Forum Qualitative Sozialforschung (Forum: Qualitative Social Research)
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Translation and Its Consequences in Qualitative Social Research: On Distinguishing "the Social" From "the Societal"
Die Übersetzung wissenschaftlicher Texte zwischen verschiedenen Sprachen ist ein mögliches Unmögliches (ROTH 2013). Übersetzen bringt für das Theoretisieren große Probleme mit sich: Worte werden mitunter in Terminologien transformiert, die nicht dasselbe begriffliche Feld abdecken. Die hier vorgestellte Studie befasst sich mit einem solchen Beispiel: dem konzeptuellen Unterschied zwischen dem Sozialen und dem Gesellschaftlichen. Die Verwechselung dieser beiden Begriffe beim Übersetzen kann gravierende Folgen für das Verständnis von Theorien in den soziokulturellen, kulturhistorischen und gesellschaftshistorischen Traditionen haben. In den deutschen und russischen Versionen seiner Arbeiten benützt Karl MARX die Begriffsäquivalente der englischen Adjektive social [sozial, social’nyj] und societal [gesellschaftlich, obščestvennyj] mit ganz unterschiedlicher Bedeutung. Viele Forschende halten die beiden Begriffe jedoch nicht auseinander, und ins Englische werden beide Begriffe als "the social" [das Soziale] übersetzt. In diesem Aufsatz wird die konzeptuelle Differenz dargestellt, die MARX bei dieser Begrifflichkeit in der Verbindung des Allgemeinen mit der Gesellschaft (am Beispiel des Wertes) anstatt mit irgendeiner beliebigen sozialen Gruppe vornimmt. Auf diese Weise werden bestimmte Phänomene, etwa das Bewusstsein oder das Psychische, immer gesellschaftlich verstanden [societal, obščestvennyj]. Verwechselungen dieser Art können zu ganz unterschiedliche Lesarten philosophischer und psychologischer Werke in der MARXschen Tradition führen.The translation of research texts between different languages is a possible impossible (ROTH, 2013). With translation come serious dangers for theorizing when words are translated into terms that do not cover the same conceptual field. This study investigates one such instance, which pertains to the difference between the social and the societal, and which possibly has devastating effects on many theories in the sociocultural, cultural-historical, and societal historical tradition. In the German and Russian versions of his works, Karl MARX used apparently quite distinctly the equivalents of the English adjectives "social [sozial, social'nyj]" and "societal [gesellschaftlich, obščestvennyj]." Many scholars do not distinguish the two notions, and in English, both are translated into "the social." This article exhibits the conceptual distinction MARX makes by explicitly tying the emergence of the universal to society (exemplified in value) rather than to any smaller social group. In this vein, some phenomena, such as consciousness or the psyche are virtually always societal [gesellschaftlich, obščestvennyj]. Implications are sketched for the possibility of quite differently reading philosophical and psychological works in the MARXIAN tradition when the distinction is made
"So the World Will Know Our Story": Ethical Reflections on Research with Families Displaced by War
In diesem Beitrag befassen wir uns mit den ethischen Implikationen einer qualitativen Studie zu Mobilität im Alltag von syrischen Familien, die angesichts des Krieges in Syrien in den Libanon geflohen sind. Die Daten wurden mit verschiedenen Methoden erhoben – mit kollaborativen Familieninterviews, Zeichnungen und Karten von Kindern, GIS-unterstützten Spaziergängen sowie einem Logbuch für Aktivitäten – wodurch insbesondere die Teilnahme von Kindern und Familien ermöglicht wurde. Diese Methoden erlaubten es, familiäre Netzwerke und Beziehungen zu untersuchen und auch die Umwelten zu erfassen, die auf das Leben der Familien nach Krieg und Flucht einwirken. Unser Vorgehen, wie im Grunde jede Erforschung von vulnerablen Gruppen, war von ethischen Fragen begleitet. Auf Basis eines ethischen Reflexionsprozesses diskutieren wir in diesem Beitrag sechs Punkte, die sowohl mit Fragen der prozeduralen Ethik als auch mit Fragen der Mikro-Ethik verbunden sind. Dabei unterstreichen wir die Bedeutung von kreativen Forschungsmethoden, die es erlauben, alltägliche Erfahrungen von geflüchteten Familien zu erfassen. Darüber hinaus besprechen wir weiter gefasste ethische Implikationen, insbesondere wie sich eine respektvolle Arbeit mit vulnerablen Bevölkerungsgruppen mit einer Gewährleistung der Integrität als Forschende verbinden lässt.In this article we examine the ethical implications of a qualitative research study exploring the everyday mobilities of Syrian families displaced in Lebanon. The multiple methods of data collection—collaborative family interviews, children's drawing and mapmaking, GIS-tracked neighborhood walks, and activity logging—encouraged children and family voices. At the same time, these methods provide an opportunity to explore family networks, relationships, and environments that are impacting their lives in the context of war and displacement. These methods, like all research with vulnerable populations, also raise several ethical questions. Using a process of ethical reflexivity, we discuss six ethical points related to both procedural and micro-ethics. In addition to shedding light on the importance of uncovering the everyday experiences of refugees using creative methods, we suggest broader ethical implications regarding how we respectfully work with vulnerable populations while still upholding research integrity
When Good Intentions Backfire: University Research Ethics Review and the Intimate Lives of People Labeled with Intellectual Disabilities
Wir diskutieren kritisch, wie Praxen der ethischen Begutachtung und Regulierung durch universitäre Ethikkommissionen Diskurse von Vulnerabilität und Protektionismus reproduzieren, die dazu beitragen, Personen, die als geistig beeinträchtigt gelabelt werden, verstummen zu lassen. Behindernde Zuschreibungen über (Un-) Fähigkeit sowie ein reduktives bio-medizinisches Verständnis der gelabelten Personen als homogene Gruppe führen zu der Einschätzung, die Forschungen seien "zu riskant" und ihr Wert würde die potenziellen Risiken nicht aufwiegen. Personen werden als "zu verletztlich" oder "zu naiv" wahrgenommen, um in der Lage zu sein, über ihre Teilnahme an Forschung entscheiden zu können, ohne sich selbst oder die Forschenden in Gefahr zu bringen. In diesem Beitrag legen wir unsere Erfahrungen mit forschungsethischen Begutachtungen von Projekten dar, in denen das intime Leben von Menschen mit geistiger Behinderung erforscht werden sollte. Wir kommen zu dem Schluss, dass die forschungsethische Regulierung, obwohl sie gut gemeint ist (weil sie Teilnehmende und Forschende schützen möchte), gegenteilige Auswirkungen haben kann. Sie schränkt die Möglichkeiten ein, die Perspektiven und Handlungsspielräume von Personen mit geistigen Beeinträchtigungen in der Forschung zu priorisieren und begrenzt zudem, wie Forschende mit diesen Personen in der Forschung umgehen dürfen.We critically discuss how practices of ethical governance through university research ethics committees can contribute to the silencing of people labeled with intellectual disabilities through the reproduction of discourses of vulnerability and protectionism. In addition, disabling assumptions of (in)ability and reductive bio-medical understandings of labeled people as a homogeneous group can create concern that such research is "too risky," and perhaps not valuable enough to outweigh potential risks. Combined, these practices deem people "too vulnerable" or "too naïve," and thus, unable to make decisions for themselves about participating in research without putting themselves and the researcher(s) at risk. In this article, we draw on insights gained from our experiences undergoing ethics review for projects focused on the personal and intimate lives of people with intellectual disabilities. We proffer that such ethical governance, though well-intentioned (i.e., to protect participants and researchers), limits not only possibilities for research that would otherwise prioritize the perspectives and agency of people with intellectual disabilities but also how researchers are "allowed" to engage with them in research
Re-Envisioning Member Checking and Communicating Results as Accountability Practice in Qualitative Research: A South African Community-Based Organization Example
Die Kommunikation von Ergebnissen an Studienteilnehmende wird in der qualitativen Forschung weniger häufig in Betracht gezogen als beispielsweise in der medizinischen oder genetischen Forschung. Wir besprechen ethische Aspekte der Planung, Vorbereitung und Umsetzung der Rückgabe von Studienergebnissen an Mitglieder einer lokalen, Community-basierten Organisation in Südafrika. Die Organisation leistet Betreuungs- und Unterstützungsangebote in der ländlichen Gegend von KwaZulu-Natal. Wir begreifen die Rückgabe von Ergebnissen als Dreh- und Angelpunkt der Rechenschaftspflicht von Forschenden und schlagen die kommunikative Validierung und Verbreitung von Studienergebnissen in den beteiligten Communities als ethischen Imperativ vor. Wir propagieren eine rituelle Kritik, die gängige Ethik-Systeme hinterfragt und in eine Neubewertung und Verbesserung der Praxis mündet. Anhand eines Fallbeispiels veranschaulichen wir, wie Ergebnisse auf eine Art und Weise zurückgegeben werden können, die für Studienteilnehmende möglichst relevant, zugänglich, sinnvoll und nützlich ist. Schließlich überlegen wir, wie die Verbreitung von Ergebnissen auch an ein breiteres Publikum verantwortungsvoll gestaltet werden kann. Es ist grundsätzlich geboten, die Ergebnisse in einer Form darzustellen, die mit den Bezugsrahmen der Studienteilnehmenden übereinstimmt. Die Begriffe "Rechenschaftspflicht" oder "Rückgabepraxis" sind passende Bezeichnungen, um Forschende zu ermutigen, die philosophischen, ethischen und methodologischen Positionen zu kommunikativer Validierung zu überprüfen und Praxen der Rückgabe und Verbreitung von Ergebnissen zu reflektieren.Ethical considerations in communicating results to participants in community-based qualitative research are scrutinized less than in medical or genetics research. We report on ethical issues considered in planning, preparing and returning of study findings to members of a community-based organization who provide care and support services in their community in rural area in KwaZulu-Natal, South Africa. Using returning results as fulcrum, we explore the ethics of member checking and dissemination of findings. We propose revising these activities through ritual criticism aiming for the re-examination of routine ethics systems for the evaluation and improvement of practice. A case example illustrates how returning results comprise accountability practices through methods that are relevant, accessible, meaningful and useful to study participants. Finally, we consider how the dissemination of results to a wider audience might also be performed as accountability practices with deference to participants. Attention to representing results in forms that resonate with participants' frames of reference is called for. The term accountability practices or taking-it-back practices might describe the acts more authentically than current conventions motivating researchers to review current philosophical, ethical and methodological positions on member checking, returning results and dissemination practices
The Creative and Rigorous Use of Art in Health Care Research
Obwohl kunstbasierte Verfahren in der Gesundheitsforschung an Popularität gewonnen haben, werden sie eher selten systematisch integriert. Gerade weil menschliches Erleben jedoch komplex und emotional ist, wäre es unangemessen, auf Methoden zu verzichten, die unterschiedliche Erfahrensweisen mobilisieren. Ich diskutiere deshalb in diesem Beitrag, wie diese Verfahren kreativ und konsequent im Forschungsprozess genutzt werden können. Hierzu nutze ich Beispiele aus meiner Masterarbeit, in der mich mit den Liebesbeziehungen von Frauen beschäftigt habe, die an einem Reizdarmsyndrom leiden. Die Ergebnisse veranschaulichen, dass mittels kunstbasierter Ansätze unterschiedliche Wissensformen sowie der Ausdruck von persönlichem Denken und Fühlen eruiert werden können, wenn über herkömmliche Wege der Wissensgenerierung hinausgegangen wird. Ich zeige, wie dies in jedem Abschnitt des Forschungsprozesses gelingen kann.The adoption of arts-based research methods is gaining popularity in health care yet few of these methods integrate the arts throughout the inquiry. Given that so much of the human experience is imbued with emotion and complexity, it would be counter-intuitive to omit research methods, such as the arts, that mobilize different ways of thinking. The purpose of this article is to discuss the creative and rigorous use of art throughout the research process, drawing on the example of a graduate research study that explored women's narratives of intimate relationships while living with irritable bowel syndrome. The findings reveal that the arts can evoke a different kind of knowing and can portray the artist's personal thoughts and feelings without the use of words. Embracing creative functioning through the arts necessitates surrendering conventional ways of pursuing knowledge. This work advances research to date on arts methodology by explicating how the arts can be used to support each stage of the research
Revisiting Bott to Connect the Dots: An Exploration of the Methodological Origins of Social Network Analysis
Vor dem Hintergrund eines wachsenden Interesses in der qualitativen und Mixed-Method-Forschung an der sozialen Netzwerkanalyse (SNA) und der Untersuchung von insbesondere egozentrischen Netzwerken befasse ich mich in diesem Beitrag mit dem aus der Stadt- und Familienforschung stammendem Werk der Sozialanthropologin und Psychoanalytikerin Elizabeth BOTT (1971 [1957]). Obwohl BOTTs Arbeiten aus der Mitte des letzten Jahrhunderts breite Anerkennung für die Formulierung zeitgenössischer SNA-Konzepte fanden, ist ihre method(olog)ische Praxis bisher weitgehend vernachlässigt worden. Im Folgenden werde ich deshalb zunächst die von ihr genutzten Erhebungs- und Auswertungsmethoden skizzieren mit dem Ziel, mögliche Einsichten für die aktuelle Forschungslandschaft zu elaborieren. Zusätzlich werde ich mit den von ihr angewandten Forschungsdesigns beschäftigen, um die von ihr in der Netzwerkforschung initiierte Innovation besser verstehen zu können.Against a backdrop of a growing interest in qualitative and mixed-method approaches to social network analysis (SNA) and the exploration of ego-networks, in this article I revisit the pioneering urban families research of the social anthropologist and psychoanalyst Elizabeth BOTT (1971 [1957]) in the mid-twentieth century. While BOTT's work has been widely recognized as formative for contemporary approaches to, and concepts in, SNA, her methodological practice has been under-explored. In the discussion that follows I therefore seek first to precis the methods of data collection and analysis employed by BOTT with a view to distilling insights for current practice. In addition, I analyze the approach to research design taken by BOTT in order to better understand how the social networks innovation her work heralded was realized
Temporality in Discourse: Methodological Challenges and a Suggestion for a Quantified Qualitative Approach
Wenngleich die Untersuchungsgegenstände soziologischer Diskursanalysen in der Regel eine zeitliche Dimension aufweisen, hat Zeitlichkeit aus methodologischer Perspektive bislang kaum Beachtung gefunden. Indem wir die methodologischen Konsequenzen von Zeitlichkeit in diesem Beitrag systematisch explizit machen, wollen wir eine wichtige, aber bislang noch ausstehende methodologische Debatte anstoßen. Unser Artikel leistet zu dieser Debatte zwei zentrale Beiträge. Zunächst beschreiben wir vier methodologische Herausforderungen, die sich aus der inhärenten Zeitlichkeit von Diskursen ableiten: ein sequentielles Verständnis der Realität; variable und fluktuierende Entitäten; Beziehungen, die Entitäten über die Zeit hinweg verbinden; sowie der inhärent vergleichende Charakter diachronischer Analysen. Qualitative Diskursanalysen sind sehr gut für die drei erstgenannten Herausforderungen gewappnet. Der sich schnell potenzierende Umfang diachroner Vergleiche kann qualitative Zugänge jedoch an ihre analytischen Grenzen bringen. Ausgehend von diesen Erkenntnissen, besteht unser zweiter Beitrag daher in einem quantifiziert-qualitativen Ansatz für diachrone Diskursanalysen. Wir zeigen, dass quantifizierende Werkzeuge zur Visualisierung von Diskursen die qualitative Interpretation bereichern können. Zu diesem Zweck untersuchen wir das Potenzial von Wortwolken, Kookkurrenz-Netzwerken und diskursiven Korrespondenzfeldern für die Visualisierung von Veränderung und Stabilität – und damit für die Berücksichtigung von Zeitlichkeit in Diskursanalysen. Sowohl die methodologischen Herausforderungen als auch die Werkzeuge zur Visualisierung werden durch eine exemplarische Diskusanalyse, die sich mit Kapitalismuskritik im Rahmen der jüngsten Wirtschaftskrise auseinandersetzt, veranschaulicht.Though most sociological discourse analyses are concerned with inherently temporal research objects, temporality is rarely acknowledged from a methodological perspective. In this article we address this gap by making the methodological consequences of temporality systematically explicit. In doing so, we attempt to initiate an important methodological debate in the field of sociological discourse analysis. As a first contribution, we specify four main methodological challenges posed by temporality to discourse analytical research processes: a sequential model of reality, entities that fluctuate and move, connections that relate entities over time, and the inherently comparative nature of diachronic analyses. We argue that qualitative approaches to discourse analysis are well equipped to deal with the first three challenges. However, they can easily be overwhelmed by the wide scope of diachronic comparative analyses. Building on these insights, we propose a quantified qualitative approach to diachronic discourse analyses. We show that quantifying tools that visualize discourse are beneficial in the final stages of qualitative interpretation. To this end, we explore the potential of word clouds, co-occurrence networks and discursive fields of correspondence for visualizing change and stability and thus accounting for temporality. Both the methodological challenges and the visualization tools are illustrated by drawing on an exemplary study on the changing nature of critiques of capitalism in the context of the recent economic crisis
Teaching Holocaust Memory Literature in Higher Education: An Autoethnographic View
In diesem Beitrag präsentiere ich meine persönliche Geschichte als Dozentin im Rahmen eines bi-nationalen (deutsch-israelischen) Lehrprojekts mit Studierenden aus der zweiten und dritten Post-Holocaust-Generation. Gegenstand waren literarische Werke u.a. in hebräischer und deutscher Sprache, die von Schriftsteller/innen aus eben diesen Generationen stammten. Dabei sah ich mich bald mit Fragen konfrontiert nach deren Leseerfahrungen, dem Lehrprozess und dem, was ich selbst in diesem Prozess gelernt hatte bzw. lernen würde. In der Folge entstanden die hier veröffentlichten autoethnografischen Aufzeichnungen, die meine Arbeit im Projekt begleiteten. Die Schreibprozesse waren von großer Bedeutung für mein eigenes Verstehen des Holocaust-Gedenkens, da ich eine Holocaust-Überlebende der zweiten Generation bin. Sie stehen wahrscheinlich zugleich exemplarisch für Erfahrungen von anderen Lehrenden der zweiten und dritten Post-Holocaust-Generation, während die Art und Weise, wie das Holocaust-Ethos in Israel wahrgenommen wird, deren Diskussion verhindert.In this article, I present my personal story as a teacher-educator who participated in a binational (Israeli-German) teaching project that investigated the reading processes of students belonging to the second and third post-Holocaust generations. The students read literary works in Hebrew, German, and other languages written by members of the second and third post-Holocaust generations. My involvement in the project triggered the question of how to represent their experience of reading the literary works, of the teaching processes, and of what I learned from the process. This led to the writing of an autoethnography that accompanied my work as a teacher-educator in this project.The autoethnographic writing process was significant for my comprehension of the issue of Holocaust memory due to the fact that I am a second-generation Holocaust survivor. While the experience described is important in understanding the processes that are probably undergone by teachers who are second- and third-generation Holocaust survivors, the manner in which the Holocaust ethos is perceived in Israel precludes discussing them
Indirect Pursuits of Intimacy in Romantic Couples Everyday Conversations: A Discourse Analytic Approach
Die Frage, wie Paare (im Alter von 19-26 Jahren) Kritik und Andeutungen möglicher Untreue in natürlichen Interaktionen genutzt haben mit dem Ziel, auf kreative und indirekte Weise Nähe herzustellen, war Gegenstand der hier vorgestellten diskursanalytischen Studie. Ausgangspunkt war das vermehrte Vorliegen von Forschungsarbeiten, denen zufolge vordergründig strittige Interaktionen zwischen jungen Paaren weniger feindlich intendiert waren, sondern als spielerische Methoden, um Verbundenheit zum Ausdruck zu bringen. Im Beitrag zeige ich, dass Kritik oft relativ (geschlechts-) stereotyp formuliert und witzelnd beantwortet wurde z.B. durch die Nutzung von Ironie, Lachen, Umdeutungen, durch abrupte Gedankensprüngen und Themenwechsel – allesamt Strategien, die halfen, mögliche feindseile Konnotation abzumildern. In ähnlicher Weise wurden Anspielungen auf Untreue oft in Interaktionspausen eingebracht, eine knappe und effektive Weise, der anderen Person zu signalisieren, dass dies in vorangegangen Interaktionen übergangen worden war. Insoweit fand sich auch für meine Studie, dass die von mir untersuchten jungen Paare auch in potenziellen Konfliktsituationen in ihren Alltagsinteraktionen Nähe herzustellen versuchten.A discourse analytic approach was used to examine how twenty young adult romantic couples (ages 19-26) employed criticisms and insinuations of infidelity in their natural unstructured interactions to indirectly and creatively pursue closeness. The research has been motivated by an expanding arena of research that shows that ostensibly contentious interactional moments among young adult intimates may not be adversarial, but rather may be methods that promote a playful repartee that leads to affiliation. I demonstrate how criticisms are both often highly gendered and typically formulated and responded to in tongue-in-cheek, non-serious ways that involve the creative use of various forms of irony, laughter, rekeyings, abrupt non-sequiturs, and topic shifts that mitigate the potential for the criticisms to become adversarial. Similarly, the insinuations of infidelity were often designed by the couples to attend to interactional breaches. They functioned as a brief but effective way for one partner to signal that they had been dismissed or neglected in the preceding discursive turns. My central finding is that young adult romantic couples maintain closeness amidst potential conflict in their natural everyday conversational interactions
Autobiographical Notes from Inside the Ethics Regime: Some Thoughts on How Researchers in the Social Sciences Can Own Ethics
Das medizinische Modell der forschungsethischen Kodizes operiert aus einer privilegierten Perspektive. Die Reaktion von Sozialwissenschaftler/innen umfasst dabei das ganze Spektrum, von Achtung und Einhaltung bis Rebellion. In diesem Beitrag führe ich einen Ansatz aus, der wegführen möchte von den verfeindeten Beziehungen, die mittlerweile den Diskurs zwischen den Vertreter/innen der medizinisch gerahmten Ethikkodizes und denen, die diese Kodizes für ihre Forschung für unerheblich erachten, charakterisieren. Der vorgeschlagene Weg aus den verfeindeten Lagern heraus beinhaltet, die bestehenden institutionalisierten Ethikkodizes für die medizinische Forschung beizubehalten, aber darauf zu bestehen, dass Forschende in den Sozialwissenschaften ihre eigenen, gut entwickelten disziplinären Kodizes nutzen, um ethische Forschung zu betreiben. Sobald sie sich von den Lagerkämpfen entfernt haben, sind Sozialwissenschaftler/innen nicht länger gezwungen, sich in den Ethikbegutachtungsverfahren als "die anderen" zu positionieren; sie können nun auf ihre eigene Forschungsethik rückgreifen. Diese Perspektive geht aus meiner autobiografischen Reflexion hervor, die ich seit 2001 geführt habe, u.a. als Gründungsmitglied des kanadischen Panels zu Forschungsethik und als qualitativ arbeitender Soziologe mit langjähriger Erfahrung, auch als Teilnehmer der Debatte.The medical model of research ethics codes operates from a privileged perspective. The reaction of social researchers spans the broad spectrum, from deference to rebellion. In this contribution, I explore an approach that would yield a move away from adversarial relationships that have come to characterize the discourse between the upholders of the medically framed research ethics codes and those who see no relevance in those codes in terms of their own research. The path away from this adversarial approach is to maintain the institutionalized ethics codes for medical research, but to insist that researchers in the social sciences use their own well-established disciplinary codes for conducting ethical research. Once we have moved away from this adversarial relationship, researchers in the social sciences will have no need to "other" themselves in research ethics review; they can now own their own ethics in research. These views represent my autobiographical reflections from my position as a founding-member of Canada's Panel on Research Ethics as a qualitative sociologist with extensive experience who has participated in the debate since 2001