Forum Qualitative Sozialforschung (Forum: Qualitative Social Research)
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The Ethnographer Unbared: Revealing Insider Knowledge of Cultural Adaptation
Dies ist meine Geschichte, in der ich davon erzähle, wie ich, eine Lehrerin an einer australischen Universität, und zwölf Studierende aus Timor-Leste kulturelle Unterschiede verhandelt und dabei ein tieferes Verständnis von uns selbst und voneinander gewonnen haben – und was andere Forscher*innen daraus lernen können. Mithilfe der Autoethnografie und der strukturierten Vignettenanalyse zeige ich, wie jede*r von uns Bewältigungsstrategien entwickelt hat, um mit unseren unterschiedlichen kulturellen Erwartungen umzugehen, und dabei viele Einsichten gewonnen und sich persönlich weiterentwickelt hat. Die Phänomenologie und insbesondere die Autoethnografie eignen sich nicht nur für das Verständnis der Interaktion zwischen Forscher*innen und Untersuchten, sondern auch für die Rolle, die die Selbstwahrnehmung von Forschenden im Prozess der kulturellen Anpassung spielt. Um eine Perspektive auf die Erfahrungen der Studierenden zu gewinnen, habe ich eine Fallstudie mit einer Fokusgruppe und Einzelinterviews durchgeführt. Für die Studierenden wurde es zum versteckten Lehrplan zu lernen, wie sie in Australien überhaupt leben können. Als die Spannung zwischen ihrem Wohlbefinden und meinem eigenen immer größer wurde, wurde es für mich notwendig, die Auswirkungen der kulturellen Distanz zwischen Lehrer*innen und Schüler*innen zu verstehen. Dieser Prozess zeigt, wie die ursprünglich getrennten kulturellen Wege zu einem gemeinsamen Weg von wachsendem Selbstverständnis und persönlichem Wachstum werden können.This is my story of how I, a teacher in an Australian university, and twelve students from Timor Leste negotiated cultural difference and gained a deeper understanding of ourselves and each other—and the lesson the story has for researchers. Using autoethnography and structured vignette analysis, I show how each of us evolved coping strategies to deal with our different cultural expectations, and in the process experienced enlightenment and personal transformation. Phenomenology and in particular autoethnography are well suited not only to understanding the interaction between researcher and the researched, but also the role that researcher self-awareness plays in the process of cultural adaptation. To gain perspective on the student experience, I undertook a case study by conducting a focus group and individual interviews. For the students, learning how to exist in Australian culture became the hidden curriculum. For me, understanding the impact of the cultural distance between teacher and students became imperative as the tension between their wellbeing and my own gathered momentum. This demonstrates how the initially separate cultural journeys of researchers and researched can come together as a shared journey of increasing self-understanding and personal growth
Irritations, Findings, and Transformation Following an Interview With a Female Muslim Environmentalist: (Narrative) Positioning and Self-Reflexivity in Relation to Interview Analysis
Selbstreflexivität eröffnet die Möglichkeit, eigene Irritationen, Gefühle und Assoziationen als Zugang zur Erkenntnis in den Forschungsprozess einzubeziehen. Einer Irritation nachzugehen, verlangt nach methodischen Wegen und reflexiven Verfahren der (Daten-)Triangulation und Interpretation. In diesem Beitrag veranschauliche ich anhand eines "irritierenden" Interviews, wie mir die Kombination von narrativer Positionierungsanalyse und ethnopsychoanalytischer Vorgehensweise dabei geholfen hat, meine Irritation besser zu verstehen und infolgedessen auch meine Emotion der Deutung zugänglich zu machen. Auf diesem Weg analysiere ich nicht nur die religiösen, sozialen und moralischen Positionierungspraktiken der interviewten Akteurin, sondern kann zeigen, wie innerhalb der Interviewbeziehung Inhalte und Formen kultureller und gesellschaftlicher Machtkonstellationen verhandelt wurden. Zuletzt reflektiere ich meine eigenen Vorannahmen und Anliegen, wodurch ich das theoretisch-praktische Verständnis der "selbstreflexiven Gesellschaftskritik" (EGGMANN 2009, S.255) neu ausloten und erweitern kann.Self-reflexivity is essential for ethnographic researchers and creates space to express their irritations, emotions, and associations which themselves can, in turn, lead to new insights. When irritation is felt, this needs to be considered using specific methods and reflexive techniques of data triangulation and methodological deliberation. In this article, I explain how the combination of narrative positioning analysis and ethnopsychological procedures helped me to understand my irritation while interviewing and how my emotions revealed themselves to be accessible to interpretation. Using a self-reflexive narration analysis approach, I identified the interviewee's religious, social, and moral positioning as well as how cultural and societal constellations are themselves bargained during the interview. I conclude by reflecting on my own suppositions, emotions, and concerns, which thus encourages me to broaden my theoretical and practical understanding of "self-reflexive social criticism" (EGGMANN, 2009, p.255)
Conference Essay: Emotional Relations in Field Research
Im Rahmen der Tagung wurden negative Gefühle und insbesondere Ressentiments in ihrer Bedeutung für die qualitative Forschungspraxis, Methodologie und Theoriebildung behandelt. Ausgehend von konzeptuellen Überlegungen zum Ressentimentbegriff im Anschluss an Max SCHELER wandten wir uns der Frage nach einem produktiven Umgang mit negativen Gefühlen in der ethnografischen Feldforschung zu. Die Beitragenden beschäftigten sich mit methodischen und inhaltlichen Fallbeispielen aus Forschungen zur Neuen Rechten und sozialen Bewegungen sowie zum Arbeitsalltag in verschiedenen Berufsfeldern. In der Diskussion der Vorträge ergab sich eine Schärfung in der Bestimmung von Ressentiments im Vergleich mit verwandten Gefühlen. Außerdem wurden forschungspraktische Strategien wie die systematische Reflexion der eigenen Emotionalität und Positionalität im Feld oder eine die Forschung begleitende Supervision angeregt.The conference was centered on negative emotions, with a special focus on resentments and their role in qualitative research practices, methodology, and theory. Following Max SCHELER's concept of resentment and respective reflections on the term, we discussed the question of a productive way of dealing with negative emotions in ethnographic fieldwork. The contributors to the conference dealt with method- and content-related case examples from research on the New Right and social movements, as well as on working conditions in different occupational fields. In the concluding discussion a concretization of the concept of resentment in comparison to other, related emotions arose. Also explored were research issues such as the systematic reflection of one's own emotional relations, positionality in the field, and the external supervision of the research process
Review: Julia Franz & Ursula Unterkofler (Eds.) (2021). Forschungsethik in der Sozialen Arbeit. Prinzipien und Erfahrungen [Research Ethics in Social Work. Ethical Principles and Experiences]
In dem hier besprochenen Sammelband wird der im Jahr 2020 von der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit verabschiedete Forschungsethikkodex in den Mittelpunkt der Diskussion gestellt. Der Kodex gilt als ethische, an UN-Konventionen orientierte Richtlinie, um Forschende anzuleiten, in Selbstverpflichtung und -verantwortung ihre eigene Arbeit zu reflektieren und ein Unbedenklichkeitsgutachten bei einer Ethikkommission zu beantragen. Die Autor*innen besprechen in ihren Beiträgen die ethischen Prinzipien des Kodex und die durch Widersprüche entstehenden Dilemmata facettenreich, praxisnah und lösungsorientiert. Es wird ein Überblick über verschiedene Feldzugänge geboten und Orientierung zur Realisierung eines Forschungsprozesses gegeben. Eine universelle, schrittweise Anleitung für spezifische Felder wird hinsichtlich der Bandbreite möglicher Fälle der Sozialen Arbeit in der vorliegenden Publikation nicht geleistet. Stattdessen werden mit einer Fülle an anschaulichen Praxisbeispielen Möglichkeiten und Weiterentwicklungsbedarfe aufgezeigt und es wird zur Findung einer ethischen Umsetzung in den je konkreten Projekten angeleitet.In the anthology presented here, the research ethics code adopted by the German Society for Social Work in 2020 is placed at the center of debate. The code is regarded as an ethical guideline, oriented towards United Nations conventions, to guide researchers to reflect on their own work in self-commitment and responsibility, and to apply for a clearance report from an ethics committee. The authors discuss the ethical principles of the code and the dilemmas arising from contradictions in a multi-faceted, practical, and solution-oriented way. An overview of different field approaches is provided and orientation for the realization of a research process is given. Universal, step-by-step guidance for specific fields is not given in this text. Instead, with a wealth of illustrative practical examples, possibilities and needs for further development are pointed out and guidance is given for finding an ethical implementation in the respective concrete projects
The Practice of Dyadic Interviewing: Strengths, Limitations and Key Decisions
Dyadische Interviews, bei denen zwei Teilnehmer*innen gemeinsam befragt werden, erfreuen sich in der qualitativen Forschung zunehmender Beliebtheit, werden aber in der methodologischen Literatur weit weniger diskutiert als Einzel- und Gruppenformen. In diesem Artikel befassen wir uns mit dem Wesen und dem Wert dyadischer Interviews, wobei wir sie als aktive, relationale Begegnungen betrachten, die von dem geprägt sind, was alle Beteiligten einbringen, und die mit Fragen der Macht verbunden sind. Auf der Grundlage unserer Forschungsarbeit zu altruistischer Motivation, die 47 dyadische Interviews mit 94 Personen und deren Feedback nach den Interviews umfasste, zeigen wir die Stärken des dyadischen Formats auf und weisen auf einige der potenziellen Fallstricke hin, die mit ihm verbunden sind, wobei wir uns auf praktische und ethische Fragen der Definition und Rekrutierung von Dyaden sowie auf die Praxis der Durchführung solcher Interviews konzentrieren. Wir geben Empfehlungen für Forscher*innen, die an der Anwendung dieser Methode interessiert sind und schlagen Forschungsprioritäten für deren weitere Entwicklung vor.Dyadic interviews, in which two participants are interviewed together, are becoming more popular in qualitative research, but are much less discussed in the methodological literature than individual and group forms. In this article, we consider the nature and value of dyadic interviews, recognizing them as active, relational encounters, shaped by what all parties bring to them, and infused with issues of power. Drawing on our research on altruistic motivation which involved 47 dyadic interviews conducted with 94 individuals and post-interview feedback from participants, we demonstrate the strengths and point out some of the potential pitfalls associated with the dyadic format, focusing on the practical and ethical issues in defining and recruiting dyads and the practice of conducting such interviews. We provide recommendations for researchers interested in using this method, and suggest research priorities for the further development of dyadic interviewing
More Participation Within Reconstructive Research: Explanation Videos as Introduction Into Research With the Documentary Method
In diesem Beitrag gehen wir am Beispiel der dokumentarischen Methode darauf ein, wie eine rekonstruktive Forschungsmethodologie für forschungspraktisch unerfahrene Menschen durch Erklärvideos in verständlicher Sprache didaktisch anschlussfähig gemacht werden kann. Hintergrund dieses Vorschlags ist unsere Erfahrung, dass für Personen ohne konkrete Forschungserfahrung überhaupt erst einmal eine Annäherung an rekonstruktives Denken als genuine Forschungslogik herzustellen ist, um dann z.B. forschendes Lernen mit sinnverstehenden Methoden oder die Partizipation von Co-Forschenden in rekonstruktiven Projekten zu ermöglichen. Ausgangspunkt für die Erstellung unserer Videos war ein aktuelles Forschungsprojekt zu inklusiver Erwachsenenbildung. Als rekonstruktiv Forschende in einem teilweise partizipativ angelegten Verbundforschungsprojekt mussten wir unser methodisches Vorgehen so aufbereiten, dass alle Mitglieder einer partizipativen Forschungsgruppe das Zustandekommen unserer Ergebnisse substanziell nachvollziehen konnten. Auf dieser Basis reflektieren wir das grundsätzliche Verhältnis von rekonstruktiver Forschung als genuine Forschungsmethodologie und partizipativer Forschung als praktischem Forschungsstil. Dabei begründen wir am Beispiel der dokumentarischen Methode unsere Position, dass Forschende, die mit rekonstruktiven Ansätzen arbeiten, auf der Erkenntnisebene von einer stärkeren partizipativen Ausrichtung profitieren können und sich dem auch aus forschungsethischen Gründen nicht verschließen sollten.Taking the documentary method as our example, we present the concept and use of explanation videos in easy language. The videos are suitable used for academic teaching and research as a low-threshold pathway towards reconstructive thinking especially for persons without any previous research experience. This approach is rooted in our observation that meaningful participation in complex qualitative research is not possible without some rudimentary understanding of the logic of reconstructive reasoning and research. Our starting-point for developing these videos was a recent, partially but not strictly participatory research project about inclusive adult education. The documentary method was used for analyzing the social praxis and habitual formations in a specific inclusive setting in higher education. In this context, it was crucial that all members of our participatory research group understood how we arrived at our findings. To achieve this, it was necessary that we introduce the documentary method in an accessible and meaningful format in non-academic language. In this article we explain the didactic reasons for the composition and script of the videos. From a methodological perspective, we further reflect upon the relationship between reconstructive research as a genuine methodological position and participatory research as a mode or a style of doing research. In our conclusion we argue in favor of taking a more strongly participatory approach within reconstructive research methods and projects, especially within the documentary method, not only for ethical reasons but also with a view to its epistemic potential
Asynchronous Online Photovoice: Practical Steps and Challenges to Amplify Voice for Equity, Inclusion, and Social Justice
Die Photovoice-Methode, ursprünglich als Mittel entwickelt, um die Stimmen vulnerabler Bevölkerungsgruppen und marginalisierte Erfahrungen hörbar zu machen, wurde kürzlich für die Online-Anwendung während der COVID-19-Pandemie angepasst. In diesem Artikel erörtere ich die Umsetzung von Online-Photovoice in einem asynchronen Modus. Ich untersuche das Potenzial der Methodik für Gleichberechtigung, Inklusion und soziale Gerechtigkeit anhand einer internationalen Studie, die mit "motherscholars" (Müttern in der Wissenschaft) durchgeführt wurde, die während der ersten Welle der COVID-19-Pandemie begannen, ihre Kinder durch Online-Lernen zu begleiten. Ich beschreibe die Schritte der Online-Photovoice-Studie, die dazu dienen sollte, die Stimme der Teilnehmerinnen zu stärken, und die Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert wurden. In diesem Sinne biete ich neue Einsichten u.a. in zu vermeidende Hindernisse, praktische Tipps sowie kritische Fragen zur Selbstreflexion für andere Forscher*innen, die ihr Instrumentarium für die qualitative Forschung zur sozialen Gerechtigkeit erweitern möchten.While researchers initially developed photovoice methodology as a means to hear voices of vulnerable populations and of marginalized experiences, using it in an online format has recently been adapted for application during the COVID-19 pandemic. In this article, I discuss implementing online photovoice in an asynchronous mode. I explore the potential of the methodology for equity, inclusion and social justice through an international study conducted with motherscholars (mothers in academia) who suddenly began guiding their children through online learning during the first wave of the COVID-19 pandemic. I describe the steps in the online photovoice study that was intended to amplify participant voice and the challenges faced. As such, I propose novel insights, practical tips, obstacles to avoid, and critical self-reflective questions for researchers interested in expanding their toolkit for qualitative social justice research
Qualitative Interview Research With Vulnerable Groups: Methodological Reflections on the Use of Face-to-Face, Telephone, and Video Interviews in a Research Project Examining Fear and Mobility
Ziel dieses Beitrags ist, unterschiedliche qualitative Erhebungsformen (Präsenz-, Telefon- und Videotelefonie-Interviews) für die Forschung mit vulnerablen Gruppen methodologisch zu reflektieren. Im Beitrag adressieren wir die Leitfrage, wie sich Personen, die von starker Angst oder Angsterkrankungen betroffen sind, in qualitative Forschungsprojekte einbinden lassen und welche Vorteile und Herausforderungen mit den unterschiedlichen (analogen und digitalen) Erhebungsformen verbunden sind. Die Basis dafür bilden 12 qualitative Leitfadeninterviews (KRUSE 2015), die im Rahmen des Forschungsprojektes "Angstfrei mobil" während der Covid-19-Pandemie in den unterschiedlichen Modi durchgeführt wurden. Der Vergleich der Erhebungsformen erfolgt in Hinblick auf Vorabsprache, Gesprächsführung, Verzerrungen und Validität sowie Darstellungstiefe und Zeit- und Dokumentationsaufwand. Die jeweiligen Vorteile und Herausforderungen werden sowohl für die interviewten als auch für die interviewenden Personen dargestellt. Wir beschreiben darüber hinaus, welche forschungsethischen Maßnahmen bei Interviewplanung, Rekrutierung und Kommunikation zum Schutz vulnerabler Zielgruppen zu treffen sind und geben konkrete Empfehlungen für die Durchführung von qualitativen Interviews mit Menschen, die von Angsterkrankungen betroffen sind.Our aim in this article is to methodologically reflect on different qualitative forms of face-to-face, telephone, and video interviews for research with vulnerable groups. We address the key question of how people with anxiety disorders can be involved in qualitative research projects and what advantages and challenges are associated with the different (analogue and digital) forms of data collection. The basis for the comparison is formed by 12 semi-structured interviews (KRUSE, 2015), which were carried out in different modes as part of the research project "Mobility Without Fear" during the COVID-19 pandemic. Our comparison of the qualitative instruments is carried out with regard to planning interviews, interview practice, distortions, and validity and in terms of depth of content (from superficial to profound) and time and documentation efforts. Advantages and challenges are presented for both the interviewees and the interviewers. Moreover, we describe research-ethical considerations, which are to be taken in the course of interview planning, recruiting, and communicating, in order to protect vulnerable target groups, and we give specific recommendations for conducting qualitative interviews with people affected by anxiety disorders
Secondary Trauma and Qualitative Research: Trauma Sensitivity in Research on Sexualized Violence
In diesem Beitrag widme ich mich der Frage nach den konkreten Belastungen für Wissenschaftler:innen im Forschungsfeld zu sexualisierter Gewalt. Im deutschsprachigen Raum wird sich im Unterschied zur internationalen Forschungslandschaft wenig mit der Rolle von Traumatisierungen in der qualitativen Forschung auseinandergesetzt, obwohl dies mit Blick auf die Prävalenzen in diesem Feld nahezu unumgänglich ist. Ausgehend von dieser Annahme stelle ich die Ansätze der Psychotraumatologie und deren Konzepte der sekundären Traumatisierung, der compassion fatigue theory und des vicarious trauma vor. Diese verknüpfe ich im Anschluss an Georg SIMMEL, Max WEBER, Georges DEVEREUX und der feministischen Tradition mit den Überlegungen zu den erkenntnistheoretischen Möglichkeiten der eigenen Vulnerabilität. Ich plädiere für eine traumasensitive qualitative Forschung insbesondere im Feld sensitiver Themen, um die Belastungen und vor allem erkenntnistheoretischen Chancen der Forschenden in den Blick zu nehmen.In this article, I address secondary traumatization in the field of qualitative research on sexualized violence. Although traumatization is inevitable in this kind of research, little attention is paid to its role in qualitative research in German-speaking countries, in contrast to international research. Based on this assumption, I introduce the approaches of psychotraumatology and its concepts of secondary traumatization, compassion fatigue, and vicarious trauma. Following Georg SIMMEL, Max WEBER, Georges DEVEREUX, and the feminist tradition, I connect these with reflections on the epistemological possibilities of the vulnerability of the researcher. I argue that in trauma-sensitive qualitative research, especially in the field of sensitive topics (e.g., violence, abuse, or neglect), the focus should be on the researcher's burdens and, above all, on the researcher's epistemological resources
You Are My Way to the Universe: Critical Collective Research Through Feminist Community Building
In diesem Artikel stützen wir uns auf den feministischen Kommunitarismus, um eine Kritik an dem vorherrschenden neoliberalen Modell der Zusammenarbeit in der qualitativen Sozialforschung zu entwickeln. Wir argumentieren, dass feministische Theorien und Praktiken über Gemeinschaftsbildung und politischen Aktivismus das Potenzial haben, die stark institutionalisierte, individualistische und managerialistische Kultur von Zusammenarbeit zu überwinden. Feministische Einsichten können Wissenschaftler*innen helfen, sich in der kollaborativen Forschung zurechtzufinden und Schlüsselfragen wie Reflexivität, Konsensbildung, Wissensvalidierung und Gruppensolidarität anzugehen. Wir nutzen unsere eigene Arbeit im Feministischen Forschungskollektiv und im WomenWeLove-Projekt, um eine alternative Orientierung und einen kollektiven Weg zur Verwirklichung einer transformativen Forschung vorzustellen. Diese feministische Intervention gegen die neoliberale Forschungskultur trägt zu laufenden Überlegungen darüber bei, wie wir mithilfe der qualitativen Sozialforschung Wissen produzieren und warum wir dies in der gegenwärtigen historischen Situation tun sollten. Sie erweitert unsere Vorstellungen von der Verantwortung der Forschenden und schafft neue Möglichkeiten für Widerstand und Emanzipation.In this article, we draw on the scholarship of feminist communitarianism to develop a critique of the predominant neoliberal qualitative social research collaboration model. We argue that feminist theories and praxis about community building and political activism have the potential to transcend the highly institutionalized, individualistic, and managerialist collaborative culture. Feminist insights can help today's researchers navigate collaborative research and address key issues such as reflexivity, consensus formation, knowledge validation, and group solidarity. We use our own work in the Feminist Research Collective and in the WomenWeLove project to present an alternative orientation and a collective way to enact transformative research. This feminist intervention against the neoliberal research culture contributes to the ongoing reflections of how we produce knowledge via qualitative social research and why we shall do so in the current historical juncture, expands our imaginations of researchers' responsibilities, and engenders new possibilities for resistance and emancipation