Zeitschrift für Soziologie
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Emile Durkheim and Ferdinand de Saussure - Some Remarks on the Problem of Social Order
Im folgenden werden auf der Folie der Soziologie Durkheims Hinweise für eine Lösung des Problems sozialer Ordnung gegeben, die nicht auf überkommene metaphysische Entitäten abstellen. Zu diesem Zwecke wird der moralistische Ansatz Durkheims kritisiert und durch einen auf Saussure zurückgehenden sprachtheoretischen ersetzt. Dessen gesellschaftstheoretische Eignung wird abschließend anhand eines Vergleichs mit dem Ansatz von Habermas erörtert.
Labor Markets in the Civil Service and in the Private Sector
Im vorliegenden Beitrag wird die Wirkung und Bedeutung von Arbeitsmarktsegmentation in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst aus der Perspektive von Berufsverläufen untersucht. In theoretischer Hinsicht werden Defizite der Segmentationstheorien aufgezeigt. Hierbei wird die These, daß der öffentliche Dienst ein Prototyp des betriebsspezifischen Arbeitsmarktes sei, in Frage gestellt. Sowohl theoretisch als auch empirisch wurde jedoch aufgezeigt, daß der öffentliche Dienst wie die Privatwirtschaft ein segmentierter Beschäftigungsbereich ist. Im Längsschnitt konnte empirisch festgestellt werden, daß der öffentliche Dienst solche Teilmärkte aufweist, die in regiderer Weise voneinander abgeschottet sind als die Arbeitsmarktsegmente des privatwirtschaftlichen Sektors. Die Arbeitsmarktchancen von Beschäftigten in beiden Sektoren werden durch die Segmentation strukturiert. Daraus resultiert die Schlußfolgerung, daß es für die Arbeitsmarkttheorien Sinn macht, in differenzierter Weise zwischen dem öffentlichen Dienst und der Privatwirtschaft zu unterscheiden. Darüber hinaus konnten allerdings nicht in eindeutiger Weise die Thesen der Ansätze der internen Märkte bestätigt werden, daß gerade innerhalb des öffentlichen Dienstes die Arbeitskräfteallokation hauptsächlich über institutionelle Regeln und Verfahren verläuft. Vielmehr besteht eine Wechselwirkung zwischen den individuellen Ressourcen und den Regelungen des öffentlichen Dienstes, die die von den Segmentationsansätzen konstatierten Mechanismen überlagern. Vor allem die Bedingungen des Berufseintrittes in den öffentlichen Dienst determinieren die Arbeitsmarktchancen von Staatsbeschäftigten im späteren Berufsverlauf.
From Historical Political Economy to Historical Sociology - A New Paragidm in the German Social Sciences around 1900
Die deutschen Sozialwissenschaften des späten 19. Jahrhunderts waren geprägt durch heftige Methodenkämpfe zwischen den vorherrschenden historischen Schulen einerseits und den aufstrebenden nomothetischen Strömungen des Positivismus, der theoretischen Nationalökonomie und des Marxismus andererseits. Um 1900 wurden in der jüngeren Generation der historischen Schule der Nationalökonomie (Werner Sombart, Max Weber, Alfred Weber, Franz Oppenheimer) die Grundlinien eines neuen Paradigmas sichtbar, das auf die Synthese von nomothetischen und historistischen Elementen, von Theorie und Geschichte abzielte. Der vorliegende Beitrag zeigt einige Strukturelemente des neuen Paradigmas ('Weimarer historische Soziologie') auf, gibt einen Überblick über seine weitere Geschichte und fragt nach den Perspektiven für die gegenwärtige deutsche Soziologie.
Studying with Pre-school Children: Division of Labor in the Family - First Insights of a Time of a Budget Study
Gerade bei jungen Frauen und Männern mit hohem Bildungsniveau haben sich in den letzten Jahren die Einstellungen zur familialen Arbeitsteilung stark gewandelt. Mittlerweile wird eine partnerschaftlich-egalitäre Verteilung der Pflichten im Haushalt mehrheitlich begrüßt. Um festzustellen, ob veränderte Einstellungen auch verhaltenswirksam geworden sind, wurden 66 Studentinnen und Studenten mit Kleinkindern mit Methoden der Zeitbudgetforschung zu Tagesablauf und Zeitverwendung befragt. Bei insgesamt im Vergleich zur Erwerbsbevölkerung hoher Gesamtbelastung waren auch hier Hausarbeit und Kinderbetreuung ungleich, und zwar zu Lasten der Frauen, verteilt. Studentinnen können daher wesentlich weniger Zeit in ihr Studium investieren als Studenten. Immerhin hatte eine relativ große Minderheit partnerschaftliche Formen der Arbeitsteilung verwirklicht.
Patterns of Unemployment and their Consequences for the Welfare of Households and Individuals
Ausgehend von einer allgemeinen Darstellung der Entwicklung der Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik werden mittels der Daten des 'Sozio-ökonomischen Panel' Verlaufsformen und Typen von Arbeitslosigkeit betrachtet. Arbeitslosigkeit wird nicht nur als Einschnitt individueller Lebensverläufe verstanden, sondern primär in der Konstellation eines Haushalts mit seinen einzelnen Mitgliedern. Im Rahmen dieser Kontextanalyse zeigt sich, daß haushaltsspezifische Typen von Arbeitslosigkeit bzw. von Arbeitslosen identifizierbar sind, die sich durch unterschiedliche Verlaufsformen kennzeichnen lassen. Auch die Folgen der Arbeitslosigkeit (Einkommenseinbußen, Zufriedenheitsdefizite) gestalten sich nicht einheitlich, sondern sind konkret darauf zu beziehen, welche Personen innerhalb eines Haushalts arbeitslos werden und welche Kompensationsmöglichkeiten sich der Haushaltsgemeinschaft bieten. Die Resultate weisen insgesamt auf die Notwendigkeit einer nach bestimmten Typen bzw. Verlaufsformen unterschiedenen Betrachtung des Arbeitslosenproblems hin und bestätigen die Vorteilhaftigkeit eines haushaltsbezogenen Untersuchungskonzepts.
Postmodern Sociology - Sociology of Postmodernism? - Considerations on Necessary Differentiations in the Social Sciences' Discussion
Der Terminus Postmoderne verweist auf einen interdisziplinären Diskussionszusammenhang, dessen Bedeutung für die soziologische Theoriebildung zunächst in der Infragestellung der disziplinären Identität der Soziologie als rationale Reflexionsinstanz der modernen Gesellschaft besteht. Davon zu unterscheiden ist die Notwendigkeit, die kategorialen Grundlagen empirischer soziologischer Forschung für die Analyse sozialstruktureller und kultureller Entwicklungstendenzen zu sensibilisieren. Der Beitrag versucht aufzuzeigen, daß für eine produktive Fortführung der sozialwissenschaftlichen Postmoderne-Debatte in bezug auf beide Dimensionen eine Klärung des kategorialen Status von Postmoderne erforderlich ist, dessen Bestimmungen in der derzeitigen Diskussion zwischen deskriptiven und normativ-kritischen Fassungen oszillieren. Diesbezüglich wird ein Klärungsversuch entwickelt, der Postmoderne als ein empirisch zu fundierendes Konzept der Analyse und Kritik von Tendenzen der herrschaftsförmigen Subsumtion partikularer Lebensformen faßt.'
Aspects of Confidence in Institutions - Western Europe in the Comparison of the International Survey of Values 1981
Niedriges Vertrauen in etablierte Institutionen läßt sich - auch - als rationale Skepsis auffassen, in der sich illusionslose Befürchtungen über einen Amtsmißbrauch mit dem wertgeprägten Glauben an Grund- und Freiheitsrechte und an den Rechtsstaat verbinden. Aus dieser Annahme werden einige Folgerungen abgeleitet und in einer (naturgemäß begrenzten) Sekundäranalyse des 'European Values Survey' von 1981 überprüft. Es zeigt sich, daß höher Gebildete den meisten Institutionen gegenüber generell ein geringeres Vertrauen äußern als Gleichaltrige mit nur Elementarschulbildung. Aber selbst dann, wenn Gebildete sich als 'links' einstufen und jugendlich (und darum besonders institutionenkritisch) sind, bringen sie denjenigen Institutionen, die als Wächter liberaler Demokratie aufgefaßt werden können - nämlich Parlament, Presse und Justiz - ein höheres Vertrauen entgegen als ihre Altersgenossen ohne höhere Bildung. Bemerkenswert ist die (mit wenigen marginalen Ausnahmen) länderübergreifende Gleichförmigkeit dieser Haltung, in der sich Grundmuster modernen Demokratieverständnisses ausdrücken dürfte.
The Methods of Interviewing Pedestrians
Die Autoren stellen eine Variante der Befragung, die Passantenbefragung, dar. Es werden die Vor- und Nachteile der Methode erörtert, sodann die Probleme der Stichprobe. Es läßt sich nachweisen, daß die Stichprobe der Passanten signifikant von der soziodemographischen Struktur der Gesamtbevölkerung einer Stadt abweicht. Ausführlich werden die Ausfälle durch Verweigerungen untersucht. Die Verweigerungen werden durch nutzentheoretische Hypothesen erklärt. Auf der Grundlage dieser Hypothesen werden die Befragungssituation untersucht und praktische Hinweise gegeben, wie sich die Bereitschaft der Passanten, ein Interview zu geben, erhöhen läßt.