Forum Qualitative Sozialforschung (Forum: Qualitative Social Research)
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    Investigating Couple Relationships Through Couple Interviews. Potentials of the Documentary Method Illustrated in Two Research Projects

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    Anhand zweier Projekte, in denen Paarbeziehungen mittels Paarinterviews dokumentarisch untersucht wurden, möchten wir in diesem Beitrag die Potenziale einer dokumentarischen Paarforschung aufzeigen und diese im soziologischen Diskurs konkretisieren und stärken. Dabei verfolgen wir eine sozialkonstruktivistische, wissenssoziologische Perspektive und verstehen Paarbeziehungen als andauernde Herstellungsprozesse bzw. ko-konstruierte Wirklichkeiten, die auf geteiltem und gemeinsam hervorgebrachtem Erfahrungswissen basieren. Vor diesem Hintergrund erweist sich das Paarinterview als geeignete Erhebungsform, mit der der Interaktivität und Relationalität von Deutungen und Handlungen besonders Rechnung getragen werden kann. Als Fokus der Erhebung erachten wir "Schwellen-Wendepunkte" nach LENZ (2009, S.105) als besonders ertragreich, da diese als konkrete Umbruchsereignisse mit bestimmten Wissenselementen verbunden sind. Im Projekt von Viola LOGEMANN wurde das erste Zusammenziehen in den Blick genommen, und die damit verbundenen Ko-Konstruktionsprozesse von Paaren wurden anhand einer dokumentarisch-hermeneutischen und vergleichenden Analyse rekonstruiert. Im Projekt von Johanna EGLI interessierten partnerschaftliche Geschlechterverhältnisse im Zusammenhang mit Familiengründung und Migration, wobei mit der dokumentarischen Diskursanalyse gearbeitet und ein besonderer Fokus auf die performative Ebene gelegt wurde. In Anbetracht der verschiedenen Spielarten und Schwerpunktsetzungen in den Projekten betrachten wir die dokumentarische Methode als Repertoire gewinnbringender Analyseinstrumente, die in der soziologischen Paarforschung eingesetzt werden können.In this article, we aim to underscore the significance of documentary couple research, amplifying its presence within sociological discourse while refining its methodology. For this purpose, we present and discuss two research projects in which couples were studied through couple interviews and analyzed the results using the documentary method. We adopt a constructivist and knowledge-focused perspective and view couple relationships as ongoing production processes or, more precisely, as co-constructed realities based on shared and jointly produced experiential knowledge. The couple interview proves to be a suitable form of data collection, allowing for the consideration of interactivity and relationality in interpretations and actions. As a focal point for examination, we find the concept of Schwellen-Wendepunkte [threshold turning points] particularly fruitful in couples' relationships, defined by LENZ (2009, p.105), as these can lead to upheavals concerning certain elements of knowledge.  LOGEMANN focused on couples moving in together for the first time. The associated co-construction processes were reconstructed using a documentary-hermeneutic and comparative analysis. EGLI explored couples' gender relations in connection with starting a family and migration. She employed documentary discourse analysis, emphasizing the performative aspect. Considering the different variations and emphases in the projects, we regard the documentary method as a rich repertoire of analytical tools, offering valuable insights for sociological research on couples

    Conference Essay: Exploring Spaces of Opportunity for Everyday Creativity

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    In diesem Konferenzbeitrag reflektieren wir über einen vom AHRC Everyday Creativity Research Network organisierten Sandpit zum Thema Ortsgestaltung und Alltagskreativität. Zunächst stellen wir das Forschungsnetzwerk und die Probleme bei der Definition von Alltagskreativität vor, die ein Hauptgegenstand dieses Sandpit war. Anschließend diskutieren wir das Programm und die wichtigsten Themen, die während der Veranstaltung identifiziert wurden. Wir unterscheiden zwischen den Konzepten "Raum" und "Ort", wobei wir besonders darauf eingehen, wie diese Konzepte die Politik zur Alltagskreativität beeinflussen. In diesem Zusammenhang wird der Begriff "Gelegenheitsräume" vorgeschlagen, der einen Rahmen für das Verständnis der subjektiven und kollektiven Nutzung von Kreativität bieten könnte. Wir zeigen auch die Hindernisse auf, die der Alltagskreativität im Wege stehen, wie z.B. begrenzte Ressourcen und mangelnder Zugang. Wir untersuchen, wie die derzeitigen Modelle kreativer Initiativen durch bürokratische Verfahren eingeschränkt werden, die eine Konzentration auf den Output als Maß für die Wirkung erfordern. Abschließend werden Überlegungen zu künftigen Maßnahmen für dieses Netzwerk angestellt, um alternative Modelle vorzuschlagen, die Alltagskreativität auf eine Weise fördern, die Urteile und Hindernisse minimiert und gleichzeitig das lokale Verständnis von Kreativität respektiert.In this conference essay, we reflect on a sandpit, organized by the AHRC Everyday Creativity Research Network on the theme of place-making and everyday creativity. We begin by introducing the Everyday Creativity Research Network and the problems faced in defining everyday creativity, which was a key objective of this sandpit. We then discuss the program and major themes identified during the event. We distinguish between the concepts of "space" and "place," with particular consideration into how these concepts shape policies on everyday creativity. "Spaces of opportunity" is proposed in this context as a potential term that offers a framework to understand subjective and collective uses of creativity. We also identify constraints that hinder everyday creativity, including limitations on resources and lack of access. We explore how present models of creative initiatives are restricted by bureaucratic procedures that necessitate a focus on output as a measure of impact. We conclude by reflecting on future actions for this Network to propose alternative models of creative initiatives that encourage everyday creativity in a way that minimizes judgments and barriers while respecting local understandings of creativity

    Mapping Powerful Constellations in Childhood and Youth Research. Critical Reflections on a Participatory Research Process With Young People

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    Partizipative Ansätze unterliegen besonders in der deutschsprachigen Kindheits- und Jugendforschung einem hohen wissenschaftlichen Legitimationsdruck und Berichte über Studien, in denen kollaborative Verfahren zum Einsatz kamen, liegen bis heute nur unterrepräsentiert vor. Dabei ist die Beteiligung junger Menschen auch im Wissenschaftskontext von immer größer werdender Bedeutung, und partizipative Methoden kommen aktuell vermehrt zur Anwendung. Vor diesem Hintergrund berichte ich zunächst über das abgeschlossene Projekt Peer2Peer, in dem Jugendliche als Co-Forschende umfassend beteiligt waren. Daraufhin diskutiere ich die diverse Datenmaterialität der Studie mit situationsanalytischen Mapping-Tools aus, um eine nachträgliche Reflexion des Prozesses in seiner Gesamtheit zu ermöglichen. Relationale Beziehungsgeflechte und Konstellationen sowie die forschungsethische Komplexität von Untersuchungen mit jungen Menschen werden dadurch sichtbar. Der gewählte Zugang trägt zu einem machtsensiblen Diskurs im Hinblick auf die Einlösung von Beteiligungsrechten bei. Er eröffnet zudem weiterführende kritische Perspektiven, auch auf (partizipative) sozialwissenschaftliche Forschungszusammenhänge.Participatory approaches face significant scientific pressure for legitimacy, particularly in German-language childhood and youth research, and reports on studies with collaborative methods remain underrepresented. At the same time, participation of young people is becoming increasingly important, also in scientific contexts, and participatory methods are currently used more frequently. Against this background, I first report in this article on the completed Peer2Peer project, in which young people participated extensively as co-researchers. I then discuss the diverse data material of the study employing three mapping tools of situational analysis in order to enable retrospective reflection on the research process in its entirety. As a result, relational networks and constellations as well as the research ethical complexity of studies with young people become visible. The selected approach is beneficial and contributes to a power-sensitive discourse with regard to the redemption of participation rights. It also provides further critical perspectives, including on (participatory) social science research

    Methodology of Authenticity. Participatory Research From the Perspective of Systems Theory

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    Soziolog:innen sehen sich zunehmend mit der Frage konfrontiert, wie authentische Kommunikationen in den Forschungsprozess symmetrisch integriert werden können: In autosoziobiografischen Arbeiten setzt man auf eine Mixtur von gesellschaftstheoretischem Wissen und authentischer Selbstthematisierung. Innerhalb der partizipativen Forschung sollen soziologische Lai:innen gleichberechtigt an der Wissenschaft teilnehmen. Dies wirft Probleme auf, die hier aus systemtheoretischer Sicht rekonstruiert werden: Analytisch gefasste Themen unterscheiden sich von denen der Praxis; soziale Asymmetrie tritt ein, sobald Forschende am Werk sind; die zeitlichen Verläufe zwischen Wissenschaft und dem Alltag der Beforschten unterscheiden sich systematisch. Ich diskutiere diese Herausforderungen und schließe mit dem Hinweis, dass der Ort der Forschung angemessen Berücksichtigung erfahren muss, um die genannten Bezugsprobleme zumindest zur Kenntnis zu nehmen: Die thematische, soziale und zeitliche Divergenz von empirischer Praxis und ihrer soziologischen Analyse verweist auf einen radikalen Perspektivismus, der nicht nur für partizipative Ansätze gilt, sondern sich ganz generell methodologisch niederschlagen muss. Anstatt Authentizität als Ankerpunkt vorauszusetzen, frage ich aus der hier veranschlagten Perspektive nach ihrer Genese.Sociologists are increasingly confronted with the question of how forms of authenticity can be integrated symmetrically into the research process. In autosociobiographical studies this question is addressed by emphasizing a blend of social-theoretical knowledge and authentic self-thematization. Accordingly, the researcher should allow lay sociologists to participate in the research process as equal partners. This renders authentic and symmetric forms visible in sociological research. However, it also raises issues that I reconstruct based on a systems-theoretical perspective: 1. topics of science differ from those of practice; 2. social asymmetry is inherent in the research process and 3. the temporal processes between science and empirical practice are systematically distinct. To account for these issues, I argue that researchers must take the locus of their research into appropriate consideration. The thematic, social, and temporal divergence of empirical practice and sociological research points to a radical perspectivism that not only applies to participatory research but should be reflected on a general methodological level. Rather than assuming authenticity as an anchor point in research, the perspective I adopt helps to look into the genesis of authenticity

    The Spirit of Fieldwork? Navigating Alcohol Consumption, Abstinence and Religious Positionalities in Social Sciences Research

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    In den letzten Jahren haben Debatten über die Positionalität von Forscher*innen in akademischen Kreisen zunehmend an Bedeutung gewonnen. Trotz dieser verstärkten Fokussierung auf Fragen nach der Auswirkung von deren Anwesenheit auf den Forschungsprozess und -ergebnis gibt es weiterhin Themen, die tendenziell gemieden werden, so etwa die Auswirkung von Alkohol auf den Forschungsprozess. In vorliegenden Veröffentlichungen werden zwar verschiedene Aspekte in Bezug darauf erörtert, wie Forschende mit Alkoholkonsum während der Feldforschung umgehen. Es wird jedoch nicht auf die Rolle von Religion eingegangen, eine bemerkenswerte Lücke angesichts der Prävalenz religiöser Gründe für Abstinenz. In diesem Artikel bauen wir daher auf vorhandene Literatur auf und diskutieren zwei Fallstudien mit einem Schwerpunkt auf Religion, die dazu beitragen, das Verständnis der Rolle von Alkoholkonsum und Abstinenz während der Feldforschung zu vertiefen. Basierend auf einem kollaborativen autoethnografischen Ansatz sowie unseren Feldforschungserfahrungen als muslimische Frau im Libanon und christlicher Mann in Vietnam diskutieren wir, wie Religion das Verhältnis mit Forschungsteilnehmenden sowie Insider-/Outsider-Dynamiken während der Feldforschung beeinflusst. Wir schließen mit Empfehlungen, wie akademische Einrichtungen Studierende und Mitarbeiter*innen (unabhängig von deren [nicht-] religiöser Identität) besser unterstützen können, wenn es darum geht, mit Alkoholkonsum während der Feldforschung – und darüber hinaus – umzugehen.In recent years, debates on researcher positionality have increasingly gained traction in academic circles. However, despite this increased focus on questions evolving around the impact of the researcher's presence on the research process and outcome, there are still issues that scholars have tended to avoid, such as the effect of alcohol on the research process. While existing publications contain some discussion of various aspects related to researchers navigating alcohol consumption during fieldwork, they do not touch on the role of religion—a striking absence considering the prevalence of religious reasons for abstinence. In this article, we therefore build on existing literature by discussing two case studies focused on the experiences of religious researchers with alcohol that help complicate our understanding of the role of alcohol consumption and abstinence during fieldwork. Using a collaborative autoethnographic approach and drawing on our fieldwork experiences as a Muslim woman in Lebanon and a Christian man in Vietnam, we discuss how religion affects rapport and insider/outsider dynamics during fieldwork. We conclude with recommendations on how academic institutions can better support students and staff members (regardless of religious identity or lack thereof) when it comes to navigating alcohol consumption during fieldwork and beyond

    Conference Report: Membership Categorization Analysis. Soziologische Perspektiven auf ein Forschungsprogramm [Membership Categorization Analysis. Sociological Perspectives on a Research Program]

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    Mit einem vielfältigen Programm rund um die Membership Categorization Analysis (MCA) wurden im Verlauf der Tagung Einblicke in eine sich im deutschsprachigen Raum noch etablierende Analysemethode ermöglicht. Geboten wurden Vorträge zur qualitativ-empirischen Forschungspraxis sowie zu theoretischen Überlegungen und Verfahrensweisen von Kategorisierungsanalysen. Dies erfolgte recht unterschiedlich, etwa durch allgemeinere Auseinandersetzungen mit solchen Analyseformen statt der spezifischen Vorgehensweise der MCA. Diese Varietät war für den Erkenntnisgewinn vorteilhaft, denn so entwickelte sich im Laufe der Tagung durch den gemeinsamen Austausch und mit Verweis auf die vorgetragenen Erhebungen die Arbeit an einer Positionierung der MCA innerhalb der soziologischen Kategorisierungsforschung. Die zentralen Erkenntnisse aus den produktiven und kritischen Diskussionen sowie den Beiträgen sind hier zusammengefasst.With a diverse program focusing on membership categorization analysis (MCA), the conference provided insights into a method of analysis that is yet to be established in German-speaking qualitative research. Presentations were offered on qualitative-empirical research practice, as well as theoretical considerations of categorization analysis. The MCA perspective was discussed by a diverse group of presenters. Among the approaches examined was a fundamental categorization analysis, in addition to specific MCA methods. This diversity of approaches was advantageous for positioning MCA  within a wider spectrum of sociological categorization analysis. A summary of the findings from critical and productive discussions and the contributions of the presenters is provided

    A Recipe for Successful Collaboration: Shared Creative Work Experiences (SCrWE) Among Co-Researchers

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    In diesem Artikel stellen wir unsere Kochschule als Beispiel für eine Strategie vor, die wir "Shared Creative Work Experience" (SCrWE, ausgesprochen "screwy") nennen: geplante, spielerische Aktivitäten außerhalb der Forschung, bei denen die Teilnehmer*innen kreative Arbeit (z.B. Kochen, Nähen, Malen, Bauen, Schreiben, Darstellen, Gestalten, Gärtnern) verrichten und darüber reflektieren, die zu einem Produkt führt (z.B. einer Mahlzeit, einem Quilt, einem Gemälde, einem Regal, einem Gedicht, einem Theaterstück, einem Spiel, einem Gemeinschaftsgarten). Durch SCrWE schaffen die Beteiligten spielerisch, aber absichtlich ein Ungleichgewicht, verschieben die Perspektiven und bringen die Machtdynamik ins Wanken, was letztlich eine produktive, sinnvolle Forschungspartnerschaft vorbereitet. Mittels eines Raums, in dem Forscher*innen gemeinsam kreativ arbeiten können, wollen wir gewohnte Annahmen durchbrechen und dazu einladen, sich gemeinsam auf Mehrdeutigkeit einzulassen. SCrWE basiert konzeptionell auf dem ästhetischen Erfahrungsspiel und dem Konzept der sozialen Vorstellungskraft und hilft Forschungsteams dabei, potenzielle Quellen für inhaltliche, prozessuale und affektive Konflikte zu identifizieren und diese dann auf produktive Weise zu erkunden. Mithilfe der Techniken der kollaborativen Autoethnografie verweben wir Rezepte, Fotos und wissenschaftliche Texte, um unsere Erfahrungen zu beleuchten. Abschließend beschreiben wir die Schritte zur Entwicklung eines SCrWE und stellen Reflexionsfragen, die den Mitgliedern von Forschungsteams helfen sollen, ihre ontologischen, epistemologischen und axiologischen Verpflichtungen zu erkennen, was letztlich zu sinnvollerem Zusammenarbeiten führt.In this article, we discuss our home cooking school as one example of a strategy we call "Shared Creative Work Experience" (SCrWE, pronounced "screwy"): Planned, playful extra-research activity during which collaborators engage in and reflect on creative work (e.g., cooking, sewing, painting, building, writing, performing, designing, gardening) that yields a product of some sort (e.g., a meal, a quilt, a painting, a shelf, a poem, a play, a game, a communal garden). Through SCrWE, we argue, collaborators playfully but deliberately create disequilibrium, shift perspectives, and unsettle power dynamics, ultimately preparing for productive, meaningful research partnerships. By creating a space for co-researchers to experience shared creative work, we aim to disrupt taken-for-granted assumptions and invite co-researchers to embrace ambiguity together. Grounded conceptually in aesthetic experiential play and the notion of the social imagination, SCrWE helps research teams identify potential sources of substantive, procedural, and affective conflict and then explore these conflicts in productive ways. Using techniques of collaborative autoethnography, we weave together recipes, photos, and scholarly writing to illuminate our experiences. We conclude by describing the steps for developing a SCrWE and include reflective questions to help research team members uncover their ontological, epistemological, and axiological commitments, ultimately leading to more meaningful research partnerships

    Computational Sensitizing: Using Textual Data Mining in a Qualitative Research Context

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    Analyse- und Visualisierungsverfahren des Textual Data-Minings finden zunehmend auch in der qualitativen Sozialforschung Anwendung. Damit gehen konzeptionelle Überlegungen einher, solche Verfahren direkt in Forschungsprozesse einzubetten. Im Gegensatz zu einer wechselseitigen Kombination von digitalen und qualitativen Methoden argumentieren wir für eine nachgeordnete Nutzung des Textual Data-Minings, die sich auf sprachstatistische Analyseschritte zum Zweck eines Computational Sensitizing beschränkt. Mit computationaler Sensibilisierung meinen wir eine Perspektivenerweiterung: Textual Data-Mining dient dann – wie bisher Vorwissen und Theorien – allein dazu, Fragen an und veränderte Sichtweisen auf das Material anzuregen. Im Beitrag veranschaulichen wir exemplarisch an einem Projekt aus der Bildungsforschung, wie Ergebnisse des Textual Data-Minings für Besonderheiten in den qualitativen Daten sensibilisieren können.Textual data mining analysis and visualization methods are increasingly used in qualitative social research. This is accompanied by conceptual considerations of embedding such methods directly into research processes. In contrast to a reciprocal combination of digital and qualitative methods, we argue for a subordinate use of textual data mining that is limited to linguistic-statistical analysis steps for the purpose of computational sensitizing. By computational sensitizing we mean a broadening of perspective; textual data mining, like previous knowledge and theories, then serves only to stimulate questions and changed perspectives on the material. In this article, we use an educational research project to illustrate how the results of textual data mining can sensitize people working with qualitative data and doing qualitative research

    Being a Foreigner During the COVID-19 Pandemic: Researcher Positionality in Online Interviews

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    In meinem Forschungsprojekt habe ich die Veränderung der Beziehung zwischen mir und meinen Interviewpartner*innen im Rahmen von Online-Interviews mit Migrant*innen in Japan während der COVID-19-Pandemie untersucht. Forscher*innen zu feministischen Interviewmethoden haben die komplizierten und wechselnden Machtdynamiken in der Arbeit mit Studienteilnehmenden diskutiert, während andere Forschende die Vor- und Nachteile von Online-Interviews untersucht haben. Die Positionsverschiebungen, die während der Durchführung von Online-Interviews auftreten, wurden jedoch nicht ausreichend analysiert. Anhand des Konzepts being in the moment habe ich geprüft, wie Online-Interviews mit Teilnehmer*innen mit Migrationshintergrund meine Positionierung als Forscherin in Bezug auf eben diese erleichterten, behinderten und veränderten, während ich inmitten der COVID-19-Pandemie meine Feldforschung betrieben habe. Wichtigstes Ergebnis ist, dass sowohl die Teilnehmer*innen als auch ich in der Lage waren, Hintergrundinformationen vor den Interviews auszutauschen, da soziale Netzwerke nach dem Ausbruch der Pandemie weit verbreitet waren. Dies verringerte die potenzielle Distanz, die durch die Forschung auf Entfernung entstanden wäre. Darüber hinaus entdeckten die Migrant*innen und ich Gemeinsamkeiten, die wir als Ausländer*innen während der Pandemie erlebten. Daraus schließe ich, dass Online-Interviews Forschenden und Befragten durch das Teilen verschiedener sozialer und beruflicher Momente während des Forschungsprozesses die Möglichkeit bieten, nach Gemeinsamkeiten zu suchen.In the project underlying this article, I investigated the shift in the researcher-interviewee relationship in the process of online interviews with migrants in Japan during the COVID-19 pandemic. Researchers in feminist interview methods have discussed the intricate and shifting power dynamics with study participants, while other scholars have examined the advantages and disadvantages of online interviews. However, researchers have not sufficiently analyzed the shifts in positionality that occur during online interviews. Using the concept of "being in the moment," I examined how my online interviews with migrant participants facilitated, prevented, and transformed my positionality as a researcher in relation to them while I performed fieldwork during COVID-19. My main findings were that both the participants and I were able to share background information prior to the interviews due to the prevalence of social networking services (SNSs) after the outbreak of the pandemic. This alleviated the potential distance created through the research. Furthermore, the migrants and I found commonalities as foreigners living through the pandemic. Thus, I concluded that online interviews provide opportunities for the researcher and interviewees to seek commonalities through sharing various social and professional moments during the research process.

    Review: Olaf Rahmstorf (2023). Wikipedia: Die rationale Seite der Digitalisierung? Entwurf einer Theorie [Wikipedia: The Rational Side of Digitalization? Draft of a Theory]

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    Olaf RAHMSTORF bietet in seinem Buch eine umfassende Analyse der Wikipedia als soziales und technisches Phänomen, das im Kontext der Digitalisierung betrachtet wird. Er entwickelt eine "Theorie der Wikipedia", um die besonderen Merkmale dieser digitalen Enzyklopädie zu untersuchen, einschließlich ihrer Arbeitsorganisation, Entscheidungsprozesse und Wissensproduktion. RAHMSTORF diskutiert die Rolle der Neutralität, die soziale Dynamik der Wikipedia-Community und die strukturellen Spannungen, die durch kulturelle Unterschiede und externe Normen entstehen. Er verbindet qualitative Methoden wie teilnehmende Beobachtung und Textanalyse mit theoretischen Ansätzen aus der Argumentationstheorie und der Soziologie, um die komplexen Diskurse innerhalb der Wikipedia zu entschlüsseln. Das Buch endet mit einer Reflexion über die Ambivalenzen der Wikipedia als (Gegen-)Teil des modernen Plattformkapitalismus und als Raum für einen rationalen, normativen Diskurs.In his book Olaf RAHMSTORF offers a comprehensive analysis of Wikipedia as both a social and technical phenomenon, examined within the context of digitalization. He develops a "theory of Wikipedia" to investigate the unique features of this digital encyclopedia, including its work organization, decision-making processes, and knowledge production. RAHMSTORF discusses the role of neutrality, the social dynamics of the Wikipedia community, and the structural tensions arising from cultural differences and external norms. He combines qualitative methods, such as participant observation and text analysis, with theoretical approaches from argumentation theory and sociology to decode the complex discourses within Wikipedia. The book concludes with a reflection on the ambivalences of Wikipedia as both a (counter-)part of modern platform capitalism and a space for rational, normative discourse

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