Zeitschrift für Soziologie
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    The End of a Solitary Phenomenon? The Literature about Max Weber 1920-1988

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    Max Weber und sein Werk, so wird behauptet, erlebe heute wieder eine Art Renaissance, und zwar in dem Maße, daß sich die Weber-Literatur seit 1976 verdoppelt hätte. 1976 wurde eine Weber-Bibliographie herausgegeben, in der ungefähr 2400 Artikel und Bücher über Weber vorkamen, publiziert in der Periode 1920-1976. Aufgrund der genannten Bibliogaphie wird gezeigt, in welchen Sprachen Weber-Artikel und -Bücher publiziert wurden, welche Fluktationen in der Weber-Literatur auftreten seit 1920, welche Themen aus Webers Werk insbesondere in bestimmten Perioden behandelt wurden und welche Erklärungen für das Interesse an diesen Themen gegeben werden können. Es stellt sich heraus, daß diese Weber-Literatur ab 1976 nicht nur keine Verdoppelung erfuhr, sondern daß sich ab ungefähr 1973 ein definitiver und jedenfalls ein sehr scharfer Niedergang dieser Literatur eingesetzt hat.

    Max Weber's Concept of Value - Free Assessment in the Formalistic Appreciation of Sociology

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    Während man gemeinhin unter Wertfreiheit ein wissenschaftsethisch inspiriertes Gebot zur Trennung von Tatsachen- und Werturteilen versteht, stellt die vorliegende Studie Max Weber's Wertfreiheitspostulat in einen anderen, epistemologischen Kontext. Die epochale Erfahrung des Historismus, die die Entwicklung des soziologischen Denkens im Deutschland der Jahrhundertwende maßgeblich beeinflußt, konfrontiert auch Weber mit dem Problem der Standortgebundenheit allen Wissens, d. h. mit der Frage der Objektivität wissenschaftlicher Erkenntnis. Die Lösung, die Weber in seinen Schriften zur Methodologie der Sozialwissenschaften entwirft, nämlich: sein Wertfreiheitsbegriff, läßt, wie wir zeigen werden, seine neukantianischen Prämissen hinter sich und stellt einen ersten Schritt zu einem rein formalistischen Verständnis von Soziologie dar.

    Natural History and Sociology - Park's Natural History as Qualitative Methodology

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    Der 'natural-history'-Zugang, so wie ihn die Chicago-Schule verstand, soll qualitativen Sozialforschern näher gebracht werden. Die heutigen Soziologen dürften ihn, wenn überhaupt, nur als sequentielle Datenorganisation kennen - mit obskurer Bezeichnung. Um seine Möglichkeiten auszuschöpfen, muß man ihn zuerst als Element einer umfassenderen Methodologie und Gesellschaftstheorie begreifen. Zwar zeigt sich dann, daß das ambitiöse (evolutionstheoretische) Programm, in das ihn seine soziologischen Väter gestellt hatten, nicht einzulösen war. Die Fehlannahme, die zu seiner Propagierung in der Soziologie führte, war dennoch produktiv. Es entstanden Untersuchungen, die nach einer Balance zwischen naturkundlicher Liebe zum Detail und universellen Aussagen strebten. Zwischen diesen Polen haben sie zum Teil eine beachtliche Spannweite erreicht - und originelle Einsichten. Sie haben verschiedenste Phänomene als kollektives Verhalten konzipiert; die sequentiellen Modelle verliehen dieser Sicht Plausibilität.

    On the Civilization of Affects and their Bodily Display

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    Interaction Partner "Personal Computer"

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    Individuen können zum Kleincomputer kommunikativ-interaktive Beziehungen aufrechterhalten, die im gängigen konzeptuell- theoretischen Rahmen als Teil des soziologischen Gegenstandsfelds behandelt werden können. Insofern sich soziales Handeln nur aus intelligibles äußeres Verhalten (anstatt sinnhaftes inneres Erleben) eines Adressaten richtet, vermögen Computer in einen erfolgreichen Verdrängungswettbewerbs mit menschlichen Interaktionspartnern zu treten. Im besonderen eröffnet der sich gegenwärtig massenhaft ausbreitende Personal Computer den Individuen praktisch unlimitierte Zugangschancen zu diadischen Interaktionsprozessen, die durch maximale Spezifität, affektive Neutralität, Reversibilität, Regelkonsistenz und intentionale Manipulierbarkeit gekennzeichnet sind: Eigenschaften, die in der primären interpersonellen Interaktion überhaupt nicht und in sekundären Sozialbeziehungen nur durch besondere Disziplinierungsanstrengungen erreichbar sind. Die verbleibenden Interpersonalbeziehungen gleichen sich einerseits den Computerinteraktionen in dem Maße an, als computerinduzierte Erwartungshaltungen auch auf menschliche Partner übertragen werden, andererseits aber können sie sich - von vielen versachtlichten und disziplinbedürftigen Aufgaben entlastet - konsequenter darauf spezialisieren, echt 'intersubjektive' Beziehungen zu sein, in denen die Partner einander als vollwertige ALTER EGO's in Anspruch nehmen.

    Is Sociology Socially Irrelevant? Perspectives of a Constructivist Utilization Research

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    Die verbreiteten Klagen über die praktische Irrelevanz der Soziologie scheinen in der Verwendungsforschung eine Bestätigung zu finden. Deren Grundproblem ist die Nicht-Identifizierbarkeit soziologischen Wissens in Praxiskontexten. Unsere These ist, daß diese empirische Nicht-Identifizierbarkeit nicht einfach als faktische Nicht-Verwendung und damit als gesellschaftliche Irrelevanz der Soziologie zu deuten, sondern auf theoretische Mängel in der Konzeptualisierung des Gegenstands 'Verwendung soziologischen Wissens' zurückzuführen ist. Dabei zeigt die Diskussion neuerer verwendungstheoretischer Arbeiten, daß der Begriff 'soziologisches Wissen' nicht semantisch konzipiert werden darf. Von einer konstruktivistischen Position aus kann eine nichtsemantische Fassung dieses Begriffs zwanglos entwickelt werden. Das dabei vorgeschlagene 'Organisationskriterium' kann nicht nur das notorische Grundproblem empirischer Verwendungsforschung beseitigen, sondern beugt auch dem Einwand vor, ein konstruktivistischer Ansatz führe letztlich zur Preisgabe der Identität der soziologischen Disziplin. Die Rede von der Irrelevanz der Soziologie scheint unter der hier gewonnenen Perspektive zumindest voreilig.

    Orality in Africa and Literacy in Europe

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    Mündlichkeit und Schriftlichkeit sind menschliche Ausdrucksregister, die nicht nur den Bereich der Kommunikation betreffen, sondern auch der gesellschaftlichen Organisation. Sie sind soziale Organisationsmodi und bestehen nebeneinander her, weil sie unterschiedliche Funktionen wahrnehmen. Die afrikanischen Gesellschaften sind dominant mündlich, die europäischen dominant schriftlich. Der jeweils dominante Organisationsmodus bestimmt durch Übergriffe auch den minderheitlichen. Der mündliche Organisationsmodus kennt weder ein Original, noch unverrückbare Traditionen. Charakteristisch ist die ständige Fortschreibung in immer neuen Varianten. Die Sanktionierung einer jeweilig gültigen Version entsteht durch Sakralisierung. Der Mythos ist die herrschende Ausdrucksform der Mündlichkeit.

    On Social Changes, AIDS and the Assessment of Homosexuality as a Moral Transgression - A Trend Analysis Based on Popular Polls 1970-1987

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    Auf der Grundlage bundesweiter Umfragen aus den Jahren 1970, 1982 und 1987 wird die Beurteilung der Homosexualität untersucht. Danach ist der Liberalisierungstrend, der in den 70er Jahren zu beobachten war, in den 80er Jahren zu einem Stillstand gekommen. Das Auftreten von AIDS und das Überwiegen von Homosexuellen unter den AIDS-Kranken hat vermutlich zu einem gewissen Umkehrtrend in der Beurteilung geführt. Von einer dramatischen Veränderung der Situation und einer Renaissance früherer Verhältnisse ist jedoch nichts zu erkennen. Überproportional beteiligt sind an der veränderten Bewertung vor allem die jüngeren Befragten: sie sind wichtige Träger der Liberalisierung in den 70er Jahren. Sie aber scheinen es auch zu sein, die unter dem Eindruck der AIDS-Gefährdung in den 80er Jahren die Homosexualität wieder stärker moralisch verurteilen.

    Some Problems of Lifewordly Ethnographies

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    'Lebensweltliche Ethnographie' bezeichnet den Versuch, durch eine Verbindung ethnographischer und phänomenologischer Methoden, praktisch also insbesondere im Rekurs auf beobachtende Teilnahme und mehrphasige Intensivinterviews. Wirklichkeiten von Menschen (in modernen Gesellschaften) kontrolliert zu rekonstruieren. D. h. theoretisch geht es darum, die Welt, wie sie unter 'typischen' Perspektiven erscheint, zu verstehen. Und als methodologische Konsequenz folgt daraus, daß der Forscher idealerweise praktische Mitgliedschaften an sozialen Veranstaltungen erwirbt und sein Feld methodenplural exploriert, denn es gilt 'die Fremde in der Nähe' wiederzuentdecken.

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