Zeitschrift für Soziologie
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Interpersonal Processes as Sources of Stress - Towards a Better Understanding of the Regulation of Emotions in Modern Society
Zwischenmenschliche Prozesse bilden eine wichtige Ursache für Streß insbesondere im Bereich personenbezogener Dienstleistungsarbeit. Bei Anbietern dieser Leistungen in Krankenhäusern, Schulen oder in der Sozialarbeit besteht das Risiko emotionaler Überforderung bedingt durch die Notwendigkeit, permanent auf Kosten eigener auf Gefühle anderer eingehen zu müssen. Interaktionsstreß kann, insbesondere bei seiner Chronifizierung, das seelische und körperliche Wohlbefinden erheblich beeinträchtigen mit entsprechenden negativen Folgen für Leistungsfähigkeit, Arbeitszufriedenheit und Gesundheit. Der Aufsatz argumentiert für ein ganzheitliches Menschenbild in der Soziologie und skizziert Ansätze für eine Makro- und Mikrosoziologie der Gefühle. Er legt nahe, daß zukünftig in der Streßforschung und bei der Beschäftigung mit den sozialen Bedingungen und Folgen positiver und negativer Gefühle Soziologen und Psychologen stärker zusammenarbeiten sollten.
The Year 2000 and Ist Relevance for Social Reporting
Das Etikett '2000' wird zwar schon seit längerer Zeit als Mittel zur Betonung der Fortschrittlichkeit beliebiger Produkte sowie als Projektionsebene für Zukunftsperspektiven verwendet. Als Datum gerät das Jahr 2000 jedoch jetzt zunehmend auch in die konkreten Planungs- und Aktionshorizonte gesellschaftlicher Akteure. Aufgrund seiner symbolischen Bedeutung als Zeitenwende wird dieses Datum erhebliche kulturelle, politische und vielleicht auch materielle Energien zeitlich gebündelt freisetzen. Unter dem Signum des Bimillenniums kommt es bereits jetzt zu einem Wettstreit um die 'besten' Deutungsmuster, Prognosen, Planungen und Projekte. Die tief in abendländisch-christlichen Zeitvorstellungen verhaftete Magie dieses Datums sowie seine Einbettung in eine Phase gesellschaftlicher Umbrüche und kultureller Verunsicherungen bilden eine einzigartige Arena für kulturelle Auseinandersetzungen und den Kampf um Ressourcen für großangelegte Projekte. Diesem Aufforderungscharakter wird sich auch die Soziologie nicht ohne Schaden entziehen können. Speziell für die Sozialberichterstattung stellen die Aktivitäten um dieses Ereignis herum auch eine Gelegenheit dar, bisher vernachlässigte Aspekte ihres Berichtsprogramms gezielt aufzuarbeiten: Zukunftsvorstellungen als Bestandteil der Lebensqualität, eine Revision wohlfahrtsrelevanter Zielvorstellungen sowie eine Untersuchung des Wechselspiels zwischen 'subjektiven' und 'objektiven' Veränderungsprozessen.
Technology in Every-Day Family Life. Towards an Analysis of Patterns of Use in Families
Die Technisierung des privaten Alltags ist in den letzten Jahren zunehmend Gegenstand sozialwissenschaftlicher Diskussionen geworden. In diesen Rahmen leistet der vorliegende Aufsatz einen empirischen Beitrag zu der Frage, inwieweit technische Artefakte in familiale Lebensformen integriert werden oder diese in Richtung technischer Handlungsrationalitäten verändern. Am Beispiel spezifischer Muster gemeinsamer Zeitverwendung in Familien im Zusammenhang mit der Anschaffung neuer Geräte der Haushaltstechnik und Unterhaltungselektronik werden unterschiedliche familiale Aneignungsformen dieser technischen Geräte exemplarisch aufgezeigt.
Comprehending Value Orientations in Survey Research
Die Problematik der angemessenen Umsetzung theoretischer Konstrukte in empirisch erfaßbare Einstellungen wird am Beispiel der Wertewandelforschung insofern besonders augenfällig, als in diesem Bereich zwar eine breite theoretische Diskussion geführt wird, der gegenüber jedoch die empirische Umsetzung zurücksteht. So finden sich in der standardisierten Umfrageforschung - mit Ausnahme der Indikatoren nach Inglehart, die inzwischen einer vielfachen Kritik ausgesetzt sind - kaum Arbeiten, die nach systematischen Kriterien vergleichbar sind. Der vorliegende Beitrag befaßt sich zunächst mit in bezug auf die gegenwärtige Diskussion zentralen Problemen der Konzeptualisierung und Operationalisierung von Wertorientierungen und stellt vor dem Hintergrund dieser Überlegungen ein neues Instrument vor. Es werden Analysen zur Validität und Reliabilität auf der Basis zweier Repräsentativbefragungen sowie dreier Wellen einer Paneluntersuchung durchgeführt. Zusammenfassend können die Ergebnisse nach diesen Kriterien zur Beurteilung der Datenqualität als durchaus befriedigend angesehen werden.
"Organisation" of the Economy. From Durkheim's Professional Groups to Bouglé's Solidarism
Die zentrale Fragestellung des Beitrages besteht darin, welchen Einfluß Durkheims Analyse der 'anormalen Formen' der Arbeitsteilung und ihres theoretischen Lösungsversuches, die Wiederherstellung der Berufsgruppen, auf die vor und nach dem Ersten Weltkrieg auch in Frankreich geführte Diskussion um die Transformation der Wirtschaftsordnung ausgeübt hat. Celestin Bougle, einer der wichtigsten Mitarbeiter bei 'Annee Sociologique', hat hierzu entscheidende Anstöße geliefert, denn er stellt eine Verbindung zwischen seinen wirtschaftssoziologischen Analysen, die auf einen begrenzten Staatsinterventionismus bei Partizipation aller wirtschaftlichen Interessengruppen hinauslaufen, und den ordnungspolitischen Bestrebungen des französischen Solidarismus her. Der Solidarismus muß zu jenen politischen Strömungen gerechnet werden, die für einen 'Dritten Weg' zwischen Klassischem Liberalismus und zentralistischem Kollektivmus plädierten. Bougles solidaristische ordnungspolitische Konzeption wird in dem 1925 geschaffenen 'Nationalen Wirtschaftsrat' verwirklicht, der in abgewandelter Form bis heute in Frankreich existiert, und als ein frühes Modell des 'liberalen Korporatismus' anzusehen ist.
The Interactive Construction of Gender
Mit einer ethnographischen Feldstudie wurde die interaktive Hervorbringung 'offensichtlicher' und 'natürlicher' Geschlechtszugehörigkeit untersucht. Einen Zugang hierzu bot die Irritation von Verhaltens- und Wahrnehmungsroutinen bei Transsexuellen und bei in ihren Geschlechtswechsel involvierten Teilnehmern. Anhand von Gesprächstranskripten wird die kunstvolle Darstellungs- und Attributionspraxis in der alltäglichen Geschlechtsunterscheidung beschrieben. Die soziale Existenzweise von Geschlechtern wird als Geschlechtszuständigkeit bestimmt. Damit werden die moralische Dimension des Verleihens von Geschlechtsgeltung und die interaktiven Beziehungen hervorgehoben, in denen Teilnehmer in der Geschlechtskonstruktion kollaborieren. Gegen die in der Geschlechtersoziologie vorherrschende Vorstellung vom Körper als biologischer Basis zivilisatorischer Elaboration wird eine soziale Konstruktion des Körpers behauptet, die als eine Praxis ihre Reproduktionsbedingungen in den Beziehungen konstruierter Geschlechter hat.
Fear of Crime among the West German Population 1965-1987: Changes under the Influence of Changing Sex Roles
Die objektive und subjektive Kriminalitätsbedrohung haben sich in der Bundesrepublik auseinanderentwickelt. Während die Zahl der Gewaltdelikte langfristig stieg, ist die Kriminalitätsfurcht gesunken. Unter Umständen hat die Medienberichterstattung, die mit der Realität nur in einer lockeren Weise gekoppelt ist, dieses Auseinandertreten der objektiven und subjektiven Veränderungen mitbegünstigt. In erster Linie aber wohl werden die Veränderungen auf ein verändertes Selbstbild und gestiegenes Selbstbewußtsein bei den Frauen zurückgehen. Damit erweist sich die Kriminalitätsfurcht nicht allein durch die Kriminalitätsentwicklung geprägt, sondern ebenfalls durch allgemeine soziokulturelle Entwicklungen auf seiten der Bevölkerung.
Evaluation of a Legislative Measure. An Example for the Use of Time Series Analyses in Evaluation Research
In den letzten Jahren haben Zeitreihenanalysen verstärkt Eingang in die Evaluationsforschung gefunden. Man setzt sie dort ein, wenn untersucht werden soll, wie sich ein Ereignis (Intervention) über die Zeit hin ausgewirkt hat. Zwei Umstände dürften für diese neuere Entwicklung in der Evaluationsforschung ausschlaggebend gewesen sein: Die Konzeption von quasi-experimentellen Untersuchungsplänen, insbesondere die des sog. 'interrupted time series'-Quasi-Experiments sowie die Entwicklung und Verbreitung der Box-Jenkins-Methode, einer dynamischen Analyseform zur Auswertung von Meßwiederholungsdaten. - Bei der Evaluierung des 'Gesetzes zur Vereinfachung und Beschleunigung gerichtlicher Verfahren' wurden im größeren Umfang Zeitreihenanalysen eingesetzt. Die sog. Vereinfachungsnovelle trat am 1.7.1977 bundesweit in Kraft, sie beinhaltet eine grundlegende Neustrukturierung des formalen Verfahrensablaufs bei Zivilprozessen. Eines der dabei vom Gesetzgeber angestrebten Reformziele ist die Verkürzung der Dauer von Gerichtsverfahren. Die vorliegende Studie bezieht sich vor allem auf dieses Reformziel. An seinem Beispiel wird gezeigt, wie sich das 'interrupted time-series'- Quasi-Experiment und die Box-Jenkins-Methode in der Evaluationsforschung nutzen lassen