Forum Qualitative Sozialforschung (Forum: Qualitative Social Research)
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"I Feel Like I'm Swallowing Stones": Qualitative Research in the Field of Addiction as Emotionally Challenging Work
Die Durchführung qualitativer Untersuchungen im Feld der Sucht stellt einen herausfordernden Prozess dar und erfordert von den Forschenden emotionale Arbeit. In diesem Artikel diskutieren wir Ergebnisse einer explorativen qualitativen Studie in Griechenland. Die Auswertung der Daten aus Fokusgruppen mit den teilnehmenden Suchtforschenden hat ergeben, dass emotionale Arbeit in allen Phasen eines Projekts stattfindet: beim Zugang zum Feld, während der Feldforschung, bei der Analyse der Daten und der Verbreitung der Ergebnisse. Emotionale Arbeit ist insbesondere erforderlich, um die Grenzen zwischen Interviewenden und Befragten zu bewältigen und mit dem Risiko einer Re-Traumatisierung der erzählenden Person durch das Aufrufen traumatischer Erfahrungen und der Offenlegung von Informationen, die Forschende nicht zu hören bereit sind, umzugehen. Eine starke emotionale Belastung kann auch durch die Angst entstehen, bei der Datenanalyse die Aussagen der Interviewten falsch zu interpretieren. Diejenigen, die an unserer Studie teilgenommen haben, berichteten über Techniken der emotionalen Arbeit, um mit den skizzierten Herausforderungen angemessen umzugehen. Die explizite Auseinandersetzung mit emotionaler Arbeit im Forschungsprozess ermöglicht es, das emotionale Bewusstsein als integrativen Bestandteil der Reflexivität zu fördern.Conducting qualitative research in the field of addiction is a demanding process that requires researchers to engage in emotional labor. In this article, we discuss this issue by presenting the findings of an exploratory qualitative study we carried out in Greece with addiction researchers. As revealed by the analysis of the data from focus groups we held with those who took part in our study, emotion management was identified at all stages of an investigative project: During the attempt to gain access to the field, the fieldwork, the data analysis and in the dissemination of the results. Emotional labor is required, in particular, to manage researcher–interviewee boundaries, the risk of retraumatizing the narrator through the recall of traumatic memories, and the disclosure of information that the investigator is not prepared to hear. The latter's fear of misinterpreting the interviewees' meaning during data analysis can also generate intense emotional charge. Participants in our study reported techniques that mitigated the above-mentioned challenges. By highlighting these issues, we aim to promote emotional awareness as an integral component of wider researcher reflexivity
Peer Research in a Multi-National Project With Migrant Youth: Re-Thinking Vulnerability and Participatory Approaches
Mit einem kritisch-reflexiven Ansatz leisten wir einen Beitrag zur Diskussion darüber, wie Partizipation und Peer-Forschung umgesetzt werden können, und problematisieren die Grenzen, Möglichkeiten und Auswirkungen der Beteiligung von Jugendlichen aus Randgruppen an Forschungsprojekten. Zunächst stellen wir den Peer-Forschungsansatz in der Theorie vor. Dabei setzen wir uns auch kritisch mit den Konzepten der Vulnerabilität und Positionalität sowie Fragen der integrativen Beteiligung und des Empowerments auseinander. Danach ergänzen wir konkrete Beispiele und Lehren aus unseren Erfahrungen mit einem multinationalen Projekt mit jungen Migrant*innen als Peer-Forscher*innen. Es folgen Berichte einer Gruppe von Peer-Forscher*innen, um kritisch darüber nachzudenken, was ihre partizipatorischen Erfahrungen charakterisiert, wobei wir den Begriff der Vulnerabilität als analytische Linse neu konzeptualisieren. Anschließend fassen wir die wichtigsten Erkenntnisse aus unserem Beitrag zusammen.Adopting a critically reflexive approach, we contribute to discussions on how participatory approaches, and peer research specifically, can be implemented, problematising the boundaries, opportunities and implication of the participation of young people from marginalised groups in research projects. We achieve this goal through three consecutive steps. First, we present the peer research approach in theory. Here, drawing on the wider literature, we critically engage with concepts of vulnerability, positionality and questions of inclusive participation and empowerment. Second, presenting concrete examples and lessons learned from our experiences with a multi-national project, we consider the practical obstacles, critical considerations, and advantageous outcomes associated with the inclusion of young migrants as peer researchers in this large European project. Third, we examine the accounts of a group of peer researchers to critically reflect on what characterises their participatory experiences and their impact, adopting the notion of vulnerability reconceptualised as an analytical lens. In the conclusion, we summarise key insights presented in our paper and offer some final reflections
Inviting Engagement With Climate Change Education Research: An Arts-Based Knowledge Translation Approach
Durch kunstbasierte Wissensübersetzung (KWÜ) werden die Künste genutzt, um Forschungswissen an Zielgruppen zu vermitteln mit dem Ziel, Empathie zu vertiefen, einen Dialog zu entfachen und zu forschungsbasierter Politik und Handlung in verschiedenen Forschungskontexten anzuregen. In dem hier beschriebenen Projekt, der Entwicklung einer Kunstausstellung, wurden KWÜ-Aktivitäten, die von einer Künstler*innen-Forscher*innen-Kooperation unterstützt wurden, eingesetzt, um eine Vielzahl von Bildungszielgruppen für den Klimawandel zu begeistern. Um die Ergebnisse der Kunstausstellung zu beleuchten, zeigen wir unter Verwendung des interdisziplinären Vier-Phasen-Planungsrahmens von KUKKONEN und COOPER (2019) KWÜ in Aktion. Wir machen den Rahmen greifbar für Forscher*Innen, die an kunstbasierten Ansätzen interessiert sind, und teilen mit ihnen, was wir über die Anwendung von KWÜ gelernt haben, um das Publikum mit Forschung im Bereich des Klimawandels und der Bildung für Umweltgerechtigkeit zu beschäftigen. Wir schließen mit Vorschlägen für den Aufbau von Kooperationen zwischen Künstler*innen und Forscher*innen und für die Einbeziehung des Spielerischen in KWÜ.Arts-based knowledge translation (ABKT) leverages the arts to communicate research knowledge to target audiences with the aim of deepening empathy, sparking dialogue, and inspiring research-informed policy and action within diverse research contexts. In the project we describe here, the development of an art exhibit, ABKT activities supported by an artist-researcher collaboration were used to engage a variety of education audiences with climate change. Utilizing KUKKONEN and COOPER's (2019) interdisciplinary four-phase planning framework to illuminate the outcomes of the art exhibit, this article helps to show ABKT in action. We make the framework tangible for researchers interested in arts-based approaches and share what we learned about applying ABKT to engage audiences with research in the area of climate change and ecojustice education. We conclude with suggestions for building artist-researcher partnerships and embracing playfulness in ABKT
Analyzing Visual Analysis Practices: Evidence Constructions in Investigation Videos by Forensic Architecture
Neue aktivistische und journalistische Rechercheteams (von z.B. Forensic Architecture und Bellingcat bzw. New York Times und Le Monde), die dem Feld der investigativen Ästhetik zugeordnet werden können, rekonstruieren gewaltvolle Ereignisse verschiedener Art durch digitale Analysen und Open-Source-Daten. Einige Ermittler:innen dieser Teams produzieren Investigationsvideos, um der Öffentlichkeit Einblicke in ihre Ermittlungsarbeit zu ermöglichen. In diesen Videos wird das Gewaltereignis rekonstruiert, der Ermittlungsprozess schrittweise offengelegt, und die Ergebnisse werden präsentiert. Die dreifach verschachtelte Sinnkonstruktion der Videos – in ihnen werden Darstellung, Analyse und Evidenzerzählung miteinander verschränkt – ist methodologisch und methodisch besonders herausfordernd. Angelehnt an die soziologische Filmanalyse habe ich die vergleichende Videoartefaktanalyse entwickelt, bei der ich diese Besonderheit berücksichtige. Das Verfahren und Auszüge aus der Analyse werden im Folgenden vorgestellt. Dabei wird argumentiert, dass durch die Investigationsvideos, die ich als Meta-Artefakte konzeptualisiere, ein Kommunikationsproblem bewältigt wird. Anhand eines Beispielfalls zeige ich, wie die Ermittler:innen sequenziell Sinn konstruierten und welche Rolle dabei visuellem Wissen zukam. Unterschiedliche Objektivitätsverständnisse wurden von Ermittler:innen in einzelnen Sequenzen konstruiert und schließlich miteinander verwoben.
Ich hoffe, mit der vergleichenden Videoartefaktanalyse als Instrument zur Untersuchung hochkomplexer Sinn- und Beweiskonstruktionen im Feld der investigativen Recherchearbeit einen Beitrag zur Soziologie des visuellen Wissens leisten zu können.New activist and journalistic research teams (e.g., Forensic Architecture and Bellingcat or New York Times and Le Monde), which belong to the field of investigative aesthetics, reconstruct violent events through digital analyses and open-source data. Some investigators produce investigative videos to provide the public with insights into their work. In these videos, the violent event is reconstructed, the investigation process is revealed step by step, and the results are presented. The threefold intertwined construction of meaning in the videos is particularly challenging from a methodological point of view. Based on sociological film analysis, I developed the comparative video artefact analysis, in which I take this special feature into account. I argue that through the investigative videos, which I conceptualize as meta-artefacts, a problem of communication is addressed. Drawing on an exemplary case, I show how investigators sequentially constructed meaning in the video and the role visual knowledge played in this process. Different levels of understanding of objectivity were constructed by the investigators in individual sequences and were ultimately interwoven.
I hope that video artefact analysis, developed for analyzing highly complex constructions of meaning and evidencing in the field of investigative analysis, makes a contribution to the sociology of visual knowledge
Navigating Consensus in Team-Based Qualitative Research: Challenges and Strategies for Rigorous Analysis
Viele Forscher*innen gehen davon aus, dass die teambasierte qualitative Forschung die Qualität verbessert, Bedeutungen vertieft und Voreingenommenheit durch die Integration mehrerer Perspektiven verringert. Diese Annahme wird nur selten infrage gestellt. In der vorliegenden Arbeit kritisiere ich sie mit Blick auf Machtungleichgewichte, Anpassungsdruck und Verhandlungen innerhalb von Forschungsteams. Rückgreifend auf qualitative Methoden, psychologische Befunde und das Konzept der epistemischen Gerechtigkeit argumentiere ich, dass Gruppenkodierungen die Bedeutungsgebung einschränken, abweichende Meinungen entmutigen und vorherrschenden Perspektiven verstärken können. Mit der Untersuchung einer Teamdynamik zeige ich exemplarisch, wie ein erzwungener Konsens die Vertrauenswürdigkeit der Befunde schwächte. Statt sich auf den Konsens der Forschenden zu verlassen, ist ein reflexiver Ansatz erforderlich, bei dem Transparenz, strukturierte Debatten und Integrität im Vordergrund stehen. Ich schlage Strategien zur Verringerung von Voreingenommenheit vor, darunter Teamstrukturen, Prüfpfade und klare Schritte zur Lösung von Interpretationsunterschieden.Many researchers presume team-based qualitative research improves rigor, deepens meaning, and reduces bias by integrating multiple perspectives. Yet, researchers seldom challenge this belief. In the current paper, I critique these assumptions arising from power imbalances, pressure to align, and bargaining within research teams. Drawing from qualitative methodology, psychology, and epistemic justice, I argue that group coding can limit meaning-making, discourage dissent, and reinforce prevailing perspectives. Examining team dynamics reveals how forced consensus weakens trustworthiness. Instead of treating coder consensus as rigor, a reflexive approach prioritizing transparency, structured debate, and integrity is needed. I propose strategies for reducing bias, including team structures, audit trails, and clear steps for resolving interpretive differences
Bridging Qualitative Reconstructive Typologies and Quantitative Measurement: A Reflective Approach to Methodologically Sound Item Development for the Assessment of Teachers' Epistemological Beliefs in Teaching Humanities Subjects
In diesem Artikel wird ein Mixed-Methods-Ansatz methodologisch reflektiert, indem die systematische Entwicklung quantitativer Messinstrumente auf Basis qualitativ-rekonstruierter Typologien am Beispiel der epistemologischen Überzeugungen von Lehrkräften geisteswissenschaftlicher Fächer exploriert wird. Dabei bilden Gruppendiskussionen die Datenbasis, welche mit der dokumentarischen Methode analysiert und im Zuge dessen zu einer sinngenetischen Typologie verdichtet wurden.
In dem Beitrag befassen wir uns mit der systematischen Übersetzung qualitativer Typologien in quantitative Messinstrumente. Auf Grundlage einer methodologischen Reflexion skizzieren wir, welche Implikationen die methodischen und methodologischen Grundannahmen der dokumentarischen Methode für die Entwicklung von Fragebogenitems haben. Im Zentrum stehen Herausforderungen, die sich aus der Spannung zwischen dem impliziten und handlungsleitenden Charakter qualitativ-rekonstruktiver Erkenntnisse und den expliziten Abfragen und Konkretisierungen im Rahmen der Operationalisierung ergeben. Diese Überlegungen illustrieren wir an einer Studie, in deren Rahmen eine sinngenetische Typologie zu epistemologischen Überzeugungen von Lehrkräften geisteswissenschaftlicher Fächer entwickelt wurde. Ausgehend von unseren Reflexionen skizzieren wir einen Ansatz, mit dem wir eine integrative Brücke zwischen qualitativ-rekonstruktiven Befunden und deren Weiterentwicklung zu quantitativen Messinstrumenten schlagen. Mit der Fokussierung auf methodologische Grundprinzipien qualitativ-rekonstruktiver Forschung und deren Konsequenzen für den Itementwicklungsprozess zeigen wir auf, wie qualitativ gewonnene Typologien eine fundierte Grundlage für quantitative Analysen bieten können.With this manuscript, we make a methodological contribution to mixed methods research by exploring the systematic development of quantitative measurement instruments from qualitatively reconstructed typologies, using the example of teachers' epistemological beliefs in teaching humanities subjects. The qualitative, verbal database for these considerations consists of group discussions that were analyzed using the documentary method in order to create a typology.
We address the systematic and methodologically sensitive translation of qualitative typologies into quantitative measurement instruments. Through in-depth methodological reflection, we explore how the methodological principles of the documentary method are used to inform the development of survey items. We highlight the challenges of reconciling the implicit, practice-oriented nature of qualitative-reconstructive insights with the explicit, operationalized demands of quantitative frameworks, and repeatedly relate these considerations to a qualitative typology of teachers' epistemological beliefs in teaching humanities subjects. The proposed approach allows for iterative integration, offering a pathway to bridge these methodological divides. With this research, we contribute to advancing the integration of mixed methods by demonstrating how qualitatively derived typologies can inform robust quantitative analyses
Shame Must Change Sides: An Autoethnographic Reflection on Abortion in the Context of My Own Pregnancy
Schambedingtes Schweigen wird häufig als Norm im Umgang mit Schwangerschaftsabbrüchen betrachtet. Doch welche Rolle spielen Emotionen wie Freude, Stolz, Wut, Zuversicht, Verbundenheit oder Rührung? Die Anerkennung dieser emotionalen Vielfalt erfordert eine kritische Auseinandersetzung mit etablierten Diskursregelungen und transformative Impulse, um neue Perspektiven auf Abbrüche zu ermöglichen. Mit diesem Beitrag untersuche ich das familiäre Schweigen zu Abbrüchen anhand einer autoethnografischen Passage (BOCHNER & ELLIS 2022), die in der Emotionssoziologie (SCHERKE 2024), den Affect Studies (AHMED 2004a, 2004b) und der Subjektivierungsforschung (SPIES 2017) theoretisch verortet ist. Darauf aufbauend analysiere ich die Verschiebung von Scham als dominierender Emotion und damit einhergehenden neuen Subjektpositionen. So wird der Prozess des "Seitenwechsels" deutlich – weg von der Scham hin zu einem gemeinsamen Sprachraum, in dem Möglichkeiten für eine entstigmatisierte gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Abbrüchen entstehen.Shame-induced silence is frequently regarded as the normative response to abortion. Yet what role do emotions such as joy, pride, anger, confidence, connectedness, or tenderness play in these experiences? Acknowledging this emotional diversity requires critical engagement with established discursive norms and transformative interventions that allow for new perspectives on abortion. In this article, I explore familial silence around abortion through an autoethnographic excerpt (Bochner & Ellis, 2022), situated theoretically within the sociology of emotions (Scherke, 2024), affect studies (Ahmed, 2004a, 2004b), and subjectivation research (Spies, 2017). Building on this foundation, I examine the displacement of shame as the dominant emotion and the concomitant emergence of new subject positions. This process of "changing sides" highlights a movement away from shame toward a shared discursive space, creating opportunities for a destigmatized societal engagement with abortio
Not Lost in Translation: Multi-Perspective Collaborative Analysis With the Listening Guide, Illustrated by a Case of a Woman in Combat
Der Listening Guide (LG) ist eine qualitative Methodologie, die ursprünglich von GILLIGAN (1982) und Kolleg*innen (BROWN et al. 1988) entwickelt wurde und ihre Wurzeln in der relationalen feministischen Psychologie hat. In diesem Beitrag stellen wir das Potenzial der daraus entwickelten Methoden für eine differenzierte Analyse von Interviewdaten in einer multidisziplinären und multinationalen Zusammenarbeit vor. Dafür beschreiben wir unseren gemeinsamen Prozess als israelische und deutsche Wissenschaftlerinnen, die ein exemplarisches Datenstück aus einem Interview mit einer Soldatin analysierten. Wir zeigen, wie die Verwendung von LG-Methoden mit einem expliziten Fokus auf dem sozialen Kontext des Interviews sowie der Datenanalyse unser Verständnis der Daten verbessert hat. Darüber hinaus wird dargelegt, inwiefern die Anwendung dieser Methoden hilfreich war, um die Aufmerksamkeit auf den kollaborativen Prozess zu richten und eine reflexive Haltung sowie Transparenz bezüglich des Analyseprozesses zu fördern. Da die Arbeit mit übersetzten Daten für ein mehrsprachiges Team eine Notwendigkeit darstellt, diskutieren wir auch, wie die Anwendung der LG-Methoden den Blick auf Sprache, Grammatik und darin eingebettete Bedeutungen lenkt. Wir kommen zu dem Schluss, dass die LG-Methoden für kollaborative Forschungsprozesse von Vorteil sind, insbesondere um die verschiedenen Ebenen der sozialen Einbettung des Erzählten in den Daten, der Datenerhebung und der Datenanalyse zu berücksichtigen.The listening guide (LG) is a qualitative methodology developed by GILLIGAN (1982) and colleagues (BROWN et al., 1988), rooted in relational feminist psychology. In this paper, we present the potential of its methods for nuanced analysis of interview data when working together as a multidisciplinary and multinational team. To this end, we describe our collaborative process as Israeli and German scholars analyzing a sample piece of data from an interview with a female combat soldier. We highlight how using LG methods with an explicit focus on the social context of the interview and the data analysis enhanced our understanding of the data. In addition, we outline the ways in which using these methods was helpful in focusing on the collaborative process and promoting a reflexive stance as well as transparency about the analysis process. Since working with translated data is a necessity for a multilingual collaboration, we also discuss how using LG methods draws attention to language, grammar, and embedded meanings. We conclude that the LG methods we used are beneficial to collaborative research processes, especially when researchers use them to attend to different levels of social embeddedness of the narratives in data, data collection, and data analysis
Self-Reflexivity as an Epistemological Opportunity. The Case of Research on Former GDR Elite Athletes as Victims of Doping
Selbstreflexion der Forschenden ermöglicht es, Subjektivität und Forschungsinteraktion als produktive Erkenntnischance zu nutzen. In diesem Beitrag veranschauliche ich meinen selbstreflexiven Erkenntnisprozess, durch den vor dem Hintergrund des vorherrschenden einseitigen Diskurses zur DDR-Leistungssport- und Dopingvergangenheit eine Erweiterung meiner Interpretationsperspektive möglich wurde. In der Studie führte ich 15 biografisch-narrative Interviews (SCHÜTZE 1983) mit DDR-Leistungssportler*innen, von denen einige staatlich anerkannte Dopingopfer waren, und wertete diese nach der reflexiven Grounded-Theory-Methodologie (BREUER, MUCKEL & DIERIS 2019) aus. Schwerpunkt dieses Artikels ist der Wandel meiner Sichtweise auf den Untersuchungsgegenstand, den ich anhand der Arbeitsschritte des Feldzugangs, der Interviewerhebung sowie ausgewählter Ergebnisse nachzeichne. Bereits meine Bemühungen zur Rekrutierung von Gesprächspartner*innen, die zu den im wissenschaftlichen Kontext üblichen Opfernarrationen kontrastierende Sichtweisen äußerten, deuten auf die problematische gesellschaftliche Aushandlung der DDR-Vergangenheit im Feld hin. Eine weitere Erkenntnis war, die hervorgebrachten psychologisierten Opfernarrationen sowohl als Interaktionseffekt als auch als Konstruktionsprodukt zwischen mir als Forscherin mit meinen Präkonzepten und den Darstellungen der Erzählenden in der Interviewsituation zu verstehen. Mit den rekonstruierten Erfolgs- und Entwicklungs- sowie den leidbedingten Wachstumsnarrationen konnte ich das Spektrum an Selbstdeutungs- und Verarbeitungsweisen von DDR-Athlet*innen erweitern und differenzieren. Für die Forschungspraxis zur DDR lässt sich die Bedeutung einer selbstreflexiven methodischen Vorgehensweise sowie einer sozialkonstruktivistischen Perspektive auf biografische Selbstkonstruktionen ableiten.Self-reflexivity enables researchers to use subjectivity and research interaction as productive sources of insight. In this article I present my self-reflexive process of knowledge generation which—against the backdrop of the prevailing one-sided discourse on GDR elite sports and doping—allowed for an expanded interpretative perspective. I conducted 15 biographical-narrative interviews (SCHÜTZE, 1983) with former GDR elite athletes, some officially recognized as doping victims, and analyzed them using reflexive grounded theory methodology (BREUER, MUCKEL & DIERIS, 2019). The article focuses on how my view of the research subject evolved, tracing this transformation through field access, interview collection, and selected findings. Recruiting interviewees whose perspectives diverge from dominant victim narratives in the academic context highlights the problematic societal negotiation of the GDR past. Another insight involved recognizing psychologized victim narratives as both an interactional effect and a construct emerging between me as a researcher—with my preconceptions—and the narrators’ representations in the interview situation. By reconstructing narratives of success, personal development, and suffering-induced growth, I was able to broaden the spectrum of self-interpretation and coping strategies among former GDR athletes. The study underlines the value of a self-reflexive methodological approach and a social-constructivist perspective on biographical self-constructions in research on the GDR
Image Games: The Nexus of Virtual Space and Personal Self-Presentation
Die Darstellung der eigenen Person ist ein Bestandteil des sozialen Lebens, der in zeitgenössischen Gesellschaften nicht mehr nur in körperlicher Präsenz, sondern auch in den virtuellen Räumen digitaler Medien erfolgen kann. Der vorliegenden Analyse solch einer Verschränkung von virtuellem Raum und personaler Selbstdarstellung liegt das sogenannte Cosplay als Fallbeispiel zugrunde. Cosplay ist eine Form hybrider Selbstpräsentation, die sich mit der Nachahmung fiktionaler Bilder im Wechsel zwischen bildmedialen virtuellen Räumen und dem körperlichen Aktionsraum vollzieht. Cosplay beschränkt sich, im Gegensatz zum Tableau Vivant, nicht auf die Verkörperung von Bildern, sondern erstreckt sich auch auf die Rücküberführung körperlich bereits angeeigneter und verwirklichter Bilder in digitale Bildmedien. Diese für das Cosplay typischen Darstellungsprozesse sind in die Sozialform des Spiels eingebettet. In der Aneignung digitaler Bildwelten durch Konstruktions- und Rollenspiele erschließen sich Cosplayer*innen einen auf medial hybride Sozialwelten ausgerichteten Modus personaler Bewährung.Self-presentation is a fundamental aspect of social life that, in contemporary societies, takes place both in physical presence and within the virtual spaces of digital media. In this article, I examine the intersection of virtual space and personal self-presentation through a case study of cosplay. As a form of hybrid self-performance, cosplayers operate through the imitation of fictional characters, navigating between digitally mediated visual environments and embodied action in physical space. Unlike the tableau vivant, cosplay is not confined to the enactment of static images but extends to the retranslation of embodied representations back into digital visual media. The representational processes characteristic of cosplay are embedded within the social form of play. Through the appropriation of digital visual worlds via acts of construction and role play, cosplayers cultivate a mode of personal probation oriented toward medially hybrid social realities