soziologie
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Criteria to Evaluate the Measure of Loneliness and Social Dependency of Handicapped Adults - Results of a Reliability and Validity Analysis
Im Rahmen einer Untersuchung von sozialen Netzwerken und Unterstützungspotentialen schwerbehinderter Menschen wurden Einstellungsskalen nach der Likert-Technik zur Messung von Einsamkeit und sozialer Abhängigkeit entwickelt und erprobt. Theoretischen Vorarbeiten folgend ist Einsamkeit als subjektiv empfundene soziale Isolation definiert. Soziale Abhängigkeit beschreibt die subjektiv interpretierte Einschränkung der individuellen Lebensgestaltung und des Handlungsspielraums. Sie ist besonders für die Situation Behinderter in unserer Gesellschaft charakteristisch. Beide Skalen zeichnen sich durch befriedigend hohe Reliabilitätskoeffizienten aus. Faktoranalysen bestätigen die den Skalen zugrundegelegten Einstellungsdimensionen. An statistisch bedeutsamen Zusammenhängen mit verschiedenen Außenkriterien erhärtet sich die Validität der Meßverfahren. Erste Ergebnisse zeigen, daß die Verfahren subjektiv bedeutsame Phänomene erfassen und sich die Situation behinderter Menschen nach dem Ausmaß erlebter Einsamkeit und sozialer Abhängigkeit differenzieren läßt.
Ethnic Differentiation and Modern Society
Die traditionelle Theorie moderner Gesellschaften hatte das Verschwinden von askriptiv bedingten Differenzierungen (von denen die ethnische Differenzierung eine ist) behauptet. In neueren Diskussionen wird das Entstehen askriptiver Vergemeinschaftungen geradezu als Folge von Modernisierung behauptet. Der Beitrag beabsichtigt zu zeigen, daß sowohl die klassische wie die neuere Diskussion einige spezielle Annahmen machte, wobei unter dem Begriff 'Modernisierung' jeweils Unterschiedliches verstanden wurde. Differenziert man die zentralen Einzel-Variablen, so lassen sich die scheinbar bestehenden Anomalien des einen oder des anderen Modells im Rahmen eines integrierenden Erklärungsansatzes (relativ leicht) auflösen.
"Joint Family Talks" and Processes to Establish Reality During Joint Conversations on Family History
In diesem Aufsatz wird das 'gemeinsame familiengeschichtliche Gespräch' vorgeschlagen als eine Methode, Familienbiographien und aktuelle Sinnbildungsprozesse in Familien zugleich zu erheben. Anhand eines Fallbeispiels wird ein Analyseverfahren demonstriert, in welchem sequenzanalytisch die Vorgehensweise der 'Strukturalen Hermeneutik' (Oevermann) übernommen und eine Brücke zur 'Grounded Theory' (Glaser/ Strauss) geschlagen wird. Die bei diesen Verfahren vorliegende enge Verzahnung von Methode und materialer Analyse wird erkenntlich daran, daß das Thema des gemeinsamen familiengeschichtlichen Erzählens im Kontext der Analyse von Modernisierungsprozessen in bäuerlichen Familienbetrieben entfaltet wird.
The Special Development of the West
Es geht um die Frage, warum der Westen und nicht etwa die asiatischen Hochkulturen zuerst Hunger und Massenarmut durch wirtschaftliche Entwicklung überwinden konnte. Im Anschluß an Eric Jones werden geographische und geopolitische Variablen als Hintergrundbedingungen der europäischen Entwicklung analysiert. Intervenierende Variablen zwischen der Geographie und der Wirtschaftsleistung sind vor allem die Existenz eines internationalen Systems in Europa, die frühe Herausbildung einer interregionalen Arbeitsteilung und des Fernhandelns mit Massengütern, relativ sichere Eigentumsrechte und aus der politischen Fragmentierung resultierende Innovationschancen. Außerdem haben vor allem die (relative) Autonomie (einiger) westlicher Städte und der westlichen Wissenschaft zur Dynamik der westlichen Entwicklung beigetragen.
Publish or Perish? Subjective Career Perspectives and Achievement Strategies of Young Scientists at the University of Bielefeld
Es wurde eine schriftliche Umfrage unter den Angehörigen des Mittelbaus der Universität Bielefeld durchgeführt. Die Fragen zielten sich auf die wissenschaftliche Produktivität der einzelnen, ihre subjektiven Berufsaussichten, ihre Kontrollüberzeugungen und ihre Befindlichkeit. Unbefristet Beschäftigte gaben weniger Bedrücktheit, Verunsicherung und Besorgtheit an als befristet Beschäftigte, unterschieden sich aber nicht bezüglich ihrer wissenschaftlichen Produktivität. Die Zahl der Publikationen korrelierte bedeutsam mit 'Folgeereignissen' (Zitationen, Gastvorträge, Gastprofessuren, Reviewer- und Herausgeberfunktionen), ließ sich aber aus psychologischen Variablen wie Kausalattribution von Erfolg. Wirksamkeitserwartung und Bedrücktheit kaum prognostizieren. Es wurde ein 'paradoxes Muster' der Kausalattribution gefunden, insofern Personen mit höherer Publikationsrate Erfolg erwartungswidrig eher auf Glück und persönliche Beziehungen denn auf Fähigkeit und Anstrengung zurückführten. Es wird argumentiert, daß die gegenwärtigen Berufsaussichten des wissenschaftlichen Nachwuchses sich eher leistungshemmend als leistungsfördernd auswirken.
Non Linear principle Component Analysis
In der statistischen Auswertung von Fragebatterien wird häufig die Faktoren- oder die Hauptkomponentenanalyse verwendet. Bei der Anwendung dieser Auswertungsverfahren wird davon ausgegangen, daß dem Untersucher die angemessene Quantifizierung der Antwortkategorien bekannt ist. Im Gegensatz zur herkömmlichen Technik kann im Rahmen der nichtlinearen Hauptkomponentenanalyse die optimale Quantifizierung der Antwortkategorien aus den Daten selbst berechnet werden, so daß Annahmen über Eigenschaften der Daten einer empirischen Prüfung zugänglich werden. Der Beitrag beschreibt die Grundzüge der nichtlinearen Hauptkomponentenanalyse und erläutert an zwei Beispielen die Einsatzmöglichkeiten des Verfahrens.
Theory and Action - In Memoriam Hans Haferkamp
Die Erinnerung an Werk und Wirken von Hans Haferkamp (verstorben 1987) verweist nicht nur auf seine Beiträge zur soziologischen Handlungstheorie, sondern auch darauf, daß er ein ausgeprägt pragmatisches Verhältnis zu seinem wissenschaftlichen Handeln hatte. Was tun wir eigentlich, so wird im Gedenken an ihn gefragt, wenn wir Theorien bilden, Methoden entwickeln, Forschung betreiben? Welchen Denk- und Handlungszwängen unterliegen wir dabei, - ja stiften sie womöglich selbst? Ohne weitreichenden epistemologischen Anspruch werden aus diesem Anlaß und in dieser Richtung einige aktuelle Probleme professionellen Handelns in der Soziologie erörtert.