Zeitschrift für Soziologie
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    Participation as a Laboratory Experiment. Paradoxes of Deliberation on Technology Issues by Lay People

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    Die Forderung nach Partizipation stellt gerade im Bereich der Technologiepolitik einen anhaltenden Trend dar. Im Zuge ihrer Verwirklichung hat sich ein weitläufiger Methodenkanon partizipativer Technikbewertung entwickelt. In diesen Verfahren sollen Personen beteiligt werden, die ansonsten nicht in Prozesse der Technikbewertunginvolviert sind. Diese Laienpartizipation realisiert sich in aktuell relevanten Technologiekontexten – so die hier vertretene These – charakteristischerweise als Laborexperiment. Das heißt: Die von Partizipationsprofis organisierte und unter kontrollierten Bedingungen stattfindende Beteiligung von Laien vollzieht sich weitgehend ohne Bezug auf öffentliche Kontroversen, politische Teilhabebestrebungen und individuelle Betroffenheiten. Anhand empirischer Studien wird gezeigt, dass diese Laborpartizipation in der Praxis zu paradoxen Effekten führt: Die erfolgreiche Durchführung des Experiments resultiert in einer systematischen Enttäuschung jener Hoffnungen auf Rationalitätsgewinne, die typischerweise mit Laienbeteiligung verbunden sind. Abschließend wird dieses Ergebnis auf soziologische Debatten bezogen, die unter den Stichworten „Gesellschaft als Labor“ und „Realexperimente“ gelaufen sind. Unter diesem Gesichtspunkt lässt sich eine paradoxe Entwicklung konstatieren: Einer Wissensproduktion, der die gesamte Gesellschaft zum Labor wird, entspricht eine Teilhabepraxis, die sich aus der Gesellschaft ins Labor zurückzieht.Calls for participation have been ubiquitous in technology policy. Attempts at realization have developed a varied methodological canon for the participatory assessment of technology in order to involve persons usually not active in assessment procedures. The present contribution claims that lay participation typically materializes as a kind of laboratory experiment. This implies that lay participation as currently organized by professionals under controlled conditions is rarely linked to public controversies, to the pursuit of political participation, or to individual concerns. Empirically, this laboratory participation leads to paradoxical effects: successfully carrying out an experiment leads to systematic disappointment with respect to the hope for gains in rationality which are typically expected of lay participation. This result is discussed in terms of recent sociological debates about “society as a laboratory” and “Realexperimente”. From this perspective, a further paradox becomes apparent: the production of knowledge, in which society as a whole turns into a laboratory, correlates with a practice of withdrawing participation from society into the laboratory

    Social Disintegration and Attachment Style as Determinants of Xenophobia

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    Die Fragestellung des Beitrags lautet, ob und inwieweit fremdenfeindliche Einstellungen in Deutschland auf Merkmale der Person und auf Merkmale individueller sozialer Situationen zurückführbar sind. Hierzu werden bei 1779 Personen Bindungsstile als personenbezogene und soziale Desintegration als sozialstrukturelle Größe in ihrer Auswirkung auf Fremdenfeindlichkeit untersucht. Es zeigt sich, dass Bindungsstile als Prädispositionen für das Auftreten von sozialer Desintegration betrachtet werden können, die ihrerseits das Ausmaß an Fremdenfeindlichkeit determiniert: Ein sicherer Bindungsstil senkt das Ausmaß an sozialer Desintegration und darüber vermittelt die Intensität fremdenfeindlicher Einstellungen. Ein unsicherer Bindungsstil führt zu einem Anstieg an sozialer Desintegration und Fremdenfeindlichkeit. Eine Betrachtung der Bindungsstilskalen „Angst“ und „Vermeidung“ sowie kategorialer Ausprägungen von Bindungsstilen (sicher, ängstlich-ambivalent, ängstlich-vermeidend, gleichgültig-vermeidend) konkretisiert diesen Befund. Für die ermittelte Effektstruktur sind insbesondere das Ausmaß an Vermeidung sowie ein ängstlich-vermeidender Bindungsstil relevant.This paper investigates whether xenophobic attitudes in Germany are determined by personal characteristics and by individual social situations. To this end, the influence on xenophobia of attachment style as a personal characteristic and of social disintegration as a variable of the social structure is tested. The analysis of a sample of 1779 persons indicates that attachment styles can be considered as predispositions for the occurrence or not of social disintegration, which simultaneously determines the extent of xenophobia (complete mediation): a secure attachment style decreases the degree of social disintegration which then reduces the extent of xenophobic attitudes. An insecure attachment style induces an increasing degree of social disintegration and xenophobia. A consideration of the subscales “anxiety” and “avoidance” and of categorical values of attachment style (secure, anxious-preoccupied, fearful-avoidant, dismissiveavoidant) specifies this finding. The extent of avoidance and the fearful-avoidant attachment style are particularly important for the effects which we were able to identify

    Inequalities of Income in Europe. The Multiple Spacing of Social Inequality in a Regional-National-European Multi-Level System

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    Die Analyse sozialer Ungleichheiten kann sich nicht länger auf den nationalstaatlichen Rahmen beschränken. Eine zentrale Herausforderung der Sozialstrukturanalyse ist deshalb die Untersuchung multipler Raumbezüge. Ungleichheiten werden in einem regional-national-europäisch-globalen Mehrebenensystem hervorgebracht und reguliert. Auf der Grundlage von Mikrodaten kann gezeigt werden, dass die Höhe und die Ungleichverteilung des verfügbaren Einkommens in Europa nicht nur durch Merkmale der jeweiligen Haushalte, sondern auch durch regionale Wirtschafts- und Arbeitsmarktstrukturen, nationale Institutionen, wirtschaftliche Öffnungsprozesse und die europäische Integration bestimmt werden. Trotz aller Kritik am methodologischen Nationalismus erweist sich die nationalstaatliche Ebene immer noch als zentrale Ebene für die Analyse von Ungleichheitsdynamiken. Nationalstaaten können durch Bildungs-, Sozial-, Arbeitsmarkt- und Marktçffnungspolitiken wirksam die Höhe und die Ungleichverteilung des verfügbaren Einkommens beeinflussen. Dennoch werden bislang weitgehend abgeschlossene nationale „Ungleichheitsräume“ durch supranationale Integrationsprozesse und subnationale Differenzierungsprozesse durchlässiger. Diese supra- und subnationalen Bestimmungsfaktoren von Einkommensungleichheiten werden auf der Grundlage von EU-SILC-Daten für die Jahre 2005–2008 für 24 EU-Länder durch Mehrebenenanalysen rekonstruiert.The analysis of social inequalities can no longer be confined to the national context. The sociology of social inequalities increasingly has to deal with multiple territorial scales as inequalities are generated and regulated in a regional-national-European and global multi-level system. On the basis of micro-data it can be shown that both the level and the unequal distribution of disposable income in Europe do not depend on household characteristics alone, but also on regional economic and labor market structures, on national institutions, on European integration, and on the European and global opening of markets to capital, labor and goods. Despite the harsh criticism of methodological nationalism in inequality research, the national level is empirically still the most important level of analysis. Nation-states continue to exert a high level of influence on the distribution of income by regulating education, social welfare, and markets. At the same time, previously closed national spaces of inequality become increasingly permeable through processes of supra-national integration and sub-national differentiation. The national, sub- and supranational determinants of income levels and inequalities are analyzed in this contribution on the basis of EU-SILC data for the period 2005–2008 using multilevel modeling

    Dell H. Hymes (1927-2009)

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    On Genetic Variation and Social Inequality

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    Der Beitrag diskutiert die Herausforderungen und Möglichkeiten, die sich für die soziologische Forschung zu sozialen Ungleichheiten aus einer stärkeren Berücksichtigung genetischer Variation ergeben. Im Vordergrund steht dabei der Umstand, dass Eltern auf ihre Kinder nicht nur soziale Vorteile und Benachteiligungen übertragen, sondern auch eine bestimmte genetische Ausstattung. Darüber hinaus werden Implikationen für die Interpretation von Bildungsabschlüssen als „meritokratisch legitimen“ Zuweisungskriterien, die Forschung zur Kumulation von Vorteilen im Lebenslauf sowie die Operationalisierung von Verwirklichungschancen diskutiert. Wesentliches Ergebnisse dieser Diskussion ist, dass die Berücksichtigung genetischer Variation in Ungleichheitsanalysen nach dem interdisziplinären Stand der Forschung zunehmend notwendig wird, um zu kausalen Deutungen zu gelangen, die über die Soziologie als Wissenschaftsdisziplin hinaus anschlussfähig sind. Diese Notwendigkeit muss für die Soziologie keine Bedrohung darstellen, sondern kann ihr neue Forschungsfelder eröffnen. Schließlich wird umgekehrt innerhalb der Verhaltensgenetik immer deutlicher, dass diese auf soziologische Expertise angewiesen ist, um Wechselwirkungen zwischen Genom und Umwelt adäquat einschätzen zu können.This article argues for giving genetic variation stronger consideration in sociological analyses of social inequality. Because there is life-long genome-environment interaction and covariance, neglecting genetic influences in the investigation of how social inequality is produced will necessarily lead to biased causal inferences. This general argumentis discussed in regard to several fields of social inequality research. Most importantly social forms of inheritance need to be disentangled from genetic forms in order to comprehensively understand the role of families and households and to differentiate between merit and the effects of social closure in the generation of social inequalities. Other topics which are discussed in this paper are the capability approach with its emphasis on agency and preferences, and the generation of cumulative advantages over the life course. Acknowledging the role of genetics need not lead to a questioning of sociological theory and methodology. Behavioral genetics for its part increasingly emphasizes the role of social conditions for genetic expression

    The Impact of the Departure of Children from Home on the Risk of Parental Breakup

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    Der Beitrag untersucht sieben Erklärungsansätze zum „empty nest“-Einfluss auf die Beziehungsstabilität der Eltern. Datengrundlage ist der „Generations and Gender Survey“, eine retrospektive Repräsentativbefragung für Deutschland von 2005. Die Ergebnisse zeigen, dass der Eintritt in die „empty nest“-Phase das Trennungsrisiko der Eltern erhöht. Dabei ist die Risikosteigerung im Vergleich zu den Paaren, deren Kinder noch nicht ausgezogen sind, dauerhaft. Eine Erhöhung des Trennungsrisikos über das Niveau der Kinderlosen hinaus ist hingegen nur vorübergehend. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass der „empty nest“-Effekt im Verlust ehespezifischen Kapitals und/oder in einer Reduktion der wechselseitigen Abhängigkeit der Eltern sowie in Anpassungs- und/oder Nachholeffekten begründet ist. Weitere potenzielle Erklärungsmechanismen für den „empty nest“-Effekt – Belastungsreduktion, selektives Auszugsverhalten der Kinder und selektive Elternschaft – erscheinen hingegen von untergeordneter Bedeutung. Die Ergebnisse weisen über die hier untersuchte Fragestellung hinaus darauf hin, dass (wie häufig vermutet, aber noch kaum untersucht) die allgemein höhere Beziehungsstabilität von Eltern im Vergleich zu kinderlosen Paaren in der Tat auf einem Kausaleffekt beruht – d.h. als Einfluss von Kindern auf die Beziehungsstabilität der Eltern zu interpretieren ist –, und nicht nur in einem Selektionseffekt begründet ist, der dadurch zustande kommt, dass Kinder eher in stabilen Partnerschaften geboren werden.This study analyzes the impact of children’s departure from home on the parents’ risk of breakup. The data base is the “Generations and Gender Survey”, a representative survey carried out for Germany in 2005. Results indicate that entering the empty-nest phase increases the risk of breakup. This risk is consistently higher than that of couples whose children still live with them. Soon after children have left, this level of risk converges with the level of risk among childless couples. The results suggest that the empty-nest effect is due to the loss of marriage-specific capital and to the reduction of parents’ mutual dependence as well as to problems of adjustment and to previous postponement of a breakup. Further possible explanations for the empty-nest effect – reduction in household burden, selective moving out behavior of children, and selective parenthood – seem to be of minor importance. Beyond the questions examined here, the results indicate that the higher stability of marriages with children compared to childless marriages is indeed due to the causal effect of children on parental union rather than to the fact that children are more likely to be born within the framework of stable partnerships in the first place

    The Computer as a “Partner” in Institutional Talk

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    Für kompetente Mitglieder der Gesellschaft ist die Inkorporierung von Technologien in alltägliche Handlungsvollzüge etwas Selbstverständliches. Die Arbeit „mit“ der Technologie wird routinemäßig erledigt und nur in seltenen Fällen thematisiert. Als Konversationsanalytiker interessiert uns, worin diese Arbeit besteht und welche systematischen Prozeduren bei ihr zur Anwendung gelangen. Auf der Basis von 52 (Beratungs-) Gesprächen, die in Jobcentern als Tondokument aufgezeichnet wurden, können wir zeigen, dass neben der Arbeit „mit“ dem PC Interaktionsarbeit anfällt, wenn sich die Teilnehmer in Gesprächen auf den PC beziehen, und dass es verschiedene Variationen dieser Orientierung am Computer gibt. Manchmal wird der PC in den Hintergrund der Interaktion verschoben und erhält nur minimale Aufmerksamkeit, während sich die Vertreter des Jobcenters und ihre Klienten deutlich aneinander als Personen orientieren. In anderen Fällen entscheiden sich die Vertreter der Institution dafür, den PC gewissermaßen zu „animieren“, indem sie ihm z. B. Fragen stellen. In einer weiteren Variante wenden sich die Vertreter der Institution ausschließlich dem PC zu, während die Klienten in der Warteschleife gehalten werden. Auch Fälle einer aktiven Neutralisierung des PC lassen sich finden. Kompetente Gesellschaftsmitglieder beziehen sich also nicht nur auf Gegenstände (Computer) und zeigen sich diese wechselseitig an, sondern bedienen sich auch unterschiedlicher Modalitäten, um diese Gegenstände in die soziale Welt ihrer Begegnung einzuführen, wodurch  ich der Charakter ihrer Begegnung fundamental verändern kann.The incorporation of technologies in everyday activities is far from difficult for participants who are, in an ethnomethodological sense, competent members of society. Working “with” technology is a routine engagement. As conversation analysts we are interested in the systematic procedures which participants employ to make technological objects like computers part of an encounter and its social universe. The analysis of 52 (audio-taped) face-to-face consultations in what are termed Job Centers (public employment agencies in Germany) allows us to demonstrate the extent of interactional work that is to be completed if participants (have to) include the computer and work “with” it. Within our data, a variety of orientations toward the computer are evident. Sometimes the computer is moved to the background of the encounter and is given only minimal attention while Job Center official and client are clearly oriented toward each other as people. Conversely, the official may choose to involve the computer by asking it questions. In another variation of computer-aided consultation, the official devotes his or her attention to the computer exclusively while the client is effectively placed “on hold.” We also found cases in which the computer was actively neutralized by participants. Competent members of society not only orient themselves toward objects (e,g, computers) and display this orientation to one another, but also employ a variety of modalities to integrate these objects into the social world of their encounter. This may fundamentally change the character of an encounter

    Direct Conflict, Indirect Competition. Differentiation and Comparison of Two Forms of Struggle

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    Der Aufsatz erkundet die heuristischen Potenziale einer kommunikationstheoretisch präzisierten Unterscheidung von Konflikt und Konkurrenz in drei Schritten: (1) Begriff des Konflikts – Konflikte lassen sich als Kommunikationsprozesse beschreiben, die aus einer Abfolge von Gegenwidersprüchen eine eigene Eskalationsdynamik gewinnen; sie sind eine direkte Form des Kampfes, die nur durch unmittelbares Einanderwidersprechen der Parteien zustande kommen kann. (2) Begriff der Konkurrenz – Konkurrenzen zeichnen sich demgegenüber, Georg Simmel folgend, durch Mittelbarkeit aus: dadurch, dass die Parteien erst über die knappe Gunst Dritter in die Lage kommen, einander als Rivalen mit gleichen Interessen an knappen Vorteilen wahrzunehmen. Konkurrenz in diesem Sinne ist ein indirekter, „berührungsloser“ Kampf, der von der Beobachtung Dritter abhängt und keine direkte Kommunikation zwischen den Konkurrenten erfordert. (3) Vergleich beider Formen – Diese Unterscheidung eröffnet Vergleichsmöglichkeiten, die der Schlussteil des Aufsatzes an Fällen von Koexistenzen und Kollisionen beider Formen erprobt. Die Fruchtbarkeit der Unterscheidung, so die These, zeigt sich vor allem in öffentlichen Fällen, wenn mit dem Publikum eine Figur des „versteckten lachenden Dritten“ hinzukommt, die die Dynamik moderner Konkurrenzen ermçglicht und der Differenz beider Kampfformen besondere theoretische und praktische Bedeutung verleiht.This article develops and applies a sociological differentiation between conflict and competition in three distinct steps: (1) Conflicts can be understood as dynamic processes of communication which are initiated by a concatenation of contradictions of contradictions; they are a direct form of struggle that depends on mutual communication between the parties. (2) In contrast, following Georg Simmel, in situations of competition parties become rivals only once they try to win the favor of a third party; competition is therefore an indirect form of struggle that depends on observation by third parties but does not require contact between the opponents. (3) This differentiation opens up new possibilities of comparison, and it is used here to analyze exemplary cases of coexistence and collision between the two forms. The heuristic advantage of the differentiation is particularly salient in cases in which the public becomes involved as a third party, which brings about the special dynamics of modern competition as a “fight of all for all” (Simmel). It is in these cases that the differentiation of the two forms of struggle gains particular theoretical significance and practical importance

    The Disagreeable System. Herbert Spencer’s Work as a Prototype of Universal Theory

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    Im kollektiven Gedächtnis der Soziologie rangiert Herbert Spencer im Unterschied zu Klassikern wie Marx, Durkheim oder Weber eher als eine Art von Vorläufer. Seine Theorie gilt als Ausdruck sozialdarwinistischer Ideologie, teleologischer Fortschrittsdogmatik und unzulässiger biologischer Analogien. Die historische Bedeutung Spencers, sein konkretes Werk sowie dessen kosmologische Form werden dabei in der Regel wenig beachtet. Der Beitrag möchte aufzeigen, dass das theoretische System Spencers sich als eine analytische Ontologie begreifen lässt, die zugleich einen umfassenden Katalog relevanter wissenschaftlicher Themen und Probleme beinhaltet. Im Gegensatz zu monothetischen Gesellschaftsdiagnosen und methodologisch orientierten Sozialtheorien stell es damit einen dritten Typus von Universaltheorie dar, zu dem unter anderem auch die Systemtheorie Luhmanns zu rechnen ist. Da Spencers Werk die umfassendste und radikalste Version einer solchen Universaltheorie darstellt, beinhaltet eine intensivere Auseinandersetzung mit Spencer zugleich eine Beschäftigung mit der Frage nach der Möglichkeit einer Universaltheorie und ihren funktionalen Äquivalenten. Dies könnte zu einer Präzisierung der aktuellen soziologischen Theoriediskussion beitragen.Unlike Marx, Durkheim, or Weber, sociology’s collective memory does not hold Spencer in high esteem. His theory is presumed to propagate social Darwinism; and it seems to presuppose a teleological idea of progress and the acceptance of biological analogies. Less attention is paid to his historical role, his writings, and the cosmological character of his entire work. However, Spencer’s philosophical system can be understood as an analytical ontology providing a catalogue of scientific topics. Contrary to monothetic diagnoses and methodological theories, it typifies an altogether different kind of universal theory, of which Luhmann’s system theory would later be another instance. Since the work of Spencer marks the most universal and radical version of this theoretical type, to engage with Spencer means to address the issue of the possibility of universal theory and its functional equivalents. Such an engagement may help to make current debates over social theory more precise

    Intergenerational Transfers from a Life Course Perspective. A Longitudinal Comparison of Gifts and Bequests

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    Schenkungen eignen sich besonders gut, um innerfamiliale Solidarität und Transfers aus einer Lebenslaufsperspektive zu untersuchen, da sie – im Gegensatz zu Erbschaften – zeitlich nicht festgelegt und rechtlich kaum reguliert sind. Wir konzipieren Schenkungen als Übertragungen, die von ökonomischen Bedürfnissen der Beschenkten, aber auch von immateriellen Aspekten familialer Beziehungen bestimmt werden. Anhand retrospektiv erhobener Daten aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) führen wir zunächst vergleichende Untersuchungen durch, die Schenkungen in Abgrenzung zu Erbschaften als freies, zielgerichtetes Handeln charakterisieren. Anschließend widmen wir uns der Frage, welche familialen Ereignisse die Vergabe größerer Schenkungen von Eltern an ihre Kinder bestimmen. Unser Interesse gilt dabei insbesondere dem Zusammenhang zwischen den Motiven und dem Timing intergenerationaler Transfers. Ereignisanalytische Modelle zum Timing von Schenkungen zeigen, dass erhöhte Empfangschancen in den Jahren nach einer Eheschließung und im ersten Jahr nach einer Scheidung bestehen. Dies sind Hinweise darauf, dass Eltern auf ökonomische Bedarfslagen ihrer Nachkommen reagieren, was sowohl für das ökonomische Altruismusmotiv als auch für die Wirksamkeit von Zuständigkeitsnormen spricht. Zudem sind elterliche Schenkungen aber auch Ausdruck von Zuneigung gegenüber den neu gegründeten Familien sowie des Wunsches, den verwandtschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.Gifts as intergenerational transfers inter vivos allow us to study the importance of life course events for the chances of receiving transfers. In Germany, gifts are highly private and leave more scope for decision-making than regulated bequests. Thus, gifts are better suited to test theories of family solidarity and transfer behavior. Our analysis focuses on larger transfers from parents and grandparents to their children and grandchildren. Bequests provide a comparative reference which highlights similarities and differences between transfers inter vivos and mortis causa. In our account, gift-giving is purposive action driven primarily by economic needs of the receivers, but also by immaterial aspects of family ties. We use event history models to study the effects of family events on the likelihood of initiating transfers. Chances of receiving large gifts increase in the first years after a marriage and also immediately after a divorce. These findings indicate, on the one hand, that transfers are triggered by economic need and thus support concepts of transfer behavior motivated by altruism or by norms of parental responsibility. On the other hand, these gifts express parental affection toward offspring families and the wish to strengthen kinship ties

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