Forum Qualitative Sozialforschung (Forum: Qualitative Social Research)
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Shared Viewing From Phenomenological Perspectives: English Teachers and Lived Experience as Text
In diesem Beitrag nutzen wir unsere unterschiedlichen phänomenologischen Perspektiven, um eine hermeneutische Methodologie am Beispiel von Englischlehrer*innen zu veranschaulichen, die sich einer kunstbasierten oder ästhetischen Pädagogik verpflichtet fühlen. Hierzu gehört die Nutzung von Filmen, Dichtung oder anderen Texten, und wir haben uns in diese Exploration von Methode und Pädagogik aus unterschiedlichen philosophischen Blickwinkeln begeben (AHMED 2006; MERLEAU-PONTY 1993 [1964]; VAN MANEN 2018). Was unsere beiden Studien, aus denen wir berichten, verbunden hat, ist die Wertschätzung der Relevanz der Erfahrungen der Lehrer*innen, ihrer Bemühung um Sinnstiftung und Deutung bei der Vermittlung ihrer jeweiligen Instruktionen an die Lernenden mithilfe von Texten, in denen Alltagserfahrung in einer Vielzahl von Wegen angesprochen wurde.In this article, we share our different perspectives using the philosophical lens of phenomenology to shape a hermeneutic research methodology considering the experiences of English teachers using arts-based or aesthetic pedagogy. The consideration includes the use of poetry, film, and other texts, and we approach this exploration of method and pedagogy from alternative philosophical stances (AHMED, 2006; MERLEAU-PONTY, 1993 [1964]; VAN MANEN, 2018). What unites the two studies is a sense of the importance of teachers' experiences in meaning-making and interpretation as they work to convey instruction to their students through texts that speak to lived experience in a variety of ways
Individual Experiences and Collective Practices of Learning Time in Adult Education: An Empirical Reconstruction of Time Modalities in Educational Processes
Lern- und Bildungsprozesse sind unlösbar mit Zeitlichkeit verbunden. In der aktuellen erziehungswissenschaftlichen Forschung wird dies erkannt, es bleiben aber Desiderata insbesondere in der Verbindung bildungstheoretischer Überlegungen mit qualitativer empirischer Forschung. Deshalb untersuchen wir in einem aktuellen Forschungsprojekt mittels qualitativ-rekonstruktiver Verfahren den Zusammenhang zwischen institutionalisierten Zeitstrukturen, kollektiven Zeitpraktiken und subjektivem Lernzeiterleben in Bildungsurlaubsveranstaltungen. Im Beitrag besprechen wir zunächst grundlegend das Verhältnis von Zeit und Erwachsenenbildung und betten unseren Untersuchungsgegenstand in den Kontext der Programmatik lebenslangen Lernens ein. Auf dieser Grundlage stellen wir das methodische Design unseres Forschungsprojekts vor, bei dem wir auf eine Verbindung von qualitativer Kursforschung einerseits und erwachsenenbildungswissenschaftlicher Biografieforschung andererseits setzen und in diesem Rahmen teilnehmende Beobachtungen von Kursen und narrative Interviews mit Teilnehmenden auf Grundlage der dokumentarischen Methode analytisch verschränken. Anhand eines ausgewählten Falles zeigen wir auf, wie es durch diesen multimethodischen und multiperspektivischen Zugang möglich wird, die komplexen Verhältnisse zwischen kollektiven Zeitpraktiken und subjektivem Lernzeiterleben herauszuarbeiten. Dabei fokussieren wir die praktische Strukturierung der Kurszeit im Unterschied zur Lernzeit jenseits des Kurses und zeigen für letztere auf, wie unterschiedlich die Teilnehmenden diese wahrnehmen und ausgestalten. In einer abschließenden Reflexion verweisen wir auf methodische Anschlussfragen, die sich aus der bisherigen Forschungspraxis ableiten lassen.Education and learning processes cannot be separated from time and temporality. Although current educational research recognizes this, there are still desiderata, especially combining theoretical approaches to qualitative empirical methodological approaches. Therefore, in a current research project we use qualitative-reconstructive methods to investigate the relationship between institutionalized time structures, collective time practices, and subjective experiences of time in the context of paid educational leaves. In this article, we first examine relationships between time and adult education, contextualized to the programmatics of lifelong learning. We then introduce the methodological design of our research project, which combines approaches of qualitative classroom research and biographical (adult) educational research. The analysis interweaves participant observations of courses and narrative interviews with participants, using the documentary method. Using a selected course as an example, we show how this multi-methodological and multi-perspective approach makes it possible to elaborate the complex relationships between collective time practices and subjective experiences of learning time. We focus on structuring the time within the course in contrast to learning time beyond the course and show how different the participants perceive and shape the latter. As conclusion, we elaborate on methodological follow-up questions on temporality that could derive from our current research experiences
"No One's Supposed to Stay Healthy This Way." Health-Related Conspiracy Theories in Subjective Theories About Health and Illness. Using the Heidelberg Structure-Formation Technique
Verschwörungstheorien können als subjektive Theorien betrachtet werden, die von Menschen entwickelt werden, um weitreichende negative Ereignisse erklären zu können. Entsprechend können Methoden zur Erforschung subjektiver Theorien auch in der Erforschung (subjektiver) Verschwörungstheorien von Nutzen sein. In der hier vorgestellten Studie sollte untersucht werden, welche psychologische Rolle Verschwörungstheorien in subjektiven Krankheitstheorien von Menschen spielen, welche sich von der wissenschaftlich orientierten Medizin ("Schulmedizin") abgewendet haben. Mithilfe der Heidelberger Struktur-Lege-Technik wurden die subjektiven Theorien von sechs Anhänger_innen alternativer Medizin erfasst. Es ergaben sich erste Hinweise darauf, dass gesundheitsbezogene Verschwörungstheorien inhärenter Bestandteil alternativmedizinischer Narrative sein und der Abgrenzung von der Schulmedizin dienen können. Durch eine während der ersten Welle der SARS-CoV-2-Pandemie im April 2020 durchgeführte Nachbefragung der Teilnehmer_innen konnte diese Annahme bekräftigt werden. Darüber hinaus bot die Untersuchung Einblicke, welche Aspekte alternativmedizinische Angebote für unsere Untersuchungspartner_innen attraktiv machten, wobei vor allem angenommene psychische und spirituelle Prozesse im Vordergrund standen. Als wichtigen Einflussfaktor sowohl für die Hinwendung zur Alternativmedizin als auch auf den Glauben an Verschwörungstheorien ermittelten wir das persönliche Kontrollerleben.Conspiracy theories can be regarded as subjective theories, devised by people to explain impactful negative events. Consequently, methods to investigate subjective theories might be useful in researching (subjective) conspiracy theories. The study presented here aimed to explore the role of conspiracy theories in subjective theories of illness for people who have turned away from scientifically-oriented medicine. The Heidelberg structure-formation technique was used to capture the subjective theories of six adherents of alternative medicine. Our findings give first insights that health-related conspiracy theories are an inherent part of alternative medical narratives and might serve the purpose of differentiating them from conventional medicine. A follow-up survey during the first wave of the SARS-CoV-2 pandemic supported this view. The study also gave insight into which aspects of alternative medical treatments were appealing to our participants. Here, supposed psychological and spiritual mechanisms were deemed most important. A key factor, both for turning towards alternative medicine and for believing in conspiracy theories, was an individual experience of control
Video-Based Educational Research: What Happens After Recording With two Cameras?
Videobasierte Verfahren erfreuen sich insbesondere in der sozialwissenschaftlichen Schul- und Unterrichtsforschung zunehmender Beliebtheit für unterschiedliche Untersuchungsanlagen. Oft wird für die Erhebung ein mehrperspektivischer Zugang gewählt und mittels zwei Kameras umgesetzt (Zwei-Kamera-Strategie). Wie in den nachfolgenden Arbeitsschritten mit Aufnahmen aus zwei Kameras umgegangen wird, ist jedoch häufig nicht nachvollziehbar, da detaillierte Informationen zur Handhabung der Mehrperspektivität während der Datenaufbereitung bzw. -analyse in den entsprechenden Publikationen weitgehend fehlen. Anhand von drei Situationen aus einem videobasierten Projekt, das wir auf der Kindergartenstufe in der Schweiz durchgeführt haben, identifizieren wir mögliche Erkenntnisgewinne. Diese können insbesondere durch den systematischen Einbezug der zweiten Kamera während der Datenaufbereitung erzielt werden. Damit leisten wir einen Beitrag zu den laufenden, methodischen Diskussionen, die mit der zunehmenden Verbreitung von Videos einhergehen.Video-based research is enjoying increasing popularity in social science research in general, as well as in educational and classroom research in particular. It is used in various methodological approaches, and recording frequently employs a multi-perspective approach implemented with the help of two cameras (two-camera strategy). However, what happens in the subsequent phases of research often remains unclear, as detailed information on how multi-perspectivity is dealt with during data processing and descriptions of relevant analysis techniques are largely missing in the relevant literature. Referring to three situations we experienced in our video-based research project, which we conducted in Swiss kindergarten classrooms, we identify opportunities for new insights. They were mainly achieved by systematically integrating the material gained from the second camera during data processing. By doing so we aim to contribute to current methodological discussions which accompany the increasing use of videos in social science research
The Role of Informal Conversations in Generating Data, and the Ethical and Methodological Issues
Ausgehend von dem Argument, dass die Rolle informeller Gespräche in qualitativen Methoden der Sozial- und Bildungsforschung umstritten, aber auch relativ vernachlässigt ist, stellen wir in diesem Artikel dar, wie diese Gespräche unsere Forschungsansätze und -praxis beeinflusst haben. Wir verwenden ein Beispiel aus einer eigenen Studie, um ihre nuancierte und spezifische Natur hervorzuheben und eine Reihe von sich ergebenden ethischen und methodischen Fragen aufzuwerfen und zu hinterfragen. Wir betrachten informelle Gespräche als Möglichkeit, Daten mit "Kontext" und "Authentizität" zu versehen und andernfalls verpasste Möglichkeiten zur Erweiterung und Anreicherung von Daten zu erschließen. Wir berücksichtigen auch die Rolle von Ethikkommissionen und Ethikrichtlinien sowie die praktischen Auswirkungen und Konsequenzen, die diese für Forscher_innen haben, wenn sie während ihrer Feldarbeit informelle Gespräche führen.Arguing that the role of informal conversations in qualitative social and educational research methodologies is contested but also relatively neglected, in this article we set out how the method has influenced our research approaches and practice. We use an example of a conversation between one of us and a participant to highlight their nuanced and specific nature, and to raise and interrogate a number of ethical and methodological issues that emerge. We view informal conversations as opportunities to add "context" and "authenticity" to data and argue that they can unlock otherwise missed opportunities to expand and enrich data. We also consider the role of ethical boards and ethical guidelines, and the practical effects and consequences these have for researchers when they use informal conversations during their fieldwork
Capturing Meanings of Place, Time and Social Interaction when Analyzing Human (Im)mobilities: Strengths and Challenges of the Application of (Im)mobility Biography
In diesem Artikel stellen wir (Im)mobilitäts-Biografie als Forschungsmethode zur Rekonstruktion von (Im)mobilitäten und damit verbundenen Aushandlungen von Bedeutungen von Ort, Zeit und sozialen Interaktionen vor. Basierend auf biografisch-narrativen Ansätzen und partizipativen Konzepten ist die Kombination aus Life History Interview und partizipativem Timeline Tool bestens geeignet, um individuelle Lebenswelten im zeitlichen Verlauf zu erfassen. Nach der Darstellung theoretischer Vorannahmen zu relationalen Bedeutungen von Ort, Zeit und sozialen Interaktionen geben wir einen Überblick über biografische und partizipative Forschung im Kontext von (Im)mobilitäten und zeichnen methodische Ursprünge des Life History Interviews und Timeline Tools nach. Des Weiteren beschäftigen wir uns mit Aspekten, die bei der Planung und Vorbereitung der (Im)mobilitäts-Biografie beachtet werden müssen und zeigen zwei verschiedene Anwendungsmöglichkeiten in Migrationskontexten in Deutschland und Ecuador auf. Im Anschluss stellen wir Optionen der Auswertung und Interpretation von textlichen und grafischen Daten vor. Nach einer Abwägung von Stärken und Herausforderungen halten wir die (Im)mobilitäts-Biografie für eine nützliche Methode, um (im)mobile Lebenswelten sowie die kontextuelle Einbettung individueller Entscheidungsfindungen bezüglich des Gehens oder Bleibens zu erfassen. Hinsichtlich der partizipativen Ausrichtung unterstützt vor allem die Visualisierung von (Im)mobilitätsverläufen die Strukturierung von und Erinnerung an Lebensgeschichten, sie ermöglicht eine gemeinsame Analyse bereits während des Interviews und regt die Teilnehmenden an, über ihre Biografien zu reflektieren.In this article, we suggest (im)mobility biography as a method for reconstructing human (im)mobilities and related negotiations of meanings of place, time and social interaction. Based on biographical-narrative approaches and participatory ideals the combination of life history interviewing with a participatory timeline tool is the best fit for capturing individuals' life-worlds over time. After presenting theoretical presuppositions on relational meanings of place, time and social interaction, we provide an overview of biographical and participatory research in the context of human (im)mobilities and sketch methodological origins of the life history interview and the timeline tool. Furthermore, we address issues essential for planning and preparing (im)mobility biography, and demonstrate two different applications of the method in migration contexts in Germany and Ecuador. Subsequently, we present options for analysis and interpretation of textual and graphical data outputs. Keeping in mind strengths and challenges, we consider (im)mobility biography a valuable method for capturing (im)mobile life-worlds as well as contextual embeddedness of individual decision-making on moving or staying. Especially in terms of its participatory orientation, the visualization of migration trajectories facilitates structuration and memorization of life histories, allows for shared analysis even at the interview stage, and encourages participants to reflect on their biographies
Reflections on a Post-Qualitative Inquiry With Children/Young People: Exploring and Furthering a Performative Research Ethics
In diesem Artikel erörtere ich eine Reihe ethischer Fragen im Zusammenhang mit dem von den USA in Auftrag gegebenen Belmont-Bericht (NATIONAL COMMISSION FOR THE PROTECTION OF HUMAN SUBJECTS OF BIOMEDICAL AND BEHAVIORAL RESEARCH 1979), wobei ich als Ausgangspunkt eine postqualitative Untersuchung mit zehn (schwarzen) Kindern im Alter von 14 bis 15 Jahren in einer südafrikanischen Schule nutze. Ich bat die Kinder, Gruppen zu bilden, um gemeinsam über die mögliche Relevanz bestimmter, in Australien entwickelter Szenarien zu Klimawandel für Südafrika nachzudenken. Die "Szenario-Aktivität" sollte das aktive gemeinsame Lernen der Teilnehmer_innen anregen. Sie sollte auch bewusst "performativ" sein, da die in den vorgestellten Szenarien verwendeten Worte Einfluss auf die (gemeinsamen) Überlegungen der Kinder haben würden, für die ich eine gewisse Verantwortung übernommen hatte. Vor dem Hintergrund dieser Untersuchung und mit Blick auf laufende ethische Debatten über den Zweck sozialwissenschaftlicher Forschung stelle ich Überlegungen vor, die in eine radikale Überarbeitung der Leitlinien des Belmont-Berichts (der für Ethik-Ausschüsse weltweit relevant ist) münden, um ein performatives Verständnis von Sozialforschung zu integrieren. Obwohl ich mich auf ethische Fragen der Forschungsinteraktion mit Kindern/Jugendlichen konzentriere, dürften meine Überlegungen auch Auswirkungen auf die partizipative Forschung mit Erwachsenen haben.In this article I discuss a number of ethical issues surrounding the USA-commissioned Belmont report (NATIONAL COMMISSION FOR THE PROTECTION OF HUMAN SUBJECTS OF BIOMEDICAL AND BEHAVIORAL RESEARCH, 1979), using as one of the spurs for my discussion a case of post qualitative research with ten (Black) children aged 14-15 in a school in South Africa. I asked the children to form groups to reflect together on the possible relevance for South Africa of certain scenarios in relation to climate change that had been constructed during research in Australia. The "scenario exercise" was intended to stimulate the participants' active learning together in relation to their engagement with the scenarios. It was also intended to be consciously "performative" in that the words used in the presented scenarios would admittedly have some impact on the children's (joint) considerations, for which I took some responsibility. With reference to this research, and at the same time engaging with ongoing ethical debates related to the purpose of social scientific inquiry, I offer ethical deliberations which entail a radical revision of the ethical guidelines of the Belmont report (which inform many institutional ethical review boards across the globe) to incorporate a performative understanding of social research. While I concentrate on addressing ethical issues concerning research interaction with children/young people, I suggest that my deliberations have implications for participatory research with adults too
How to Code Your Qualitative Data—A Comparison Between Grounded Theory Methodology and Qualitative Content Analysis
Die Auswahl der Analysemethode stellt in qualitativ ausgerichteten Forschungsprojekten und vor allem in Qualifikationsarbeiten häufig eine besondere Herausforderung dar. Insbesondere die Entscheidung für eine der verschiedenen kodierenden Methoden ist oftmals schwierig, da die Fachliteratur jenseits von allgemeinen Klassifizierungen nur wenige Hinweise darauf gibt, für welche Art von Forschungsprojekt sich eine bestimmte Methode anbietet. Diese Schwierigkeit scheint umso virulenter zu werden, je weiter sich die kodierenden Methoden ausdifferenzieren und unter demselben Label unterschiedliche Vorgehensweisen empfohlen werden. Im vorliegenden Beitrag wird diese Problematik mit Blick auf die Datenanalyse nach der Grounded-Theory-Methodologie (GTM) und der qualitativen Inhaltsanalyse aufgegriffen. Zunächst wird allgemein die Möglichkeit eines Vergleichs zwischen beiden Methoden diskutiert. Im Anschluss werden einige ihrer zentralen Varianten vorgestellt, da angesichts der Diversifizierung von GTM und qualitativer Inhaltsanalyse nur eine vergleichende Diskussion dieser Varianten die Entscheidung für ein bestimmtes Analyseverfahren unterstützen kann. Primäre Vergleichsdimensionen sind der jeweilige Umgang mit Vorwissen und damit verbunden die vorrangige Art der Kategorienentwicklung, die Gestaltung weiterführender Analyseprozesse sowie die zu realisierenden Untersuchungsergebnisse. In der abschließenden Diskussion wird gezeigt, dass die hier betrachteten Varianten beider Methoden jenseits von idealtypischen Gegenüberstellungen spezifische Charakteristika aufweisen, die sie für unterschiedliche Forschungsvorhaben geeignet erscheinen lassen.In qualitative research projects, the choice between different methods of analysis is often cumbersome, especially for novices writing their theses. In particular, the decision for a specific coding method poses a challenge for many researchers because the scientific discourse mainly focuses on the general differences between methods and less on their merits for specific types of research projects. Taking into account the growing differentiation of methods into diverging variants, this problem becomes even more urgent. In the present article, I discuss this issue with regard to some of the most central variants of grounded theory methodology and qualitative content analysis. First, I present the key analytic features of these variants. Second, I compare them with regard to the following aspects: how a priori knowledge is handled and how categories are constructed; how the resulting codings are further analyzed; and the type of results that the different variants generate. Finally, I discuss each variant's specific characteristics and merits for realizing different research interests
Review Essay: New Relationships? Two Perspectives on Reciprocity Between Empirical Work and Theorizing for a German Sociology of Culture
Im Sammelband "Zum Verhältnis von Empirie und kultursoziologischer Theoriebildung" werden diverse Auseinandersetzungen über eine systematische Verknüpfung der beiden Bereiche präsentiert. Deren bisheriges Verhältnis, so die Ausgangslage, sei insbesondere in der deutschsprachigen Kultursoziologie durch eine Spannung gekennzeichnet. Im vorliegenden Review Essay werden die im Sammelband sowohl in Form von programmatischen Positionen als auch in Forschungsbeispielen präsentierten Lösungsvorschläge mit zwei Perspektiven diskutiert: Auf der einen Seite werden die Beiträge versammelt, die eine bestimmte Vorstellung von Kultursoziologie festschreiben und daraus Konsequenzen ableiten für das Verhältnis von Empirie und Theoriebildung. Auf der anderen Seite werden die Positionen und empirischen Beispiele gemeinsam besprochen, die von einer konkreten Methodologie ausgehen und daraus eine Idee von Kultursoziologe ableiten. Über diese doppelte Betrachtungsweise wird sowohl das Spannungsverhältnis aufgeschlüsselt als auch der allgemeine Stand einer deutschen Kultursoziologie in den Fokus gerückt. Die an dem Band beteiligten Autor*innen verdeutlichen nämlich, dass mehr und mehr die älteren Trennlinien des Fachs ihre Relevanz verlieren. Dies kann allerdings noch nicht gleichgesetzt werden mit dem Verschwinden des Spannungsverhältnisses zwischen Empirie und Theorie. Die vorgebrachten Lösungsvorschläge bleiben selbst in forschungspraktischen Beispielen noch zu programmatisch. Zu wünschen gewesen wären klarere Anleitungen, aus denen sich ein wirkliches Wechselverhältnis zwischen Theorie und Empirie ableiten ließe.The editors of the volume "Zum Verhältnis von Empirie und kultursoziologischer Theoriebildung" [Current Conditions and Perspectives on the Relationship between Empirical and Theoretical Work in the Sociology of Culture] collect contributions to an ongoing discussion regarding the relationship between empirical work and theorizing within a sociology of culture. This relationship still appears to be characterized by a tension, especially within Germany. In this essay, I discuss the various solutions offered in the volume from two perspectives: With the first perspective, I gather the solutions that start with a definition of what a sociology of culture should be. The respective authors deduce the relationship between empirical and theoretical work from this definition of a sociology of culture. From the second perspective, those positions and research examples are discussed that start with methodological practice and its given relationship between empirical and theoretical work. From here, the authors draw consequences for their respective definitions of a sociology of culture. With these two perspectives, I point to outcomes with regard to research and theory, but also look at the current status of this discipline in Germany. For the latter, I conclude, the contributors seem to dissolve old divisions in the sociology of culture. For the relationship between empirical work and theorizing, however, there is a lack of specific guidance to achieve reciprocity
Moralizations as Modes of Sense Making: A Discussion Concerning the Quality of Professional Knowledge Based on Stories About Residency Decisions and Counseling
In diesem Artikel werden Moralisierungen, die anhand beruflicher Fallerzählungen rekonstruiert wurden, als habitualisierte Werthaltungen diskutiert. Datengrundlage für die theoretischen Überlegungen sind Interviews mit Mitarbeiter*innen der deutschen Bundespolizei, Ausländerbehörden und Aufenthaltsberatungsstellen. Aus Erzählungen über die berufliche Fallarbeit konnten drei berufstypische Erzählmodi rekonstruiert werden. Die Erzählmodi verweisen auf berufliche Erfahrungen und Handlungen in Situationen, in denen Interaktionspartner*innen sich anders als erwartet bzw. erwünscht verhielten. Die drei Erzählmodi werden vor dem Hintergrund praxeologischer Konzepte als situierte, sinngenerierende Moralisierungen verstanden und stehen darin dem Konzept der Werthaltung nah. Im Anschluss an die methodologische Diskussion der Analyseergebnisse werden die Befunde der Studie im Lichte gegenstandstheoretischer Überlegungen zum Verhältnis von Organisationen, beruflichem Wissen und Moral reflektiert.In this article, I discuss moralizations as attitudes and habits of valuation. As I reconstructed the implicit knowledge in narratives about professional case work, these kind of moralizations became apparent. My data include interviews with federal police officers, administrators in immigration offices, and counselors, who give advice on residency issues. From my analysis, I identified three typical modes of narration, each in every professional group. Those modes of narration refer to the professional’s experiences and actions in situations in which clients acted differently from the way they were expected to. Based on the praxeological theory of knowledge, I discuss those modes of narrations as situated and sense making implicit knowledge and I emphasize the moralizing character of this knowledge. As such, the moralizations I found can be discussed as habits of valuations—a concept known from praxeological theory. Subsequent to the methodological discussion, I reflect on my findings in the light of organizational theory, theory of professional knowledge, and concepts of the moral