Zeitschrift für Soziologie
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Models of Discovering Unobserved Heterogeneity in the Analysis of Life Satisfaction
Ausgehend von dem zentralen Problem der unbeobachteten Heterogenität in der empirischen Sozialforschung wird zur Lösung des Problems das statistische Verfahren der finiten Mischung von Mittelwert- und Kovarianzstrukturmodellen vorgestellt. In diesem Modell kann der Erwartungswert jeder Komponente der Mischung sowohl von normalverteilten als auch von nicht normalverteilten Regressorvariablen abhängen. Der Erwartungswert und die Kovarianzmatrix jeder Komponente der Mischung werden als konditionale Mittelwert- und Kovarianzstrukturmodelle (z. B. vom Typ LISREL) parametrisiert. Zur Schätzung der Parameter werden drei Schätzstrategien vorgestellt, Teststatistiken für die geschätzten Parameter, Fit-Indices zur Modellprüfung sowie zwei Testverfahren auf die Anzahl der Komponenten werden angegeben. Modellspezifikation und Schätzverfahren werden in der Form von Mischungen konditionaler LISREL-Modelle zur Identifikation heterogener Personengruppen bezüglich der Lebenszufriedenheit an den Wohlfahrtssurvey 1993 angewendet. Als Ergebnis werden drei Typen identifiziert, die sowohl einen unterschiedlichen Grad an Lebenszufriedenheit als auch eine unterschiedliche Beziehungsstruktur zwischen den Zufriedenheiten in einzelnen Lebensbereichen, allgemeiner Lebenszufriedenheit und sozialstrukturellen Determinanten aufweisen.Starting from the important problem of unobserved heterogeneity in empirical sociology, a new statistical model is considered that is a finite mixture of conditional meanstructure and covariance structure models. In this approach, the expected values in each component of the mixture may depend on normally or nonnormally distributed regressor variables. The expected value and the covariance matrix of errors in each component of the mixture are (parameterized) using conditional meanstructures and covariancestructures such as the LISREL model. Three different procedures for estimating the parameters of this model are briefly discussed. Test statistics for individual parameters as well as fit indices and two procedures for testing the number of components are given. The model and the estimation procedure are then applied to set of empirical data to identify heterogenous types of people with different degrees of well-being. Since different LISREL models may be used for each type, it is not only possible to identify different degrees of well-being, but also different types of relationships between satisfaction in different areas of life and the influences of this area satisfaction on satisfaction with life in general
Social Capital and Unemployment. Swiss Cantons in a Comparative Perspective
Der vorliegende Beitrag präsentiert eine empirisch vergleichende Analyse zur Wirkung des sozialen Kapitals auf den Schweizer Arbeitsmärkten und fragt, inwiefern die unterschiedlich hohen Arbeitslosenquoten in den Kantonen zwischen 1992 und 1997 auf die ungleiche Verteilung des Sozialkapitals zurückgeführt werden können. Der Grundgedanke dieses Konzeptes ist, dass sich Individuen oder Gruppen eine Reihe von Handlungsressourcen und -verpflichtungen aus eng vernetzten sozialen Verbindungen eröffnen. Mit Blick auf den Arbeitsmarkt wird die Hypothese verfolgt, dass ein hoher Grad an sozialem Kapital zur effizienten Nutzung des Informationspotentials verhilft, mithin anstehende Such- und Transaktionskosten reduziert, die Qualität von Stellenbewerbern sichert, die Problematik der Nichtkooperation zwischen In- und Outsidern mindert, die Suchaktivitäten der Erwerbslosen steigert und damit in der Summe die Zahl der Arbeitslosen begrenzt. Das zentrale Ergebnis der Arbeit ist, dass ungleiche Verteilungen von sozialem Kapital in den Kantonen - neben anderen ökonomischen und politischen Größen - zu einem erheblichen Teil die unterschiedliche Verwundbarkeit kantonaler Arbeitsmärkte in Bezug auf rezessionsbedingte Auswirkungen erklären.Recent interdisciplinary theoretical and empirical work has suggested that social capital plays a pivotal role in explaining the economic performance of contemporary societies. This article presents the first systematic, empirical examination of the relationship between social capital and unemployyment in twenty-six Swiss cantons over the period between 1992 and 1997. The findings provide strong evidence that social capital - measured by a multidimensional indicator incorporating both objective associations between individuals and subjective ties - has an impact on umeployment rates. Besides the influence of further political and economic determinants this article shows that a high degree of social capital is systematically related to a lower unemployment rate in a given canton while thereverse is true of cantons with lower social capital
Exclusion and Spatial Differentiation
Bis in die aktuelle Gegenwart wird Armut und räumliche Ausgrenzung primär als Ungleichverteilung der Bevölkerung in Bezug auf das verfügbare Einkommen und Beschäftigung beschrieben. Mit dem Auftauchen des Begriffs der Exklusion scheint sich diese Ausgangslage zugunsten einer Ausweitung der Problemwahrnehmung zu ändern. Exklusion meint immer den Vorgang eines kumulativen Ausschlusses von Personen aus einer Mehrzahl unterschiedlicher, für die Lebensführung relevanter Funktionsbereiche der Gesellschaft. Der Aufsatz rekonstruiert diesen Perspektivenwechsel anhand einer Gegenüberstellung etablierter Forschungsansätze der Armuts- und Ungleichheitsforschung. Es fällt auf, daß vor allem die soziologische Systemtheorie Anknüpfungspunkte bereithält, um eine voreilige Verengung der Problemsicht auf wirtschaftliches Geschehen zu vermeiden. Mit Blick auf den Basissachverhalt der funktionalen Differenzierung der Gesellschaft ist es zudem möglich, die Beziehung von Exklusion und räumlicher Differenzierung präziser zu bestimmen. Es zeigt sich, daß sich die moderne Gesellschaft auch in Hinsicht auf Exklusion von räumlichen Mustern der Strukturbildung ablöst. Exklusion kommt heute überall in der Welt vor und ist ein strikt lokales oder regionales Phänomen, für das vor allem das Fehlen von organisationsbezogener Kommunikation kennzeichnend ist.Up to now, poverty and spatial exclusion have primarily been described as the unequal distribution of disposable income and employment in relation to a given population. In this situation, the emergence of the term "exclusion" indicates an increase in the scape of the problem. Exclusion always refers to a cumulative process of personal detachment from a large number of heterogeneous, but essential functional spheres of society. This paper reconstructs this change in perspectives by comparing established approaches of contemporary poverty and inequality research. It becomes evident that the Social Systems Theory offers optimal links to avoid too narrow a focus on economic issues. With reference to the fundamental act of functional differentation, it is possible to specify the relation between exclusion and spatial differentiation. One finding is that the structure of modern society is - even in respect to exclusion - moving away from spatial patters. Today, exclusion occurs as a strictly local or regional phenomenon all over the world, above all acharacterized by the lack of organizational communication
Dreamscape: Simulation of the Emergence of Norms out of the State of Nature Using a Computer-Based Rational Choice Model
Die vorliegende Arbeit ist ein Beispiel dafür, dass Computermodelle zur Formalisierung von Theorien eingesetzt werden können. Das Modell Dreamscape ist als Multiagentenmodell eine Operationalisierung des Rational- Choice-Ansatzes von Esser. Diese Arbeit will das dynamische Verhalten des Rational-Choice-Ansatzes anhand der Entstehung von Normen aus dem "Naturzustand" (Hobbes) untersuchen. Das computerbasierte Rational-Choice-Modell Dreamscape stellt eine recht genaue Modellierung des von Hobbes beschriebenen "Naturzustandes" dar. In einer computerbasierten Analyse zeigt sich für friedfertige Akteure, dass konjunkte Normen entstehen und reproduziert werden können. Im Gegensatz dazu wird nachgewiesen, dass gesellschaftliche Ordnung nicht entsteht, sobald die Akteure gewaltbereit sind. Ein weiteres Ergebnis ist die Forderung nach einer Erweiterung bzw. Konkretisierung der Regeln für die Erstellung von Brückenhypothesen, die die Operationalisierung des Rational-Choice-Ansatzes von Esser leiten.This paper illustrates the use of computer simulation for the formalization of theories. The multi-agent model Dreamscape is an operationalization of Esser's Rational Choice Theory with a multi-agent system. The author examines the dynamics of the Rational Choice Theory by analyzing the emergence of social order out of the "state of nature" (Hobbes). The computer-based rational choice model Dreamscape models the "state of nature" as described by Hobbes with relative exactness. The computer-based analysis shows that conjunct norms emerge if deadly violence is not allowed. On the other hand, if individuals use deadly violence no social order emerges. A further result is the demand for an extension of the rules that regulate the creation of bridghe hypotheses, which giude the operationalization of Esser's rational choice theory
"In Mathematics Disputes Can be Decided with Certainty" - Towards a Sociology of Mathematics
Die Mathematik wird in diesem Aufsatz als ein empirisches Beispiel präsentiert, an dem sich die Voraussetzungen eines "rationalen Dissenses" exemplarisch untersuchen lassen. Denn im Gegensatz zu anderen epistemischen Kulturen gibt es in der Mathematik weder interpretative Flexibilität noch unentscheidbare Kontroversen. Auf der Basis einer medientheoretischen Perspektive und einer Feldstudie in einem internationalen Mathematikinstitut geht der Aufsatz der Frage nach, ob die Soziologie im Falle der Mathematik nicht auf eine prinzipielle Grenze stößt. In einem ersten Teil wird die These einer epistemischen Besonderheit der Mathematik präzisiert und in Auseinandersetzung mit zwei programmatischen Arbeiten zur Mathematiksoziologie vertieft. Anhand der Geschichte des Objektivitätsbegriffs wird im zweiten Teil gezeigt, dass sich die Integrationsmechanismen über die Zeit hinweg verändert haben: Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wird die Anschlussfähigkeit von Kommunikationen in zunehmendem Maße durch symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien gesichert, die in der Mathematik die spezifische Form der Formalisierung annehmen. Der dritte Teil beschreibt anhand von drei Beispielen (computergestützte Beweise, lange Beweise und experimentelle Mathematik) gegenwärtige Tendenzen, die von einigen Mathematikern zum Anlass genommen werden, für eine "Liberalisierung" der mathematischen Validierungsmethoden zu plädieren. Zum Schluss werden die Konsequenzen diskutiert, die sich daraus für den spezifischen Integrationsmodus der Mathematik ergeben.Mathematics constitutes a crucial test case for sociology. In contrast to other epistemic cultures no "interpretative flexibility" seems to exist: controversies can be decided "with certainty", as Ludwig Wittgenstein put it. Based on an ethnographic field study conducted in an international institute, this article outlines a sociological theory of mathematics. It starts out from a critical review of programmatic work by David Bloor and Eric Livingston and develops, in a second part, a historical argument which shows how the practices of establishing truth in mathematics have changed over time. Within frame of reference of Luhmann's media theory the paper argues that, in the wake of instituional expansion during the 19th century, mathematicians had to develop new strategies for reaching consensus. The most important strategy is constituted by formalization and the establishment of proof as the only accepted form of validation. In a last section recent developments in mathematics are discussed with respect to their potential for undermining the epistemological exclusivity of proof; these developments render mathematics more comparable to the empirical sciences (e.g. computer-aided proofs, long proofs, and experimental mathematics)
The Advancing Stranger
Der vorliegende Artikel thematisiert Verlauf und Folgen der partiellen Überwindung ethnischer Unterschichtung durch avancierende Fremde. Dabei bedient er sich der von Elias und Scotson entwickelten Figurationsanalyse. Avancierende Fremde werden für Autochthone zum Problem und aus soziologischer Perspektive zu einem sozialen Tatbestand, weil sie die im alltäglichen Handlungserleben selbstverständlich vorausgesetzten Statusgrenzen überwinden und somit identitätsaffirmative Rangordnungen in Frage stellen. Der Artikel entfaltet dieses Argument im Lichte des Fallbeispiels einer sich umkehrenden deutsch-türkischen Etablierten-Außenseiter-Figuration in Duisburg-Marxloh. Er zeigt unter Rekurs auf quantitative und qualitative Daten, daß aus der sich konflikthaft verändernden Machtbalance im Stadtteil Unsicherheitserfahrungen erwachsen. Um die Akteure dieser Veränderung zu bestimmen, fächert er das Konzept des avancierenden Fremden in zwei Typen bzw. zwei "Politik[en] der Lebensstile" auf. So durchbricht der Parvenü des Wohnumfeldes die eingelebten räumlichen Statusgrenzen im Rahmen konformer Erfolgs- und Karrieremuster, während der Paria des Wohnumfeldes das ancien régime verräumlichter Rangordnungsgrenzen durch deviante Raumaneignung und physische Machtentfaltung transzendiert. Zwar unterscheiden Paria und Parvenü des Wohnumfeldes sich in der Form der Raumaneignung, aber ihre Gemeinsamkeit besteht darin, daß sie die Machtbalance im Stadtteil verändern. Der Artikel schließt mit Anmerkungen zu einer Figurationsanalyse, die nicht stationäre Machtbalancen, sondern vor allem sich wandelnde Figurationen untersucht.This article deals with the advancing stranger who surmounts the limits of ethnic stratification. Since he/she breaks out of the limits of social status embedded in day-to-day symbols, the advancing stranger becomes a social fact for sociologists. The advancing stranger questions the hierarchy formerly established by autochthonous residents and consequently threatens their identity. The article develops this concept in the light of a case study. It analyses the changes in a neighborhood in Duisburg composed of German and Turkish inhabitants. Using quantitative and qualitative data it shows that these changes in th usual balance of power produce feelings insecurity and fears of crime. In order to identify the most important actors responsible for these changes the author distinguishes two types of advancing strangers and thus two types of underlying lifestyle. The parvenu breaks out of the status order engraved in the local area by physically takinig possession of that area. Although pariah and parvenu differ in the way they approriate the residential area, they share the fad that what they do changes the local balance of power. Finally, the article recalls Norbert Elias's call for studying not only stable but, above all, dynamic relations between those who are established and outsiders and discusses some open questions related to this topic
>Decisionmaking under Uncertainty: Banking Locations in Central and Eastern Europe
Es ist die Fiktion der Bankwirtschaft, dass ihre Entscheidungen auf der Grundlage präziser Beobachtungsverfahren der ökonomischen Wirklichkeit getroffen werden. Der Beitrag geht dieser Annahme aus einer mikroanalytischen Perspektive nach und analysiert den bankwirtschaftlichen Umgang mit Ungewissheit am Beispiel von Standortentscheidungen. Er entwirft seine theoretischen Perspektiven in Auseinandersetzung mit verhaltenswissenschaftlichen und neoinstitutionalistischen Ansätzen in der Organisationstheorie. Der Beitrag rekontextualisiert den bankwirtschaftlichen Umgang mit Ungewissheit als Erzeugung von Entscheidungswissen. Diese Verfahren der Inventarisierung, Klassifizierung und Interpretation geografischer Räume werden als ökografisches Wissen analysiert. Der Beitrag zeigt, dass die Erstellung der Expertisen keiner effizienten Informationstechnologie folgt und dass - um Evidenz für den Entscheidungsprozess zu erzeugen - vereinfachende, homogenisierende und entdifferenzierende Darstellungsformen gewählt werden. Diese rhetorische Praxis wird an zwei Formen der Darstellung geografischer Räume analysiert: nummerische Präsentation zum einen, kartografische Repräsentation zum anderen.One of the fictions of the banking industry is that the decisions taken are based on precise observations of economic reality. This paper looks behind the presupposition and gives a microanalytical perspective on the management of uncertainty using decisions on branchlocations as an example. This paper conceptualizes the theoretical framework in the discussion of behavioral and neo-institutional research in organization theory. It recontextualizes the management of uncertainty as a procedure which generates knowledge. The procedures of inventarization, classification, and interpretation of geographical space are analyzed as ecographic knowledge. It s shown that the basis of expert knowledge does not lie in an efficient model of information technology and that forms of representation which simplify and homogenize are chosen to produce evidence for the decision-making process. The rhetorical practice of representation of geographical space is analyzed in two forms: numerical representation, on the one hand, and cartographic representation, on the other
Structural Conditions of Mobilization. An Empirical Study of American Miners' Strike in the 19th Century
Die Protestforschung konnte feststellen, dass die soziale Mobilisierung und Organisierung von Bevölkerungsgruppen durch die Existenz horizontaler, sozialer Netzwerke innerhalb dieser Gruppen gefördert wird. Der Artikel untersucht die Frage, ob es makrosoziologische, strukturelle Bedingungen gibt, die die Entwicklung horizontaler, sozialer Netzwerke und damit auch die Organisierung und Mobilisierung spezifischer Bevölkerungsgruppen bedingen am Beispiel von Gewerkschaften und Streiks der amerikanischen Kohlenbergarbeiter im 19. Jahrhundert. Im Anschluss an Überlegungen von Marx und Engels sowie an die Streik- und Gewerkschaftsforschung werden vor allem fünf Größen untersucht: räumliche Konzentration und räumliche Isolation der Bergarbeiter, die Urbanisierung, die Betriebsgröße sowie die Existenz von strukturellen Differenzierungen (Ethnie, Hautfarbe, Einbindung in ländliche Produktionssysteme) innerhalb der Bergarbeiterschaft. Dabei zeigt sich, dass die räumliche Konzentration und Isolation, die Herauslösung aus ländlichen Produktionssystemen sowie die Urbanisierung positive Effekte auf die Mobilisierung haben, während strukturelle Differenzierungen nach Ethnie und Hautfarbe die Mobilisierungschancen senken.Research on protest activity has shown that horizontal social networks between the members of social groups are conducive to the social mobilization and organization of these groups. This article examines whether certain macrosociological structural conditions determine the development of horizontal social networks and therefore the mobilization and organization of certain social groups. The development of unions and strikes in American coal mining in the 19th century is used as example. Following some considerations made by Marx and Engels as well as research on strikes and existence of structural differentiation of the mining population (ethnicity, race, embedding in rural production systems). It turns out that geographical concentration and isolation, the loss of embedding in rural production systems as well as urbanization have positive effects on mobilization, whereas structural differentiation along ethnic and racial lines weakens the chances for mobilization
Social Inequalities in the Transition to Home-Ownership
Im vorliegenden Beitrag wird in Längsschnittperspektive untersucht, inwieweit der Erwerb von Wohneigentum in den Geburtskohorten 1930, 1940 und 1950 den bekannten Ungleichheitsmustern der Arbeitsmarktposition folgt. Besonderes Augenmerk wird auf den überraschenden Querschnittsbefund gerichtet, daß Arbeiterhaushalte in der alten Bundesrepublik in den ersten Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg ähnlich häufig wie Angestelltenhaushalte in Wohneigentum lebten. Die Längsschnittanalysen für verheiratete Männer zeigen, daß zwar Facharbeiter und Meister ähnliche Chancen auf Wohneigentum haben wie Angestellte und Beamte. Un- und angelernte Arbeiter realisieren aber seltener als alle anderen beruflichen Gruppen Wohneigentum. Sie scheinen in besonderem Maße darauf angewiesen zu sein, in ländlichen Gemeinden zu wohnen, wo die Baulandpreise niedriger und unterstützende Netzwerke verbreiteter sind. Klare Hinweise finden sich auf die Relevanz von intergenerationalen Transfers.Wohneigentum der Eltern erhöht in allen sozialen Schichten die Wahrscheinlichkeit der Eigentumsbildung - besonders wichtig ist es allerdings in den Haushalten von Arbeitern sowie einfachen und mittleren Angestellten/Beamten.This paper analyses, in a longitudinal perspective, whether home-ownership follows the well-known pattern of job-type in equality for the birth cohorts 1930,1940, and 1950. Special attention is directed to understanding the surprising results of cross-sectional studies which show that during the first decades after World War II the households of blue-collar workers were as likely to become home owners as were those of white-collar workers. Transition rate models for married men show that the chances of skilled workers and master craftsmen are indeed similar to those of white-collar workers and civil servants. However, unskilled and semi-skilled workers are less likely to attain home-ownership than other occupational groups. They seem to be better off in rural communiities, where land prices are lower and support networks are more common. Clear indications are found for the relevance of intergenerational transfers. Home-ownership of parents increases the probability of ownership in all social strata, though particularly so in the households of manual workers and lower middle level white-collar workers
The Dual Construction of Budgetary Reality. Representations and Practices of Financial Administration
Der Beitrag befasst sich mit den bürokratischen Konsequenzen, die aus politischen Vorgaben und Strukturen für die Verteilung öffentlicher Gelder erwachsen. In der Finanzwissenschaft wird das Modell vom sogenannten Budgetkreislauf genutzt, um das Prozedere der Geldverteilung in öffentlichen Verwaltungen zu beschreiben. Die folgende Fallstudie über das Land Berlin zeigt, dass die Grundlagen für das Funktionieren des Modells weggebrochen sind: Die extreme Finanznot, die in diesem Stadtstaat herrscht, macht es heute kaum mehr möglich, für ein Jahr im voraus festzulegen, wo Ausgaben getätigt werden sollen. Es ist auch nicht mehr möglich, von konstanten Geldmengen für diesen Zeitraum auszugehen, und daraus folgend lassen sich die Gelder auch nicht mehr nach einer festgelegten Abfolge 'bewegen'. Anstelle dessen werden die zu kürzenden Budgets von einer Instanz zur anderen verschoben, wie, um das Bild eines Kinderspiels zu gebrauchen, ein Plumpsack, den man möglichst so geschickt an anderer Stelle platziert, dass die nun betroffene Instanz nicht gleich reagiert. Der Aufsatz beschreibt mit ethnografischen Methoden, wie es zu einer äußerst fragilen Koexistenz zwischen dem Budgetkreislauf als Modell des Budgetierens und den veränderten Bedingungen der Verteilung öffentlicher Gelder kommt.This contribution deals with the bureaucratic consequences arising from political instructions, on the one hand, and existing structures for the distribution of public monies, on the other hand. In fiscal ecomonics the budgtet cyclemodel ist used to describe the procedure of distributing funds within public administration. As can be seen in the following case study on fiscal stress in Berlin, the basis that makes this model function has been eroding. Today it is hardly possible to determine one year in advance where expenditures should be made and how high they should be. Moreover, it is no longer possible to deal with fixed amounts of money for the envisaged period of time. Consequently, monies can no longer be "moved" according to a fixed sequence. Instead, budgets that must be cut back are shifted from one department to the other so skilfully that - as in the children's game drop-the-handkerchief - the affected department does not notice this move at once. The emergence of an extremely fragile coexistence of the budget cycle as a model of budgeting and the changing conditions for distributing public money is described by applying ethnographic methodology