Zeitschrift für Soziologie
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Physicians' Associations as Assessed by Their Members. An Empirical Examination of the Satisfaction of Physicians with Their Associations
Die Untersuchung befasst sich mit der Bewertung der Ärztekammern, der Kassenärztlichen Vereinigungen, des Hartmannbundes und des Berufsverbandes der Allgemeinärzte Deutschlands /Hausärzteverband durch ihre Klientel. Datenbasis ist eine 1992 durchgeführte schriftliche Befragung niedergelassener Allgemein-/Praktischer Ärzte und Internisten (n=1416), eine Wiederbefragung 1998 dieser Ärzte (n=275) sowie eine Replikation der Primärerhebung 1999 (n=740). Es werden vier Hypothesen entwickelt und überprüft. Die Heterogenitätshypothese behauptet, dass die Unzufriedenheit mit der Arbeit eines Verbandes umso größer ist, je umfassender sein Vertretungsanspruch und je heterogener die von ihm zu vertretenen Interessen sind. Sie wird durch den Vergleich der Bewertungen der Verbände und durch die Mitgliederentwicklung bestätig. Die Verteilungsspielraumhypothese, die behauptet, dass dieser Effekt sich mit abnehmenden Verteilungsspielräumen verstärkt, kann durch einen Vergleich der Bewertungen zwischen den Erhebungszeitpunkten bestätigt werden. Eine dritte Hypothese (Januskopfhypothese) ergibt sich aus der besonderen Stellung der Pflichtverbände. Es kann gezeigt werden, dass die Zustimmung zur Arbeit der Pflichtverbände geringer ist als die Zustimmung zur Arbeit von freien Interessenverbänden. Die vierte Hypothese (Ernüchterungshypothese) ergibt sich aus der Situation der neuen Bundesländer. Auch sie wird bestätigt, denn ein West-Ost-Vergleich zu beiden Erhebungszeitpunkten belegt, dass die zunächst deutlich positivere Bewertung der Verbände in den neuen Länder stark zurückgegangen ist.This study deals with the assessment of German professional associations of physicians (Ärztekammern, Kassenärztliche Vereinigungen, the Hartmannbund and the Berufsverband der Allgemeinärzte Deutschlands/Hausärzteverband) by their clientele. Database is a survey of established general practitioners and internists (n=1416), which was carried out with written questionnaires in 1992; a reinterviewing of 275 of these physicians in 1998, and a replication of the first survey in 1999 (n=740). Four hypothesis have been tested empirically. The heterogeneity hypothesis states that the broader the interest an association has in representing its members, the more the members tend to be discontent. By means of a comparison of the assessment of the associations and the development of the membership this hypothesis can be verified. The distribution clearance hypothesis, which states that this effect becomes stronger if the distribution clearance is reduced, can be verified by means of a comparison of the assessments of both points of time. A third hypothesis (janus-head hypothesis) arises through the very special position of associations with compulsory membership. It can be shown that agreement with the work of these corporations is less than agreement with the work of free-interest associations. The fourth hypothesis (disillusionment hypothesis) is based on the special situation of East Germany since reunification. It also can be verified, because a comparison between east and west at both time points shows that the first clearly more positive assessment of the associations in the east has decreased strongly
Fertility in Male-Female Partnerships
Der Beitrag analysiert die Geburt von Kindern aus der Zeitperspektive des Lebenslaufs. Im Unterschied zur Lebenslaufanalyse hat dieser Ansatz zwei Vorzüge: In deskriptiver Hinsicht konzentriert sich der Ansatz auf eine Beschreibung des generativen Handelns, wobei Partnerwahlprozesse, Trennungen und erneute Partnerwahl- und Paarentwicklungsprozesse, die sich in der Lebenslaufanalyse mit generativen Entscheidungsprozessen überlagern, ausgeblendet werden. In analytischer Hinsicht stehen zudem die Merkmale beider Partner für die Untersuchung von generativen Entscheidungen zur Verfügung, und der Ansatz ist insofern zur Überprüfung theoretischer Zusammenhänge besser geeignet. Die Studie basiert auf einer Analyse des Familiensurvey 2000. Die Ergebnisse der paarbezogenen Darstellung des generativen Verhaltens zeigen in vielen Punkten ein anderes Bild, als es aus der Lebenslaufanalyse bekannt ist. Zu den wichtigsten Ergebnissen gehört zum einen, dass die Familiengründungsbereitschaft in den Partnerschaften aufeinanderfolgender Geburtsjahrgänge keineswegs abgenommen hat. Für die aus der Lebenslaufanalyse bekannten Kohortenunterschiede der dauerhaften Kinderlosigkeit erscheinen deshalb Veränderungen bezüglich der Existenz und der Dauerhaftigkeit von Partnerschaften ausschlaggebend. Bezüglich der Familienerweiterung ist zum anderen bedeutsam, dass die Stabilität einer Partnerschaft die Geburt eines zweiten Kindes fördert, wohingegen die Geburt eines dritten oder vierten Kindes erst verstärkt aus Anlass einer neuen Partnerschaft zustande kommt.In this contribution, fertility is analysed within the course of male-female partnerships. In contrast to life course research, this approach has two advantages. On the one hand, for purposes of description, the effects of mate selection and of the instability of partnerships are disregarded. On the other, for purposes of analysis, the features of both partners in the decision to have a child can be analysed. The analysis is based on the Familiensurvey 2000, which is representative for Germany. The union course approach provides quite a different picture of fertility development than does the life course approach. Among the main results; There is no increase in childlessness within unions, i.e. the considerable increase in childlessness in life course studies is to a considerable extent due to the lack of a partner. Also worth mentioning is the fact that the persistence of a union contributes to the decision to have a second child but limits couples from having further children
Double Contingency and the Relevance of Networks for Communication Systems. Results of a Simulation Study
Ausgehend von Niklas Luhmanns Vorstellungen zur Bewältigung "doppelter Kontingenz" untersuchen wir anhand von Computer-Simulationen den Einfluss von Akteurkonstellationen auf die Entstehung von Kommunikationssystemen. Zudem wird erforscht, welche Auswirkungen Störungen auf die Ordnungsbildungsprozesse sowohl in der Systemgenese als auch in stabilen Systemen haben.Starting from Niklas Luhmann's notions on coping with "double contingency" this article investigates the influence of actor constellations on the emergence of communication systems on the basis of computer simulations. Furthermore, it analyzes the effects interference has on the processes of order formation both during system genesis and in stable systems
Education Between Discontinuity and Career: Multiple Training Episodes
In Debatten um Bildung und Ausbildung in Deutschland wird immer wieder auf die Zunahme von Mehrfachausbildungen hingewiesen. Dieser Beitrag gibt aus einer individuellen Lebensverlaufsperspektive einen empirischen Überblick zu diesem Themenkomplex: Er beschreibt die Häufigkeit von Mehrfachausbildungen, ihre zeitliche und inhaltliche Struktur sowie die Personengruppen, die Mehrfachausbildungen unternehmen. Zu einem großen Teil führen zusätzliche Ausbildungen zu einer Höherqualifizierung. Daneben zeigt sich u.a. die große Bedeutung der Berufsfachlichkeit auch für Kombinationen von Ausbildungen. Generell orientieren sich auch spätere Ausbildungen zu einem großen Teil an Merkmalen der Erstausbildung. Die Ergebnisse machen darüber hinaus deutlich, dass Mehrfachausbildungen interindividuelle Bildungsunterschiede eher vergrößern als kompensieren.In Germany, a considerable number of young people undertake more than one episode of formal training. This article aims at a thorough account of the phenomenon from a life-course perspective. In particular, it looks at extent, structure, and participants of multiple training episodes and describes both types and determinants of educational careers. The analyses are based upon recent German life-history data which facilitate the study of educational careers in greater detail. The majority of multiple training episodes lead to an upgrading of qualifications. In addition, the significance of a vocational orientation is also clearly evident in combined training episodes. In general, characteristics of initial training turn out to be crucial for further training. The results also make it clear that multiple training episodes increase inter-individual differences in education rather than compensate for them
Islamic Issues in Studies on Muslims in Germany
Der Islam ist entsprechend seiner weltpolitischen Relevanz ein begehrtes Objekt wissenschaftlicher Studien geworden. Die Goldgräberstimmung herrscht auch und gerade in Bezug auf den Islam in Deutschland. Der vorliegende Beitrag möchte eine Orientierung im Wildwuchs der vornehmlich aus der Feldstudie hervorgegangenen Studien zum Thema Islam/Muslime in Deutschland geben. Dabei fällt auf, dass die Thematisierung des Islam weitgehend im Rahmen der Fragestellung erfolgt, wie er im Verhältnis zur Moderne zu positionieren ist. Die politische Wendung der Thematik mündet dann meist in die Frage, ob die Muslime integrierbar sind. Mit diesem Literaturbericht wird zum einen ein Überblick auf die bestehenden Zugänge verschafft. Dabei werden auch interessante materiale Erkenntnisse aus der Forschung vermittelt. Zum anderen werden die Engpässe kenntlich gemacht, die meist daraus hervorgehen, dass die Transformationen unter den Muslimen voreilig in Individualisierungs- und Modernisierungstheorien aufgelöst werden. Dies verweist uns wiederum auf die Bedeutung des kulturellen Hintergrunds der Forscher selbst. Der Autor plädiert schließlich dafür, die zweifellos aktuellen Effekte der Modernität mit dem Eigensinn religiöser Muster zusammenzudenken, ohne sie aufeinander zu reduzieren.Due to its international importance Islam has become a very desired object of the scholarly studies. The current interest in Islam reminds us of El Dorado. This article aims at providing orientation in the jungle of fieldwork-based studies regarding the subject of Islam/Muslims in Germany. One crucial point in the scholarly work is the attempt to position Islam in relation to modernity. The question is quickly translated into politics: are Muslims able and willing to be integrated? This report on the academic literature wants, for one, to give an overview of the main approaches. At the same time, some empirical results will be presented. In addition, attention is directed to problems with this research. The difficulties are mostly based on interpretations that too quickly attempt to view Muslims in terms of theories of modernization and individualization. At the same time, this indicates that the cultural background of the researchers may have implications of its own for the interpretations suggested. The author pleads finally to consider the contemporary effects of modernity and the obstinacy of religious patterns in a common framework without reducing either to the other
Basic Elements of a Theory of Social Practices. A Perspective in Social Theory
Ausgehend von der jüngsten Diagnose eines 'Practice Turn' in der Sozial-theorie und empirischen Forschungspraxis arbeitet der Artikel Strukturmerk-male einer 'Praxistheorie' oder 'Theorie sozialer Praktiken' im Vergleich zu alternativen Sozial- und Kulturtheorien heraus. Von besonderer Bedeutung erweisen sich dabei drei Grundannahmen: eine 'implizite', 'informelle' Logik der Praxis und Verankerung des Sozialen im praktischen Wissen und 'Können'; eine 'Materialität' sozialer Praktiken in ihrer Abhängigkeit von Körpern und Artefakten; schließlich ein Spannungsfeld von Routinisiertheit und systematisch be-gründbarer Unberechenbarkeit von Praktiken.Against the background of the recent diagnosis of a "practice turn" in social theory and cultural analysis, this article works out basic elements of what a "practice theory" can be in contrast to alternative social and cultural theories. Three features are of particular relevance for a theory of social practices: the "informal," tacit logic of practices and the location of the social in practical understanding and know-how-techniques; the materiality of practices as dependent on bodies and artefacts; finally, the tension between routinization and basic incalculabilities of social practices
Conflict and Conflict Episode. Processes, Structures, and Functions of a Social Form
Die vorliegende Untersuchung befasst sich mit den kommunikativen Prozessen der Ausdifferenzierung einer Konfliktsituation. Entgegen der Erfahrung handelt es sich beim Konflikt selbst noch in seiner einfachsten Form um ein verhältnismäßig komplexes Gebilde, das sehr spezifischen, nicht weiter hintergehbaren Strukturbedingungen seines Ordnungsaufbaus unterliegt. Ausgehend von Überlegungen aus der Systemtheorie, wonach sich der Konflikt auf die Ablehnung von Sinnzumutungen gründet, fragen die vorliegenden Analysen nach den dafür maßgeblichen Prozessen seiner Konstitution. Anhand konversationsanalytischer Gesprächsdaten wird kenntlich gemacht, wie sich das Potenzial des Konflikts im Rahmen einer mehrgliedrigen Widerspruchskommunikation sinnlogisch entfaltet und dabei schon nach wenigen Zugfolgen Struktur auskondensiert, die kommunikativ destabilisiert werden muss, um den Konflikt in seiner Weiterentwicklung zu bremsen. Diesen Vorgang fassen wir unter dem Begriff der Konfliktepisode, deren soziale Funktionen wir abschließend erörtern.The present study deals with the communication processes of conflict development. Contrary to common-sense experience, conflict, even in its simplest form, indicates a relatively complex matter that underlies unique prerequisites with an orderly and extended structure. According to systems theory (Luhmann), which sees conflict as based on the rejection of an expected notion or suggestion, the present analyses ask about the decisive processes of its constitution. Based on conversational data, it is shown how conflict unfolds its meaning potential in the course of multiple contradictions. After just a few communication sequences a structure is shaped which has to be destabilized communicatively in order to stop further developments of conflict reproduction. This transaction we call a conflict episode. Its social functions are elaborated in a final section
Old-Boy Network: Military Service and Professional Success in Civilian Life in Switzerland
Eine zumindest bis vor kurzem in der Schweiz noch populäre Ansicht lautet, dass eine Karriere in der Armee den beruflichen Erfolg im zivilen Leben stark befördert. Obwohl militärische und berufliche Karriere als Besonderheit des schweizerischen Milizsystems im biografischen Verlauf miteinander verschränkt sind, bleibt aber der tatsächliche Einfluss der militärischen Karriere auf den Berufserfolg empirisch noch nachzuweisen. Zudem ist auch die Frage nach den möglichen Gründen zu stellen. Ziel dieses Beitrags ist also erstens die empirische Prüfung des positiven Effekts der militärischen auf die zivile Karriere. Zweitens sollen mögliche Ursachen gegenübergestellt werden. Als solche werden insbesondere Selbstselektion, der Erwerb von Humankapital (Führungskompetenzen) und der Aufbau eines wirkungsvollen Beziehungsnetzes in Betracht gezogen. Die Analysen anhand der Daten des Schweizer Arbeitsmarktsurveys 1998 zeigen erstens, dass höhere militärische Ränge auch bei Kontrolle von Bildung und Berufserfahrung mit erhöhtem Erwerbseinkommen einhergehen. Zweitens zeigt sich, dass dieser Einkommensbonus allem Anschein nach weder auf Mechanismen der Selbstselektion noch auf dem Erwerb von besonders gewinnbringendem Humankapital beruht. Vielmehr ist zu vermuten, dass der größere Berufserfolg von Milizoffizieren mit ihrem an "wertvollen" Beziehungen reichen sozialen Netzwerk zusammenhängt.In Switzerland it has often been argued, at least until recently, that a career in the armed forces is greatly beneficial to professional success in civilian life. Despite the fact that, as a peculiarity of the Swiss militia system, professional and military careers are interwoven in the biographical process, the actual influence of a military career on professional success has yet to be empirically verified. Moreover, it is also necessary to ask what the possible reasons for this might be. Consequently, the first goal of this paper is to examine empirically whether a military career has a positive effect on a civilian career. Second, possible explanations will be discussed. In particular, self selection, the acquisition of human capital (leadership qualities), and the establishment of an effective social network will be considered. The analyses which are based on the Swiss Labor Market Survey 1998 show, first of all, that higher military ranks go hand in hand with higher monetary income even when controlling for education and work experience. Second, the income premium does not seem to be based on mechanisms of self-selection nor on the acquisition of particularly profitable human capital. Rather it is to be assumed that the greater professional success of Swiss militia officers is due to their rich social network of "valuable" ties
Does Competition Foster or Hinder Inequality? Reply to My Critics
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