Forum Qualitative Sozialforschung (Forum: Qualitative Social Research)
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Is a Picture Worth a Thousand Words? Member Checking Using the Sketchnoting Approach
Die Frage der Validität ist seit jeher von besonderer Bedeutung für die qualitative Sozialforschung. So wurden bereits viele Anläufe unternommen, angepasste Gütekriterien sowie aufbauend Methoden zur Förderung der Validität zu entwickeln. Member Checks stellen hierfür ein Beispiel dar. Obwohl diese immer wieder in qualitative Studien integriert werden, fehlen in den zugehörigen Schriften jedoch häufig ausführliche Beschreibungen.
Indem ich meinen eigenen Ansatz mittels Sketchnoting vorstelle und diskutiere, möchte ich einen Beitrag zur Frage leisten, wie genau Member Checks durchgeführt werden können, denn die Nutzung dieser speziellen Kommunikationsform bietet sowohl in der Theorie als auch in der Forschungspraxis große Potenziale. So wird durch den vorgestellten Ansatz letztlich eine Brücke zwischen transaktionalen und transformatorischen Ansätzen geschlagen und damit ein prozessorientiertes Verständnis von Validität unterstützt, bei dem eben die Förderung reflexiver Prozesse zwischen Beforschten und Forschenden im Vordergrund steht.The question of validity is particularly important in the context of qualitative research. There have been numerous attempts to establish or reformulate criteria for validity and procedures for increasing validity. Member checking is one example. Although member checks are frequently integrated into qualitative studies, researchers do not always describe and explain them in detail in the corresponding reports.
In this paper, I would like to contribute to the research on conducting member checks by presenting and discussing the approach of sketchnoting. I argue that there is potential (both in theory and practice) in using this means of communication: Relevant problems that might occur in the context of member checking are addressed, and the gap between transactional and transformational validity approaches is bridged. From the perspective of a process-oriented view of validity, a reflective process for participants and researchers is supported
Doing Sociology With People: Disability, Coloniality and Reflexivity in Institutional Ethnography
In diesem Beitrag biete ich einen eingebetteten Ansatz zur Reflexivität in der institutionellen Ethnografie (IE). Ich stütze mich auf eine Studie, die ich mit behinderten Studierenden in einem postkolonialen Hochschulkontext durchgeführt habe, um zu zeigen, dass bestehende Ansätze unzureichend waren, um subalterne Stimmen zu bewahren. Ich beschäftige mich mit der Frage, was Reflexivität für "akademische Heimkehrer*innen" (ORIOLA & HAGGERTY, 2012) bedeutet, die im globalen Norden ausgebildet wurden und im Süden forschen. Indem ich eine dekoloniale IE vorschlage, für die biografische, epistemische, analytische und transformatorische Reflexivität erforderlich ist, bringe ich Argumente für eine IE voran, die von einer Soziologie für Menschen (SMITH, 2005) zu einer Soziologie mit Menschen wird, die von einer "colonial matrix of power" (MIGNOLO & WALSH, 2018, S.4) beherrscht werden. Mit einer dekolonialen IE verfolge ich einen reflexiven Ansatz, um zu verstehen, wie die sozialen Beziehungen der Inklusion und Partizipation für behinderte Studierende durch translokale Bedingungen der Kolonialität koordiniert werden. Ich komme zu dem Schluss, dass die IE zwar die Möglichkeit bietet, diejenigen, die einer Matrix der Herrschaft unterworfen sind, mit dem Wissen darüber, wie die Dinge organisiert sind zu ermächtigen, dass sie aber partizipativen Forscher*innen nicht erlaubt, mit den Menschen daran zu arbeiten, wie sie ihre alltägliche Wirklichkeit verändern können.In this paper, I offer an embedded approach to reflexivity in institutional ethnography (IE). I draw on a study conducted with disabled students in a post-colonial higher education context to show why and how existing approaches to reflexivity in IE have been inadequate in preserving the voice of subaltern subjects. I engage with the question of what reflexivity means for "academic homecomer[s]" (ORIOLA & HAGGERTY, 2012) who have been educated in the global North, going to research in the South. By proposing a decolonial IE that demands biographical, epistemic, analytical and transformational reflexivity, I advance the arguments for IE to move from a "sociology for people" (SMITH, 2005) to a sociology with people who are being ruled by the "colonial matrix of power" relations (MIGNOLO & WALSH, 2018, p.4). With a decolonial IE, I take a reflexive approach to understanding how the trans-local conditions of coloniality coordinate the social relations of inclusion and participation for disabled students. I conclude that while IE allows the opportunity to empower those being ruled by a matrix of domination with the knowledge of how things are organised, like some other participatory research, it does not offer researchers a way to work with the people on how to transform their everyday actualities
Patterns of Surprise and Ambivalence: Studying Social Media Visuality by Way of Aggregated Autoethnography
Visualität ist im alltäglichen Gebrauch sozialer Medien von zentraler Bedeutung, stellt aber für Forscher*innen eine komplexe Herausforderung dar. In diesem Beitrag wird die aggregierte Autoethnografie vorgestellt, ein Ansatz, durch den eine nuancierte Analyse von mediatisierten visuellen Praktiken ermöglicht wird. Der erste Schritt sind angeleitete Autoethnografien, hier lernen Teilnehmende, ihre eigenen Erfahrungen zu erforschen und dichte Beschreibungen zu erstellen. Anschließend werden mehrere Ebenen der Aggregation, Integration und Synthese durchlaufen (von individuellen Autoethnografien über nationale Datensätze mit kodierten Ausschnitten bis hin zu internationalen muster- und argumentspezifischen Datensätzen). Aggregierte Autoethnografien erlauben den Zugang zu unerwarteten Themen; es werden dynamische statt statischer Einblicke gegeben und sichtbar gemacht, was routinemäßig und implizit geschieht bzw. was als ambivalent erlebt wird. Darüber hinaus führt die Aggregation zur Synthese mehrerer Perspektiven, wodurch kontextübergreifende Muster aufgedeckt werden können, die sonst nur schwer zu erkennen sind. Mit dem beschriebenen Ansatz bewegen sich Forschende hin und her zwischen einzelnen Bildern und den Feeds, zu denen sie gehören. Sie bleiben der situativen Perspektive treu, in der die visuelle Kommunikation jeweils bedeutsam wird, relevante Artefakte und darauf bezogene Praktiken werden gleichzeitig erfasst. Zudem können so auch affektive, verkörperte und materielle Aspekte der Art und Weise, wie Menschen soziale Medien wahrnehmen, in den Blick genommen werden.Visuality is central in social media experiences, but complex to research. In this paper, we introduce aggregated autoethnography for nuanced analysis of socially mediated visual practices. The approach starts from guided autoethnographies which help to empower participants to explore their own experiences and build thick descriptions, and moves through multiple levels of aggregation, integration and synthesis (from individual autoethnographies to national datasets of coded snippets, to datasets specific to arguments emerging out of multinational patterns). The aggregated autoethnography approach makes unexpected topics accessible; offers dynamic, rather than static insight; makes visible that which is routine and tacit, as well as that which is experienced as ambivalent. Further, aggregation allows synthesis of multiple perspectives, revealing patterns across contexts that are otherwise difficult to detect. The approach detailed here is used to move back and forth between the singular pieces of visual content and the flows they are part of; to remain loyal to the situational perspective that the visual communication becomes meaningful in; to capture relevant artifacts as well as people's practices; and to be mindful of the affective, embodied and material aspects of ways of seeing with social media
Audiovisual Products as Drivers of Social Negotiations Online: A Grounded Theory-Based Analysis of Digital Pop Culture
In dem Beitrag befassen wir uns mit der Art und Weise, wie innerhalb der Popkultur und unter Bedingungen eines erneuten Strukturwandels der Öffentlichkeit audiovisuelle Identifikationsangebote im Internet in Gebrauch genommen werden, um machtvolle Gesellschaftsthemen wie Rassismus zu thematisieren und auszuhandeln. Wir zeigen am Beispiel der deutschsprachigen HipHop-Kultur, dass Rapvideos als Impulsgeber von Debatten fungieren, die im Kontext einer postmigrantischen Gesellschaft stehen, wobei sich für die Videos und die darauffolgende rezipient*innenseitige Anschlusskommunikation (Online-Kommentare bei YouTube) sowie in Berichten in Szenemedien und im Feuilleton sehr unterschiedliche Rassismuskonzepte und Deutungsmuster rekonstruieren lassen. Neben den Darstellungen ausgewählter Ergebnisse bietet der Text konkrete Einblicke in die exemplarische Anwendung der audiovisuellen Grounded-Theory-Methodologie, die im Rahmen des DFG-geförderten Forschungsprojektes "Musikvideos, Szenemedien und Social Media – zur Aushandlung von Rassismus im deutschsprachigen HipHop" (2018-2022) zur Analyse von Musikvideos entwickelt wurde.In this article we ask how music videos (understood as audiovisual opportunities of identification) are used on the Internet within a pop cultural context and under the condition of a renewed structural change in the public sphere. The aim is to reconstruct powerful negotiations on social issues such as racism. Using the example of German hip hop culture, we show that rap videos function as a catalyst for debates in the context of a post-migrant society. Doing this, we identify very different concepts of racism and patterns of interpretation that can be reconstructed for the videos, but also in the subsequent communication by the video-recipients on YouTube and within journalistic publications. In addition to the presentation of selected results, we offer concrete insights into the application of the audiovisual grounded theory methodology, that was developed for the analysis of music videos as part of the research project “Music Videos, Scene Media and Social Media—on the Negotiation of Racism in German Hip Hop” (2018-2022), funded by the Deutsche Forschungsgemeinschaft
Relationship Visibility in Spaces of Networked Individualism: How Couples Navigate Contrasting Injunctive Norms of Visual Communication
Die visuelle Kommunikation von Paaren auf sozialen Netzwerkseiten (SNS) ist mit normativen Diskursen verbunden, die verschiedene Bezugsgruppen betreffen. Durch das Teilen von Bildern, die eine Beziehung sichtbar machen, legitimieren Partner*innen ihre Bindung, steigern die Beziehungszufriedenheit oder schrecken potenzielle alternative Partner*innen ab. Gleichzeitig prägen Plattform-Affordanzen, die zu einer selbstzentrierten Darstellung anregen, die visuelle Kommunikation. SNS lassen sich daher als Räume des vernetzten Individualismus verstehen, in denen Personen sich mit anderen in Beziehung setzen, während sie auf sich selbst fokussiert bleiben. Wir untersuchten die injunktiven Normen, die der Sichtbarkeit von Paarbeziehungen auf SNS unterliegen, und zeigen in unserem Beitrag, wie Partner*innen das Spannungsfeld zwischen auf Individualität ausgerichteten Affordanzen von SNS und beziehungsorientierten Normen navigieren. Die Analyse basiert auf 63 semistrukturierten Interviews sowie partizipativen visuellen Befragungstechniken (mit insgesamt 42 Einzelpersonen und 21 Paaren). Wir illustrieren die verschiedenen Strategien der Paare, um widersprüchliche Normen zu navigieren und individuelle Autonomie mit Beziehungs- und Publikumserwartungen in Einklang zu bringen. Diese Normen betreffen Art und Umfang der geteilten visuellen Hinweise, richtiges Timing, Auswahl der adäquaten Plattformen, Häufigkeit, mit der Bilder geteilt werden sowie den adäquaten Umgang mit sensiblen Bildern. Wir liefern Einblicke in die komplexen Aushandlungsprozesse zwischen selbstfokussierten und beziehungsorientierten Normen visueller Kommunikation auf SNS.Visual communication of romantic partners on social network sites (SNSs) is tied to normative discourses addressing different reference groups. By sharing pictures of the couple (relationship visibility), partners legitimize their romantic bond, increase relationship satisfaction, or discourage alternative partners. Nevertheless, injunctive norms of visual communication on SNSs often emerge from individual-focused SNS affordances, encouraging self-centered visual sharing. Generally, SNSs are understood as sites of networked individualism where individuals relate to others while remaining focused on themselves. We examined the injunctive norms governing relationship visibility on SNSs, discussing how partners navigate the tensions between norms stemming from individual-focused SNS affordances and relational norms. We conducted 63 semi-structured pair and individual interviews with romantic partners (42 participants, 21 couples), using participatory visual elicitation techniques. In the attempt to balance individual autonomy with relational and audience expectations, we found that partners develop practices to navigate contrasting norms. Key norms concern the extent of shared visual cues, timing and selection of SNS spaces for couple pictures, volume of sharing, and rules for sensitive pictures to maintain privacy. We provide insights into the complex negotiations between individual-focused norms and relational norms of visual communication on SNSs
How to Show an Image of Myself: A Methodological Approach to Analyzing Media Self-Presentation in the Context of Gender-Political Positioning
In diesem Beitrag stellen wir ein Design zur Rekonstruktion medialer Selbstpräsentationen auf Social-Media-Plattformen vor. Es wird ein methodischer Vorschlag entwickelt, der das Zusammenwirken der handlungspraktischen Herstellung sowie der visuellen Selbstpräsentation der Accounts umfasst. Wir triangulieren die Bildclusteranalyse nach MÜLLER (2016) mit der Text- und thematischen Feldanalyse nach ROSENTHAL (2015 [2005]), um sowohl die bildlichen als auch die textlichen Anteile in den Blick zu bekommen. Der Artikel ist das Ergebnis einer methodischen Suchbewegung mit dem Ziel, die mediale Selbstpräsentation hinsichtlich der geschlechterpolitischen Positionierung und vergeschlechtlichten Darstellungen zu rekonstruieren. Als Beispiel dient uns ein extrem rechter Account auf der Plattform X, anhand dessen wir entlang der Reflexion der Forschungspraxis die Potenziale und Grenzen des Vorgehens zeigen und die methodologische Verzahnung der beiden Methoden diskutieren. Die kombinierte Analyse erlaubt es, thematische Felder unter Berücksichtigung der visuellen und der herstellungspraktischen Dimension zu erschließen. Dadurch lassen sich die gegenwärtige politische und geschlechtliche Selbstpositionierung sowie deren bildliche und textliche Herstellung herausarbeiten. Auf diese Weise ist es möglich, die Gesamtgestalt der medialen Selbstpräsentation zu entschlüsseln.In this paper, we develop a methodological design for reconstructing media self-presentations on social media platforms. With the proposed framework we address the interplay of the action-based production and the visual self-presentation of social media accounts. We triangulate image cluster analysis according to MÜLLER (2016) and the text and thematic field analysis of ROSENTHAL (2015 [2005]) to capture both visual and textual components. The article is the result of a methodological exploration aimed at reconstructing the media self-presentation of an account in terms of its gender-political positioning and gendered representations. Using a politically far-right account on the platform X as an example, we reflect on our research practice, illustrate the potentials and limitations of this approach and discuss the methodological integration of the two methods. We argue that this combined analysis enables the reconstruction of thematic fields by considering the visual and the action-based dimensions, and the identification of the current political and gendered self-positioning as well as its visual and textual construction. In doing so, we can decode the Gestalt of media self-presentations
Hypermediacy in Self-Presentations in Social Media: Explorations of a Case of Threatened Subjectivity
Bildhandeln in Social Media knüpft teilweise an Praktiken im Umgang mit analogen Fotografien an, die sich seit dem 19. Jahrhundert entwickelt haben. Zugleich haben sich mit der digitalen Fotografie neue Formen der Bildgestaltung herausgebildet, die sich von der Abbildfunktion von Fotografien immer weiter entfernen. Es geht nicht mehr nur darum, eine Realität festzuhalten und Anhaltspunkte für Erinnerungen zu schaffen. Vielmehr entstehen im digitalen Raum bildliche Ausdrucksmöglichkeiten, in denen die Referenz auf eine außermediale Wirklichkeit nicht nur komplizierter, sondern in unendlichen Verweisungsketten zuweilen auch verloren zu gehen scheint. Im Zuge der Selbstpräsentation von Privatpersonen in Social Media durch Zusammenstellungen dokumentierender Fotografien im Vis-à-vis hoch inszenierter, vielfach modulierter, zum Teil auch irritierender und schockierender Bilder entstehen komplexe Sinnzusammenhänge mit vielfachen inner- wie außerbildlichen Bezügen. Aus biografieanalytischer Perspektive gehe ich im Beitrag der Frage nach, ob solche Formen der Selbstdarstellung mit einem Konzept von Hypermedialität verstanden werden können. Mittels einer Fallanalyse, in deren Rahmen Bildclusteranalysen sowie eine biografische Fallrekonstruktion anhand eines narrativen Interviews durchgeführt wurden, untersuche ich, inwiefern hypermediale Bildumgebungen nicht nur als reines Spiel mit Bildern verstanden werden können, sondern auch Referenzen zu außerbildlichen biografischen Zusammenhängen aufweisen. Ausgehend davon werden verallgemeinerbare Aspekte zur Charakteristik hypermedialer Selbstdarstellungen herausgearbeitet.Acting with images in social media is partly linked to practices using analog photographs. At the same time, new forms of image creation have emerged that increasingly depart from the representational function of photography. It is no longer just a matter of capturing reality and creating cues for memories. Rather, ways of expression are being explored in digital space, in which the reference to an extra-medial reality not only becomes more complicated, but also seems to get lost in numerous chains of reference. During a person's self-presentation in social media, through the compilation of primarily documentary photographs on the one hand, and highly staged, often modified, sometimes confusing and shocking images on the other, complex contexts of meaning emerge. Based on a case analysis from a biographical-analytical perspective, I examine the question as to whether such modes of self-presentation can be understood with a concept of hypermediacy. By means of image cluster analyses and biographical case reconstruction using a narrative-biographical interview, I reconstruct to what extent hyper-mediated image environments can be understood not only as pure play with images, but also as references to extra-pictorial biographical contexts. From the case-analysis, I will conclude generalizable aspects of the social function of hyper-mediated self-presentations
Listening to Interviews: Attending to Aurality, Emotions, and Atmospheres in Qualitative Analysis
Obwohl Soziolog*innen Interviews gewöhnlich aufzeichnen, verwenden sie für das Kodieren und die Analyse meistens die Transkriptionen anstatt der Tonbandaufzeichnungen. Die Transkription des Tons in einen Text erfolgt in der qualitativen Forschung häufig als ein unhinterfragter und nahezu heiliger Arbeitsschritt. Angesichts der Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz, der Ethik und neuerer konzeptioneller Perspektiven, welche die Wissensproduktion herausfordern, lohnt es sich jedoch der Frage, was bei der Transkription verloren geht, erneut nachzugehen. In diesem Artikel möchte ich zum Anhören von Interviews – also zur Anwendung von Daten, die zu hören sind – in der qualitativen Forschung anregen. Ich stelle praktische, ethische und konzeptionelle Überlegungen dar, die mit der Analyse von Interviewaufzeichnungen einhergehen und erörtere, warum Forschende sich bisher auf Transkripte verlassen haben und welche möglichen Unzulänglichkeiten mit dieser Vorgehensweise verbunden sind. Ich argumentiere, dass Forschende, die an der Tradition festhalten, nur mit dem Transkript zu arbeiten, unnötigerweise reichhaltige Schichten von sensorischen, emotionalen und verkörperten Daten übersehen. Stattdessen schlage ich vor, das Anhören als eine der Schlüsselmethoden zu nutzen, um die konstitutive Rolle von Emotionen und Atmosphären in der qualitativen Forschung zu rekonstruieren.Sociologists commonly record interviews; however, most coding and analysis is done from transcriptions rather than from the audio recording itself. Transcribing sound into text is an often unquestioned and almost hallowed step in qualitative research. Yet, the question of what is lost in transcription is worth revisiting given advances in artificial intelligence, ethics, and new conceptual concerns that challenge processes of knowledge production. In this article, I aim to offer inspiration for listening to interviews—data that can be heard—in qualitative research. I discuss practical, ethical, and conceptual considerations that may come with analyzing interview recordings, tracking the reasons why scholars have come to rely on transcripts and the possible shortcomings of doing so. I argue that by adhering to a tradition of working with only the transcript, researchers miss rich layers of sensory, emotional, and embodied data. Instead, I suggest the use of listening as one of the key methods in analyzing the constitutive role of emotions and atmospheres in qualitative interview research
In Front of Closed Doors: Othering-Experiences in the Context of Field Access to Educational Institutions
In diesem Artikel befasse ich mich mit der Herausforderung des Feldzugangs während eines empirischen Dissertationsprojekts zu Bildungsherausforderungen von Schüler:innen muslimischen Glaubens in der 8. Schulstufe der Mittelschule (Sekundarstufe I). Dabei rücke ich meine Position als Forscherin in den Mittelpunkt. Auf Basis von Protokollen des ersten Feldkontakts wird der Feldzugang in fünf Phasen unterteilt, um möglichst genau die Frage, wie sich Othering zeigt und was es im Kontext des Feldzugangs bedeutet zu beantworten. Die Interaktionsdynamik zwischen den Feldakteur:innen – also den Direktor:innen, Lehrer:innen und Schüler:innen – und mir wird mit Bezug auf Prozesse des Othering in der qualitativen Sozialforschung theoretisch diskutiert. Der Beitrag ist damit eingebettet in die von Paul MECHERIL (2024) vorgeschlagenen Perspektive der "rassistischen Diskreditiertheit" und "rassistischen Privilegiertheit". Vor diesem Hintergrund zeige ich auf, dass ein gelungener bzw. misslingender Feldzugang nicht nur von externen Rahmenbedingungen wie z.B. der COVID-19-Pandemie abhängt, sondern vor allem von der Forscher:innensubjektivität und der Wahrnehmung sowie Verortung der Forschenden durch die Feldakteur:innen.In this article I address the challenge of field access encountered during an empirical dissertation project on the educational difficulties faced by Muslim students in the 8th grade of lower secondary school (Sekundarstufe I). I place particular emphasis on my own position as a researcher. Drawing on field contact protocols, the process of field access is divided into five phases in order to explore in detail how othering manifests and what it means in the context of gaining access to the field. The interaction dynamics among the field actors—namely principals, teachers, students, and myself—are discussed theoretically in relation to processes of othering in qualitative social research. This contribution is situated within the framework of Paul MECHERIL's (2024) concepts of "racial discrediting" and "racial privileging." Against this background, I argue that successful or failed field access is not solely determined by external conditions—e.g., the COVID-19 pandemic—but above all by the subjectivity of the researcher and by how researchers are perceived and positioned by the field actors
Using Entitled Requests to Pursue Closeness in Conversations Between Young Adult Romantic Couples
Ich habe einen diskursanalytischen Ansatz verwendet, um zu untersuchen, wie junge erwachsene Liebespaare durch das Formulieren und Empfangen von berechtigten Bitten in ihren alltäglichen Interaktionen nach Nähe streben. Obwohl das freie Äußern berechtigter Bitten manchmal als anstößig angesehen werden kann, halte ich es für einen Weg, wie Partner*innen Nähe oder Intimität herstellen, wenn auch kontraintuitiv, indem sie Kontroversen verfolgen. Ich zeige auf, wie sie genutzt werden, um viel mehr zu tun als nur um Dinge zu bitten. Sie dienen dem Beziehungscoaching oder sind Lernangebote und gegenseitigen Sticheleien, werden aber typischerweise auf eine unbeschwerte Art und Weise formuliert, die Humor, Übertreibung und Sarkasmus beinhaltet. Dabei können die interaktiven Kontexte, in denen berechtigte Bitten geäußert und entgegengenommen werden, ein wertvoller Raum sein, um zu beobachten, wie Beziehungserwartungen so ausgehandelt werden, dass Verantwortlichkeit, Beziehungsidentitäten und die kulturellen Kommunikationsnormen, die romantische Beziehungen unter jungen Erwachsenen bestimmen, angezeigt werden.I utilized a discourse analytic approach to examine how young adult couples pursue closeness by negotiating entitled requests in their everyday interactions. Although freely expressing entitled requests may at times be treated as relationally off-putting, I suggest that they may be a method that romantic partners use to enact closeness or intimacy, albeit counterintuitively, by pursuing controversy. I draw on data to reveal how entitled requests are often formulated to do a lot more than simply ask for things. They are used to engage in relational coaching, offer object lessons, and reciprocal tit-for-tats, but are typically created in light-hearted ways that involve humor, exaggeration, and sarcasm. I show that the interactive contexts for making and receiving entitled requests can be a valuable space for observing how relational expectations are negotiated to index accountability, relational identities, and the cultural communicative norms which govern romantic relationships among young adults