Forum Qualitative Sozialforschung (Forum: Qualitative Social Research)
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Play the Game. The Construction of Gender and Professional Behavior in Organizations: A Frame Analysis
Die sozialkonstruktivistische Theorie des doing gender hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht nur in feministischen und soziologischen Diskursen etabliert, sondern ist mittlerweile auch in der Organisationsforschung von eminenter Bedeutung. Die soziale und interaktive Herstellung von Geschlecht versteht sich demnach kontextspezifisch, also innerhalb von Organisationen, in denen bestimmte – unausgeglichene und oft strukturell Mehrheitsgruppen unterstützende – Machtverhältnisse bereits angelegt sind. In dem vorliegenden Beitrag befassen wir uns mit der Frage, wie soziales Geschlecht und Professionalität sowie damit verbundene Rollenerwartungen an Führungskräfte konstruiert und welche Ein- und Ausschließungspraktiken dabei bedient werden. Methodologisch beziehen wir uns auf GOFFMANs Rahmenanalyse und untersuchen eine Mikrosituation aus dem organisationalen Alltag eines IT-Unternehmens. Die detaillierte Analyse einer im Kontext eines Assessment Centers erhobenen Beobachtungssequenz legt die Wirksamkeit gängiger Herrschaftsverhältnisse sowie den impliziten Assimilationsdruck an die maskuline Norm offen. Es wird auch aufgezeigt, wie in alltäglichen Unternehmenssituationen mit Irritationen oder Brüchen von etablierten Normen umgegangen wird.The social-constructivist theory of doing gender has not only been established in feminist and sociological discourse over the last decades, but has also attained importance in organization theory. The social and interactive production of gender is context-specific; that is, organizational structures already reflect certain power relations, which are unbalanced and in general structurally supportive of majority groups. In this article, we focus on the question of how gender and professional norms, as well as related role expectations are constructed and negotiated within a specific organization. We also address the consequences of differentiation between professional and non-professional as an organizational practice of inclusion or exclusion. Using the framework analysis of GOFFMAN, a micro-situation from the selection of candidates for a management position is analyzed in order to reconstruct the situational implementation of cultural practices. The detailed analysis of a particular recruiting sequence reveals the effectiveness of established forms of domination as well as the implicit pressure to assimilate into the current masculine norm. Furthermore, it is shown how the irritation of established norms is handled in organizations
On the Boundaries of Shame. A Qualitative Study of Situations of Overstepping Boundaries (of Shame) in Physical Education as Seen from the Students' Perspective
Das Unterrichtsfach Sport stellt wie kein anderes die Körperlichkeit in den Fokus der Aufmerksamkeit aller am Unterricht Beteiligten: Im Sportunterricht ist der Körper der Schüler/innen Ausgangspunkt von unterrichtlichen Handlungen und Bezugspunkt von Bewertungen: Er wird berührt, beobachtet und in Szene gesetzt; die Schüler/innen messen gegenseitig ihre juvenilen Körper an normativen Kriterien wie Gewicht, Proportionalität, Fitness etc. Vor diesem Hintergrund scheint der Sportunterricht auch ein besonderes neuralgisches Potenzial für das Erleben von (Scham-) Grenzen überschreitenden Situationen zu bergen. In diesem Beitrag fokussieren wir auf eine Untersuchung zum Unterrichtsfach Sport, welche retrospektiv nach Situationen im Sportunterricht fragte, die von Schüler/innen als die eigene Scham- oder Intimgrenze überschreitend wahrgenommen wurden. Die Datenerhebung erfolgte mithilfe von schriftlichen Kurznarrationen, die Auswertung orientierte sich an sequenzanalytischen Verfahren. Die Befunde zeigen, dass aus der Sicht von Schüler/innen Scham- oder Intimgrenzen im Kontext von Sportunterricht in vielfältiger Weise überschritten werden: durch die Tatsache der Exponierung des (fast nackten) Körpers im Schwimmunterricht, die regelmäßige Berührung des Körpers durch die Lehrkraft u.Ä. Dabei besteht aufseiten der Schüler/innen ein Wissen darüber, dass die als grenzüberschreitend erlebten Situationen prinzipiell didaktisch plausibilisiert oder durch den Verweis auf Gepflogenheiten im Sport als "normal" gekennzeichnet werden könn(t)en. An die Darstellung der Befunde schließt sich ein didaktisch bilanzierender Ausblick an.URN: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs170227More than any other subject, teaching physical education focuses all the participants' attention on physicality: the students' bodies are at the center of instructional activities and the reference point of evaluations; the body is touched, observed, and enacted; students compare each other's juvenile bodies along normative criteria such as weight, proportionality, and fitness. Against this backdrop, physical education also seems to carry a neuralgic potential for experiencing situations that involve an overstepping of boundaries of shame. This article focuses on a study of physical education in school that retrospectively inquired into situations in physical education that students perceived as overstepping their boundaries of shame or intimacy. The data was collected by means of short written narrations and analyzed using methods of sequential analysis. The findings show that, from the students' point of view, boundaries of shame are transgressed in various ways within the context of physical education: by exposing the body in swimming lessons, the regular touching of the body by the teacher, and so forth. The students are aware that the situations that they perceived as overstepping their boundaries can in principle be explained on didactic grounds or be characterized as "normal" by reference to common practice in sports
Thought Style Analysis According to Ludwik Fleck as a Method of Qualitative Social Research: Theory and Application
Bislang fanden die methodischen Überlegungen des polnischen Mediziners und Soziologen Ludwik FLECK vor allem in wissenschaftshistorischen Studien Anwendung. In diesem Beitrag schlage ich vor, seine zentralen Begriffe des Denkstils und des Denkkollektivs in eine sozialwissenschaftliche Methode zu übersetzen. Hierzu wird zunächst die FLECKsche Terminologie anhand von Beispielen aus der Geschlechter- und Wissenschaftsforschung vorgestellt. Danach wird das denkstilanalytische Vorgehen auf die Auswertung von Expert_inneninterviews nach MEUSER und NAGEL übertragen. Das daraus resultierende Konzept einer qualitativen Denkstilanalyse wird im letzten Teil des Beitrages kritisch reflektiert.URN: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs170258To date, the methodological considerations of the Polish medical practitioner and sociologist Ludwik FLECK have been used primarily in historiography. In this article I propose to adapt his central concepts of "thought style" and "thought collective" as qualitative research methods. For this purpose, FLECK's terminology is first presented, using examples from gender and science studies. I adapt the analysis of thought styles to the analysis of expert interviews according to MEUSER and NAGEL. The resulting concept of a qualitative "thought style analysis" is critiqued in the last part of the article.URN: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs17025
She Said, She Said: Interruptive Narratives of Pregnancy and Childbirth
In diesem Beitrag zeigen wir die Nutzung von Narrationsanalysen für teilstrukturierte Interviews, die wir mit insgesamt sechs Frauen geführt haben, die in Großstädten im Süden der USA leben und sich für eine "natürliche" Geburt ihres ersten Kindes entschieden hatten. Mittels der Creative Analytic Practice präsentieren wir die Erfahrungen der Frauen in Gedichtform, um die Spannung nachvollziehbar zu machen zwischen den Wünschen der Frauen einerseits und ihren tatsächlichen Schwangerschafts- und Geburtserfahrungen andererseits. Das Gedicht verdeutlicht Behördenpolitiken, Wege, wie Konsens in einigen amerikanischen Gesundheitsinstitutionen umgelenkt oder konstruiert wird und auch die Resilienz der befragten Frauen.URN: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs170290In this article, we explore narrative inquiry data we collected with women who attempted to have a natural, drug-free childbirth for the birth of their first child. The data presented come from semi-structured life story interviews with six women who live in a metropolitan city in the mid-southern United States. Using creative analytic practice (CAP), the women's experiences are presented as a composite poem. The (re)presentation of the women's narratives in the poem emphasizes the tensions between what women desired and planned for in contrast to what they actually experienced during pregnancy and birth. The poem illustrates the politics of agency, the ways in which consent is bypassed or assumed in some medical institutions in the United States, and the resilience of the women.URN: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs17029
A Journey to the Centre of Self: Positioning the Researcher in Autoethnography
Damit Lesende der Perspektive von Forschenden in qualitativen Studien vertrauen können, ist es essenziell wichtig, deren Positionierung in Bezug auf die erhobenen und analysierten Daten nachvollziehen zu können. Wer bin ich in Bezug auf meine Daten wir damit eine zentrale Leitfrage im qualitativen Forschungsprozess. Ich gehe dabei davon aus, dass das, was wir wissen (Ontologie) und wie wir es wissen (Epistemologie) aus unseren philosophischen Überzeugungen resultieren, die wir im Verlauf lebenslanger Lernprozesse erwerben und weiterentwickeln, und diesen nicht vorausgehen.Im Verlauf einer Forschungsarbeit, in der ich die eigene Lehre mit Gruppen von Professionellen in Osttimor kritisch reflektiert habe, fand ich vier Fragen besonders hilfreich, um meine Positionierung als Forscherin nachvollziehen zu können: Welche Überzeugungen unterliegen meinen Verstehensversuchen? Wie/in welchem Zusammenhang habe ich sie gewonnen? In welcher Weise beeinflussen sie, wie ich in Situationen und auf Menschen reagiere? Wie beeinflussen diese Überzeugungen, die aus einem lebenslangen Erfahrungsschatz resultieren, meine Reflexionsversuche im Rahmen meiner Forschungsarbeit? In diesem Beitrag verdeutliche ich an Beispielen aus meiner Autoethnografie, wie ich versucht habe, meiner eigenen Positionierung im Forschungsprozess habhaft zu werden.For a reader to trust the perspective of a researcher as presented in qualitative inquiry, the disclosure of the researcher's position in relation to the data is vital. Who am I in relation to the research? becomes the central tenet in disclosing the positioning of the researcher. I contend that what we know (ontology), and how we know it (epistemology), are a result of our philosophical beliefs developed through our lifelong learning and not a precursor to them. In seeking to understand my philosophical positioning when researching my teaching a group of professionals from Timor Leste, I have found it helpful to answer four questions. What do I believe underpins my knowledge of life? Where did I gain this belief? How does this belief influence the way I react to situations and people? How do the assumptions, which I have accumulated from my life experiences, affect my reflexivity in my research? This article describes the process that I have used to reveal my position in relation to the data using examples from my autoethnography
"Apparently Being a Self-Obsessed C**t Is Now Academically Lauded": Experiencing Twitter Trolling of Autoethnographers
Online-Feindseligkeit und -Häme, auch als Trolling bezeichnet, sind als Phänomene ungefähr so alt wie das Internet selbst. Dennoch erfährt die Zunahme dieser Verhaltensweisen gegen Forschende, die unkonventionelle und kreative Methodologien wie z.B. Autoethnografie verwenden, bisher kaum wissenschaftliche Aufmerksamkeit. Mit diesem Artikel versuche ich, diese Lücke durch einen Beitrag zu autoethnografischen Forschungsdiskursen zu schließen. Im Rahmen autoethnografischen Schreibens teile ich meine Erfahrungen beim Entdecken gehässiger, frauenfeindlicher und grausamer Angriffe auf Autoethnograf/innen und ihre Arbeit auf Twitter. Ich diskutiere auch den Hass, der mir entgegengeschlagen ist, als ich begonnen habe, mich dieser Thematik öffentlich zuzuwenden. In vielen Nachrichten, die ich erhalten habe, wurde die Ansicht vertreten, ich sei unfähig, andere Positionen als die eigenen zu akzeptieren. Deshalb schließe ich mit einer kurzen Erwiderung auch auf Kritiken an der Autoethnografie, die von Forschenden kommen, die sich in einer konstruktiven und akademisch nachvollziehbaren Weise äußern. Ich verfolge mit diesem Beitrag vor allem anderen das Ziel, Trolling gegen Autoethnograf/innen sichtbar zu machen und andere zu ermutigen, sich über ihre Erfahrungen auszutauschen. Wenn wir nicht über Trolling schreiben, bleibt es – und bleibt unsere Geschichte – verborgen.Online hostility and mockery, often known as "trolling," is a phenomenon almost as old as the internet itself. Nevertheless, the rise in trolling aimed at researchers using non-traditional, creative methodologies, such as autoethnography, remains severely under-explored. This essay seeks to fill the gap in the literature and make a contribution to the discourse on autoethnographic research. Writing autoethnographically, I share my experience of discovering vile, misogynist, and cruel trolling of autoethnographers and their work on the social media platform Twitter. I reflect on the online hatred I received when I raised the issue publically. Many of the messages I received focused on my perceived inability to cope with opinions other than my own. Therefore, I finish by offering a brief response to critiques of autoethnography; albeit criticism that comes from researchers who raise their concerns in a constructive and scholarly manner. Above all, the purpose of this essay is to bring trolling of autoethnographers to the fore and encourage others to speak about their experiences. If we do not write about trolling, then it—and our story—remains hidden
Conference Essay: The Relationship between Gender Studies and Discourse Studies: Synergies, Frictions, and Pitfalls
Die interdisziplinäre Tagung "Gender Studies meets Diskursforschung meets Gender Studies" widmete sich der wechselseitigen Beziehung von Gender- und Diskursforschung. In dem vorliegenden Tagungsessay wollen wir einen Einblick in die Debatten auf der Tagung geben und diese bezogen auf drei methodologische Schwerpunktsetzungen rekonstruieren und weiterführen: 1. theoretische Perspektiven auf das Verhältnis von Diskurs-Macht-Subjekt im Zusammenhang mit Geschlecht und Sexualität; 2. diskursanalytische Perspektiven auf Geschlecht und Sexualität in Textkorpora und 3. empirische Arbeiten am Schnittpunkt von Diskurs- und Geschlechterforschung – Analyse von Interviews, Dokumenten (und Gruppendiskussionen) sowie YouTube Videos. Bei der retrospektiven Betrachtung und Weiterführung der Tagungsbeiträge legen wir ein besonderes Augenmerk auf die Frage, wie Diskurs und Geschlecht jeweils konzeptualisiert und ins Verhältnis gesetzt wurden und welche (Probleme oder welcher Mehrwert der) Gegenstandskonstitution damit verknüpft war(en). Abschließend betrachten wir die Ergebnisse der Tagung und versuchen einen Ausblick. Übergreifendes Ziel unseres Beitrags ist es, Möglichkeiten einer konsequenten Verknüpfung von Diskurs- und Geschlechterforschung aufzuzeigen.The interdisciplinary conference "Gender Studies Meets Discourse Studies Meets Gender Studies: Entanglements, Affinities, Tensions, and Open Questions" focused on the relationship between gender studies and discourse studies. On the one hand this essay provides insights into the conference debates, and on the other it critically discusses the contributions. The following three key aspects provide guidelines for reconstructing and developing the arguments: 1. theoretical perspectives on the relation of discourse/power/subject to gender and sexuality; 2. discourse analysis focusing on gender and sexuality in written (media) texts; and 3. empirical research informed by discourse studies and gender studies—analysis of interviews, documents, focus groups, and YouTube videos. Retrospectively discussing and elaborating the conference contributions, we will particularly pay attention to the question of how discourse and gender were conceptualized and interrelated. Subsequently, we critically reflect upon objects of investigation and their implied approaches. Finally, we consider the outcomes of the conference and future prospects. Overall, the essay aims at outlining the potential of a consistent combination of gender studies and discourse studies
Embodied Reflexivity in Qualitative Analysis: A Role for Selfies
In diesem Artikel befassen wir uns mit dem Nutzen von Selfies zur reflexiven Untersuchung von Körperlichkeit in der phänomenologischen Forschung. Das Erfordernis, reflexive Praktiken insbesondere in der qualitativen Gesundheitsforschung transparenter zu machen, wird inzwischen breit akzeptiert. Ebenso ist eine vermehrte Hinwendung zur Reflexion von körperlichen Reaktionen als Teil des Forschungsprozesses zu verzeichnen. Dies umzusetzen ist besonders herausfordernd, wenn Forschende in Teams arbeiten und wenn es zusätzlich keinen unmittelbaren Kontakt mit den Untersuchungsteilnehmer/innen gibt, da Datenerhebung und -analyse getrennt voneinander verlaufen. Wir haben FINLAYs (2005) Modell der reflexiven körperlichen Empathie genutzt um zu veranschaulichen, in welcher Weise Selfies in einem internationalen Forschungsteam als reflexives Mittel genutzt wurden, wenn der einzige lebensweltliche Zugang zu den Feldteilnehmer/innen transkribiertes Material war. Zentral für diesen Verstehensprozess waren zusätzlich FOUCAULTs Theorie der Technologien des Selbst (1988) sowie kritische Selbstaufmerksamkeit und -stilisierung.URN: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs1702124This article introduces a case study on the use of selfies as a means to support embodied reflexivity in phenomenological research. There is a recognized need to make reflexive practice in qualitative health research more transparent. There is also a move towards an embodied type of reflexivity whereby researchers pay attention to their physical reactions as part of the research process. Being reflexive is especially challenging when researchers work in teams rather than as individuals, and when researchers and participants do not meet because data collection and analysis are separate from one another. We used FINLAY's (2005) model of reflexive embodied empathy to explain how taking selfies allowed an international team of researchers to engage reflexively with a participant when their primary access to her lifeworld was an interview transcript. Key concepts from FOUCAULT's (1988) theory of technologies of self, critical self-awareness and self-stylization, shed light on this phenomenon.URN: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs170212
Only Second Best? Interview Reports as a Method of Documenting Qualitative Interviews
In der methodischen Literatur zu qualitativen Interviews wird als Standardverfahren oft die Aufzeichnung mit einem Aufnahmegerät und anschließende wortgetreue Verschriftlichung (Transkription) empfohlen. Protokolle werden als Mittel der Interviewdokumentation zumeist als zweitbeste Lösung für den Fall dargestellt, dass Mitschnitte nicht möglich sind. Diese Position stellen wir in diesem Beitrag aufgrund theoretischer Überlegungen und empirischer Erfahrungen infrage.Vor- und Nachteile der Dokumentationsformen "Audiomitschnitt + Transkription" und "Notizen + Protokollierung" werden systematisch gegenübergestellt. Anschließend wird anhand von zwei Studien exemplarisch verdeutlicht, dass die Protokollierung die beste Lösung zur Dokumentation der Interviewdaten sein kann. In beiden Studien wurden in Interviews sensible Themen behandelt und die Erhebung grundlegender Informationen über Prozesse und Routinen bezweckt.Grundsätzlich kann Protokollierung angezeigt sein, wenn weniger die Interpretation des Gesagten als vielmehr dessen Intention im Fokus der Forschung ist. Außerdem sollte eine Protokollierung erwogen werden, wenn eine Aufnahme besonders interessante InterviewpartnerInnen von der Teilnahme abhalten oder ein offenes Gespräch verhindern könnte.Mit diesem Beitrag wollen wir zu einer Auseinandersetzung darüber anregen, wann Protokollieren angemessen ist und wie es methodisch angelegt sein sollte.Qualitative interviews should be audio recorded and transcribed word by word. This has been recommended in most methodology texts. Relying on interview reports as a means of interview documentation is typically described as a second-best solution if audio recording is not possible. In this contribution, we question this position on the basis of theoretical considerations and research experience.
The advantages and disadvantages of "audio recording + transcription" versus "note-taking + reporting" are systematically compared. Two studies are presented as exemplary cases in which interview reports have been chosen as the most suitable means of interview documentation. In both studies, we dealt with sensitive topics and aimed at reconstructing routines and procedures.
Generally, reports can be adequate when researchers are less interested in the interpretation of what was exactly said and more interested in what interviewees intended to say. In addition, note-taking should be considered if audio recording prevents the participation of particularly interesting interviewees or if it hinders an open conversation. With this contribution, we aim at stimulating further debate about when interview reports are appropriate and how they should be designed
Narratives of Normativity and Permissible Transgression: Mothers' Blogs About Mothering, Family and Food in Resource-Constrained Times
In diesem Beitrag beschäftigen wir uns mit den Charakteristika von Blogs als einer Spielart digitaler Narrative und mit der Frage, was wir aus ihnen über persönliche Erzählungen von Mutterschaft, Familie, Ernährung und die Verfügbarkeit von Ressourcen lernen können. Wir untersuchten hierzu die Posts in zwei Blogs über insgesamt sechs Monate, die von Müttern im Kontext beschränkter ökonomischer, sozio-emotionaler, zeitlicher und ökologischer Knappheit verfasst wurden, auf die Stützung oder Überschreitung normativer Narrative. In diesem Beitrag konzentrieren wir uns darauf, wie auf den "About Me"-Seiten dieser Blogs geschriebene und visuelle Narrative, semantische Vieldeutigkeit und Widersprüchlichkeit, Stile und Plattform überschreitende Genres sowohl normative als auch transgressive Erzählungen über Mutterschaft und Familie, die eigene Involviertheit der Bloggerinnen und die Verfügbarkeit von Ressourcen verdeutlicht werden. Abschließend diskutieren wir Grenzen unserer Studie bzw. wie und in welchem Ausmaß die Blogs, die wir betrachtet haben, Hinweise auf politische Positionierung und politisches Handeln geben.URN: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs170178We consider the characteristics of one form of digital narrative—the blog—and what they may offer to personal narratives about mothering, families, and food and other resources. We draw on narrative analysis of six months of posts from two blogs about feeding families, written by mothers in the context of constrained economic, time, socioemotional, and environmental resources, to make a second-order analysis of the features of blogs that operate to support or transgress normative narratives. We focus on how, on the "About Me" pages of these blogs, the relations between the written and visual narratives, and the semantic multiplicities and contradictions, the styles and the cross-platform genres of the written stories, generate both normative and transgressive narratives around mothering and family, the bloggers' own involvements with the blog, and resource issues. In conclusion, we discuss the limitations of our analysis, and how and to what extent the features of blogs on which we have focused may work to generate narratives of political positioning and action.http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs17017